
Die Stadt Dortmund richtet ihre Nordstadt-Politik neu aus. Ab 2027 sollen vor allem Eigentümer:innen, die Münsterstraße und lokale Initiativen stärker unterstützt werden. Dafür sind mehrere neue Instrumente geplant, die bereits finanziell abgesichert sind. Gleichzeitig endet jedoch die bisherige Quartiersarbeit in ihrer bekannten Form – aus finanziellen Gründen.
Neustart nach dem Quartiersmanagement ab 2027
In diesem Jahr läuft das bisherige Quartiersmanagement in der Nordstadt aus. Es wird ausschließlich von der Stadt finanziert und war in den vergangenen Jahren ein zentraler Bestandteil der Stadtteilarbeit. Zu deren Aufgaben gehörten unter anderem der Hafenspaziergang, Clean-Up-Aktionen, Beteiligungsformate und Vernetzungsprojekte.

Aufgrund der angespannten Haushaltslage schlägt die Verwaltung für die Zeit ab 2027 eine Neuausrichtung vor. Zunächst sollen die neuen Maßnahmen bis 2030 laufen. Perspektivisch ist eine Verlängerung bis 2034 möglich – entsprechende Fördermittel sind bereits in Aussicht gestellt.
Im Mittelpunkt stehen künftig drei Bausteine: ein Sanierungsmanagement, ein Geschäftsstraßen-Management und ein Quartiersfonds.
Sanierungsmanagement: Fokus auf Eigentümer und Gebäude
Ein zentraler Bestandteil ist das geplante Sanierungsmanagement. Es soll im südlichen Nordmarktquartier tätig werden, das als städtebauliches Sanierungsgebiet ausgewiesen ist.

Ein externes Team soll dort Eigentümer:innen intensiver beraten – etwa bei der Modernisierung und Instandhaltung von Gebäuden. Ziel ist es, den Wohnungsbestand aufzuwerten und problematische Immobilien frühzeitig zu verhindern oder zu verbessern.
Aktuell gibt es im Sanierungsgebiet 29 sogenannte Problemimmobilien – bei rund 1.100 Gebäuden entspricht das einem Anteil von knapp drei Prozent. Bleiben Beratungsangebote ohne Wirkung, ist die Stadt bereit auch weitergehende Instrumente wie Modernisierungsauflagen oder das Vorkaufsrechten zu nutzen.
„Wer Modernisierung reguliert, darf sich nicht wundern, wenn sie ausbleibt“
Der Eigentümer:innen-Verband Haus & Grund Dortmund bewertet den Ansatz grundsätzlich positiv, sieht aber auch Bedingungen. „Beratung ist sinnvoll, wenn sie Orientierung gibt und nicht neue Hürden schafft“, erklärt Hauptgeschäftsführer Dr. Thomas Bach. Entscheidend sei, dass die Angebote praxisnah, gut erreichbar und freiwillig ausgestaltet sind.

In der Praxis sehen viele Eigentümer derzeit vor allem strukturelle Hürden. Hohe Baukosten, komplizierte Förderprogramme und langwierige Genehmigungsverfahren erschweren Investitionen. „Viele Eigentümer wollen investieren, scheitern aber nicht am Willen, sondern an den Rahmenbedingungen“, so Bach.
Gleichzeitig warnt der Verband vor zusätzlichen Auflagen und pauschalen Verschärfungen. Maßnahmen gegen Problemimmobilien seien richtig, dürften aber nicht zu neuen Belastungen für die breite Mehrheit führen. „Wer Modernisierung reguliert, darf sich nicht wundern, wenn sie ausbleibt“, betont Bach.
Münsterstraße im Blick: Leerstände reduzieren, Straße beleben, Zusammenarbeit verbessern
Parallel dazu plant die Stadt ein Geschäftsstraßen-Management für die Münsterstraße. Im Fokus steht der südliche Abschnitt im Herzen des Quartiers. Das erklärte Ziel: die Straße stärken und langfristig zu einem lebendigen Ort mit hoher Aufenthaltsqualität weiterentwickeln. Auch Aspekte wie Klimaanpassung und eine attraktivere Gestaltung des öffentlichen Raums spielen dabei eine Rolle.

Das Management soll unter anderem dabei helfen, Leerstände zu reduzieren, Veranstaltungen sichtbarer zu machen und Gewerbetreibende bei ihrer Außendarstellung unterstützen.
Dazu soll der Austausch mit Eigentümer:innen und Händler:innen intensiviert werden, um Entwicklungen vor Ort schneller anzustoßen. Die Maßnahmen sind in einer Gesamtstrategie zusammengefasst, die bis mindestens 2034 reicht.
Jury entscheidet über Quartiersfonds: Geld für Ideen aus dem Viertel
Ergänzt wird das Konzept durch einen Quartiersfonds. Jährlich stehen dafür insgesamt 50.000 Euro zur Verfügung. Mit dem Geld sollen kleinere Projekte aus dem Stadtteil gefördert werden – etwa aus Vereinen, Nachbarschaften oder Initiativen.

Über die Vergabe entscheidet eine Jury des Stadtbezirksmarketings, in der unter anderem Vertreter:innen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Verwaltung sitzen.
Ziel ist es, Engagement vor Ort gezielt zu unterstützen und neue Impulse aus der Nordstadt selbst zu fördern. Auch künftig soll es eine Beratung für Initiativen geben, die Fördermittel beantragen wollen.
Finanzierung durch Bund und Land gesichert – Stadt trägt rund eine Million Euro
Die neuen Maßnahmen sollen größtenteils über das Städtebauförderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ von Bund und Land Nordrhein-Westfalen finanziert werden.
Insgesamt geht es um knapp 3,3 Millionen Euro für vier Jahre. Rund 70 Prozent der Kosten werden gefördert. Für die Stadt Dortmund bleibt ein Eigenanteil von knapp einer Million Euro.
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