Neue Strategie für die Nordstadt: Die Stadt Dortmund setzt auf Häuser, Handel und Projekte

Neuausrichtung ab 2027 - das Quartiersmanagement läuft aus

Die Münsterstraße liegt im Fokus der neuen Nordstadt-Politik. Foto: Helmut Sommer für Nordstadtblogger.de

Die Stadt Dortmund richtet ihre Nordstadt-Politik neu aus. Ab 2027 sollen vor allem Eigentümer:innen, die Münsterstraße und lokale Initiativen stärker unterstützt werden. Dafür sind mehrere neue Instrumente geplant, die bereits finanziell abgesichert sind. Gleichzeitig endet jedoch die bisherige Quartiersarbeit in ihrer bekannten Form – aus finanziellen Gründen.

Neustart nach dem Quartiersmanagement ab 2027

In diesem Jahr läuft das bisherige Quartiersmanagement in der Nordstadt aus. Es wird ausschließlich von der Stadt finanziert und war in den vergangenen Jahren ein zentraler Bestandteil der Stadtteilarbeit. Zu deren Aufgaben gehörten unter anderem der Hafenspaziergang, Clean-Up-Aktionen, Beteiligungsformate und Vernetzungsprojekte.

Die Koordinaion zwischen der Stadt und den Eigentümer:innen und Gewerbetreibenden soll in der Nordstadt ausgebaut werden. Foto: Helmut Sommer für Nordstadtblogger.de

Aufgrund der angespannten Haushaltslage schlägt die Verwaltung für die Zeit ab 2027 eine Neuausrichtung vor. Zunächst sollen die neuen Maßnahmen bis 2030 laufen. Perspektivisch ist eine Verlängerung bis 2034 möglich – entsprechende Fördermittel sind bereits in Aussicht gestellt.

Im Mittelpunkt stehen künftig drei Bausteine: ein Sanierungsmanagement, ein Geschäftsstraßen-Management und ein Quartiersfonds.

Sanierungsmanagement: Fokus auf Eigentümer und Gebäude

Ein zentraler Bestandteil ist das geplante Sanierungsmanagement. Es soll im südlichen Nordmarktquartier tätig werden, das als städtebauliches Sanierungsgebiet ausgewiesen ist.

Auch der Platz vor der Josephskirche soll stärker belebt werden. Foto: Helmut Sommer für Nordstadtblogger.de

Ein externes Team soll dort Eigentümer:innen intensiver beraten – etwa bei der Modernisierung und Instandhaltung von Gebäuden. Ziel ist es, den Wohnungsbestand aufzuwerten und problematische Immobilien frühzeitig zu verhindern oder zu verbessern.

Aktuell gibt es im Sanierungsgebiet 29 sogenannte Problemimmobilien – bei rund 1.100 Gebäuden entspricht das einem Anteil von knapp drei Prozent. Bleiben Beratungsangebote ohne Wirkung, ist die Stadt bereit auch weitergehende Instrumente wie Modernisierungsauflagen oder das Vorkaufsrechten zu nutzen.

„Wer Modernisierung reguliert, darf sich nicht wundern, wenn sie ausbleibt“

Der Eigentümer:innen-Verband Haus & Grund Dortmund bewertet den Ansatz grundsätzlich positiv, sieht aber auch Bedingungen. „Beratung ist sinnvoll, wenn sie Orientierung gibt und nicht neue Hürden schafft“, erklärt Hauptgeschäftsführer Dr. Thomas Bach. Entscheidend sei, dass die Angebote praxisnah, gut erreichbar und freiwillig ausgestaltet sind.

Dr. Thomas Bach bei Ansprache
Dr. Thomas Bach, Hauptgeschäftsführer von Haus & Grund Dortmund. Foto: Stephan Schuetze

In der Praxis sehen viele Eigentümer derzeit vor allem strukturelle Hürden. Hohe Baukosten, komplizierte Förderprogramme und langwierige Genehmigungsverfahren erschweren Investitionen. „Viele Eigentümer wollen investieren, scheitern aber nicht am Willen, sondern an den Rahmenbedingungen“, so Bach.

Gleichzeitig warnt der Verband vor zusätzlichen Auflagen und pauschalen Verschärfungen. Maßnahmen gegen Problemimmobilien seien richtig, dürften aber nicht zu neuen Belastungen für die breite Mehrheit führen. „Wer Modernisierung reguliert, darf sich nicht wundern, wenn sie ausbleibt“, betont Bach.

Münsterstraße im Blick: Leerstände reduzieren, Straße beleben, Zusammenarbeit verbessern

Parallel dazu plant die Stadt ein Geschäftsstraßen-Management für die Münsterstraße. Im Fokus steht der südliche Abschnitt im Herzen des Quartiers. Das erklärte Ziel: die Straße stärken und langfristig zu einem lebendigen Ort mit hoher Aufenthaltsqualität weiterentwickeln. Auch Aspekte wie Klimaanpassung und eine attraktivere Gestaltung des öffentlichen Raums spielen dabei eine Rolle.

Der Mehmet-Kubasik-Platz verfügt über wenig Aufenthaltsqualität. Das soll sich ändern. Foto: Helmut Sommer für Nordstadtblogger.de

Das Management soll unter anderem dabei helfen, Leerstände zu reduzieren, Veranstaltungen sichtbarer zu machen und Gewerbetreibende bei ihrer Außendarstellung unterstützen.

Dazu soll der Austausch mit Eigentümer:innen und Händler:innen intensiviert werden, um Entwicklungen vor Ort schneller anzustoßen. Die Maßnahmen sind in einer Gesamtstrategie zusammengefasst, die bis mindestens 2034 reicht.

