Nordstadtblogger

Am heutigen Samstag starten die Klimadialoge in der Pauluskirche – „Zukunft ist für alle“ in Dortmund

Bereits 23 Dortmunder Organisationen und Initiativen aus den Bereichen Energie, Mobilität und Naturschutz haben sich mit der Fridays-for-Future-Bewegung zusammengeschlossen. Foto: Claus Stille

Mit dem 1. Klimadialog unter dem Motto „Zukunft ist für alle“ wird in Dortmund die Dekade des Klimawandels eingeläutet. Denn als Menschheit stünden wir vor den zehn entscheidendsten Jahren unserer Geschichte, finden die InitatorInnen. Nicht zuletzt seien es die SchülerInnen und Studierenden der „Fridays for Future“-Bewegung in der Innenstadt, die Freitag für Freitag darauf hinweisen, dass es längst 5 vor 12 ist. Diesen Rückenwind nutzt jetzt ein „Klimabündnis Dortmund“, zu welchen sich 23 Organisationen und Initiativen – und es werden ständig mehr – aus den Bereichen Energie, Mobilität und Naturschutz mit der Fridays-for-Future-Bewegung zusammengeschlossen haben.

BUND: Dortmund habe eine Chance vertan, als man nicht dem Klimanotstand beigetreten ist

Die Mehrheit im Dortmunder Rat lehnt den Begriff Klimanotstand ab. Foto: Alex Völkel

„Ein Bündnis so vieler Verbände und Initiativen mit insgesamt 8000 Mitgliedern – davon seien zwar nicht alle aktiv, jedoch alle stünden hinter den Zielen – ist in dieser Form einmalig für Dortmund“, kommentiert Thomas Quittek, Sprecher des BUND Dortmund, die Gründung.

Er machte deutlich, dass dem Klimabündnis Dortmund alle beitreten könnten. Niemand müsse verbandseitig gebunden sein. Der 1. Klimadialog startet am heutigen Samstag, 6. Juli 2019, in der Pauluskirche.

Auf einer Pressekonferenz am Freitag informierten neben Quittek, Pfarrer Friedrich Laker, Eckard Althaus (Bündnis DEW-kommunal)), Lorenz Redicker (VCD) und Merle Bösing für Fridays-for-Future über ihre Arbeit und den Stand der Dinge.

Quittek: „Wir haben ein massives Vollzugsproblem“ – Klimadialoge als neues Instrument

Zunächst einmal drückten nicht nur Thomas Quittek, sondern mehrere VertreterInnen ihre Enttäuschung über den „Nichtbeschluss“  des Rates der Stadt Dortmund am Donnerstag in puncto Klimanotstand aus. Quittek selbst hatte ohnehin nichts anderes erwartet. Der Beschluss hätte zunächst gar nicht große Maßnahmen bedeutet, jedoch ein wichtiges Signal an die Bürgerschaft und die Stadtgesellschaf ausgesendet. 

Selbst Düsseldorf, Münster und Bonn, gab Thomas Quittek zu bedenken, „bei Weitem keine grünen Städte“, seien dem Klimanotstand beigetreten. Warum also Dortmund nicht? Wo doch Dortmund immer nach außen großartig töne: Wir sind die grüne Hauptstadt Nummer eins. „Aber nur auf dem Papier“, schimpft Thomas Quittek.

Dortmund habe eine Chance vertan. Mindestens vor den Kommunalwahlen gedenke man noch mal, so einen Antrag auf Beitritt zu stellen. Ohnehin werde bis zur Kommunalwahl ein Forderungskatalog erstellt. 

Die Stadt Dortmund sei 1993 Mitglied im Klima-Bündnis der europäischen Städte mit den indigenen Völkern geworden, erinnerte Thomas Quittek. Noch seien wir aber noch weit von entfernt von den lokalen Klimazielen. Es bestünde dringender Handlungsbedarf. Viel gutes Papier sei in Dortmund beschrieben worden. „Aber wir haben ein massives Vollzugsproblem.“ 

Eckard Althaus (Bündnis DEW-kommunal): DEW21 muss endlich vollständig in kommunale Hand und die RWE-Aktien müsse verkauft werden

Zielgruppen vom Dortmunder Klimabündnis sind sowohl Politik als auch die Bürgerschaft. Einbringen will sich das Bündnis u.a. in das Handlungsprogramm „Klima Luft 2030“, das der Rat der Stadt am Donnerstag auf den Weg gebracht hat. Als neues Instrument nannte Thomas Quittek die „Klimadialoge“, zu denen sich BürgerInnen, Initiativen und gerne auch Politik und Verwaltung einmal monatlich zusammenfinden sollen.

