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Frei- und Hallenbäder bleiben in Dortmund (noch) zu: Rat soll erst über Verluste von einer Million Euro entscheiden

 Schwierige Voraussetzungen derzeit für die Rettungsschwimmer*innen des  DLRG - sie sollen Leben retten, können aber seit fast drei Monaten nicht hat in Dortmund trainieren. Archivbild: DLRG Dortmund

Schwierige Voraussetzungen derzeit für die Rettungsschwimmer*innen des  DLRG – sie sollen Leben retten, können aber seit fast drei Monaten nicht in Dortmund trainieren. Archivbild: DLRG Dortmund

Die Wiedereröffnung der Bäder in Dortmund lässt weiter auf sich warten: Denn angesichts der erwarteten deutlich gestiegenen Kosten ebenso durch absehbare deutliche Mindereinnahmen wegen der Corona-Auflagen soll der Rat entscheiden. Allein die Betreiber der Freibäder – die Sportwelt Dortmund und die SV Derne – rechnen mit einem Verlust von einer Million Euro. Hinzu kommen die Kosten für die städtischen Hallenbäder. Auf einen baldigen Start hofft die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG): denn die schwimmenden Lebensretter*innen aus Dortmund sind zwar zum Dienst eingeteilt – beispielsweise an Möhne- oder Hengsteysee. Doch trainieren können sie zu Hause nun schon seit fast drei Monaten nicht.

Keine schnelle Entscheidung zur Freibadöffnung – Rat tagt am 18. Juni

Nach der aktuellen Erlasslage des Landes dürfen Freibäder seit dem 20. Mai, Hallenbäder seit dem 30. Mai wieder öffnen. Der Badbetrieb ist allerdings an strenge Auflagen geknüpft, deren Umsetzung die Badbetreiber vor hohe Hürden und insbesondere Kosten stellt. In Dortmund werden die Freibäder nicht von der Stadt betrieben.

Bisher ziehen in Freibädern nur Reinigungsroboter „ihre Bahnen“. Archivbilder (2): Alex Völkel

Die Sportwelt Dortmund als Betreiber von vier Freibädern und der Verein SV Derne als Betreiber des Freibades Derne haben berechnet, dass der Badbetrieb unter diesen Umständen einen erheblichen Mehraufwand auslöst, u.a. für Online-Kassensysteme, mehr Aufsichtspersonal und zusätzliche Reinigungskosten. Gleichzeitig ist mit stark verminderten Einnahmen zu rechnen. 

Die vorläufige Schätzung der zu erwartenden Defizite belaufen sich auf eine Million Euro – dies hat sich die Fachverwaltung von den Betreibern vorrechnen lassen, berichtet Sportdezernentin Birgit Zoerner. Der Verwaltungsvorstand schlägt vor, die existenzbedrohenden Verluste der beiden Freibadbetreiber in diesem Fall über einen Sonderzuschuss für diese Saison abzusichern. 

Ob die Bäder im Sommer unter diesen Bedingungen wieder an den Start gehen sollen, darüber will er – insbesondere in der Hochphase der Kommunalwahl – den Rat entscheiden lassen. Der tagt allerdings erst am 18. Juni. Daher wird es keine schnelle Eröffnung der Bäder geben. Und auch nach einer positiven Entscheidung wird es noch einige Tage brauchen – so müssen die Online-Buchungssysteme erst beschafft werden. „Die legt sich kein Betreiber auf Halde hin, wenn die Finanzierung nicht gesichert ist“, so Zoerner.

Nur ein Viertel der Gäste sind möglich – verweilen im Wasser wäre verboten

Ab dem heutigen Freitag öffnet das Freibad Stockheide. Fotos: Alex Völkel

Das Freibad Stockheide im Hoeschpark.

Sollte der Rat zustimmen, soll es einen gemeinsamen Start-Tag für alle Freibäder geben, damit nicht ein Bad überrannt werde, sagte OB Ullrich Sierau. Das gelte auch  für die Situation vor den Toren. Szenen wie im vergangen Sommer in Deusen sollten sich nicht wiederholen.

Die Dortmunder Badbetreiber haben sich seit Wochen intensiv damit auseinandergesetzt, wie ein Betrieb in Corona-Zeiten aussehen könnte. Die gültigen Abstands- und Hygieneregeln machen es notwendig, die Besucherzahl auf den Frei- und Liegeflächen sowie im Wasser deutlich zu begrenzen. 

