Freie Wohlfahrtspflege in NRW weist auf die Herausforderungen hin

Fachkräftemangel und steigende Kosten bringen immer mehr ambulante Pflegedienste in Not

Besonders in den ambulanten Pflegediensten zeichnen sich daher zunehmend regionale Versorgungsengpässe ab.
Besonders in den ambulanten Pflegediensten zeichnen sich daher zunehmend regionale Versorgungsengpässe ab. Foto: Andreas Brockmann

Der Internationale Tag der Pflege wird jährlich am 12. Mai begangen und würdigt weltweit die Arbeit von Pflegekräften. In diesem Jahr weist die Freie Wohlfahrtspflege in Nordrhein- Westfalen in besonderem Maße auf die Situation in den Ambulanten Pflegediensten hin. Neben der Arbeit in den stationären Altenhilfeeinrichtungen werden in Deutschland die Leistungen ambulanter Pflegedienste zunehmend wichtig, denn vier von fünf Pflegebedürftige in Deutschland werden zu Hause versorgt. Die Zahl der Beschäftigten in ambulanten Pflegediensten hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Alleine von 2013 und 2021 eröffneten in Nordrhein-Westfalen 817 zusätzliche ambulante Pflegedienste.

Mehr Dienste mussten aus Finanznot schließen

Elke Hammer-Kunze von der Freien Wohlfahrtspflege in NRW betont: „Die Arbeit der Ambulanten Diensten verdient hohen Respekt, denn sie sorgt dafür, dass Menschen weiter in gewohnten Umgebungen leben können und gleichzeitig Pflegeleistungen in Anspruch nehmen. Diese Dienste sind für viele Menschen in unserem Land die wertvollste und bedeutendste Unterstützung, die sie erhalten können.“

Elke Hammer-Kunze
Elke Hammer-Kunze

Steigende Kosten, immer mehr Pflegebedürftige und mangelnde Personalressourcen strapazierten jedoch das System, auch und besonders in der Ambulanten Pflege. Die Folge: Im vergangenen Jahr mussten in NRW deutlich mehr Pflegeeinrichtungen aus finanziellen Gründen schließen als in den Jahren zuvor.

Von den Insolvenzen im Jahr 2023 betrafen 48 die vollstationäre Pflege, 30 die teilstationäre Pflege, 47 ambulante Dienste und 5 die Kurzzeitpflege (siehe Landtag NRW Drucksache 18/7970).

Die Zahl der Pflegebedürftigen wird deutlich steigen

Die Situation wird sich weiter zuspitzen: Laut aktuellem Pflegereport der Krankenkasse DAK müssen wir davon ausgehen, dass in den kommenden 25 Jahren deutschlandweit 2,3 Millionen Menschen mehr als heute auf pflegerische Unterstützung angewiesen sein werden. Besonders in den ambulanten Pflegediensten zeichnen sich daher zunehmend regionale Versorgungsengpässe ab. Trotz dieser schweren Rahmenbedingungen leisten Pflegekräfte und Ambulante Dienste einen bemerkenswert herausragenden Anteil an der pflegerischen Versorgung.

Die Freie Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen fordert daher eine umfassende Pflegereform, die in besonderem Maße eine auskömmliche Refinanzierung sicherstellt, Pflegedienste- und Pflegekräfte von bürokratischen und systemischen Hindernisse entlastet, den Ausbau der Ausbildung vorantreibt sowie Anreize für angehende Pflegekräfte setzt.

„Die Pflegepolitik der vergangenen Jahrzehnte hat zu keinen wesentlichen Verbesserungen der Situation beigetragen“ mahnt Hammer-Kunze und appelliert:„Personal- und Finanznot sind die zentralen Herausforderungen im Pflegebereich. Hier braucht es mehr, als nur kleine Anpassungen. Vielmehr benötigen wir endlich eine umfassende Reform, um spürbare und nachhaltige Verbesserungen zu erzielen.“

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Reaktionen

  1. „Pflegende bekommen oft so viel Positives zurück“ (PM Caritas)

    Anlässlich des Internationalen Tags der Pflegenden am 12. Mai würdigt die Caritas Dortmund wieder einmal die grandiose Arbeit ihrer Mitarbeitenden in den stationären und ambulanten Altenhilfe-Einrichtungen.

    „Natürlich ist Pflege harte Arbeit“, sagt Tobias Berghoff, Vorstand der Caritas in Dortmund. „Wir sind sehr stolz auf unsere Mitarbeitenden, die Tag für Tag liebevoll die uns anvertrauten Pflegebedürftigen versorgen. Das verdient Anerkennung – ich kann nur meinen Hut davor ziehen“, so Tobias Berghoff weiter.

