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„Heimat Dortmund“ informiert über Bomben, Krieg, Karfreitagsmorde und den Neubeginn nach 1945

Dr. Andrea Zupancic, Dr. Stefan Mühlhofer und Adolf Miksch präsentierten das Heft. (Foto: J.v.Brocke)

Von Joachim vom Brocke

„Dortmund 1945 – Eine Stadt zwischen Krieg und Frieden“ ist der aktuelle Titel von „Heimat Dortmund“. Die erste Ausgabe der historischen Zeitschrift in diesem Jahr, herausgegeben durch den Historischen Verein für Dortmund und die Grafschaft Mark in Verbindung mit dem Stadtarchiv.

„Nicht nur die zerstörte Stadt wird dargestellt, auch die Anfänge des Wiederaufbaus“, betont Adolf Miksch. Insgesamt bezeichnet der Vorsitzende des Historischen Vereins die Veröffentlichung des 74-seitigen gebundenen Heftes als „eine wichtige Publikation vor allem für die jüngere Generation“.

Heimat Dortmund bietet auf 74 Seiten ein breites Themenspektrum

Dortmund glich bei Kriegsende eher den Ruinen des antiken Karthagos als einer modernen Großstadt. Foto: Stadtarchiv

Dr. Stefan Mühlhofer, Direktor des Dortmunder Stadtarchivs, zeigt sich erfreut über das inhaltlich breite Themenspektrum des neuen Heftes der Heimat Dortmund.

Die Angst vor einer vollständigen Demontage der zerstörten Industrieanlagen in der Ruhrgebietsmetropole durch die Alliierten und der Widerstand dagegen werden in einem Beitrag deutlich gemacht.

Mit der Zerstörung der Dortmunder Stadtkirchen befasst sich Dr. Andrea Zupancic, Leiterin des Bildarchivs im Stadtarchiv, und versucht eine chronologische Folge aufzuzeichnen.

„Denn die Dortmunder Kirchen sind nicht auf einmal zerstört worden, sondern erfolgten in den Jahren zwischen 1943 und 1945“, so Zupancic.

Auswirkungen der Bombennächte am Beispiel der Kirchen

Die neue „Heimat Dortmund“-Ausgabe beleuchtet verschiedene Aspekte. Dr. Ralf Blank, Leiter der historischen Museen und des Stadtarchivs Hagen, berichtet von den verheerenden Bombenangriffen auf Dortmund 1945. Markus Günnewig, stellvertretender Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, wirft einen neuen Blick auf die Kriegsendphasenverbrechen in Dortmund und der Historiker Dr. Stefan Klemp erzählt von dem – zum Glück – gescheiterten Versuch, 30 000 Zwangsarbeiter im Ruhrgebiet zu ermorden.

Dr. Stefan Mühlhofer schildert die letzten Kriegstage in Dortmund und berichtet über eine erste Bilanzierung der NS-Zeit im Februar 1946. Der Historiker Dr. Rolf Fischer schildert das Kriegsende für die Dortmunder Jüdinnen und Juden. Nach seinen Forschungen sollen allein in Auschwitz etwa 700 Dortmunder Männer, Frauen und Kinder ermordet worden sein.

Chronistin Elisabeth Wilms hielt den Neubeginn mit Filmkamera fest

Dortmund zu Kriegsende – die Innenstadt war größtenteils zerstört. Foto: Stadtarchiv

Dr. Günter Högl, ehemaliger Direktor des Stadtarchivs Dortmund, erzählt vom demokratischen Neubeginn in der Stadt. Privatdozent Dr. Karl Lauschke von der Ruhr-Uni Bochum zeigt den Widerstand gegen die alliierten Demontagen in Dortmund.

Alexander Stark von der Philipps-Universität Marburg stellt die Chronistin Elisabeth Wilms und ihre ersten Nachkriegsfilme vor. Wilms war in einer Familienbäckerei beschäftigt. Ihrem anfänglichen Hobby sind viele heute historische Aufnahmen zu verdanken.

Sie hielt das alltägliche Leben in der Stadt mit ihrer Kamera fest. Ein damals durchaus kostspieliges Hobby, das sich erst später durch bezahlte Aufträge in etwa auszahlte.

Das in den 80-er Jahren bearbeitete Filmmaterial befindet sich heute im Landesarchiv in Münster. „Kopien auf CD gibt es aber auch bei uns im Archiv“, sagt Andrea Zupancic.

Genaue Chronologie der Ereignisse im Jahr 1945

Außerdem bietet Hermann Joseph Bausch vom Stadtarchiv Dortmund eine Chronologie der Dortmunder Ereignisse im Jahr 1945. So wurde Dortmund am 13. April 1945 von amerikanischen Truppen befreit.

Das Jahr bedeutete zugleich den Aufbruch in eine neue und bessere Zeit. Teile der Stadtgesellschaft gingen unmittelbar nach der Befreiung daran, Demokratie und Zivilgesellschaft aufzubauen. Auch zum Beginn des Wiederaufbaus des völlig zerstörten Dortmund gibt es Beiträge.

Mehr Informationen:

  • Ein Exemplar des Heftes „Dortmund 1945 – Eine Stadt zwischen Krieg und Frieden“  kostet 5 Euro.
  • Zu haben ist es ab sofort in allen Buchhandlungen, beim Stadtarchiv (Märkische Straße14) und in der Steinwache.
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