„Wo alle das gleiche denken, wird nicht viel gedacht!“ Auszeichnung für städtische Beschäftigte im „Pride Monat“

Die Stiftung „Proud at work“ hat die Dortmunderin Susanne Hildebrandt für ihr unermüdliches Engagement in Sachen Vielfalt und Chancengleichheit für LGBTIQ*-Personen bei der Stadtverwaltung ausgezeichnet.

Der Juni steht jährlich im Zeichen der Regenbogenflagge. In einem Juni vor mehr als 50 Jahren gab es einen Vorfall, der heute als Meilenstein in der „LGBTIQ*(Lesbisch Schwul Bi Trans* Inter* Queer) -Bewegung“ gilt. Es war der erste bekannte Aufstand von „queeren“ Menschen gegenüber der Polizeiwillkür in New York. Es folgten sechs Tage andauernde Krawalle. Aus ihnen entstand eine internationale Bewegung. Heute erinnern zahlreiche bunte, friedliche „Pride-Paraden“ im „Pride Month“ an den Vorfall und feiern „Gay Pride“ oder auch „CSD“ – Christopher Street Day. Einem anderen Aspekt widmet sich im Pride-Monat die Stiftung „Prout at work“. Unter anderem zeichnet sie Personen aus, die die Chancengleichheit von LGBTIQ*-Personen in der Arbeitswelt fördern. In diesem Jahr belegt eine Dortmunderin hierbei den vierten Platz bundesweit. In der Kategorie für den öffentlichen Dienst wurde Susanne Hildebrandt von der Stadt Dortmund gleich von mehreren Personen nominiert. Eine Jury hat die entscheidende Auswahl getroffen.

Susanne Hildebrandt gründete erstes LSBTIQ*-Beschäftigten Netzwerk bei einer Stadtverwaltung

Und darauf ist Susanne Hildebrandt zu Recht mächtig stolz, denn auch im Jahr 2021 ist es leider noch nicht selbstverständlich, dass queere Menschen offen überall zu ihrer (sexuellen) Identität stehen (können). Laut Studien sind noch immer ca. 30 Prozent nicht dort geoutet, wo sie ca. acht Stunden des Tages verbringen: am Arbeitsplatz!

Susanne Hildebrandt von der Koordinierungsstelle für Lesben, Schwule und Transidente der Stadt Dortmund.
Susanne Hildebrandt baute die städtische Koordinierungsstelle für Lesben, Schwule und Transidente auf. Archivfoto

Das bedeutet nicht selten ein kräftezehrendes Versteckspiel und zieht Ressourcen, die viel besser im Job genutzt werden könnten. Um über Rollenmodelle Sichtbarkeit zu schaffen, würdigt „Prout at Work“ zahlreiche Personen der queeren Community.

Susanne Hildebrandt ist seit 2001 städtische Beschäftigte, war als Sozialarbeiterin und Fallmanagerin tätig und hat unterschiedliche Zusatzqualifikationen erworben, u.a. Prozessbegleiterin Organisationsentwicklung.

Vor zehn Jahren baute sie die städtische Koordinierungsstelle für Lesben, Schwule und Transidente auf und hat mit ColouraDo das erste LSBTIQ*-Beschäftigten Netzwerk bei einer Stadtverwaltung gegründet.

Gemeinsam mit den ColouraDos zeigt sie in der Verwaltung Gesicht zu dem Thema LSBTIQ* am Arbeitsplatz, u.a. auf der Personalversammlung, beim Stadtfest Dortbunt oder beim Dortmunder CSD. Seit neun Jahren ist sie federführend für die Aktionen rund um den Diversity Tag für die Stadt Dortmund verantwortlich.

Hildebrandts engagierter Einsatz für Vielfalt und Chancengleichheit wurde nun gewürdigt

DiverseCity Kongress 2018 v.l. Kevin Ndeme-Nguba Matuke, Susanne Hildebrandt, Dirk Oehmichen-Dau. Archivoto: Gerd Wüsthoff

Mit der Auszeichnung steht sie nun als Person, die die Chancengleichheit von LGBTIQ* Personen in der Arbeitswelt fördern auf einer der sogenannten „Prout Perfomer“-Listen „Prout“ steht für eine Mischung aus „proud and out“ – also Stolz und geoutet/offen am Arbeitsplatz.

Auf den Listen werden unter anderem Führungskräfte aus Unternehmen mit über 500 Mitarbeitenden, aber auch aus kleineren und mittelständischen Unternehmen gewürdigt.

Darüber hinaus gibt es Kategorien für queere Mitarbeiter*innen, die sich für Chancengleichheit am Arbeitsplatz stark machen oder die in der Politik aktiv tätig sind. Erstmals wurden auch Engagierte aus dem öffentlichen Dienst ausgezeichnet.

„Die Platzierung ist ein sehr guter Gesprächsanlass innerhalb und außerhalb der Stadtverwaltung Dortmund. Die hochkarätige Jury und das mediale Interesse helfen intern und extern, das Thema LGBTIQ* auf die Agenda zu heben und sowohl die Unterstützung von als auch das Bekenntnis zu Inklusion und Diversität nachhaltig zu stärken und noch tiefer in der Verwaltung zu verankern“, freut sich Hildebrandt.

Blick über den Tellerrand: „Vielfalt bereichert mein und unser Leben!“

Gemeinsam mit ihrer Frau hat Susanne Hildebrandt zwei Söhne. Als Mutter in einer Regenbogenfamilie weiß sie „Vielfalt bereichert mein und unser Leben!“. Vor allem schätzt sie aber auch den „Blick über den Tellerrand“, den ihr das Themenfeld Diversity ermöglicht hat:

„Alter“, „Ethnische Herkunft und Nationalität“, „Geschlecht und geschlechtliche Identität“, körperliche und geistige Fähigkeiten“, Religion und Weltanschauung“, „soziale Herkunft“ – das alles sind neben der „sexuellen Orientierung“ wichtige Diversity Dimensionen, die das Leben und die Arbeitswelt bereichern!“, weiß die Stadtangestellte.

Mehr darüber zu erfahren, habe sie gestärkt und helfe ihr dabei, sich über unbewusste Vorurteile und Privilegien klarer zu werden. „Auch wenn ich nicht selber „Betroffene“ bin, so kann ich doch versuchen, eine gute „Verbündete“ („Ally) zu sein und mich einzusetzen, damit ein möglichst diskriminierungsarmes (Arbeits-)Klima herrscht. Im Team ist Vielfalt – wie auch viele Studien zeigen – sowieso eher die Lösung als das Problem, denn – wo alle das gleiche denken, wird nicht viel gedacht!“

 

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Weitere Informationen:

www.proutatwork.de

 

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