
Der Dortmunder Stadtrat hat mehrere Anträge auf den Weg gebracht, die bei der gärenden Drogen-Problematik in der City und in der gesamten Stadt Abhilfe schaffen sollen. In der Diskussion war ein gemeinsamer Wille erkennbar, die einzelnen Fraktionen haben allerdings auch eigene Akzente gesetzt.
Was genau vom Stadtrat beschlossen wurde
Was die Anträge grob fordern? SPD, Grüne & Volt und Linke & Tierschutz wollen Konzepte zur stärkeren Verbindung des Kommunalen Ordnungsdiensts (KOD), der Dortmund Guides mit ihren Awareness Teams, dem Umfeldmanagement des Drogenkonsumraums und Angeboten des Streetworks. Außerdem wollen sie prüfen lassen, inwiefern die Dortmund Guides und der KOD weiter aufgestockt werden können. Dies soll aber erst passieren, sobald ein Konzept zur Verbindung der vier Akteur:innen vorliegt.

Im Konzept soll ferner sichergestellt werden, dass bei der Planung von Einsätzen des KOD soziale Folgewirkungen dieser Einsätze abgewogen werden. ___STEADY_PAYWALL___
Zudem soll ein Konzept für die Mindestpräsenz des KOD in den Außenbezirken Dortmunds entwickelt werden, nachdem es Rückmeldungen gab, der KOD würde dort nur wenig Präsenz zeigen.
Ein weiterer Antrag fordert ein Maßnahmenprogramm, welches als unsicher empfundene Orte identifiziert und diese durch zum Beispiel bessere Beleuchtung, mehr Aufenthaltsqualität und mehr Sauberkeit verbessert.
Generell liegt den Anträgen das sogenannte Zürcher Modell zugrunde, welches Repression und Prävention im Umgang mit einer großen Drogenszene in Zürich verbindet (mehr dazu weiter unten).
Keine Patentlösung, aber ein gemeinsamer Weg
In der Debatte zeigten sich die drei antragsstellenden Fraktionen glücklich, diese Anträge auf den Weg gebracht zu haben. Benjamin Beckmann (Grüne & Volt) sprach von einem umfassenden Maßnahmenpaket und davon, dass die Bedarfe vor Ort im Fokus stünden.

Dabei machte er deutlich: „Sicherheit und ein Sicherheitsgefühl entstehen nicht allein durch ordnungspolitische Maßnahmen.“ Stattdessen müssten ordnungspolitische und fürsorgliche Maßnahmen abgewogen werden.
„Wir haben keine Patentlösung“, erklärte er am Ende und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass der Rat bei Entscheidungen zu gemeinsamen Ergebnissen kommen sollte, trotz unterschiedlicher Ansichten, wie viele ordnungspolitische oder fürsorgliche Maßnahmen bei diesem Thema nötig seien.

„Wir wollen das Signal senden, dass wir dem Problem Herr werden“, eröffnete Dirk Goosmann (SPD) seine Rede. Er betonte vor allem, dass der verstärkte Einsatz von KOD-Einsatzkräften in den Außenbezirken nötig ist, um auch dort ein Sicherheitsgefühl zu schaffen.
Co-Fraktionsvorsitzender Utz Kowalewski (Linke & Tierschutz) meldete in der Sitzung schon möglichen Verbesserungsbedarf an. So müsse es am Ende des Prozesses mehr Therapieplätze und ein sinnvolles Angebot zum Ausstieg aus der Drogenszene für Drogenkranke geben. Es gehe außerdem immer darum, den Drogenhandel und nicht die Drogenkranken zu bekämpfen.
Zu wenig Therapieplätze, mehr ordnungspolitische Maßnahmen

Die anderen Fraktionen zeigten sich gegenüber den Ideen der SPD, Grüne & Volt und Linke & Tierschutz offen. Jörg Tigges, ordnungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, betonte, dass es „bei den drei großen demokratischen Fraktionen keinen Dissens darüber gibt, was das Problem ist.“
Wenn das Zürcher Modell Vorbild für die antragsstellenden Fraktionen sei, müssten sich „Repression und Prävention die Waage halten.“

Die CDU möchte außerdem möglichst bald eine Verlagerung des Drogenkonsumraums in Angriff nehmen, um die Innenstadt zu entlasten. Tigges erklärte zuletzt, dass die CDU den Anträgen zustimmen werde, „der Weg dann aber gemeinsam gegangen werden muss.“
Es brauche dringend mehr Therapieplätze für Drogenkranke, mahnte Ulrike Behrendt von der BSW-Gruppe an.

Sonst sei von einem „Selbstmord auf Raten“ zu sprechen, wenn therapiewillige Drogenkranke erst monatelang auf einen Therapieplatz warten müssten, so Behrendt.
Michael Kauch (FDP/Bürgerliste) stimmte den Anträgen ebenfalls zu. Er sei nur gespannt, ob am Ende, wenn die Konzepte dann alle stehen, immer noch alle Fraktionen diesen zustimmen oder sich dann davon zurückziehen werden.
AfD lehnt Zürcher Modell und Anträge kategorisch ab
Nicht so sehr an einer konstruktiven Lösung interessiert zeigte sich die AfD-Fraktion. Mike Barthold sprach bei den Anträgen der SPD, Grüne & Volt und Linke & Tierschutz von einer „sicherheitspolitischen Kapitulation“. Dass die Anträge im ersten Schritt darauf hinausliefen, Konzepte zu erarbeiten, wertet Barthold als Ausdruck des Unwillens der anderen Fraktionen zu handeln.