    „Es gibt aber auch eine andere Seite und über die wird zu wenig gesprochen“, so Kirsten Eichenauer-Kaluza, Fachbereichsleiterin stationäre Altenpflege. „Wer pflegt, hat unmittelbar mit Menschen zu tun, von denen ganz viel Positives zurückkommt. Zudem ist gute Pflege unglaublich wichtig – das gibt ein gutes Gefühl und ist tatsächlich oft Balsam für die Seele. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die besten Botschafter dafür.“

    Auch auf bundespolitischer Ebene gibt es mit dem geplanten Pflegekompetenzgesetzes ein Signal der Anerkennung und Aufwertung für Mitarbeitende in der Pflege. Das Gesetz soll Pflegekräften mehr Entscheidungskompetenz in der Praxis geben, so zum Beispiel in Zusammenhängen mit Diabetes, Demenz oder der Wundversorgung. So soll, die unsachgemäße Aufgabenverteilung zwischen den Gesundheitsberufen reformiert und verbessert werden.

    Das freut auch die Fachbereichsleiterin der ambulanten Pflegedienste, Svenja von Essen: „Pflegefachkräfte sollen endlich das tun dürfen, was sie in der Praxis schon lange können. Ihre Kompetenz muss gesetzlich verankert werden, damit sie die Anerkennung und Unterstützung erhalten, die sie verdienen.“

    Jährlich wird am 12. Mai der Internationale Tag der Pflegenden gefeiert, zu Ehren von Florence Nightingale, britische Krankenschwester und Begründerin des modernen Pflegewesens. Sie war der Ansicht, dass es neben dem ärztlichen Wissen ein eigenständiges pflegerisches Wissen geben sollte, und vertrat diese auch in ihren Schriften zur Krankenpflege.

  2. Caritas Vorreiterin bei der Vergütung ihrer Pflegekräfte (PM)

    Gute Bezahlung für gute Pflege – Die Caritas behält weiterhin die Spitzenposition bei der Vergütung von Pflegefachkräften, Pflegehilfskräften und Auszubildenden in der Pflege.

    Eine Studie des Verbands katholischer Altenhilfe in Deutschland e.V. bestätigt, dass die Beschäftigten in den Altenhilfeeinrichtungen der Caritas weiterhin überdurchschnittlich gut verdienen. Davon profitieren auch die knapp 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas Dortmund, die mit beeindruckendem Einsatz in der Altenhilfe tätig sind.

    Unter dem Titel „Entlohnung in der Altenhilfe“ hat der VKAD die Caritas-Langzeitpflege mit anderen Pflegeträgern und Branchen in Deutschland für das Jahr 2024 verglichen. Laut dieser Studie verdienen Fachkräfte bei der Caritas in der Langzeitpflege 200€ mehr als im Branchenschnitt und 450€ mehr als der Durchschnitt alle Berufe. Pflegehilfskräfte erhalten je nach Ausbildung zwischen 450€ und 850€ mehr als im Schnitt der Altenpflege. Auszubildende können im Mittel über die gesamte Ausbildungszeit sogar mit über 300€ mehr als der Durchschnitt aller Auszubildenden rechnen. Caritasmitarbeitende in der Pflege erleben in diesem Jahr mit einer Erhöhung von 11 Prozent die höchste Tariferhöhung seit 50 Jahren.

    Die Caritas Dortmund ist sehr stolz darauf, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch über eine angemessene Vergütung ihre Wertschätzung zeigen zu können. „Die Arbeit in der Pflege ist von unschätzbarem Wert für die Gesellschaft und erfordert nicht nur fachliches Wissen, sondern auch viel Mitgefühl und Respekt“, sagt Tobias Berghoff, Vorstand der Caritas Dortmund und stellvertretender Vorsitzender des VKAD. „Deshalb ist es für uns von großer Wichtigkeit, den Beschäftigten in der Pflege höchste Anerkennung zukommen zu lassen. Dieser Bedeutung wird die Caritas seit jeher und auch weiterhin durch eine gute Bezahlung gerecht. Denn gute Arbeit muss auch entsprechend vergütet werden“, so Tobias Berghoff weiter.

    Eine gute Entlohnung der Pflegearbeit ist ein wichtiger Schritt, um den Pflegeberuf aufzuwerten und Nachwuchskräfte für die Pflege zu begeistern.

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