
Die geplante Verlagerung des Dortmunder Drogenkonsumraums entwickelt sich zunehmend zu einem politischen Konfliktthema. Oberbürgermeister Alexander Kalouti (CDU) treibt die Standortdebatte offenbar mit hohem Tempo voran – nach Informationen aus dem Rathaus auch ohne abgestimmtes Vorgehen mit der Aidshilfe sowie dem zuständigen Fachdezernat.
OB will eine Verlagerung weg aus der City an die Unionstraße
Die Verwaltungsvorlage zur Verlagerung des Drogenkonsumraums vom Grafenhof an die Unionstraße trägt deshalb nicht die Unterschrift des Fachdezernats, sondern die des Oberbürgermeisters selbst. Das ist deshahlb so unüblich, weil sonst viele Sachthemen erst in den Fachdezernaten erarbeitet werden und dann über den Tisch des OBs gehen. In der Vorlage wird vorgeschlagen, den Drogenkonsumraum künftig in der bisherigen Männerübernachtungsstelle an der Unionstraße 33 unterzubringen.

Für die Männerübernachtungsstelle soll wiederum ein neuer Standort geschaffen werden. Langfristig ist dafür ein Grundstück an der Westfaliastraße/Sunderweg vorgesehen. Übergangsweise favorisiert die Verwaltung das ehemalige Kreiswehrersatzamt an der Leuthardstraße, was zuletzt als Hygienezentrum und Winternothilfsquartier genutzt wird.
Die Diskussion knüpft an eine bereits seit Monaten angespannte Debatte an. Erst im Sommer 2025 hatte der Rat den Weg für einen zusätzlichen, temporären Entlastungsstandort an der Rheinischen Straße 111 freigemacht. Hintergrund war die massive Überlastung des Drogenkonsumraums am Grafenhof. Auch die neu geschaffene Freifläche für Wartende hatte die Situation nur teilweise entschärft.
Kritik an fehlender fachlicher Begleitung und Abstimmung
Damals war die politische Verständigung noch gewesen, zunächst eine Übergangslösung zu schaffen, bis ein zweiter vollwertiger Drogenkonsumraum eingerichtet werden könne. Dass nun offenbar ein grundlegender Standortwechsel vorbereitet wird, ohne die Ergebnisse oder Inbetriebnahme des Entlastungsstandortes abzuwarten, sorgt deshalb für Irritationen.

Kritiker:innen sprechen von einem weiteren Schnellschuss des Oberbürgermeisters in einer ohnehin hochsensiblen Debatte. Bereits in der Vergangenheit habe es kurzfristige Vorstöße ohne breite fachliche und politische Abstimmung gegeben.
Im vergangenen Jahr hatte Kalouti versucht, Druck zu einem Ortswechsel zu machen, indem die Aidshilfe nur noch einen Jahresvertrag bekommen sollte. Der Rat hatte dann anders entschieden – gegen den Vorschlag von Kalouti.
Nun werde erneut versucht, ein weitreichendes Konzept mit erheblicher Tragweite für Suchthilfe, Wohnungslosenhilfe und Innenstadtentwicklung unter hohem Zeitdruck voranzutreiben – ohne fachliche Beteiligung.
Verwaltung arbeitet an „Gesamtkonzept“ für den Sonderstab „Ordnung und Stadtleben“
Offiziell hält sich die Stadtverwaltung bislang bedeckt. Auf Anfrage von Nordstadtblogger.de bestätigt die Verwaltung lediglich, dass derzeit an einem „Gesamtkonzept“ für den Sonderstab „Ordnung und Stadtleben“ gearbeitet werde.

Dieses solle Maßnahmen zu Sicherheit, Ordnung, Aufenthaltsqualität und Hilfsangeboten bündeln. Bestätigt wird außerdem, dass die Männerübernachtungsstelle an der Unionstraße als möglicher Standort für den Drogenkonsumraum geprüft werde. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht getroffen.
In der Ratsvorlage selbst, die Nordstadtblogger vorliegt, begründet die Verwaltung die geplante Verlagerung mit der angespannten Situation am Grafenhof. Seit dem Umzug des Drogenkonsumraums im Jahr 2021 habe sich der Bereich zu einem Schwerpunkt der offenen Drogenszene entwickelt. Genannt werden Nutzungskonflikte, Beschwerden von Anwohner:innen und eine zunehmende Belastung des Umfelds.
Im Juli soll der Rat über die Vorlage abstimmen, vorher diskutieren die zuständigen Fachausschüsse darüber. Bis dahin hat Alexander Kalouti Zeit, um für seinen Kurs zu werben – oder Fraktionen, die gegen den Vorschlag sind, Stimmen dagegen zu versammeln.
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Reaktionen
Andido
Soso. Es wird also an einem Gesamtkonzept gearbeitet.
Dieses Konzept der CDU besteht wohl einzig und allein darin sämtliche Unliebsame Bevölkerungsgruppen einfach ins Unionviertel abzuschieben. Bloß nicht in die Bezirke der Szeneviertel und Besserdiener. Eine reine Farce ist das.
Jahrelange Stadtumbau Unionviertel und Dortmunder U Gelände für große Millionensummen und jetzt sämtliche Sozialprobleme dorthin abschieben.
Gasthaus ist dort.
Übernachtungstelle ist dort. Zieht ein paar Meter weiter.
Der Haupt Drogenkonsumraum soll dorthin ziehen. Ein weiterer an der Rheinischen Straße aufmachen.
Was soll das?
Weil die Menschen im Unionviertel sich nicht so gut künstlich aufregen können wie die Händler der City, die Anwohner im Kreuz-, Klinik- und Kaiserstraßenviertel.
Da iann man jetzt schon sagen, das wird euch auf die Füße fallen. Zurecht. Die Investoren am U haben jetzt schon keine Lust mehr. Die teure neue Sporthalle liegt dann auch direkt zwischen Gasthaus und Drogenkonsumraum. Ein richtiges Highlight für die Stadt.
Danke CDU,