Ferner sehe er das Zürcher Modell nicht als Vorbild und bezieht sich auf einen Bericht der NZZ vom 21. Mai.2026, der Probleme mit Drogenkranken und anderen Straftaten beschreibt. „Diesen Weg darf Dortmund nicht gehen!“
Menschen in Not sollten Hilfe bekommen, doch niemals sollten deshalb „normale Bürger“ den öffentlichen Raum verlieren, weil sie sich dort unsicher fühlen.
Barthold schlägt als Alternative ein „konsequentes Handeln“ des KOD vor, der für Ordnung und Kontrolle sorgen soll, und schiebt noch schnell hinterher, dieses Vorgehen solle sozialverträglich sein.

AfD-Fraktionsvorsitzender Garbe sieht in den Anträgen ein „fatales Sozialexperiment“, das die Betreuung von Drogenkranken vorsieht, was die Stadt zur „Spielwiese von Drogensüchtigen“ machen würde.
Dass die Alternativ-Vorschläge der AfD – alle Drogenkonsumräume schließen und mit maximaler Repression agieren – das Problem erfahrungsgemäß nur verschärfen würden, wird Garbe von Dirk Goosmann (SPD) vorgehalten, wovon sich die AfD nicht irritieren lässt.
Kurioser Streit: Wer hat zuerst das „Zürcher Modell“ gefordert?

Viel wurde unter allen Fraktionen – mit Ausnahme der AfD – in der Ratssitzung darüber diskutiert, wer denn zuerst das Zürcher Modell für Dortmund ins Gespräch gebracht habe. Dies beansprucht zumindest die CDU für sich.
„Wenn Sie mir nachweisen können, irgendwo das Zürcher Modell gefordert zu haben, lade ich Sie zum Essen ein“, rief die Co-Fraktionsvorsitzende von Linke & Tierschutz, Fatma Karacakurtoglu, in Richtung der CDU-Fraktion, die im Vorhinein das Zürcher Modell als Beispiel für Dortmund für sich reklamiert hatte.

„Dann fangen Sie schon mal an zu kochen“, entgegnete CDU-Fraktionsvorsitzender Jendrik Suck süffisant – bei viel Gelächter im Rat.
Der CDU-Politiker listete die Punkte auf, die die CDU schon im September 2023 gefordert hatte und die Elemente des Zürcher Modells beinhalten.
„2023 haben Sie nicht das Zürcher Modell gefordert, sondern nur die Rosinen des Zürcher Modells herausgepickt“, hält Daniela Worth (SPD) der CDU entgegen.
Die CDU habe damals gefordert, das Streetwork mit Ordnungsbeamten loszuschicken, was eben nicht dem Zürcher Modell entspreche, das ein eigenes Team nur für die Drogenproblematik in der Stadt habe und nicht direkt zwei fremde Berufsgruppen zusammentue.
Die nächsten Schritte: Neuer Standort für den Drogenkonsumraum?

Die CDU-Vertreter forderten in der Debatte, dass schnellstmöglich auch ein neuer Standort für den Drogenkonsumraum gesucht und gefunden werden solle.
Anna Flacke (Grüne & Volt) verwies darauf, dass ihre Fraktion dazu grundsätzlich bereit sei, da das Zürcher Modell eben auch so funktioniert, dass es mehrere Konsumräume gibt, zwischen denen die Drogenkranken hin- und hergehen.

Doch es müsse in jedem Fall einen Raum geben, an dem Drogen konsumiert werden können, ansonsten sei der Konsum nicht kontrollierbar, so Flacke.
Die Einrichtung eines Entlastungsstandorts auf der Rheinischen Straße solle alle Beteiligten daran erinnern, „dass wir an einem Strang ziehen“, unterstrich Co-Fraktionsvorsitzender Christoph Neumann (Grüne & Volt) die Diskussion.
Deutliche Mehrheit an konstruktiven Lösungen orientiert
Am Ende stimmten alle Fraktionen, mit Ausnahme der AfD, den Anträgen zu. Die ausgearbeiteten Konzepte werden vermutlich in der übernächsten Sitzung des Rates vorliegen.

Die Debatte um die Anträge hat gezeigt, dass der Großteil der Fraktionen darauf bedacht ist, bei diesem heiklen Thema zusammenzustehen. Es war auch der Wille erkennbar, in der Drogen-Problematik endlich weiterzukommen und das Zürcher Modell, soweit das eben geht, auch für Dortmund zu adaptieren.
Die Frage bleibt nun, was am Ende bei den Konzepten herauskommt und ob die darin enthaltenen Vorschläge dann immer noch so viel Zuspruch ernten.
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