Stadt sieht großes Potenzial für Freiflächen-Photovoltaik: Verbände und Netzbetreiber bewerten die Pläne unterschiedlich

541 Hektar für die Energiewende

Green Culture Woche 2024
Die Stadt Dortmund hat umfangreiche Potenziale für Freiflächen-Photovoltaik ausfindig gemacht. Archivfoto: Patrick Essex

Die Stadt Dortmund hat entlang von Autobahnen und Bahntrassen rund 541 Hektar potenzielle Flächen für Freiflächen-Photovoltaik identifiziert. Mit diesen will die Verwaltung den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen und gleichzeitig möglichen Investor:innen mehr Planungssicherheit verschaffen. Doch zwischen den ausgewiesenen Potenzialflächen und tatsächlich gebauten Solarparks liegen noch einige Hürden. Landwirtschaftliche Interessen, Netzkapazitäten und wirtschaftliche Rahmenbedingungen werden darüber entscheiden, wie viel der identifizierten Flächen am Ende tatsächlich genutzt werden können.

Stadt reagiert auf gestiegene Nachfrage: Die Potenziale sind in der Theorie groß

Potenzialflächen im Bereich der Privillegierung für die Einzelfallprüfung. Stadt Dortmund

Der Ausgangspunkt der Untersuchung der Stadt Dortmund liegt in den Änderungen des Bundesrecht. Seit 2023 können Freiflächen-Solaranlagen entlang von Autobahnen und Bahntrassen unter bestimmten Voraussetzungen einfacher genehmigt werden. Dort ist eine Bebauungsplanung häufig nicht mehr erforderlich.

Nach Angaben der Stadt sind in den vergangenen Jahren sowohl Anfragen als auch konkrete Projektanträge von Entwicklern gestiegen. Aus diesem Grund hat die Verwaltung die für Freiflächen-Photovoltaik infrage kommenden Flächen untersuchen lassen.

Das Ergebnis: Nach Abzug von Naturschutzgebieten und weiteren Ausschlussflächen verbleiben rund 541 Hektar Potenzialflächen. Diese Größenordnung entspricht etwa der achtfachen Fläche des Westfalenparks.

Freiflächen entlang von Verkehrswegen stehen im Fokus

Flächenanalyse der Eignung von Parkplätzen für Photovoltaik. Stadt Dortmund

Dabei beschränkt sich die Untersuchung nicht auf Flächen entlang von Autobahnen und Bahntrassen. Auch Parkplätze, Gewerbeflächen, Halden, Deponien und weitere Standorte wurden betrachtet.

Dabei sind die vorhandenen Potenziale unterschiedlich verteilt: Großflächige Parkplätze bieten nach Angaben der Verwaltung lediglich rund 28 Hektar. Brachflächen sollen weiterhin für Wohnungsbauvorhaben zur Verfügung stehen. Freie Flächen in Gewerbegebieten möchte die Stadt darüber hinaus als Reserve für Unternehmen erhalten.

Die Stadt verfolgt daher das Ziel, den Ausbau von Freiflächen-Photovoltaik vor allem auf die bereits privilegierten Flächen entlang von Verkehrswegen zu konzentrieren. Zusätzliche Bebauungspläne für weitere Solarparks auf landwirtschaftlichen Flächen sollen nicht aufgestellt werden.

Großes Potenzial auch auf Dächern und Fassaden vorhanden

Das größte verfügbare Potenzial für Sonnenenergie sieht die Stadt weiterhin auf Gebäuden. Nach Berechnungen würden etwa 609 Hektar potenzielle Flächen zur Verfügung stehen.

Blick auf die Solarpanels auf dem Dach
Das Potenzial für Photovoltaik auf Dortmunder Dächern ist noch lange nicht ausgeschöpft. Foto: DEW21

Die Stadt macht in ihrem Bericht allerdings deutlich, dass es sich bei den Flächen erst einmal um theoretische Potenziale handelt. Ob diese tatsächlich genutzt werden können, hängt etwa von Statik, Bauweise und anderen Rahmenbedingungen ab.

Auch DEW21 verweist auf die Bedeutung von Dachanlagen. Nach Angaben des Unternehmens könnten auf Dortmunder Dächern langfristig rechnerisch mehr als 2.500 Gigawattstunden Strom pro Jahr erzeugt werden.

