Gute Nachrichten für Kleingärtner:innen in Körne und im Hafenquartier:

PCB-Untersuchungen ergeben Entwarnung

Um das Werk herum sollte auf den Verzehr bestimmter Gemüse verzichtet werden. Foto: Stadt Dortmund

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) hat bekanntermaßen in zwei Bereichen des Dortmunder Stadtgebietes umfangreiche Untersuchungen angestellt zu potenziell gesundheitsschädlichen polychlorierten Biphenylen (kurz: PCB). Die Auswertung der Ergebnisse liegt nun vor. Das Ergebnis bedeutet eine Entwarnung für beide betroffenen Gebiete in Körne und am Hafen.

Die Untersuchungen des LANUV in Körne

Im Umkreis der Firma M+S Silicon waren an zwei Messpunkten von August bis November 2022 Grünkohlpflanzen angepflanzt worden, um die Blätter auf den PCB-Gehalt zu untersuchen. Hierbei konnten „keine gegenüber der Hintergrundbelastung (OmH) erhöhten PCBgesamt-Gehalte mehr festgestellt werden“, heißt es in dem Bericht des LANUV.

Auf diesen Befund hatte die Stadt gehofft. Er war zu erwarten, da der Betrieb bei M+S Silicon im Frühjahr 2022 endgültig die Produktion seiner Silikon-Produkte umgestellt hatte und seitdem ohne den chlorhaltigen Vernetzer auskommt, der Ursache war für die vor drei Jahren gemessenen erhöhten Werte. Der Zuschlagsstoff war zwar ordnungsgemäß zugelassen, jedoch war bis dahin nicht bekannt, dass seine Verwendung zu Abluftemissionen von PCB-Einzelsubstanzen führen kann.

Um das Werk herum sollte auf den Verzehr bestimmter Gemüse verzichtet werden. Karte: Stadt Dortmund

Auch die vom LANUV ermittelten Außenluftgehalte hatten ab April 2022 keinen nennenswerten immissionsbedingten Eintrag der sogenannten PCB-Kongenere 47, 51 und 68 mehr gezeigt. Kongenere sind chemische Verbindungen, die sich unterscheiden, aber in ihrer Grundstruktur ähnlich sind. Bei PCB sind 209 Kongenere bekannt. Die hier untersuchten Verbindungen sind erstmals durch einen Fall in Ennepetal in den Fokus gerückt und nachgewiesen worden.

Sie wurden zuvor bei standardisierten PCB-Untersuchungen nicht gezielt mituntersucht. Das änderte sich, nachdem mit PCB belastete Flocken Ende 2019 bei dem Unternehmen in Ennepetal austraten. Landesweit wurden schließlich sieben weitere Unternehmen identifiziert, die für die Herstellung ihrer Silikon-Produkte mit einem vergleichbaren Prozess arbeiteten.

Die bisher für die gesamte Kleingartenanlage Nord-Ost (Umfeld der Hannöverschen Straße) geltenden differenzierten Verzehrempfehlungen können aus Sicht des LANUV nun aufgehoben werden. Das Landesamt schlägt gleichzeitig vor, die Grünkohluntersuchungen in 2023 nicht fortzusetzen, solange sich keine Anhaltspunkte für eine veränderte Immissionssituation ergeben. Auch die Luftmessungen werden eingestellt.

Die Untersuchungen des LANUV am Hafen

Der im Hafenquartier angebaute Grünkohl kann wieder uneingeschränkt verzehrt werden.
Der im Hafenquartier angebaute Grünkohl kann wieder uneingeschränkt verzehrt werden. Foto: depositphotos.com/ Brent Hofacker

Im Umfeld des Hafens wurden nach einer zweijährigen Pause erneut Grünkohlproben untersucht. Die ermittelten PCBgesamt-, dl-PCB und PCDD/F-Gehalte in den Grünkohlpflanzen unterschreiten an allen drei untersuchten Messpunkten den jeweils gültigen Wert der sognannten Hintergrundbelastung (OmH) für NRW sowie den EU-Auslösewert.

Aus diesem Grund war eine gesundheitliche Bewertung der ermittelten Gehalte nicht notwendig. Die bisher vorsorglich aufrecht erhaltene Verzehrempfehlung für die betrachteten Kleingartenanlagen, nicht mehr als drei bis vier Mal pro Woche selbst angebauten Grünkohl pro Woche zu verzehren, kann deshalb aus Sicht des LANUV aufgehoben werden.

Aus Sicht des Landesamtes können auch im Einflussbereich des Dortmunder Hafens die Untersuchungen zur Immissionsbelastung von Nahrungspflanzen beendet werden. Die Entscheidung darüber trifft das das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MUNV).

Envio Gelände und Gebäude im Dortmunder Hafen
Das Unternehmen ENVIO mit seiner nicht genehmigungskonform betriebenen Abfallbehandlungsanlage für kontaminierte Transformatoren war verantwortlich für die gesundheitsgefährdenden Immissionen. Klaus Hartmann | Nordstadtblogger

Die Kleingärtner:innen im Hafenquartier leben seit mehr als zehn Jahren mit den Auswirkungen von betrieblichen PCB-Emissionen. Damals war das Unternehmen ENVIO mit seiner nicht genehmigungskonform betriebenen Abfallbehandlungsanlage für kontaminierte Transformatoren verantwortlich für die gesundheitsgefährdenden Immissionen.

Im Fall ENVIO ging es um das Freisetzen von PCB in ganz anderen Dimensionen im Vergleich zu Körne. PCB fand sich in den Hallen sowie im Staub auf dem Betriebsgelände wieder. Für Betriebe wie ENVIO gelten strenge Vorschriften in Sachen Umweltschutz, Arbeits- und Gesundheitsschutz, die hier nicht eingehalten wurden.

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