Wer Symptome verspürt, sollte sich sofort untersuchen lassen

Das Gesundheitsamt bestätigt zwei Fälle von Affenpocken in Dortmund

Erste Anzeichen für eine Infektion mit Affenpocken sind Hautausschlag und Bläschenbildung auf der Haut. Hinzu kommen Allgemeinsymptome wie Fieber, Muskel- oder Gelenkbeschwerden. Foto: Depositphotos.com

Dem Dortmunder Gesundheitsamt wurden am vergangenen Freitag, 17. Juni 2022, zwei Fälle von Erkrankungen mit Affenpocken bestätigt. Für die beiden Betroffenen ordnete das Gesundheitsamt die häusliche Isolation an. Zwischen beiden Fällen besteht kein Zusammenhang. Kontaktpersonen in Dortmund gibt es nicht. Bei einem weiteren Menschen besteht zudem ein begründeter Infektionsverdacht. Das Gesundheitsamt sprach für alle Haushaltsmitglieder des Verdachtsfalls vorsorglich Quarantänen aus. Die Quarantänezeit beträgt für Infizierte ab Symptombeginn mindestens 21 Tage. Diese Dauer gilt auch für enge Kontaktpersonen ab dem Zeitpunkt des letzten Kontakts zu Infizierten. Damit folgt das Gesundheitsamt der Empfehlung des Robert Koch-Institutes (RKI).

RKI empfiehlt Quarantäne von 21 Tagen für Betroffene und Kontaktpersonen

Dr. Frank Renken ist Leiter des Dortmunder Gesundheitsamtes. Archivfoto: Nordstadtblogger-Redaktion

Bislang schätzt das RKI die generelle Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung als gering und das Risiko für Menschen mit mehreren Sexualpartner:innen als moderat ein.

„Diese Einschätzung teile ich. Unser Team ist in Bezug auf das Affenpockenvirus bei der Nachverfolgung von Infektionsketten sensibilisiert“, kommentiert der Leiter des Dortmunder Gesundheitsamtes, Dr. Frank Renken, die Situation.

„Es nutzt seine Erfahrungen aus der Corona-Pandemie, die aktuellen Sachstandsberichte des RKI sowie die Beiträge der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den bestehenden Erkrankungsfällen. Wichtig ist, dass sich Betroffene frühzeitig ärztlich untersuchen lassen. Nur dann können Infektionsketten unterbrochen werden.“

Das sind die Übertragungswege des Affenpockenvirus

Affenpocken sind eine durch Viren verursachte Erkrankung, die charakteristisch mit einem Hautausschlag und Bläschenbildung auf der Haut beginnt. Die Betroffenen haben oft Allgemeinsymptome wie Fieber, Muskel- oder Gelenkbeschwerden.

In afrikanischen Ländern erfolgt die Übertragung auf Menschen meist durch Nagetiere. Übertragungen von Mensch zu Mensch sind zwar selten, durch engen Körperkontakt jedoch möglich. Die Betroffenen werden infektiös, wenn sich erste Symptome zeigen. Infektiös sind Körperflüssigkeiten sowie der Hautausschlag.

Außerdem können die Viren durch Tröpfchen, die eingeatmet werden, weitergegeben werden. Diese Übertragung setzt einen langen Kontakt voraus. Eintrittspforten sind beim direkten Körperkontakt auch kleinste Hautverletzungen. Aufgrund dieser Übertragungswege ist davon auszugehen, dass eine Übertragung auch beim Geschlechtsverkehr stattfinden kann.

Ansteckend sind Infizierte, solange sie Symptome auf der Haut haben

Solange Symptome vorhanden sind, müssen die Quarantäne und die Hygienemaßnahmen eingehalten werden.
Solange Symptome vorhanden sind, müssen die Quarantäne und die Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Foto: Depositphotos.com

Die Erkrankung mit den Affenpocken äußert sich nach einer Inkubationszeit von fünf bis 21 Tagen. Das hat zur Folge, dass Infizierte oft den Ansteckungsort nicht mehr benennen können. Ansteckend sind Infizierte, solange sie Symptome auf der Haut haben. Dies dauert in der Regel zwischen zwei und vier Wochen. Solange Symptome vorhanden sind, müssen die Quarantäne und die Hygienemaßnahmen eingehalten werden.

„Wenn Sie einen Hautausschlag bekommen, der mit Blasenbildung einhergeht, sollten Sie zurzeit unbedingt an die Möglichkeit einer Infektion mit Affenpocken denken. Es können begleitend auch Symptome wie Fieber, Kopf-, Rücken-, Muskel- und Gelenkschmerzen auftreten“, erklärt Dr. Frank Renken.

Vorsicht sei auch geboten, wenn man engen Kontakt zu Menschen mit unklarem Hautausschlag habe. Falls man nach einem Zeitraum von bis zu 21 Tagen nach einem solchen Kontakt bei sich selbst einen Hautauschlag bemerke, solle man sich umgehend ärztlich untersuchen lassen. Bis zur Abklärung oder bis zum Abklingen der Hautsymptome solle man sich selbst isolieren, um nicht weitere Menschen anzustecken.

Austausch mit Expert:innen und Verfügbarkeit des Impfstoffes gegen Affenpocken

Da die bisherigen Fälle zeigen, dass Betroffene oft Kontaktpersonen in anderen Städten oder im angrenzenden europäischen Ausland hatten, stehen die Gesundheitsämter im Austausch miteinander und zum Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG NRW).

Foto: Depositphotos.com

Das LZG tauscht sich mit dem Ständigen Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger (STAKOB), einem bundesweiten Expert:innen-Netzwerk aus (www.rki.de/stakob).

Der Impfstoff gegen Affenpocken (Imvanex) ist zurzeit nur eingeschränkt verfügbar. Das Land NRW hat am 17. Juni vom Bund rund 7.300 Impfdosen erhalten. Das Verteilsystem wird aktuell noch ausgearbeitet. Zunächst sollen die Apotheken in den Universitätskliniken Köln und Düsseldorf einige Impfdosen von der Lieferung bekommen und Einzelfallentscheidungen zur Impfung treffen.

Das Vakzin „Imvanex“ beinhaltet modifiziertes Vacciniavirus Ankara (MVA) und ist in den Vereinigten Staaten und Kanada gegen Affenpocken ab 18 Jahren zugelassen.

Ausführliche Informationen zu Affenpocken finden sich zum Beispiel unter diesen Links: www.rki.de/Affenpocken und www.bmbf.de/affenpocken-in-deutschland

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