Außerdem müsse man auf die Straße gehen und laut werden. Aber eben auch den Leuten zeigen, was sie selbst an Veränderung beitragen können. Zum ersten Klimadialog mit der Fridays-Bewegung – weil die quasi zu einem Anstoß beigetragen hat – lädt Pfarrer Friedrich Laker für den heutigen Samstag (6. Juli 2019) um 14 Uhr in die Pauluskirche ein.

„Der Rat muss dafür sorgen, dass DEW21 endlich vollständig in kommunale Hand kommt und die RWE-Aktien verkauft werden“, forderte Eckard Althaus für das Bündnis DEW-kommunal. Die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) besitzen 23,6 Millionen RWE-Aktion. 

Zielforderung: Die Dominanz des Autoverkehrs muss gebrochen werden

Lorenz Redicker sieht großen Handlungsbedarf im Bereich Mobilität. Es gebe keinerlei Minderung der CO2-Emissionen in Dortmund. „Kleinere Maßnahme zur Förderung des Umweltverbundes (Zu-Fuß-Gehen, Radfahren, ÖPNV) reichen nicht aus. Die Dominanz des Autoverkehrs muss gebrochen werden, zum Beispiel durch Erhöhung von Parkgebühren und die Umwidmung von Straßenraum zugunsten von FußgängerInnen und RadfahrerInnen“, so Redicker. 

Ein gleichzeitiges Grün für Autos und Radverkehr sorgt immer wieder für Probleme. Foto: Peter Fricke

Das Gegenteil sei der Fall, warf Thomas Quittek ein: „Das Auto ist überall sichtbar in der Stadt! Wir sind verärgert. Wir müssen das Auto zurückdrängen!“ Die soziale Frage, so Quittek dürfe nicht aus den Augen verloren werden. Es gehe da eben nicht allein um Umweltschutz, so der Sprecher des BUND in Dortmund. 

An die Menschen, die an Hauptverkehrsstraßen wohnen, die sich nicht das Eigenheim im Dortmunder Süden leisten könnten, müsse in Sachen Gesundheitsschutz gedacht werden. Die Auswirkungen der Klimaerwärmung würden immer stärker spürbar. Die finanziell Schwachen seien überall besonders betroffen. Redicker vom Verkehrs Club Deutschland stellt der Stadt Dortmund ein negatives Zeugnis aus: „Die Klima- und Verkehrspolitik ist vollständig mutlos.“ 

Bereits 2011 habe die Stadt Dortmund Pilot-Stadt für „Fahrradschnellwege“ werden wollen, erinnerte Redicker. Als dann der Radschnellweg Ruhr vorgeschlagen wurde, sei der Dortmunder Oberbürgermeister der Erste gewesen, der gebremst habe. Nicht ein einziger Meter Radschnellweg sei bislang entstanden, kritisierte Lorenz Redicker. 

Laker: Die Klimadialoge sollen die BürgerInnen in vielfältiger Weise ins Gespräch bringen

Die Pauluskirche engagiert sich schon länger in den Bereichen Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

Der Hausherr der Klimadialoge in der Pauluskirche, Pfarrer Friedrich Laker, machte deutlich, in den nächsten zehn Jahren den Tagungsort für die Dialoge stellen zu wollen. Die BürgerInnen seien zu einer Art Klima-Parlament der Stadt eingeladen. Um gemeinsam in vielfältiger Weise zu diskutieren und untereinander ins Gespräch zu kommen. Mit der Stadtverwaltung wolle man regelmäßig ins Gespräch kommen und auch zu verhandeln. 

Ein Stück weit solle auch Direkte Demokratie ausprobiert werden. Man wolle kräftige Impulse geben, versicherte Pfarrer Laker. Was am Ort versprochen werde, solle dokumentiert werden und evaluiert werden. Die Klimadialoge sollen auch zur Mobilisierung von Demonstrationen beitragen und eine Bündelung der einzelnen Kräfte und Organisationen bewirken. 

