Dortmunder Krankenhäuser schlagen Alarm: Sparpläne gefährden Reform und Versorgung

Klinikleitungen warnen vor weiteren finanziellen Belastungen

Das St. Johannes Hospital in Dortmund. Foto: Gerhard P. Mueller

Die Geschäftsführer der großen Dortmunder Krankenhausträger warnen vor geplanten Sparmaßnahmen im Rahmen der Reform der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Bei einem gemeinsamen Gespräch mit dem Bundestagsabgeordnetem Jens Peick und der Landtagsabgeordneten Anja Butschkau kritisierten sie die aus ihrer Sicht unzureichende Finanzierung der Kliniken. Die SPD-Abgeordneten kündigt an, sich im parlamentarischen Verfahren für Verbesserungen einzusetzen. Grundsätzliche Kritik an der geplanten Reform kommt von der Partei „Die Linke“.

Leitungen der Dortmunder Krankenhäuser sehen Versorgung in Gefahr

Dass sich die Spitzen der Kath. St. Paulus Gesellschaft, des Klinikums Dortmund und der Knappschaft Kliniken Dortmund gemeinsam an die Politik wenden, ist ein ungewöhnlicher Schritt. Bei einem Treffen im St. Johannes Hospital machten sie deutlich, dass sie die geplanten Einsparungen im Rahmen des GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes für nicht tragbar halten.

Henning Eichhorst von der  katholischen St. Paulus Gesellschaft warnt vor Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem. Foto: KKiMK / Henning Eichhorst

Nach Darstellung der Krankenhausvertreter steigen die Kosten für Personal, Energie, Medikamente und medizinisches Material seit Jahren deutlich schneller als die Erlöse. Gleichzeitig müssten die Kliniken die bundesweite Krankenhausreform umsetzen, hinzu kommen Investitionen in Digitalisierung und neue Versorgungsstrukturen. „Die Krankenhäuser werden erneut als Sparschwein der Gesundheitspolitik herangezogen“, machte Henning Eichhorst, CEO der Kath. St. Paulus Gesellschaft deutlich.

„Viele Krankenhäuser arbeiten bereits heute unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Zusätzliche Belastungen könnten notwendige Investitionen verhindern und die Behandlungsspielräume der Einrichtungen weiter einschränken“, warnte Matthias Suelmann von der Knappschaftsklinik. Auch Peter Hutmacher vom Klinikum Dortmund erklärte, notwendige Strukturveränderungen könnten nur dann gelingen, wenn die finanziellen Voraussetzungen geschaffen würden. Ansonsten drohten Einsparungen beim Personal. Das würde sich negativ auf die Patienten:innenversorgung auswirken.

Kliniken fordern verlässliche Finanzierung und Entlastung bei Bürokratie

Nach Darstellung der Krankenhausvertreter stünden die geplanten Einsparungen im Widerspruch zu den eigentlichen Zielen der Krankenhausreform. So würden zusätzliche Belastungen notwendige Investitionen erschweren und damit die Zukunftsfähigkeit der Häuser gefährden.

Peter Hutmacher vom Klinikum Dortmund betont, dass sich Reformen nicht negativ auf die Patientenversorgung auswirken dürfen. Foto: Stephan Schütze/ Klinikum Dortmund

Die Kliniken forderten daher eine vollständige Finanzierung von Tarifsteigerungen sowie einen spürbaren Bürokratieabbau. Insbesondere zusätzliche Dokumentations- und Meldepflichten würden personelle Ressourcen binden, die an anderer Stelle in der Versorgung fehlten.

Daher appellierten die Krankenhausvertreter an die Bundespolitik, auf weitere Belastungen der stationären Versorgung zu verzichten. So seien wirtschaftlich stabile Krankenhäuser die Voraussetzung für eine erfolgreiche Reform, die die medizinische Versorgung langfristig sicherstellt.

Grundlegende Strukturreform des Gesundheitssystem notwendig

Peick und Butschkau zeigten Verständnis für die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser. Gleichzeitig sei die Finanzsituation der gesetzlichen Krankenversicherung angespannt. So drohe den Krankenkassen bis Anfang 2027 ein Defizit von mehr als 15 Milliarden Euro. Die finanzielle Belastung müsse daher auf mehrere Schultern verteilt werden.

Jens Peick und Anja Butschkau sprechen sich für eine umfassende Reform aus und werben für eine Bürgerversicherung. Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Beide betonten jedoch, dass das Gesetz nur eine Übergangslösung sein könne und eine grundlegende Strukturreform des Gesundheitswesens notwendig sei. Mit Blick auf das Gespräch mit den Krankenhausvertreten wollen sich beide für Verbesserungen im laufenden parlamentarischen Verfahren einsetzen. Zudem verwiesen Peick und Butschkau auf die Verantwortung der Länder bei der Finanzierung von Krankenhausinvestitionen. Nordrhein-Westfalen, regiert von einer schwarz-grünen Regierung, sei dieser Aufgabe in den vergangenen Jahren nicht ausreichend nachgekommen.

Langfristig spricht sich die SPD für eine Bürgerversicherung aus, in die alle Bürger:innen einzahlen. Damit könne die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung dauerhaft stabilisiert werden.

Linken Abgeordnete unterstützt Kritik der Krankenhäuser

Bundestagsabgeordnete Sonja Lemke (Die Linke) teilt die Kritik der Krankenhäuser. Aus ihrer Sicht werden die geplanten Maßnahmen die wirtschaftliche Lage der Kliniken weiter verschärfen. Bereits heute seien viele Bereiche der stationären Versorgung unterfinanziert.

Sonja Lemke kritisiert die geplante Reform deutlich und fordert eine stärkere Beteiligung hoher Einkommen. Foto: Maria Salem für Nordstadtblogger

Grundsätzlich fordert Lemke eine Abkehr vom bisherigen Finanzierungssystem. Statt der heutigen Fallpauschalen solle das tatsächliche Versorgungsangebot finanziert werden. Personal und notwendige Ausstattung müssten vollständig refinanziert werden. Zur langfristigen Finanzierung der GKV schlägt die Linken-Politikerin unter anderem eine Bürgerversicherung sowie eine stärkere Beteiligung hoher Einkommen vor.


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