Landwirtschaftsverband fordert Vorrang für versiegelte Flächen

Kritischer werden diese Pläne vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) bewertet. Grundsätzlich unterstütze die Landwirtschaft die Energiewende und leiste bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Erzeugung erneuerbarer Energien, heißt es vom Verband.

Der WLV betont den Beitrag, den die Landwirtschaft für den Klimaschutz leistet. Archivbild: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Gleichzeitig warnt der WLV vor einer zunehmenden Inanspruchnahme landwirtschaftlicher Flächen. Diese stünden bereits heute unter Druck, etwa durch Wohnungsbau, Verkehrsinfrastruktur sowie Naturschutzmaßnahmen.

Daneben betont der Landwirtschaftsverband die klimatische Funktion landwirtschaftlicher Freiflächen, etwa durch Frischluftschneisen.

Aus Sicht des Verbandes sollten daher zunächst Dächer, Parkplätze und andere bereits versiegelte Flächen genutzt werden. Gerade in einer Großstadt wie Dortmund seien hier noch Potenziale vorhanden.

In Ballungsräumen nimmt die Konkurrenz um Flächen zu

Thomas Döring, Kreisvorsitzender des WLV Ruhr-Lippe, sieht mit Blick auf die Flächenverteilung im Ruhrgebiet eine zunehmende Wettbewerbssituation.

Je näher landwirtschaftliche Flächen an Ballungsräume heranrücken, desto stärker werde der Druck durch unterschiedliche Nutzungsansprüche. Dabei gehe es nicht nur um Landwirtschaft und Energieerzeugung, sondern auch um Wohnen, Gewerbe und Verkehr.

Die Stadt Dortmund weist in ihrer Beschlussvorlage selber darauf hin, dass rund 10,2 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen Dortmunds innerhalb der privilegierten Bereiche entlang von Autobahnen und Bahntrassen liegen.

Netzausbau wird zur zentralen Herausforderung für die Zukunft

Der Dortmunder Netzbetreiber DEW21 verweist dabei auf die Aufnahmefähigkeit des Stromnetzes. Diese lasse sich nicht pauschal bewerten. Ob neue Freiflächenanlagen angeschlossen werden können, hängt vom jeweiligen Standort und der vorhandenen Netzauslastung ab. Klar sei, dass die Anforderungen an die Stromnetze in den kommenden Jahren deutlich steigen. Neben Photovoltaik-Anlagen kommen auch Wärmepumpen und Elektromobilität hinzu.

Außenansicht des Gebäudes der DEW21
Für die DEW21 steht der Ausbau der Speicherkapazitäten im Fokus. Foto: Helmut Sommer für Nordstadtblogger.de

Eine wichtige Rolle sehen die Dortmunder Energieunternehmen daher bei Speichertechnologien. Sie sollen dabei helfen, Strom zwischenzuspeichern und Erzeugung sowie Verbrauch besser aufeinander abzustimmen. DSW21 testet nach eigenen Angaben bereits die gesetzlich vorgeschriebene Fernsteuerbarkeit von Stromerzeugungsanlagen und Speichern.

Parallel dazu investiert die Unternehmensgruppe nach eigenen Angaben in den Ausbau der Netzinfrastruktur. Zudem entstehen mit dem Energiepark auf der Deponie Dortmund-Nordost und dem Projekt „WindSpark“ in Ellinghausen bereits weitere Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien.

Verband der Erneuerbaren Energie sieht Dortmund in einer Vorreiterrolle

Deutlich positiver bewertet der Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) die Analyse der Stadt Dortmund. Der Verband spricht in diesem Zusammenhang von einer Vorreiterrolle für urbane Kommunen.

Der Verband LEE NRW sieht Dortmund in einer Vorreiterrolle. Foto: Depositphotos.com

Nach Einschätzung des LEE erfolgt der Ausbau der Freiflächen-Photovoltaik in Nordrhein-Westfalen aktuell zu langsam. Die Ausweisung sogenannter Positivflächen könne dazu beitragen, Investoren mehr Planungssicherheit zu geben und Genehmigungsverfahren zu vereinfachen.

Gleichzeitig weist der Verband darauf hin, dass die Flächenausweisung allein noch keine Projekte garantiert. Netzanschlüsse, Förderbedingungen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen blieben entscheidende Faktoren für die Umsetzung.


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