Nordstadtblogger

Wie viel Talent steckt in den Talentschulen in NRW? Ein weiteres Leuchtturmprojekt oder eine echte Chance?

Die Anne-Frank-Gesamtschule – hier bei einem Besuch von Bundespräsident Steinmeier – ist eine von drei Dortmunder Talentschulen. Foto: Alex Völkel

Von Jennifer Pahlke

Die ersten 35 wurden ausgewählt, ganze 60 sollen es werden – die Rede ist von Talentschulen in NRW. Von den neun Bewerberschulen in Dortmund hatten drei Erfolg und werden zu Talentschulen. Darunter auch die Anne-Frank Gesamtschule in der Nordstadt.

35 Talentschulen in NRW – und davon drei Talentschulen in Dortmund

Insgesamt wollten 149 Schulen in NRW den Titel Talentschule tragen. Aus diesem Bewerberpool wurden 35 Schulen, die zum Schuljahr 2019/20 starten, von einer Jury ausgewählt. Die Jury wurde vom Schulministerium ins Leben gerufen und besteht aus 12 Personen. Darunter sind ExpertInnen aus verschiedenen Fachrichtungen und auch Personen des öffentlichen Lebens.

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Daniela Schneckenburger ist Dezernentin für Jugend und Familie in Dortmund.

Unter den 35 neuen Talentschulen sind auch drei Schulen in Dortmund: Neben der Anne-Frank Gesamtschule kann sich auch das Paul-Ehrlich Berufskolleg und das Heisenberg-Gymnasium über die Bezeichnung Talentschule freuen.

Die Entscheidung freut die Schuldezernentin Daniela Schneckenburger: „Die Entscheidung für die Dortmunder Schulen zeigt, dass auch unter schwierigen sozialräumlichen Bedingungen beste pädagogische Qualität möglich ist“.

Bildungsgerechtigkeit sei ein zentrales Anliegen der Stadt Dortmund. „Der Schulversuch ‚Talentschulen‘ bietet eine Chance für SchülerInnen“, so Schneckenburger. Durch die gezielte Ressourcensteuerung könne die Ausbildung und Förderung der SchülerInnen verbessert werden, die sozial benachteiligt seien.

Wie genau eine Bewerberschule zur Talentschule ernannt wird, erklärt die NRW-Ministerin für Schule und Bildung, Yvonne Gebauer. „Schulen müssen einerseits Eckpunkte eines pädagogischen Konzeptes vorlegen, indem sie beschreiben, wie sie auf Herausforderungen reagieren“. Zusätzlich müssen die Schulträger sich auch bereiterklären, für eine gute bauliche und digitale Ausstattung der Schulen zu sorgen, so Gebauer.

Ein sechsjähriger Schulversuch, der mit viel Arbeit und Ressourcen verbunden ist

Präsentation der fertiggestellten Fachräume an der Anne-Frank-Gesamtschule. Foto: Leopold Achilles

Finanzielle Mittel wären dafür vorgesehen, wie das Investitionsprogramm Gute Schule 2020. Das sehe ein Budget in Höhe von zwei Milliarden Euro vor. Außerdem gebe es noch den Digitalpakt, aus dem NRW rund eine Milliarde Euro erhalten würde.

Die meisten Bewerbungen kommen aus Düsseldorf . Ganze 40 Schulen wollten dort die Bezeichnung ,Talentschule‘ bekommen.  Auch im Regierungsbezirk Arnsberg, zu dem Dortmund gehört, gab es 41 Bewerbungen.

Bei dem Projekt Talentschule handelt es sich um einen sechsjährigen Schulversuch. Ziel des Landes NRW ist es, soziale Nachteile in der Bildung zu überwinden und somit mehr Chancengleichheit zu erreichen. Dafür sollen über 400 neue Lehrerstellen für die 60 Schulen neu besetzt werden. Davon sollen 351 Stellen an allgemeinbildenden Schulen und 100 an berufsbildenden Schulen sein.

Diese Stellen sollen unbefristet sein und dem Ausbau des Fachunterrichts dienen. Aber auch andere Einsatzmöglichkeiten wie Entlastung und Unterstützung der Schulleitung, Erweiterung des außerschulischen Angebots und intensive Beratung von SchülerInnen seien vorgesehen. Insgesamt sei in jeder Schule, egal wie groß, mindestens eine Stelle für Schulsozialarbeit eingeplant.

