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IG Metall fordert sechs Prozent mehr Entgelt sowie erstmals tarifliches Urlaubsgeld bzw. Freizeitausgleich im Stahlbereich

Nach den Erfolgen in der Metall- und Elektroindustrie soll nun der Stahlbereich nachziehen. Foto: Thomas Range

Die Tarifrunde in der Stahlindustrie, Aktivitäten gegen Rassismus und die Fusion der Geschäftsstellen Dortmund und Bochum-Herne sind 2019 die bestimmenden Themen des Jahres für die IG Metall in Dortmund. 

Sechs Prozent mehr Entgelt für die Beschäftigten der Stahlindustrie gefordert

Am heutigen Donnerstag (10. Januar 2019) fand die erste Verhandlungsrunde von Gewerkschaft und Arbeitgebern statt. Die Forderungen der IG Metall liegen auf dem Tisch. Sechs Prozent mehr Entgelt, eine zusätzliche tarifliche Urlaubsvergütung und eine zusätzliche Einmalzahlung für Azubis fordert die Tarifkommission der Gewerkschaft.

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Die Rahmenbedingungen in der Branche sind günstig: „Wir lassen uns von der guten wirtschaftlichen Situation leiten“, verdeutlicht der 2. Bevollmächtigte der IG Metall in Dortmund, Volker Strehl. Die Auslastung in den Stahlbetrieben liegt bei 90 Prozent. Es gibt Steigerungen bei Rohstahlerzeugung und Umsatz. Die Preise für fertige Erzeugnisse sind zudem gestiegen – allerdings nicht so stark wie die Rohstoffpreise.

Daher hält die IG Metall die sechs Prozent-Forderung für angemessen. Die Produktivitätssteigerung der Gesamtwirtschaft macht einen Prozent-Punkt aus, die Preissteigerungen zwei. „Und die weiteren drei Prozent ist das, was wir uns zutrauen – die Robin Hood-Komponente“, rechnet Strehl lachend vor.

Erstmals tarifliche Urlaubsvergütung gefordert – Umwandlung in Freizeit als Option

Volker Strehl aus Bochum ist neuer 2. Bevollmächtigter der IG Metall Dortmund,  Ulrike Hölter hier 1. und in Bochum 2. Bevollmächtigte.

Doch auch bei der tariflichen Urlaubsvergütung sollen die Stahlunternehmen – in Dortmund ist das thyssenkrupp steel mit rund 1.300 Beschäftigten – nachlegen. Die Gewerkschaft fordert 1.800 Euro Urlaubsgeld – wahlweise als Einmalzahlung oder umgewandelt in Freizeit. Bislang gibt es im Stahlbereich – anders als in vielen Branchen – keinen Urlaubsgeldanspruch.

Die IG Metall greift dabei auf die Erfahrungen in der Metall- und Elektro-Industrie zurück, wo diese Komponente im vergangenen Jahr erstmals im Tarifstreit durchgesetzt werden konnte.

Dort galt allerdings eine 27,5 Prozent-Quote eines Monatsgehalts, die nur besonders belastete ArbeitnehmerInnen (im Schichtdienst, mit Kindern oder bei Pflege von Angehörigen) in Freizeit umwandeln konnten – das macht dort acht bis zehn zusätzliche Urlaubstage aus. 

In der Stahlindustrie sollen durch den Festbetrag vor allem die unteren Einkommensgruppen profitieren und die Option zur Umwandlung in Freizeit für alle Beschäftigten gelten. „Diese Forderung kam bei den Mitgliedern besonders gut an“, berichtet die 1. Bevollmächtigte Ulrike Hölter aus den Mitgliederbefragungen. „Vor allem für Menschen im Schichtdienst ist das eine Super-Regelung.“

Friedenspflicht endet am 31. Januar – Metall-Gewerkschaft zeigt sich streikbereit

Auf der Westfalenhütte in der Nordstadt könnte es bald zu Warnstreiks kommen. Foto: Alex Völkel

Auch die Azubis sollen von der guten wirtschaftlichen Lage profitieren: 600 Euro als Einmal-Zahlung will die Gewerkschaft erreichen – allerdings ohne Anspruch in Freizeit-Umwandlung.

Inwieweit die Arbeitgeber auf die Forderungen eingehen, wird sich heute und in der zweiten Verhandlungsrunde am 23. Januar 2019 zeigen. „Danach wird die Tarifkommission zusammenkommen“, kündigte Volker Strehl an.

Die Friedenspflicht im Stahlbereich gilt bis 31. Januar.  „Wir hoffen, dass Arbeitgeber ihre wirtschaftliche Situation sehen und nicht lange Spielchen machen. Ab 1. Februar können wir mit Warnstreiks Druck machen. Dass wir das in der Stahlindustrie können, wird niemand bezweifeln“, zeigt sich Strehl kampf- und streikbereit. 

