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„Mahnmal für die Toten des Krieges“ von Benno Elkan als weltweit erstes virtuelles Denkmal im MKK Dortmund

Augmented Reality Brille

Das VR-Unternehmen „viality“ hat das letzte, unausgeführte Werk des Dortmunder Bildhauers Benno Elkan optisch rekonstruiert.

Von Gerd Wüsthoff

Im Orchesterzentrum an der Brückstraße, dem Standort des einstigen Geburtshauses von Benno Elkan, präsentieren der Historische Verein, die Stadt Dortmund und das Unternehmen „viality“ die Rekonstruktion des nicht ausgeführten letzten Kunstwerkes von Benno Elkan. „Es stellte eine besondere Herausforderung dar, denn wir hatten nur noch sechs, nicht sehr scharfe schwarz-weiß Fotografien. Aber wir haben es geschafft“, erklärt Markus Rall, Vorstand und Inhaber von „viality“, ein VR-Unternehmen mit Sitz in Dortmund. Beryn Hammil, die Enkelin von Elkan, war bei Ansicht des Kunstwerkes in Augmented-Reality, mehr als gerührt. Augmented-Reality ist die Projektion eines 3D-Objektes in den realen Raum.

Über 60 Jahre nach der Idee kann ein Kunstwerk dank neuester Technologie wieder erstehen

Beryn Hammil bei der Päsentation mit Markus Rall

Beryn Hammil bei der Päsentation mit Markus Rall

Während der Präsentation wurde das Mahnmal über eine spezielle Brille für die BetrachterInnen oder TrägerInnen der Spezial-Brille in den Raum hineinprojiziert. Im Gegensatz zur Virtual-Reality sieht der Betrachter immer auch den Raum, in dem er sich aktuell befindet.

Er hat die realen Orientierungspunkte im Raum. In der Virtual-Reality sind die  BetrachterInnen in einem künstlichen Raum. Ganz so wie auf dem „Holo Deck“ von „Raumschiff Enterprise“. Durch einen Marker, der eine App initiert, kann man das Werk auch in einem Smartphone betrachten.

In seiner Rede hob Oberbürgermeister Ullrich Sierau die Einmaligkeit des Projektes hervor: „Es ist das weltweit erste und bislang einzige Denkmal, das in 3D erstellt wurde, um es in einem Museum-  im MKK in Dortmund – zu präsentieren“, sagt Sierau nicht ohne Stolz. Weiter betont er, dass damit auch der Wissenschaftsstandort Dortmund ein Leuchtturm-Projekt geschaffen habe.

Für Beryn Hammil, die Enkelin von Benno Elkan, ist ein Traum ihres Großvaters und von ihr selbst in Erfüllung gegangen. Elkan hatte das Mahnmal ursprünglich seiner zweiten Heimatstadt Frankfurt angeboten, die damals, kurz nach dem Krieg, noch nicht reif für diese Form der Erinnerungskultur war. Sie lehnte es ab, wie es auch nicht in seiner Geburtsstadt Dortmund realisiert werden konnte.

Dortmund hat nun dieses Mahnmal für ALLE Opfer des Bombenkrieges in der Welt als 3D-Modell realisiert, um es nicht nur im MKK den BesucherInnen zugänglich zu machen, sondern in Zukunft weltweit.

Dortmund ehrt seinen Sohn mit virtueller Erschaffung seines letzten Werkes

Präsentation des „Mahnmal für die Toten des Krieges“ in 3D

Präsentation des „Mahnmal für die Toten des Krieges“ in 3D

„Meine Gefühle sind Dankbarkeit gegenüber den Menschen, die meinen Traum teilten, Bennos letztes und in seinen Worten bestes und würdigstes künstlerisches Werk, zu verwirklichen“, sagt Hammil sichtlich bewegt. Hammil – der Apfel fällt nicht weit vom Stamm –  ist Designerin. Seit langem engagiert sie sich für die Würdigung und Anerkennung ihres Großvaters, für sein künstlerisches Erbe und dessen Ideen für den Frieden.

Dass das Mahnmal eine Ehrung oder besser eine Erinnerung für die Opfer aller Bombardements, von Guernica, über Coventry und London, Rotterdam, Warschau, Hiroshima und auch den deutschen Städten sein sollte – auch wenn von deutschem Boden der barbarischste aller Kriege ausging -, war für Elkan ein besonderes Anliegen.

Elkan starb, bevor er das Mahnmal letztendlich vielleicht doch in Dortmund, seiner Geburtsstadt realisieren konnte. Einzig die Fotos seines verschollenen Gipsmodels existierten noch, die im Besitz seiner Enkeltochter in den USA sind. Am Standort seines Geburtshauses an der Brückstraße, im jetzigen Orchesterzentrum Brückstraße, wurde sein finales Werk der Öffentlichkeit übergeben.

Mit vereintem Engagement entsteht ein Mahnmal gegen Gewalt

Hammil und Samulewicz

Hammil und Samulewicz.

„Fast 60 Jahre nach seinem Tod bekam ich Kisten mit den Unterlagen meines Großvaters ausgehändigt. Und darin waren die Fotos und Notizen über sein letztes Werk“, erklärt Hammil während der Präsentation.

„Ich teilte meine Ideen mit und wünschte dazu den Verantwortlichen in Dortmund vor allem, dass ich sein Mahnmal realisiert sehen wollte. Und nun hat Dortmund den Traum meines Großvaters und meinen realisiert. Eine Umsetzung, die bald überall in der Welt gesehen werden kann.“

Ermöglicht haben die Verwirklichung in Augmented-Reality „viality“. Sie sind die „Masterminds“ hinter der 3D-Realisierung. Aber ohne die Unterstützung und Zusammenarbeit mit der Stadt, dem MKK, dem Historischen Verein Dortmund unter dem Vorsitz von Adolf Miksch sowie einer großzügigen Spende der Sparkasse Dortmund unter Leitung von Uwe Samulewicz wäre das nicht möglich gewesen.

„Es war von unserer Seite ein erhebliches Maß an ehrenamtlichem Engagement notwendig, weil das Projekt unter realen Bedingungen weitaus teurer gekommen wäre“, erklärt Markus Rall auf Nachfrage. Letztendlich wollte sich keiner der beteiligten Offiziellen zur genauen Höhe des Betrages äußern. Lediglich Samulewicz sprach von einer Sparkassenspende im fünfstelligen Bereich.

Weitere Informationen: www.benno-elkan.de

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