Ein Freibad mit einer Maximalkapazität von z.B. 4.000 Gästen müsste auf ca. 800 bis 1.000 Besucher*innen täglich begrenzt werden. In einem 50-Meter-Becken könnten sich zeitgleich maximal 60 bis 80 Personen aufhalten und müssten dabei Abstand halten. Das freibadtypische Planschen und Verweilen im Becken müssten die Aufsichtskräfte verhindern – nur geregeltes Bahnenschwimmen wäre erlaubt.

Um die Zahl der Badegäste zu begrenzen, müsste der Einlass über Online-Tickets organisiert werden. Aufsichtskräfte würden die Einhaltung der Abstände auf den Liegewiesen und Wegen sowie im Wasser kontrollieren. Dazu kommen vielfältige Hygieneauflagen in den Umkleiden, Duschen und Toiletten sowie für den Gastronomiebereich.

Hallenbäder sind überwiegend startklar – zunächst fürs Vereinsschwimmen

Wenn auch nicht für Wettkämpfe – aber für den Leistungssport sollen die Hallenbäder in Kürze wieder geöffnet werden. Archivfoto: Jan Weckelmann

Die Hallenbäder der Stadt Dortmund, der Sportwelt gGmbH und der Vereine sind überwiegend startklar für die Wiedereröffnung – nur vereinzelt fehlen noch die Ergebnisse der Wasseruntersuchungen. 

Die Badbetreiber haben gemeinsam vereinbart, zunächst mit Schwimmzeiten für das leistungsbezogene Vereinstraining zu beginnen, um die neuen Abläufe zu testen.

Auch in den Hallenbädern gelten Abstandsregeln im Wasser, besondere Regeln in den Duschen- und Umkleiden und spezielle Anforderungen an Reinigung und Desinfektion. 

Sollte der Probebetrieb erfolgreich verlaufen, werden die Hallenbäder auch das öffentliche Schwimmen unter Auflagen freigegeben können. Das Schulschwimmen kann frühestens mit dem neuen Schuljahr – abhängig von der Corona-Lage – wieder starten.

Lebensretter*innen der DLRG hoffen auf zukünftige Trainings- und Übungsstunden

Schwierige Voraussetzungen derzeit für DLGR-Schwimmer*innen, um durch Training im Wasser fit zu bleiben. Foto (2): DLRG Dortmund

Die Rettungsschwimmer*innen des  DLRG können aber seit fast drei Monaten nicht in Dortmund trainieren. Archivbild: DLRG

Die Lebensretter*innen von der DLRG hoffen, dass sie ebenfalls möglichst zeitnah Übungs- und Trainingsstunden bekommen. Denn die Aktiven sind im Rettungsdienst u.a. am Möhne- und in Hengsteysee, aber auch zentral an Nord- und Ostsee im Einsatz. Doch ihre Trainings in Dortmund fallen nun auch schon seit fast drei Monaten aus. Ein Teil versucht, zumindest am Möhnesee für den Ernstfall zu trainieren.

„Ein oder zwei Wochen fallen nicht ins Gewicht und wir versuchen, uns mit Laufen und Radfahren fit zu halten. Aber Schwimmen ist halt durch nichts zu ersetzen“, macht DLRG-Sprecher Philipp Parche deutlich. Dabei geht es der DLRG nicht darum, alle Angebote wie die Schwimmausbildung für Kinder zeitnah wieder anbieten zu können, sondern das wichtige Training für die Lebensretter*innen wieder aufzunehmen. 

Zur Not könnte sich der Dortmunder Verband vorstellen, unter entsprechenden Hygienevorschriften bzw. Konzepten auch Übungs- und Trainingsstunden für die Lebensretter*innen stundenweise in einzelnen Bädern zu konzentrieren, um überhaupt wieder an den Start gehen zu können. Die DLRG unterhält in Dortmund elf Ortsgruppen und ist in allen Bädern präsent.

HINTERGRUND:

Was ist mit dem Revierpark Wischlingen?

Der Revierpark Wischlingen soll durch den Neubau des Westbades noch attraktiver werden. Foto: Stephan Schuetze/RVR

Der Revierpark Wischlingen darf nicht öffnen, da er auch über einen Sauna- und Wellness-Bereich hat. Archivbild: Stephan Schuetze/RVR

Der Revierpark Wischlingen betreibt kein Hallen- oder Freibad, sondern ein Allwetterbad mit Solebad und Saunalandschaft. Damit fällt der Betrieb des Bad- und Saunabereichs unter die derzeit vom Land noch untersagte Öffnung von Wellness-Einrichtungen.

Eine Öffnung des Außenbereichs wäre nur mit einer Trennung der Außenbecken (Wellenbecken, Sprung- und Rutschenbecken usw.) von den innen liegenden, zurzeit untersagten Wellness-Einrichtungen, Solebad, Aktivarium und Sauna möglich.

Diese schwierige, dafür notwendige Trennung, wird zurzeit geprüft. Sofern eine solche Trennung umsetzbare und vertretbare Betriebsabläufe garantieren könnte, und die Sicherheit der Mitarbeiter*innen und der Besucher*innen im Zusammenhang mit den Coronaschutz-Auflagen hinreichend sichergestellt werden könnte, wäre eine Öffnung des Freibad-Betriebes ab Mitte Juni denkbar.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie sind – analog zu denen der anderen Badbetreiber – erheblich. Dazu finden Gespräche auf Gesellschafterebene statt, mit dem Ziel, die wirtschaftlichen Folgen  der Corona-Pandemie so gut wie möglich abzufedern.

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5 Gedanken über “Frei- und Hallenbäder bleiben in Dortmund (noch) zu: Rat soll erst über Verluste von einer Million Euro entscheiden

  1. LINKE & PIRATEN für Wiedereröffnung der Bäder (PM)

    LINKE & PIRATEN für Wiedereröffnung der Bäder

    Die Fraktion DIE LINKE & PIRATEN spricht sich für eine schnelle Wiedereröffnung der Bäder in Dortmund aus – allerdings mit Augenmaß. Und die Fraktion begrüßt auch die geplanten städtischen Zuschüsse für die anfallenden Mehrkosten.

    Freibäder dürfen nach der letzten Erlasslage der Landesregierung seit dem 29. Mai und Hallenbäder seit dem 30. Mai wieder öffnen. Eine Wiedereröffnung der Bäder ist allerdings an strenge Auflagen geknüpft. Das bedeutet für die Badbetreiber einen größeren personellen und finanziellen Aufwand als im regulären Betrieb.

    Die Verwaltung möchte daher den Rat der Stadt in seiner Sitzung am 18. Juni darüber entscheiden lassen, den Badbetreibern einen möglicherweise sechsstelligen Sonderzuschuss zukommen zu lassen.

    Thomas Zweier, sportpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE & PIRATEN, kündigt seine Zustimmung zu den Plänen der Verwaltung an. „Den Bürgerinnen und Bürgern insbesondere den vielen Sport- und Freizeit-Schwimmerinnen und Schwimmern, ist schwer zu vermitteln, warum Dortmund im Gegensatz zu einigen anderen Städten die Bäder noch geschlossen hält.“

    Dankbar ist Zweier, dass Stadtverwaltung, Sportwelt und SV Derne als Badbetreiber intensiv an einer Öffnung mit Augenmaß arbeiten. Auch nach Meinung der Linken & Piraten soll ein weiterer behutsamer Schritt Richtung Normalität gewagt werden.

    „Sport wird in Dortmund groß geschrieben, und dem Schwimmsport soll der Auftakt für eine hoffentlich bald wieder großzügigere Öffnung der Dortmunder Bäderlandschaft zügig ermöglicht werden“, sagt Zweier.

  2. Unverantwortlich! Leser*innenkommentar von Sonja Flocke

    Unverantwortlich!

    Sind sich die Verantwortlichen bewusst darüber, dass DLRGler, Jugendkursleiter, Feuerwehr, Polizei, Menschen des Gesundheitswesens systemrelevant sind und dieser Stadt oft ehrenamtlich als Lebensretter zur Verfügung stehen – aber nun massiv selbst gefährdet sein werden, weil sie seit Monaten nicht im Wasser üben können? Das ist eine Katastrophe für eine so große Stadt! Unverantwortlich!

    Im großen Südbad findet seit drei Wochen schon Regeltraining für die obere Leistungskadertruppe statt, also Sportschwimmer, ca. 20 stück. Das Bad ist also in vollem, teuren Betrieb. Dennoch dürfen all die anderen eigtl wesentlich systemrelevanteren Leute nicht rein!