„Vier Jahre sind im Sinne der Stadtentwicklung nicht viel“

Simone Bergmann ist IHK-Geschäftsführerin für Handel, Dienstleistungen und Existenzgründungen.
Simone Bergmann ist IHK-Geschäftsführerin für Handel, Dienstleistungen und Existenzgründungen. Foto: Isabella Thiel für die IHK Dortmund

Auch die Industrie- und Handelskammer bewertet die geplanten Maßnahmen grundsätzlich positiv, sieht aber Herausforderungen in der praktischen Umsetzung. Simone Bergmann, IHK-Geschäftsführerin für Handel, Dienstleistungen und Existenzgründungen verweist dabei auf den begrenzten Zeitrahmen: „Vier Jahre ist im Sinne der Stadtentwicklung nicht viel.“ Entscheidend sei, frühzeitig Perspektiven für eine Fortführung zu entwickeln.

Mit Blick auf die Münsterstraße bestünden auch struktureller Probleme. Leerstände, kleinteilige Eigentümerstrukturen und teilweise veraltete Gebäude erschwerten die Entwicklung. Umso wichtiger sei es, Eigentümer:innen stärker einzubinden und über das geplante Geschäftsstraßenmanagement in einen Dialog zu kommen – auch, um realistische Rahmenbedingungen für Gewerbemieten zu schaffen.

Von zentraler Bedeutung sei zudem die Aufenthaltsqualität im Quartier. Begrünung, Klimaanpassung und attraktiv gestaltete Räume könnten dazu beitragen, die Straße langfristig zu stabilisieren. Voraussetzung dafür seien jedoch Sicherheit und Saubarkeit. Hier stehe die Stadt in der Verantwortung, macht Bergmann deutlich.

Jury entscheidet über Quartiersfonds: Geld für Ideen aus dem Viertel

Ergänzt wird das Konzept durch einen Quartiersfonds. Jährlich stehen dafür insgesamt 50.000 Euro zur Verfügung. Mit dem Geld sollen kleinere Projekte aus dem Stadtteil gefördert werden – etwa aus Vereinen, Nachbarschaften oder Initiativen.

Blick auf architektonisch wertvolle Fassaden
Häuser im Sanierungsgebiets „Südliches Nordmarktquartier“. Foto: Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Über die Vergabe entscheidet eine Jury des Stadtbezirksmarketings, in der unter anderem Vertreter:innen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Verwaltung sitzen.

Ziel ist es, Engagement vor Ort gezielt zu unterstützen und neue Impulse aus der Nordstadt selbst zu fördern. Auch künftig soll es eine Beratung für Initiativen geben, die Fördermittel beantragen wollen.

Finanzierung durch Bund und Land gesichert – Stadt trägt rund eine Million Euro

Die neuen Maßnahmen sollen größtenteils über das Städtebauförderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ von Bund und Land Nordrhein-Westfalen finanziert werden.

Insgesamt geht es um knapp 3,3 Millionen Euro für vier Jahre. Rund 70 Prozent der Kosten werden gefördert. Für die Stadt Dortmund bleibt ein Eigenanteil von knapp einer Million Euro.


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Reaktionen

  1. Bert Elya-Noah Rozowski

    Ich kann die positive Einschätzung dieser Planungen nicht so ganz nachvollziehen.

    Der in diesem Artikel besonders hervorgehobene vermeintlich neue Quartiersfonds ist bei weitem nichts Neues, es gibt ihn schon seit vielen Jahren. Einschließlich der jährlich vergebenen Auszeichnung „Engel der Nordstadt“ werden diese Mittel seit jeher schon über das Gremium (die „Jury“) des Stadtbezirksmarketing vergeben, welches 1:1 weiter bestehen bleibt.

    Dazu heißt es dann noch weiter in dem Artikel, eine Beratung für Initiativen die Fördermittel beantragen wollen, solle es auch künftig geben.

    Dass nach den Plänen der Verwaltung aber das Quartiersmanagement mit seiner Anlaufstelle mitten im Quartier am Nordmarkt, welches bisher jedenfalls eine vielfach genutzte und gut funktionierende Anlauf- und Koordinierungsstelle für die breite Vielfalt an lokal aktiven Vereinen, Initiativen und zivilgesellschaftlich engagierten Menschen aus dem Quartier gewesen ist, wird leider nicht erwähnt.

    Wer bitte, wenn es diese Anlaufstelle dann nicht mehr geben würde, soll denn zukünftig die oben erwähnte Beratung übernehmen, die für eine sinnvolle Vergabe der zur Verfügung stehenden Mittel des Stadtbezirksmarketing unumgänglich ist?!

    Mal abgesehen von den vielen weiteren breit aufgestellten sonstigen Koordinierungs- und Schnittstellenfunktionen, die bisher vom Quartiersmanagement in ihrer ganzen Vielfalt mit viel Engagement in der Nordstadt geleistet wurden:
    Dieses ganze jahrelang zusammengetragene Know How soll jetzt mal eben einfach so nebenbei ab in die Tonne?
    So nicht!!

    Wir als Vertreterinnen der Linken Fraktion in der Bezirksvertretung unserer Nordstadt hoffen jedenfalls, gemeinsam mit den VertreterInnen der Grünen und der Partei Die Partei (sowie hoffentlich auch mit Unterstützung der anderen demokratischen Fraktionen und Gruppen in der Nordstadt BV) hier den Fortbestand erwiesenermaßen bewährter Strukturen sichern zu können und werden die Pläne der Verwaltung in dieser Form ablehnen.

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