Flächenmangel: Wilbrand Haustechnik bleibt in Dortmund – aber nur dank glücklicher Fügung

Ein anderer Investor zog sich zurück – und schuf so Platz für Wilbrand

Einst gigantischer Lost Place: Die Napier-Barracks auf Hohenbuschei. Bis zum Abriss verfiel das Areal über 20 Jahre. Mittlerweile ist es fast komplett bebaut – mit Wohnen, BVB-Trainingsgelände und Unternehmen. Künftig gehört Wilbrand auch dazu. Archivfoto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

Anfang des Jahres sorgte eine Meldung für Unmut in der Stadt: Wilbrand Haustechnik, ein traditionsreiches Dortmunder Familienunternehmen aus der Haustechnikbranche, wollte nach Holzwickede abwandern. Das Grundstück im Gewerbepark Ecoport war bereits gekauft. Nun die Kehrtwende: Das Unternehmen bleibt in Dortmund – und zieht auf ein Gelände in Hohenbuschei zwischen Hohenbuscheiallee und Österstraße.

Kein freies Grundstück, dann ein glücklicher Zufall

Die Wirtschaftsförderin Heike Marzen sprach auf der städtischen Pressekonferenz nach dem Verwaltungsvorstand offen darüber, wie es dazu kam. Und ihr Statement war auffällig ehrlich: „Da hat uns auch ein gutes Stück der Zufall dazu beigetragen.“

Logo von Wilbrand Haustechnik GmbH
Das Dortmunder Familienunternehmen Wilbrand Haustechnik GmbH wurde 1974 gegründet. Mit über 45 Mitarbeitenden deckt das Unternehmen die Gewerke Sanitär, Heizung und Klima ab und betreut sowohl Privat- als auch Industriekunden.

Die Vorgeschichte ist bezeichnend. Die Wirtschaftsförderung war mit Wilbrand Haustechnik bereits im Gespräch, bevor das Unternehmen die Entscheidung zugunsten von Holzwickede traf. Doch eine passende Fläche, die kurzfristig verfügbar gewesen wäre, ließ sich in Dortmund nicht finden. Also fiel die Wahl auf Holzwickede – Grundstückskauf inklusive.

Was die Situation drehte: Ein anderer Immobilienentwickler zog sich von einem Vorhaben auf dem Hohenbuschei-Gelände zurück. Marzen erklärte den Hintergrund nüchtern: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien derzeit nicht für jedes Immobilienprojekt günstig, der Entwickler habe sich verkleinert und auf ein anderes Grundstück konzentriert. Plötzlich war Fläche frei – und die Wirtschaftsförderung vermittelte sie an Wilbrand.

Kehrtwende kein leichter Schritt – finanziell, logistisch und emotional war es ein Kraftakt

Was sich in der offiziellen Pressemitteilung eher nach einer reibungslosen Erfolgsgeschichte liest, war für das Unternehmen tatsächlich mit erheblichem Aufwand verbunden.

Gruppenfoto auf dem Grundstück
Der Wechsel nach Holzwickede schien besiegelt: beim Termin zum Kauf im Eco Port mit Bürgermeister Till Knoche (3.v.l.) und Robert Wilbrand (M.). Archivbild: WFG Unna

Marzen machte das auf der Pressekonferenz deutlich: Das Unternehmen musste von einem bereits abgeschlossenen Grundstücksgeschäft in Holzwickede zurücktreten, die finanziellen Folgen tragen, die Belegschaft erneut mitnehmen und die gesamte Planung neu aufsetzen. „Das war auch emotional ein Kraftakt“, sagte Marzen – und bedankte sich ausdrücklich bei Familie Wilbrand für die Entscheidung.

Der neue Standort auf Hohenbuschei soll dem Unternehmen langfristig Entwicklungsmöglichkeiten bieten – auch für die nächste Generation. Inhaber Robert Wilbrand betonte, die Lage sei für seine Mitarbeitenden ideal: Kurze Wege, alle verwurzelt in Dortmund.

Wenn Glück die Flächenpolitik ersetzt, ist das keine Strategie

Auf der Pressekonferenz stellte die Presse die entscheidende Frage: Sendet dieser Ausgang nicht das falsche Signal – dass sich immer irgendwo ein Grundstück findet, wenn man lange genug sucht, und neue Gewerbeflächen gar nicht nötig sind? Marzen wich der Frage nicht aus. Sie räumte ein: „Beim nächsten Umzugswunsch eines nächsten Unternehmens werden wir dieses Glück wahrscheinlich nicht mehr haben.“

Dortmunds Wirtschaftsfördererin Heike Marzen Foto: Anja Cord für Nordstadtblogger.de

Der Fall Wilbrand ist damit auch ein Spiegel des strukturellen Flächenproblems in Dortmund. Das Happy End täuscht nicht darüber hinweg, dass das Unternehmen den Schritt nach Holzwickede ursprünglich aus einem handfesten Grund plante: weil es in Dortmund keine geeignete Fläche gab.

Dass diesmal alles gut ausging, verdankt sich einer Konstellation, die sich nicht wiederholen lässt. Marzen selbst brachte es auf den Punkt: „Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man – am Ende der Schlacht werden die Toten gezählt.“ Diesmal gewann Dortmund. Beim nächsten Mal braucht es mehr als Glück.


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