Ziel: „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ an Schulen verankern

„Teachers for Future“ – Lehrkräfte gründen einen gemeinnützigen Verein

Foto: FFFDO

Seit Beginn der Fridays For Future-Bewegung vernetzen sich zunehmend auch Lehrkräfte, deren Anliegen es ist, das pädagogische Konzept der „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“(BNE) stärker an den Schulen zu verankern und die Fridays for Future-Bewegung in ihrem Appell für eine effektive Klimapolitik zu unterstützen. In der Vergangenheit haben Teachers for Future bundesweit bereits digitale Vernetzungstreffen und Fortbildungsveranstaltungen organisiert, eine Kampagne zum “Diensteid-Dilemma” auf die Beine gestellt, oder etwa, in Köln, den “Change Schools Summit” mit rund 70 Teilnehmenden aus mehreren Bundesländern ausgerichtet.

Ziel: Nachhaltigkeit soll an Schulen zum „neuen Normal“ werden

Jetzt haben bundesweit aktive Lehrkräfte gemeinsam den Verein Teachers for Future Germany e.V. gegründet, um den eingeschlagenen Weg zu verstetigen. „Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass an Schulen Nachhaltigkeit zum neuen Normal wird“, erklärt Gründungsmitglied Nora Oehmichen, Gymnasiallehrerin aus Baden-Württemberg.

Karsten Wickern | Nordstadtblogger

Vorstandsmitglied Timo Graffe, der selbst Geografie unterrichtet, ergänzt: „Wenn wir unseren Schüler*innen im Unterricht vermitteln, dass die Gewinnung von Palmöl ein Nachhaltigkeits-Desaster ist, und sich gleichzeitig in der Auslage des Schulkiosks palmölhaltige Schokoriegel stapeln, dann fördert das nicht gerade unsere Glaubwürdigkeit oder die der Schule als Bildungsinstitution.“

An Konzepten zur Bildung für Nachhaltige Entwicklung mangelt es indes nicht. Die Kultusminister*innenkonferenz hat bereits 2017 den „Orientierungsrahmen Globale Entwicklung“ sowie den „Nationalen Aktionsplan BNE“ verabschiedet. Doch im Unterrichtsalltag ist das fächerübergreifende BNE-Konzept noch lange nicht flächendeckend angekommen.

Hier will der Verein ansetzen, um in Kooperation mit der Schulverwaltung, der Bildungspolitik, den Schulleitungen und Lehrkräften vor Ort, aber auch mit außerschulischen Bildungspartner*innen, darauf hinzuarbeiten, „dass BNE als Bildungskonzept endlich dort ankommt, wo es hingehört: in der Praxis“, so Danielle Schulte am Hülse von Teachers for Future Germany. Das betrifft nicht nur die im Unterricht zu vermittelnden Inhalte, sondern ebenso die methodische Gestaltung des Unterrichts, aber auch den schulischen Alltag.

Gründer*innen freuen sich über viele Mitstreiter*innen aus allen Bundesländern

Der Verein arbeitet bundesweit eng mit der Initiative Students For Future zusammen, die sich ebenfalls für eine Transformation des Bildungssystems, auch an Universitäten, stark macht, etwa mit dem zweimal jährlich stattfindenden Bildungsformat „Public Climate School“.

Karsten Wickern | Nordstadtblogger

Spätestens seit dem jüngsten Bericht des Weltklimarats („IPCC-Bericht“) ist klar: Uns bleiben nurmehr wenige Jahre, um die Erderhitzung auf ein erträgliches Maß zu begrenzen – und die klimapolitischen Maßnahmen der derzeitigen Bundesregierung reichen dafür nicht aus. Die künftige Bundesregierung steht somit vor der großen Herausforderung, alle Bürger*innen in den Transformationsprozess einzubinden.

Lehrer*innen kommt hier eine Schlüsselrolle zu. Sie können viel dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche mit Wissen um die globalen Zusammenhänge ausgestattet werden und dadurch begreifen, dass eine nachhaltige Transformation unserer Gesellschaft richtig und notwendig ist. “Manche Impulse kommen auch von den Schüler*innen selbst – diese gilt es pädagogisch umsichtig aufzugreifen und so zu einem gemeinsamen Lernen zu gelangen”, erklärt Cristina Gangotena, Lehrerin aus Freiburg. “Spätestens seit Fridays For Future ist klar: Viele Jugendliche sind in ihrem Denken in puncto Nachhaltigkeit schon heute weiter als die Generation ihrer Eltern.”