Nach den Ferien möchte man sich besondere Schwerpunkte setzen. Mit dem Bereich Energie solle begonnen werden. Später werde man die Punkte Verkehr und auch Ernährung in Angriff nehmen und sich mit Biodiversität befassen. 

Fridays-for-Future Dortmund: „Wir fühlen uns weder frustriert noch vereinnahmt“ 

Merle Bösing stieß dann direkt von der Fridays-for-Future-Demo kommend zum Pressegespräch dazu. Sie berichtete, dass sie bei der Freitags-Demo diesmal sehr laut geworden seien. Nachdem man am Donnerstag schon eine Kundgebung bestritten hatte und der Stadtrat trotz des Protestes dem Klimanotstand nicht beigetreten sei. 

Auf Nachfrage bekundete Merle Bösing, dass sie trotz der Schwierigkeiten des Kampfes weder frustriert seien noch sich von irgendwem vereinnahmt fühlten. Alle, die am gleichen Strang zögen – ob jung oder alt – seien zur Zusammenarbeit herzlich willkommen.

Das Klimabündnis trifft sich an jedem ersten Donnerstag im Monat um 18 Uhr in der Pauluskirche (Schützenstraße 35); das nächste Mal am 1.8.2019. Die monatlichen Treffen dienen dem inhaltlichen Austausch und der Vernetzung. Hier werden das weitere Vorgehen, Aktionen und Projekte geplant. Das Bündnis steht weiteren UnterstützerInnen offen.

Die bisherigen Mitglieder: 

  • ADFC Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club, Dortmund
  • AGARD Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz in Dortmund
  • ARIWA Animal Rights Watch Ruhrgebiet
  • Attac Dortmund
  • BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Dortmund
  • Bündnis DEW-kommunal 
  • Do-FOSS Bürger*inneninitiative für Freie Software
  • Fridays for Future Dortmund
  • Parents for Future Dortmund
  • Gemeingüter-Initiative von Pauluskirche und Kultur 
  • Greenpeace Dortmund
  • Initiative Dortmund – Kolumbien
  • IPPNW Internationale Ärzte für die Verhütung des Atom-krieges/Ärzte in sozialer Verantwortung, Dortmund
  • iz3w Informationszentrum Dritte Welt, Dortmund
  • Kultur und Leben e.V.
  • NABU Naturschutzbund Deutschland, Dortmund
  • Naturfreunde Kreuzviertel 
  • netz NRW – Verbund für Ökologie und soziales Wirtschaften
  • SGF Schutzgemeinschaft Fluglärm DO – Kreis Unna
  • Solidarische Landwirtschaft Dortmund 
  • Tante Albert Gemeinschaftsgartenprojekt
  • VCD Verkehrsclub Deutschland, Dortmund/Unna
  • VegaDo vegan leben in Dortmund
  • VeloKitchen Selbsthilfewerkstatt – Vegane Küche
  • VeloCityRuhr

Mehr zum Thema bei nordstadtblogger.de:

Klimanotstand oder Klimakrise? Rat Dortmund entscheidet sich gegen die Wortwahl von Grünen, Linken und Piraten

Grüne, Linke und Piraten fordern: Dortmund muss den Klimanotstand bekämpfen und ihm Priorität einräumen

Fridays for Future: SchülerInnen streiken in Dortmund weiterhin für das Klima und für den Klimanotstand

FOTOSTRECKE – Zweiter globaler Klimastreik: Rund 6.000 Teilnehmende bei der „Fridays for Future“-Demo in Dortmund

„Emissionsfreie Innenstadt“: 6,4 Millionen Euro Landes- und EU-Mittel für Mobilitätskonzept der Stadt Dortmund

Über 3.000 Menschen demonstrieren bei „Fridays for Future“ in Dortmund für einen besseren Klimaschutz

FOTOSTRECKE: Erste „Parents For Future“ Demo in Dortmund – und Kinder zeigen Eltern, wie es geht

FOTOSTRECKE und INTERVIEW: Junge Leute zeigen bei „Fridays for Future“ in Dortmund Flagge für Klimaschutz

Streikende SchülerInnen bekommen Unterstützung: „Parents For Future Dortmund“ gegründet – Samstag ist erste Demo

FOTOSTRECKE: Fridays for Future am Frauentag – Schülerinnen und Schüler demonstrieren in Dortmund

 

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Infos

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen