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VRR erhöht erneut die Preise und stößt damit auf heftige Kritik bei Linken und Piraten und dem Bündnis Sozialticket NRW

Ein weiteres Ziel des VCD ist es, den Bahnverkehr für KundInnen attraktiver zu gestalten.

Der VRR hat erneut die Ticketpreise für Bus und Bahn erhöht. Das Sozialticket habe aus Sicht der Linken und Piraten in Dortmund sowie des Bündnisses Sozialticket NRW diesen Namen nicht mehr verdient. Foto: Sascha Fijneman

Es sei zu befürchten gewesen heißt es in den Stellungnahmen des Bündnisses Sozialticket NRW und der Ratsfraktion der Linken und Piraten in Dortmund. Die Tickets für Bus und Bahn werden zum 1. Januar 2020 erneut teurer. Um 1,8 Prozent. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hat die Erhöhung der Fahrpreise zur Jahreswende beschlossen. Damit erhöht sich auch abermals der Preis für das Sozialticket, das seinen Namen eigentlich schon lange nicht mehr verdient habe. Von monatlich 38,65 Euro steigt der Preis dann auf 39,35 Euro.

Bündnis Sozialticket NRW lehnt neue Preiserhöhungen beim VRR ab

Seit Jahren steigen die Ticket-Preise des VRR kontinuierlich. Foto: Alex Völkel

Der VRR greife den Ärmsten an Rhein und Ruhr schon wieder in die Tasche, so das Bündnis Sozialticket NRW. Es sei mittlerweile die siebte Preiserhöhung innerhalb von acht Jahren. Schon heute würden die Menschen im Hartz IV-Bezug (SGB II), in Grundsicherung oder mit anderweitigem Mini-Einkommen stolze 38,65 Euro für ein Sozialticket hinlegen müssen.

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Ab 2020 steige dieser Preis nun um weitere 1,8 Prozent, auf dann 39,35 Euro. Im Vergleich würden Hartz IV-BezieherInnen im Rahmen des Regelsatzes für Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr jedoch nur 28,39 Euro zugestanden. Die Folge: Immer weniger arme Menschen könnten sich ein Sozialticket zu diesem Preis leisten. Zuletzt hätten im VRR nur noch 10,8 Prozent aller Anspruchsberechtigten ein Sozialticket erworben. Vor zwei Jahren seien es immerhin noch 12,3 Prozent gewesen.

„Gerade in Zeiten der Klimakrise, in der die Menschen immer wieder aufgefordert werden, vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen, ist das ein völlig falsches Signal“, ist Heiko Holtgrave vom Bündnis Sozialticket NRW überzeugt. „Eine Erhöhung der Fahrpreise passt nicht mehr in die Zeit. Das gilt auch für die normalen Tickets.“

Mit der Preiserhöhung werde den sozial Schwächsten erneut in die Tasche gegriffen

Mit der Preiserhöhung greife der VRR den Ärmsten wieder einmal tief in die Tasche, so die KritikerInnen. Foto: Thomas Engel

Natürlich müssten Qualität und Umweltverträglichkeit des ÖPNV ständig verbessert werden. Und das koste Geld. Aber dieses Geld könne nicht immer von den NutzerInnen kommen – deren Zahlungsbereitschaft sei erschöpft. Hier seien Land und Bund noch stärker gefordert.

Neben den hohen Kosten für das Ticket komme hinzu, dass die Reichweite des VRR-Sozialtickets nach den Erfahrungen des Bündnisses absolut unzureichend sei. Heiko Holtgrave: „Das Sozialticket gilt nur in der eigenen Stadt oder im eigenen Landkreis. Für Besuche bei Freunden oder Verwandten in der Nachbarstadt oder auch nur für Bewerbungsgespräche dort müssen die Betroffenen jedes Mal noch drauf zahlen.“

Gleicher Meinung ist die Dortmunder Ratsfraktion von Linken und Piraten. In ihrer Stellungnahme ist zu lesen, dass CDU, SPD und Grüne diese Preiserhöhung einvernehmlich genehmigt hätten. „Ich lehne diese Erhöhung selbstverständlich ab“, sagt Christian Gebel, Mitglied der Dortmunder Ratsfraktion Die Linke und Piraten und deren Vertreter in der VRR-Verbandsversammlung.

Unzeitgemäße Preispolitik angesichts der Attraktivierung des ÖPNV und des Klimawandels

38,65 Euro würdenMenschen mit Hartz IV-Bezug, Grundrente oder anderweitigem Mini-Einkommen schon jetzt für ihr Sozialticket zahlen. Sie verweisen ebenfalls darauf, dass der Regelsatz für Mobilität bei Hartz IV EmpfängerInnen knappe 11 Euro unterhalb des monatlichen Ticketpreises liege.

„Immer weniger arme Menschen können sich ein Sozialticket für fast 40 Euro im Monat leisten. Eine Erhöhung der Ticketpreise passt gar nicht in die Zeit. Das gilt auch für die normalen Tickets“, so Christian Gebel. Neben den hohen Kosten für das Ticket komme hinzu, dass die Reichweite des Sozialtickets auch in den Augen von Christian Gebel und seiner Fraktion absolut ungenügend sei.

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Ein Gedanke zu “VRR erhöht erneut die Preise und stößt damit auf heftige Kritik bei Linken und Piraten und dem Bündnis Sozialticket NRW

  1. George

    Viele Fachleute stellen dem d VRR im Vergleich zu den Vwrkehrsverbünden anderer europäischer Ballungsräume ein miserables Zeugnis aus. Es kommt eher selten vor, dass sich Experten und Nutzer wirklich sehr einig sind… Im Fall der Beurteilung des VRR ist es jedoch so.

    Schlechte Takte, verdreckt und unkonfortabel, zu kurze Züge und deswegen zu wenig Platz, unpünktlich und zu guter Letzt-verdammt teuer.

    Und nun hört man nicht, wie der VRR angesichts der aktuellen Klimadebatte besser und attraktiver werden will, um mehr Menschen von der Straße auf die Schiene zu locken.

    Nein-wir hören, dass der VRR mal wieder noch teurer wird – angesichts der aktuellen Debatte rund ums Klima wurde -um im Jargon zu bleiben- das dunkelrote Signal übersehen und der Zug auf die falsche Weiche umgeleitet.

    Dafür kann es für die Entscheider im vom VRR geplagten, aber fussballbegeisterten Ruhrgebiet eigentlich nur Eines geben – die rote Karte.

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