Die Leute seien bereit, gerade auch für das Thema der selbstbestimmten Arbeitszeiten auf die Straße zu gehen. Das zeigten die Mitgliederbefragungen und auch die steigenden Mitgliederzahlen. „Wir haben die selbstbestimmten Arbeitszeiten aufgegriffen. Das hat ins Herz der Leute getroffen“, verdeutlicht Ulrike Hölter. 

Hölter: „Der Wunsch nach Freizeit und Ruhe ist höher als nur der Wunsch nach Geld“

Die Flexibilisierung sei bisher eher zu Lasten der Beschäftigten und zu Gunsten der Unternehmen und Aufträge ausgefallen. Der Leistungsdruck nehme immer weiter zu. Die IG Metall wolle nun endlich mehr Flexibilität zugunsten der Beschäftigten erreichen. „Wir hatten das ja vorher abgefragt. Es ist eine gute Strategie der IG Metall, die Wünsche aufzugreifen“, so Hölter. 

„Der Wunsch nach Freizeit und Ruhe ist höher als nur der Wunsch nach Geld“, verdeutlicht sie mit Blick auf die Erfahrungen in der Metall- und Elektroindustrie, wo viele, die eine Wahloption hatten, sich für die zusätzliche Freizeit entschieden hätten.

Die Erfolge in der Tarifrunde – aber nicht nur dort – bescheren der IG Metall weiterhin steigende Mitgliederzahlen – zumindest wenn man auf den Saldo zwischen Neueintritten und Austritten betrachtet. Der fällt positiv aus, kann aber zumindest im Ruhrgebiet wegen der hohen Alterstruktur die Zahl der Sterbefälle nicht ausgleichen. Bundesweit gab es im vergangenen Jahr rund 130.000 neue Mitglieder – davon allein in Dortmund über 500.

Fusion von Dortmund und Bochum-Herne zur „IG Metall Ruhrgebiet-Mitte“

Unter dem Motto „Gemeinsam stärker werden!“ läuft der Fusionsprozess für die „IGM Ruhrgebiet-Mitte“.

Daher setzt die IG Metall ihre Fusionsbestrebungen fort: Im kommenden Jahr sollen die Geschäftsstellen Bochum-Herne sowie Dortmund fusionieren (wir berichteten). Auf einen möglichen Namen hatten sich die Gremien jetzt verständigt: „IG Metall Ruhrgebiet-Mitte“ soll die fusionierte Geschäftsstelle heißen.

„In Herne ist ja der geografische Mittelpunkt des Ruhrgebiets. Das ist wunderbar und liegt in unserer Geschäftsstelle“, freut sich Hölter über den möglichen neuen Namen. Der Bundesvorstand muss dem Namen noch zustimmen. 

Die neue Einheit wäre mit derzeit 41.300 Mitglieder die zweitgrößte Geschäftsstelle in NRW nach Köln-Leverkusen. Bislang kooperieren die Geschäftsstellen. Außerdem gibt es eine sogenannte „Über-Kreuz-Geschäftsführung“. Die Fusion soll dann im kommenden Jahr stattfinden. 

Anders als bei anderen Gewerkschaften bedeutet eine Fusion nicht ein weniger, sondern ein mehr an Service, da die IG Metall ja mitgliedermäßig sogar wachse. Denn dadurch können zusätzliche ServicemitarbeiterInnen und Sekretäre eingestellt werden. Die SpezialistInnen – zum Beispiel für Jugend, Bildung und Arbeitsrecht – könnte nicht jede Geschäftsstelle leisten. Außerdem werden alle Standorte beibehalten – die Nähe vor Ort bleibt gegeben, verspricht Hölter,

Die IG Metall will einen Schwerpunkt in der Antirassismus-Arbeit setzen

Der Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus muss weitergehen. Foto: Leopold Achilles

Ein weiteres Thema, was die IG Metall vor Ort fokussieren will, sind die Aktivitäten gegen Rassismus. Denn die GewerkschafterInnen sind von dem Rechtsruck erschrocken.

„Wir sind wieder an so einem Punkt, dass wir aufstehen und Nein sagen müssen“, betont Ulrike Hölter. „Die Masse darf nicht weiter schweigen“, sagte sie mit Blick auf das zunehmend raue gesellschaftliche Klima gegen MigrantInnen und die nationalistischen Tendenzen. 

„Respektvoller Umgang miteinander ist in den Betrieben eine Selbstverständlichkeit. Die Betriebe sind darauf angewiesen. Wir werden weitere Arbeitskräfte brauchen, gerade in einer alternden Gesellschaft“, ergänzt Volker Strehl. 

Am 13. März 2019 wird die IG Metall daher eine größere Info-Aktion vor der Reinoldikirche machen und zusätzlich eine Informationsveranstaltung organisieren. Sie findet im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus vom 11. bis 24. März statt.

 

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