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Hoesch-Museum erzählt von „Migration und Religionen im Ruhrgebiet“ – Ausstellung und Programm zum Kirchentag

Präsentieren gemeinsam die Ausstellung im Hoesch-Museum: (v.li.) Dr. Jens Stöcker (Direktor des Museums für Kunst und Kulturgeschichte), Isolde Parussel (Leiterin Hoesch-Museum), Prof. Traugott Jähnichen (Ruhr-Universität Bochum) und Gisela Piechotta (Ehrenamtliche Mitarbeiterin im Hoesch-Museum). Foto: Katrin Pinetzki

Die Geschichte des Ruhrgebiets ist auch eine Geschichte der Zuwanderung. Religionsgemeinschaften wirkten für die Neubürgerinnen und Neubürger identitätsstiftend; sie spielten und spielen bei der Integration eine wichtige Rolle – seit nun 170 Jahren. Die religiöse Vielfalt brachte Kooperationen, aber auch Konflikte. Die Ausstellung „Migration und Religionen im Ruhrgebiet“, die vom 16. Juni bis zum 14. Juli im Hoesch-Museum zu sehen ist, erzählt davon.

Ausstellung bietet historische, theologische und soziologische Inhalte

Flyermotiv der Ausstellung.

Konzipiert wurde sie als Wanderausstellung in einer Kooperation zwischen Hoesch-Museum und dem Verein zur Erforschung der Kirchen- und Religionsgeschichte des Ruhrgebiets in Bochum. Unter dem Titel „Vertrauenssache: Heimat Europa / Heimat Ruhrgebiet“ gibt es während des Deutschen Evangelischen Kirchentages (DEKT) ein hochkarätiges Begleitprogramm.

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Die Ausstellung wurde von einem Team aus 16 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erarbeitet. Die Zugänge waren daher vielfältig und umfassen Geschichtswissenschaft, Theologie, Stadtteilarbeit oder Soziologie. Ausgangspunkt ist der offizielle rote Faden „Migration, Integration, Anerkennung“ im Programm des DEKT. 

Ohne Migration gäbe es das Ruhrgebiet nicht. Und schon die ersten Zuwanderer brachten in der Mitte des 19. Jahrhunderts als immaterielles Gepäck ihre Religionen und Bräuche mit in die Region. Fußballtrikots, ein Wäschekorb mit Rädern oder ein Notenständer – diese und andere Objekte sind Ausdruck des durch Migration geprägten religiösen Lebens im Ruhrgebiet.

Für das Hoesch-Museum und den Kirchentag wurde die Ausstellung erweitert

Das Hoesch-Museum. Foto: Alex Völkel

Anhand von Konflikten und Kooperationen wird ein Streifzug durch 170 Jahre Ruhrgebietsgeschichte unternommen. Acht große Stelen mit 25 Themen zeigen den Zuzug von Masuren, die Konflikte um evangelisch-katholische Mischehen, Gewerkschaftsarbeit und Gemeindeleben oder die Zwangsmigration im NS-Staat.

Die Arbeitsmigration der jüngeren Zeit ist ebenso Thema wie die Zuwanderung aus Osteuropa oder die Veränderung im Stadtbild durch religiöse Bauten. Die Schau ist als Wanderausstellung konzipiert und kann kostenlos über Prof. Traugott Jähnichen von der Ruhr Universität Bochum ausgeliehen werden.

Für das Hoesch-Museum und im Rahmen des Kirchentages wurde die Ausstellung bei ihrem Auftakt um Exponate erweitert. Zahlreiche Privatpersonen und religiöse Institutionen haben dafür großzügig Leihgaben zur Verfügung gestellt. Drei Hörstationen mit Interviews und ein Medientisch sind ebenfalls nur im Hoesch-Museum zu nutzen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Begleitprogramm mit zwei interessanten Diskussionsrunden

Die Ausstellung beleuchtet die Geschichte der Migration im Ruhrgebiet. Foto: Hans Rudolf Uthoff/ Stadtarchiv Dortmund

Am Donnerstag, den 20. Juni, findet in der Zeit von 11-13 Uhr unter dem Titel „Vertrauenssache: Heimat Europa / Heimat Ruhrgebiet“ die erste begleitende Diskussionsrunde statt. Die Integration von Zuwandernden geschieht auf kommunaler Ebene. Vereine, Kirchengemeinden, diakonische und caritative Einrichtungen sowie kommunale Dienste organisieren das praktische Zusammenleben im Alltag. 

Dort, wo sich die Bundes- und Landesregierungen zunehmend schwer tun, Lösungen auszuhandeln, entsteht durch Zuwanderung auch ein Zusammenwachsen der EU. Das eröffnet Chancen für eine Neubelebung der europäischen Idee. 

Es diskutieren Prof. Dr. Gesine Schwan (Präsidentin der HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform, Berlin), Karl-Heinz Lambertz (Präsident des Ausschusses der Regionen bei der EU, Brüssel/Belgien), Luidger Wolterhoff (Sozialdezernent der Stadt Gelsenkirchen), Uta Schütte-Haermeyer (Leiterin des Diakonischen Werks Dortmund und Lünen); Birgit Zoerner (Sozialdezernentin der Stadt Dortmund).Die Veranstaltung findet im ThyssenKrupp Info-Center (neben dem Hoesch-Museum), in der Oesterholzstraße 127, 44145 Dortmund statt.

Sowohl der Besuch der Ausstellung als auch die Teilnahme am Rahmenprogramm sind kostenlos

Syrische Flüchtlinge demonstrieren vor der Bundesanstalt für Migration und Flüchtlinge (BaMF) in Huckarde. Foto: Gerd Pfisterer

Der zweite Termin ist am Freitag, den 21. Juni in der Zeit von 15 bis 18 Uhr. An diesem Tag wird um das Thema „Vertrauenssache: Glaube als Weg zur Integration? Beispiele aus der Geschichte des Ruhrgebiets“ diskutiert.

Seit dem 19. Jahrhundert kommen Menschen unterschiedlicher religiöser Traditionen ins Revier. Waren es anfangs vor allem katholische Polen und protestantische Masuren, so sind seit jüngerer Zeit Muslime und orthodoxe Christen hier heimisch geworden – neben anderen Communitys und Glaubensrichtungen. 

Diskutiert wird, welche Bedeutung die Formen der religiösen Selbstorganisation und die Pflege der Herkunftskultur spielen. Mit Prof. Dr. Ahmet Toprak (FH Dortmund); Dr. Hans-Jakob Tebarth (Direktor der Martin-Opitz-Bibliothek Herne), Thomas Ridder (Kurator des Jüdischen Museums Westfalens in Dorsten), Manfred Rekowski (Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland) und Historikerin Angelika Müller (21. Juni). Die Veranstaltung findet wiederum im ThyssenKrupp Info-Center (neben dem Hoesch-Museum), Oesterholzstraße 127, 44145 Dortmund statt.

Weitere Informationen:

  • Hoesch-Museum_Veranstaltungsflyer
  • „Neue Heimat finden. Auf Vielfalt vertrauen. Im Revier leben.“ Migration und Religionen im Ruhrgebiet.
    16. Juni bis 14. Juli 2019
    Hoesch-Museum, Eberhardstr. 12, 44145 Dortmund
  • Führungen für Schulklassen durch die Ausstellung sind kostenlos.
  • Öffnungszeiten:
    Di, Mi 13.00-17.00 Uhr, Do 9.00-17.00 Uhr, So 10.00-17.00 Uhr
    20.06.-23.06.2019 (zum Evang. Kirchentag): täglich 10.00-17.00 Uhr 
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