
Die Single „Suona la Nordstadt“, eine Kooperation des Dortmunder Singer/Songwriters Hans Blücher mit dem italienischen Musiker Sergio Gelsomino, erscheint am heutigen Freitag (15. Mai 2026). Gesungen auf Deutsch und Italienisch, begleitet von Akustikgitarre und Querflöte, interpretieren die beiden Künstler Blüchers Song „So klingt die Nordstadt“ mit sizilianischem Flair.
Ein Song zwischen Reviertradition und Gastarbeitergeschichte
Wer sich mit der Geschichte des Ruhrgebiets beschäftigt, stößt alsbald auf das Anwerbeabkommen von 1955 zwischen Deutschland und Italien. Die Kohle- und Stahlindustrie brauchte Arbeitskräfte, um nach dem verheerenden Krieg wieder in Schwung zu kommen; vor allem im Süden Italiens suchten viele Männer nach einem Job, der ihre Familien ernähren konnte. Sie machten sich auf in eine neue Heimat – auch nach Dortmund.
Im Gepäck hatten die Gastarbeiter dabei nicht nur ihre Werkzeuge, sondern auch italienische Kultur, die dem Ruhrgebiet bis heute ihren Stempel aufdrückt: Wörter: „Getz aber pronto!“ – Kaffeekultur: „Ohne Expresso werd ich nich wach!“ – die ausdrucksvolle Leidenschaft für Fußball, denn Fahnenmeere und Fanmärsche quer durch die Stadt waren hier zuvor noch fremd – und natürlich auch ihre Musik: emotionale Volkslieder, Adriano Celentano, Italo Disco…
Das jetzt erscheinende „Suona la Nordstadt“ von Hans Blücher und Sergio Gelsomino knüpft nahtlos an diese Tradition an. Auf Deutsch und Italienischen singen die zwei Künstler über das Gefühl zwischen den Häusern der Dortmunder Nordstadt, die Lebensfreude auf der Straße und Feierabend-Dolce-Vita am nächtlichen Hafen.
Sizilien liegt im Norden: Persönliche Wege treffen sich in Dortmund
„Es geht vor allem um das Gefühl von Heimat, das man an einem neuen Ort sucht und irgendwann findet“, so Gelsomino. Dabei spricht der in Dortmund lebende Italiener aus tiefer Erfahrung: Sein Weg führte ihn aus Sizilien über Bologna und Turin nach einem Gastspiel in New York bis ins Ruhrgebiet.
Aufgewachsen zwischen Rock und Klassik beherrscht Gelsomino Gitarre und Piano, studierte die Querflöte, spielte bereits für Papst Johannes Paul II. und stand mit Neven Subotić auf einer Bühne. Sein Album „Matilda“ wurde 2025 mit dem Deutschen Rock & Pop Preis als Bestes Folk-Rock-Album ausgezeichnet.

„Dazu wollten wir die Vielfalt der Nordstadt hörbar machen. Zweisprachiger Gesang, sizilianische Flötenklänge, ein Song über Dortmunds buntesten Stadtteil – so bekam der Titel eine internationale Note “, ergänzt Blücher. Auch er ist zugezogen. Zwar nicht aus dem Ausland, aber immerhin aus dem Allgäu – einer Region, in der die herzliche, manchmal raue, Offenheit des Ruhrgebiets hin und wieder exotisch wirkt.
Blücher selbst schreibt nicht nur Songs, sondern engagiert sich auch stark für die Dortmunder Musikszene. Sein Indie-Label „Nordmarkt Records“ promotet lokale Künstler:innen, im Rahmen des Vereins „Musiksyndikat Ruhr“ organisiert er Veranstaltungen und nicht zuletzt ist er auch Initiator der Konzertreihe „Dortmund unplugged“ im „Langen August“. Dort entstand auch die Idee zu „Suona la Nordstadt“.
Zwischen Tresen und Geburtstagsfeier zur gemeinsamen Idee
Im April diesen Jahres feierte Blücher nämlich runden Geburtstag und schenkte sich selbst einen besonderen Abend: Im Ramen von „Dortmund unplugged“ standen Musiker:innen auf der Bühne, die nicht nur ihre eigenen Songs spielten, sondern immer auch eine Blücher-Nummer coverten – solo oder im Duett, als trashige Rockvariante oder ganz nah am Original. Unter ihnen war auch Gelsomino, der Blüchers „So klingt die Nordstadt“ auf Italienisch vortrug.
Das kam gut an. Während Gelsomino sang, roch es im „Langen August“ förmlich nach mediterraner Salzluft und der Aprilfrühling wurde ein paar Grad wärmer. Ähnlich wird es wohl den italienischen Gastarbeitern gegangen sein, die vor mehr als 60 Jahren in den Quartieren der Nordstadt die Lieder ihrer Heimat sangen.
Noch am gleichen Abend steckten Blücher und Gelsomino die Köpfe zusammen: den Song zweisprachig herausbringen, reduziert auf wenige Instrumente. Spontane Ideen bei Bier und Gesellschaft, Machermentalität – auch das ist Ruhrgebiet.
Veröffentlichung und Livepremiere am Dortmunder Hafen
„Suona la Nordstadt“ erscheint am 15. Mai 2026 auf allen gängigen Streaming-Plattformen, produziert und abgemischt im Studio von Jan Primke. Die Weltpremiere in der Live-Variante erfolgt zwei Tage später, also am 17. Mai im „Umschlagplatz“ am Dortmunder Hafen. Los geht es dort um 15 Uhr, der Eintritt ist kostenlos.
Wer jetzt schon mehr zu Blücher, seiner Musik und seinem runden Geburtstag wissen möchte (oder diesen Artikel später liest und den Liveauftritt verpasst hat), dem sei der gleichnamige Podcast von „Dortmund unplugged“ ans Herz gelegt: Einmal im Monat sind Musiker:innen aus Dortmund und Umgebung zu Gast im Studio Due West, performen live und erzählen von sich, ihrem Leben und der Musik.
Alles Wichtige im Überblick:
- Die Single „Suona la Nordstadt“ von Sergio Gelsomino und Hans Blücher erscheint am 15. Mai 2026 auf allen Streaming-Portalen.
- Erstmals live präsentiert wird er Song am 17. Mai 2026 am Umschlagplatz, Speicherstraße 64, 44147 Dortmund. Der Eintritt ist kostenlos.