Die Gründer*innen von Teachers For Future Germany e.V. freuen sich über viele Mitstreiter*innen aus allen Bundesländern: Am 21. September findet um 20 Uhr ein bundesweites virtuelles Auftakttreffen für alle Interessierten statt – Lehrkräfte, Lehramtsstudierende oder im außerschulischen Bildungsbereich tätige Personen sind herzlich eingeladen. Für die Anmeldung genügt eine kurze Mail an timo.graffe@posteo.de.

teachersforfuture@posteo.de
http://teachersforfuture.net/

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Kommentare

  1. Realpolitik versus Diensteid - Teachers for Future übergeben zum Weltlehrer*innentag Offenen Brief an Kultusminister*innen und Bundesregierung (PM)

    Lehrkräfte vermitteln ihren Schüler*innen nicht nur Fachwissen, sondern sind darüber hinaus ver- pflichtet, “auch das Grundgesetz zu wahren” – so steht es im Diensteid, den jede verbeamtete Lehrkraft zu Beginn ihrer Laufbahn leistet. Gleichzeitig erleben Lehrer*innen jedoch immer wieder, wie zentrale Werte unseres Grundgesetzes in politischen Entscheidungsprozessen ganz offenkundig unter den Tisch fallen. Besonders deutlich wird dies aktuell im Kontext der Klimakrise. Das hat im April dieses Jahres sogar das Bundesverfassungsgericht festgestellt, als es im “Klimaurteil” da- rauf hinwies, dass die Freiheitsrechte künftiger Generationen durch die aktuelle, unzureichende Klimapolitik der Bundesregierung gefährdet sind.

    Die “Diensteid-Dilemma”-Kampagne der Teachers for Future startete am letztjährigen Weltleh- rer*innentag, dem 5. Oktober. Seither haben über 2.000 Menschen, davon rund die Hälfte Leh- rer*innen, unterzeichnet. Mit der Übergabe des Offenen Briefs an die 16 Kultusminister*innen der Länder – die zugleich auch die obersten Dienstherr*innen der überwiegend verbeamteten Lehr- kräfte sind -, sowie an die Bundesregierung, möchten die Initiator*innen der Kampagne die Politik zum Dialog auffordern.

    Um Verantwortung für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen auch für künftige Generatio- nen zu übernehmen, wie dies etwa in Artikel 20a des Grundgesetzes festgeschrieben ist, bedürfe es von Seiten der Politik erheblich weitreichenderer Maßnahmen, so die Teachers For Future. Gerne würden sie den Schüler*innen erklären, dass von Seiten der Politik alles dafür getan werde, den jungen Menschen einen intakten Planeten zu hinterlassen. Dies sei gegenwärtig leider nicht möglich. “Natürlich dürfen wir, auch im Unterricht, und auch als verbeamtete Lehrkräfte, aufzeigen und thematisieren, wo politische Entscheidungen der Bundesregierung unseres Erachtens im Ge- gensatz zum Grundgesetz stehen – wir sind im Grunde sogar dazu verpflichtet,” erklärt Nora Oehmichen von der Teachers for Future Germany. “Wir haben unsere Arbeit jedoch nicht als pro- fessionelle Systemkritiker*innen angetreten, sondern vielmehr in dem Vertrauen darauf, dass die- jenigen, die das Land führen, dem wir alle dienen, dem Grundgesetz auf der Basis ihres Amtseids im selben Maße verpflichtet sind, wie wir selbst durch unseren Diensteid.”

    In der Initiative Teachers for Future Germany finden sich bundesweit Lehrer*innen, sowie weitere im Bildungsbereich tätige Personen zusammen, die die Forderungen der Fridays for Future-Bewe- gung unterstützen. Auf pädagogisch-didaktischer Ebene engagieren sich die “Teachers” für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung, die die Jugendlichen dazu befähigt, den Transformationspro- zess hin zu einer klimagerechten Gesellschaft aktiv mitzugestalten.

    Wer die Kampagne unterstützen möchte, kann das auch über den Übergabetermin hinaus unbe- fristet tun. Alle Unterzeichnungen bis einschließlich 4. Oktober fließen in die Gesamtzahl der Un- terschriften, die im Offenen Brief genannt wird, mit ein. Unter https://schoolsforfuture.net/de/peti- tion/ kann der Offene Brief mit einem Klick unterzeichnet werden.

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