Peter Hühner macht es vor – und hunderte Menschen folgen ihm im Wiegeschritt

Die TanzFit-Kurse für Senior*innen sind in Dortmund stets ausgebucht

Cha Cha Cha und Slow Fox, Salsa und Samba. Die Choreographie gibt Hühner vor, die Kursteilnehmer*innen folgen. Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Von Susanne Schulte

Wo immer Peter Hühner auftaucht, blickt er in strahlende Gesichter: in die seiner Kursteilnehmer*innen, in die von Begegnungsstätten-Leiter*innen, in die der Mitarbeiter*innen von Seniorenbüros und -heimen. Seit knapp zehn Jahren ist er der Mann, der mit dem Angebot namens TanzFit die Räume füllt, die Menschen in Bewegung bringt und sie nach einer Stunde Training gut gelaunt in den Tag oder den Abend entlässt. Peter Hühner ist Dortmunds bekanntester Tanzlehrer für alle, die ihren 50. Geburtstag bereits gefeiert haben.

Seit mehr als 40 Jahren ist Peter Hühner auf dem Parkett

Und seinen Job macht er nicht nur sehr gut, sondern auch sehr gerne. „Ich war schon immer eine kleine Rampensau“, sagt er, der heute 63 Jahre alt ist, über sich. Und dieses Talent kam voll zum Tragen, als er 1980 als Tanzschüler zum ersten Mal seine Füße aufs Parkett im Tanzstudio Gödde setzte.

Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Er übernahm mal die Bar, mal den Job als Discjockey, stand stets als Tanzpartner bereit, wenn Männer in einem Kurs fehlten.

Seinen Berufswunsch, „ich wollte Raumplaner werden“, vergaß er schnell und begann schon bald die Ausbildung zum Tanzlehrer, dann die zum Tanzsporttrainer. 2003 übernahm er die Tanzschule, in der er Walzer und Foxtrott, Rumba und Tango gelernt hatte.

„Ich habe schon immer gerne mit älteren Menschen gearbeitet“

Seitdem ist er nicht aus dem Tritt gekommen. Als Gesellschaftstänze nicht mehr so gefragt waren, übte er mit Schülerinnen Hip-Hop, machte die Weiterbildung zum Fachlehrer für West Coast Swing und später die zum Fachtanzlehrer Seniorentanz und TanzFit. „Ich habe immer gerne mit älteren Menschen gearbeitet“, so Hühner. 

Jahrelang leitete er im Wilhelm-Hansmann-Haus (WHH) den Kurs Stepptanz für Senior*innen. Und als dafür das Interesse einschlief, fragte ihn die damalige Hausleitung, ob er nicht noch etwas in petto hätte. Er hatte: das vom ADTV, dem Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband, konzipierte Programm TanzFit.

„Wer einmal angefangen hat, hört nicht mehr auf“

„Ich war schon immer eine kleine Rampensau“, sagt Peter Hühner lachend. Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Zu einer Probestunde im WHH kamen gleich 50 interessierte Tänzer*innen, vor allem Frauen, und im Anschluss ergänzten gleich zwei Kurse das Programm des Hauses. So war es auch zuvor in seiner Tanzschule gewesen. „Einige von denen sind auch heute, nach neun Jahren, immer noch dabei.“ 

Was Tanzfit so attraktiv macht, beschreibt Tanja Tenholt, Leiterin der AWO-Begegnungsstätte Eugen-Krautscheid-Haus am Westpark so: „Es ist die Kombination aus Peter Hühner als Person, der so mitreißend ist, und aus der flotten Musik und dass man keinen Tanzpartner braucht.“ 

Das Eugen-Krautscheid-Haus bietet heute fünf Kurse an, genauso wie das WHH. Und alle sind ausgebucht. Wie auch die in seiner Tanzschule. „Wer einmal anfängt, hört nicht mehr auf“, so die Erfahrung von Peter Hühner. Zudem seien es keine Kurse, bei denen man immer einsteigen kann.

Wer einen Schritt verpasst, darf gerne schummeln

Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Ja, er tanzt jeden Schritt vor, aber wenn er Wechselschritt ansagt, Grundschritt hinten oder Wiegedrehung ist es schon gut, wenn man weiß, was nun zu tun ist und nicht nur auf Hühners Füße starren muss. 

Die Tänze sind die, die auch als Paar funktionieren: Cha Cha Cha und Slow Fox, Salsa und Samba. Die Choreographie gibt Hühner vor, die Kursteilnehmer*innen folgen. „Und wenn ihr mal einen Schritt verpasst habt, wisst ihr ja, was ihr machen müsst: schummeln“, ruft er der Gruppe zu. Und dafür mögen sie ihn alle.

Stets gut besucht: die Tanztees für Menschen mit Rollator

Das Tanzen und die Hüfte kreisen lassen auch bestens mit Rollator funktioniert, zeigte Peter Hühner den begeisterten Teilnehmenden. (Archiv) Foto: Dieter Schütze

Auch die, die nicht mehr ohne Rollator unterwegs sein können. Nachdem Hühner vor mehr als 15 Jahren, als von TanzFit noch keine Rede war, sich vorausschauend als Lehrer für choreographierten Rollatortanz weiterbilden ließ, wollten anschließend kein Heim und keine Begegnungsstätte sein neuerworbenes Können nutzen. 

Er war dennoch überzeugt: „Das ist vielleicht irgendwann einmal wichtig.“ Und heute, Jahre später, ist es das. Nach dem ersten Tanztee für Menschen mit Rollator, organisiert von einem Seniorenbüro und mit ihm als Vortänzer, stand das Telefon nicht mehr still: „Jeden Tag bekam ich vier, fünf Anrufe.“ Und die Anrufenden manche Absage – mangels Zeit. Zusammen mit dem Tanzschulbetrieb komme er auf 48 Stunden reinen Unterricht in der Woche, sagt Hühner.

Gerne als Programmpunkt gebucht: die TanzFit-Vorführungen

Zum Tanztee mit Rollator bringt er neben seiner guten Laune und seiner Leidenschaft auch selbst eine Gehhilfe mit. Er weiß, wie man diese auf die richtige Höhe einstellt und hilft dabei, damit auch andere in die aufrechte Position kommen. „Viele gehen viel zu gebückt mit dem Rollator“, hat er beobachtet. Und andere beobachten bei ihm, wie selbstverständlich er sich um Menschen kümmert.

Die TanzFit-Kurse im Krautscheid- und im Hansmann-Haus sind durchweg ausgebucht. Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

„Peter Hühner gibt allen die Möglichkeit, trotz deren körperlichen Einschränkungen, mitmachen zu können“, weiß Tanja Tenholt seine Empathie zu schätzen. Und sie lobt weiter: „Man kann ihn immer fragen, ob er bei Veranstaltungen mit seinen TanzFit-Kursen auftreten möchte. Und er ist immer dabei. Er ist ein richtiger Sonnenschein.“


Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

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