    Eine unglaubliche Irrationalität und Geldverschwendung pur! Chlor, Heizung, Personal, Kontrollchemie, Strom… alles für 20 jugendliche, die niemanden retten müssen im Ernstfall.

    Der Wahlkampf läuft. Man merkt es in diesem Fall nicht! Der Badbetrieb wird von absolut inkompetenten Menschen bestimmt und blockiert. Auch Frau Zörner hat als Sozialdezernentin leider keine Ahnung wovon sie redet im Rat, wenn es um die Bäder geht. Wir baden derweil auf Schalke und im Sauerland und verpesten mit teurer Autofahrerei für wichtigen Sport die Umwelt des Ruhrgebiets!

  3. Nordstadtblogger-Redaktion: Rat beschließt Öffnung der Dortmunder Frei- und Hallenbäder

    TOP 6.10 Rat beschließt Öffnung der Dortmunder Frei- und Hallenbäder

  4. Nordstadtblogger-Redaktion

    Öffnung der städtischen Hallenbäder

    Ab Montag, 22. Juni öffnen die ersten Hallenbäder in Dortmund wieder. Wer im städtischen Süd-, Nord- oder Westbad schwimmen gehen möchte, muss sich jeweils am Vortag telefonisch dafür anmelden und seine Kontaktdaten hinterlassen. Die telefonische Reservierung ist möglich ab Sonntag, 21. Juni, täglich von 8 bis 12 Uhr (für den Folgetag). Die Rufnummer lautet (0231) 178111.

    Für den Bad-Besuch gelten die allgemeinen Hygiene- und Abstandsregeln der Corona-Schutzverordnung. Das Abstandsgebot gilt auch in den Schwimmbecken; zur Abgrenzung werden Leinen eingehängt, um die Einhaltung der Distanz zwischen den Schwimmern zu erleichtern. Die Lehrschwimmbecken bleiben vorerst geschlossen. Die Hallenbäder öffnen für jeweils zwei Stunden, anschließend wird umfangreich gereinigt und desinfiziert.

    Regeln und Hinweise zu den anderen Hallenbädern in den Dortmunder Vororten finden sich auf den jeweiligen Webseiten der Betreiber (Links unter http://www.hallenbaeder.dortmund.de)

    Die vorübergehenden Öffnungszeiten der städtischen Bäder:

    Südbad

    Dienstag bis Freitag 6 bis 8 Uhr und 9 bis 11 Uhr

    Montag, Samstag und Sonntag geschlossen

    Westbad

    Montag und Mittwoch bis Freitag 12 bis 14 Uhr, 15 bis 17 Uhr, 18 bis 20 Uhr, Samstag/Sonntag 9 bis 11 Uhr

    Dienstag geschlossen

    Nordbad

    Dienstag bis Freitag 7 bis 9 Uhr, 10 bis 12 Uhr, 13 bis 15 Uhr, 16 bis 18 Uhr , zusätzlich am Dienstag 19 bis 21 Uhr, Samstag/Sonntag 7 bis 9 Uhr, 10 bis 12 Uhr, 13 bis 15 Uhr

    Montag geschlossen

    Die weiteren Schwimmzeiten sind momentan den Vereinen vorbehalten.

  5. Wieder alle Becken geöffnet in den Hallenbädern – erweiterte Schwimmzeiten (PM)

    Wieder alle Becken geöffnet in den Hallenbädern – erweiterte Schwimmzeiten

    In den drei städtischen Hallenbädern (Westbad, Südbad und Nordbad) stehen ab Montag (24. August) wieder alle Becken zur Verfügung. Auch die Freizeit- und Nichtschwimmerbecken sind also wieder geöffnet. Außerdem haben die Bäder ihre Öffnungszeiten ausgeweitet.

    Wer in den Hallenbädern schwimmen gehen möchte, muss sich weiterhin am Vortag dafür telefonisch anmelden und seine Schwimmzeit reservieren. Die Hallenbäder werden in Zeitintervallen für jeweils zwei Stunden geöffnet, danach erfolgen umfangreiche Reinigungen und Desinfektionen.

    Telefonische Reservierungen täglich zwischen 8 und 12 Uhr jeweils für den Folgetag

    für das Westbad: (0231) 17 81 11

    für das Südbad: (0231) 50 23 503

    für das Nordbad: (0231) 50 25 151.

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