Vieles soll gefördert werden, wie Sprache und praktisches Arbeiten, aber auch die Lehrerausbildung

Präsentation der fertiggestellten Räume an der Anne-Frank-Gesamtschule. Foto: Leopold Achilles

Aber auch Geld soll fließen, nämlich unter anderem in Fortbildungsmaßnahmen. Dafür sehe das Land NRW 150.000 Euro jährlich vor. Allgemein sollen die Schulen eine bessere Ausstattung und auch finanzielle Unterstützung für Schul- und Unterrichtsentwicklung erhalten.

Auch das Schulkonzept ist anders. Es handelt sich dabei um ein besonderes pädagogisches Konzept, in dessen Vordergrund eine Fördersäule steht. So solle der Fachunterricht ausgeweitet und die sprachliche Förderung vertieft werden. Berufskollegs sollen zusätzlich noch die Berufsfelderkundung weiter ausweiten.

Allgemein soll der Fokus in den Talentschulen auf mehr praktischem Arbeiten liegen, aber auch auf mehr Lernmöglichkeiten innerhalb der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). So solle auch die kulturelle Bildung der Schüler weiter in den Vordergrund gerückt werden.

Aber nicht nur der Unterricht sollt eine Überholung erhalten. Alles was zu einer gut laufenden Schule dazugehört, soll ebenfalls in Angriff genommen und verbessert werden: z.B. die Stärkung der Partizipation von Eltern und Schülerschaft, die Stärkung eines positiven Schulklimas und grundsätzlich einfach mehr Beratungselemente.

Nicht nur für positive Resonanzen sorgt das Projekt – auch einiges an Kritik wird laut

Anke Staar von den Stadteltern überreichte Daniela Schneckenburger 600 Unterschriften.

Anke Staar (l. ) von den Stadteltern im Gespräch mit Schuldezernentin Daniela Schneckenburger. Foto: Alex Völkel

Ziel des durch die Landesregierung ins Leben gerufenen Projekts ist, die Förderung aller Kinder und Jugendlicher in der Schule. Besonders auch derjenigen in Stadtteilen mit besonderen sozialen Herausforderungen. „Die sozio-ökonomische Herkunft darf nicht über den Bildungserfolg entscheiden, sagt Yvonne Gebauer. Alle Kinder sollen Aufstiegsmöglichkeiten durch Bildung bekommen.

Aber für Anke Staar, Vorsitzende der Stadteltern, ist es bloß ein Projekt von vielen. „Da haben drei Schulen in Dortmund das Glückslos gezogen und gewonnen, aber was ist mit den anderen?“ Mittlerweile drücke der Schuh an allen Schulen und allen Schulen müsse geholfen werden. Aber dafür fehlen die Ressourcen, Geld und auch die nötigen Lehrkräfte. „Unterstützung ist ein Standard, der für alle Schulen gelten“.

So sei dies ein Projekt, wie viele, die das Land und Schulen in einem besseren Licht dastehen lassen soll. „Das Konzept ist nicht falsch, aber die Art und Weise wie es umgesetzt wird, schon“, sagt Anke Staar. Alle Kinder müssen bedacht werden und nicht ein paar wenige an ausgewählten Schulen. Außerdem schaffe man so auch unter den Schule einen Konkurrenzkampf, der nicht förderlich sei.

Bei all den tollen Ansätzen – von einer Chancengleichheit in der Bildung sind wir weit entfernt

Auch bei dem Projekt Talentschule, wie auch bei so vielen anderen, würde defizitorientiert gearbeitet. Es würde geschaut, was die Kinder alles nicht können, statt ihre Fähigkeiten zu fördern. Und genau das sei falsch laut Anke Staar und führe nicht zum erhofften Ziel der Chancengleichheit.

Ob jetzt Talentschule oder nicht, jedes Kind soll die bestmögliche Förderungen erhalten die nur möglich ist. Nur so können wir eine wirkliche Chancen- und Aufstiegsgleichheit schaffen. Nur dann hängt Erfolg und Bildung nicht von der sozialen Herkunft ab – aber davon sind wir noch meilenweit entfernt.

 

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