Aus dem Workshop ins Depot in der Nordstadt

Menschen mit Beeinträchtigungen beteiligen sich an Kunstausstellung zum Thema „Würde“

Die Bethel-Klienten Christian Reiß (vorn) und Moritz Kremers arbeiten in der Holzwerkstatt an einem Raumobjekt. Foto: Emanuel Bloedt für Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das ist der Anspruch, wie er in Artikel 1, Absatz 1 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland formuliert ist. Die Wirklichkeit sieht dagegen häufig anders aus – vor allem für Menschen mit Beeinträchtigungen. Damit beschäftigt sich eine Wanderausstellung, die die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel für die Zeit vom 10. bis 23. März in den Dortmunder Kulturort „Depot“ holen. Ihr Titel: „Würde – eine interaktive Kunstausstellung in Bild und Tat“. Ihr Anliegen: Ein Bewusstsein für ein würdevolles Miteinander zu entwickeln und es durch Kunst und Beteiligung sicht- und erlebbar zu machen.

„Würde – eine interaktive Kunstausstellung in Bild und Tat“

Menschen mit Handicaps, Suchtproblematiken und psychischen Erkrankungen, die von Bethel und damit von einem der größten diakonischen Unternehmen Europas versorgt werden, haben sich auf vielfältige Weise eingebracht.

Bethel-Klient Gregor Thomas steht als Model vor der Linse von Fotograf Jens Sundheim. Foto: Sarah Jonek für Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel

So wirkten einige von ihnen beispielsweise in einem Fotoprojekt im Dortmunder Künstlerhaus mit und schlüpften in die Rollen von Hollywood-Stars; in einem anderen Workshop fertigten Bethel-Klientinnen und Klienten in einer Holzwerkstatt in der Dortmunder Urbanisten-Manufaktur ein Raumobjekt an.

„Das war ein richtig spannendes Erlebnis“, sagt Christian Reiß über die viertägige Veranstaltung in der Holzwerkstatt. Im Umgang mit Akkuschrauber, Säge und Feile wurde er schnell immer sicherer. Der 41-jährige Dortmunder lebte früher im Stadtteil Kley im Betheler Haus Echeloh für Erwachsene mit chronisch psychischen Erkrankungen.

Inzwischen wohnt er allein in Hörde und wird ambulant betreut. Würde ist für ihn ein wichtiges Thema. „Denn ich bin in meinem Leben nicht immer würdevoll behandelt worden“, erzählt Christian Reiß.

Ausstellung im Depot kann kostenlos besucht werden

Beim Fotoprojekt war Gregor Thomas vor wie hinter der Kamera im Einsatz: als Model und genauso als Stylist und Beleuchter. Der 58-Jährige, der in Castrop-Rauxel im Betheler Haus Waldenburger Straße für Erwachsene mit chronisch mehrfachen Abhängigkeitserkrankungen lebt, verhielt sich zu Beginn des Workshops noch etwas zögerlich.

Depot Außenansicht Foto: Depot/ Jan Schmitz
Die Ausstellung ist im Depot in der Nordstadt ab dem 10. März 2022 zu sehen. Archivfoto: Jan Schmitz

„Da war bei mir eine Blockade, etwas zu sagen. Denn ich bin ja der Alkoholiker“, erzählt er. Doch in der Gemeinschaft der bunt gemischten Gruppe legte er seine Hemmung ab und brachte sich mit eigenen Ideen ein. Wie Christian Reiß freut sich auch Gregor Thomas nun auf den Besuch der von ihm selbst mitgestalteten Ausstellung.

„Würde – eine interaktive Kunstausstellung in Bild und Tat“ wird im barrierefrei zugänglichen „Depot“ (Immermannstraße 29, 44147 Dortmund) zu sehen sein; dienstags bis samstags von 14 bis 18 Uhr sowie sonntags von 11 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, für Besucher gelten die dann gültigen Corona-Regeln. Schirmherr der Ausstellung ist Jörg Stüdemann, Kulturdezernent der Stadt Dortmund.

Gezeigt werden Malerei, Zeichnungen, Fotografie, Filme, Objekte und Installationen. Die Initiative „Würdekompass“ präsentierte die Schau erstmals 2019 in Braunschweig unter der Leitung der Künstlerin Yvonne Salzmann; damals waren Werke von 20 Künstlerinnen und Künstlern zu sehen. Diese Basis wird nun in Dortmund durch die Arbeiten erweitert, die Bethel-Klientinnen und -Klienten in Workshops wie im Künstlerhaus und in der Urbanisten-Manufaktur angefertigt haben.

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