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„Salafismus als Jugendkultur“: FH, Auslandsgesellschaft, Planerladen und Stadt organisieren Vortragsreihe

Salafisten-Demonstration in Dortmund

In Dortmund gibt es viele Aktivitäten und Aktionen von Salafisten – allerdings nicht in Moscheen. Fotos: Alex Völkel

Der Salafismus, eine erzkonservative theologische Auslegung des Islam, welche einen eng umgrenzten Korpus an Texten wortgenau in die Tat umsetzen möchte und sich im Spannungsfeld zwischen konservativem Islam und politischem Islamismus bewegt, ist mittlerweile in den deutschen Mainstreamdebatten angekommen.

Salafismus als radikale Gegenposition zu gesellschaftlichen Mainstreams

Salafisten-Demonstration in Dortmund

Beim Salafismus handelt sich um eine radikale Gegenposition gesellschaftlichen Mainstreams, von dessen Attraktivität sich nicht nur muslimische Jugendliche angesprochen fühlen.

Salafistische Angebote sind im Internet ohne Probleme zu finden und liefern einfache Antworten auf die komplexen Fragen des Lebens rund um Identität, Religion, Moral und Werte.

Die in der Öffentlichkeit geführten Debatten legen ihren Schwerpunkt hauptsächlich auf  sicherheitspolitischen Interessen.

Die „Vortragsreihe Salafismus als Jugendkultur“ an der Fachhochschule Dortmund, die in der Zeit vom 22. Oktober bis zum 19. November 2015 stattfindet, wird den Versuch unternehmen, sich dem Thema aus jugendkultureller Sicht zu nähern.

Annäherung an das Thema Salafismus aus jugendkultureller Perspektive

Salafisten-Demonstration in Dortmund

Im Zentrum der Vortragsreihe werden in erster Linie folgende Fragen stehen: Worin liegen die Gründe für das Erstarken einer theologischen Auslegung, die schon seit mehreren Jahrhunderten existiert, aber erst seit etwa zehn Jahren in der deutschen Öffentlichkeit präsent ist?

Wie lässt sich die Dynamik und das stetig steigende Interesse junger Menschen an einer Bewegung erklären, die aufgrund ihrer restriktiven Auslegung im Grunde all die Dinge verbietet, die in der Jugendphase unter der Konnotation „Spaß“ verstanden werden?

Veranstalter der Vortragsreihe sind die Fachhochschule Dortmund, die Auslandsgesellschaft NRW e.V., der Planerladen e.V. und die Stadt Dortmund.  Alle Veranstaltungen finden in der Fachhochschule Dortmund, Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften, Emil-Figge-Str. 44, 44227 Dortmund (Raum -1.01, Eingang Anbau) statt. Der Eintritt ist frei.

Die Themen in der Übersicht:

  • Salafismus: Fundamentalistische Strömungen und Radikalisierungsprävention
    Vortrag: Dr. Michael Kiefer, Universität Osnabrück – Donnerstag, 22. Oktober 2015, 18 Uhr
    Salafistische Gruppierungen haben in den letzten Jahren die Diskussionen über den Islam in Deutschland stark geprägt. Trotz der religionspädagogischen und integrationspolitischen Relevanz fehlen weitgehend Erfahrungen mit Präventionsmaßnahmen gegen diese Strömung. Vor diesem Hintergrund verfolgt der vorliegende Vortrag das Ziel, einen kleinen Überblick über die historischen Wurzeln und die politisch-theologischen Ideologien dieser fundamentalistischen Bewegungen zu geben. Als zweiter Themenschwerpunkt werden spezifische Präventionsmaßnahmen für die Jugend- und Gemeindearbeit vorgestellt und kritisch eingeordnet.
  • Salafismus als jugendkulturelle Provokation
    Vortrag: Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani, Fachhochschule Münster – Donnerstag, 29. Oktober 2015, 18 Uhr
    Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani beschreibt den Salafismus in Deutschland als einen provokativen Gegenentwurf zum gesellschaftlichen Mainstream und einer enormen Komplexitätsreduktion in Bezug auf das Leben in modernen Gesellschaften. Beim Salafismus handelt es sich um eine Subkultur, welche in ihrer radikalen Auslegung eine der Jugendphase innewohnende Funktion erfüllt: dem Grundbedürfnis nach Provokation. Diese These wird Prof. Dr. El-Mafaalani in seinem Vortrag vertiefen.
  • Zum Töten bereit – Warum deutsche Jugendliche in den Dschihad ziehen
    Vortrag: Lamya Kaddor – 5. November, 18 Uhr
    »Wir sehen uns im Paradies«, schrieben die fünfzehnjährige Sabina und ihre Freundin Samra an ihre Eltern, bevor sie spurlos nach Syrien verschwanden. Ahmed C. ist in Ennepetal geboren und liebte Fußball – bevor er sich als Selbstmordattentäter in Bagdad in die Luft sprengte. Über 150 deutsche Dschihadisten, der jüngste von ihnen dreizehn Jahre alt, sind bislang in Richtung Kriegsgebiet ausgereist. Lamya Kaddor kennt persönlich mehrere junge Menschen, die auf der Suche nach Anerkennung und Akzeptanz der Dschihad-Romantik verfallen sind. Sie berichtet von einer orientierungslosen Generation und erklärt, was getan werden kann, um die Radikalisierung unserer Kinder zu stoppen.
  • Salafistische und jihadistische Szenen in Deutschland – Anziehungskraft, Rekrutierung, Akteure,
    Vortrag: Claudia Dantschke – 19.11.2015, 18 Uhr
    Die heterogene salafistische Szene in Deutschland wächst rasant. Was macht salafistische Deutungsmuster so attraktiv für manche Jugendliche in Deutschland? Aus welchem Umfeld kommt der Zulauf? Was bedeutet das für die Präventionsarbeit und die Arbeit mit Jugendlichen und Heranwachsenden generell?
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Ein Gedanke zu “„Salafismus als Jugendkultur“: FH, Auslandsgesellschaft, Planerladen und Stadt organisieren Vortragsreihe

  1. FH DO Beitrags Autor

    Salafistische und jihadistische Szenen in Deutschland

    Die heterogene salafistische Szene in Deutschland wächst rasant. Was macht salafistische Deutungsmuster so attraktiv für manche Jugendliche in Deutschland? Aus welchem Umfeld kommt der Zulauf? Was bedeutet das für die Präventionsarbeit und die Arbeit mit Jugendlichen und Heranwachsenden generell? Antworten auf diese Fragen gibt der Vortrag
    „Salafistische und jihadistische Szenen in Deutschland – Anziehungskraft, Rekrutierung, Akteure“ von Claudia Dantschke, der am 19. November 2015 in der Offenen Fachhochschule stattfindet. Die Journalistin, die auch in der Extremismus-Prävention arbeitet, spricht unter anderem über Präventionsarbeit und die Arbeit mit Jugendlichen und Heranwachsenden generell.

    Der Vortrag ist ein Beitrag zur vierteiligen Reihe zum Thema „Salafismus als Jugendkultur“, die im Rahmen der Offenen Fachhochschule stattfindet. Während die in der Öffentlichkeit geführten Debatten zum Salafismus ihren Schwerpunkt hauptsächlich auf sicherheitspolitische Interessen legen, unternimmt diese Vortragsreihe den Versuch, sich dem Thema aus jugendkultureller Sicht zu nähern. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

    Zum Hintergrund: Der Salafismus, eine erzkonservative theologische Auslegung des Islam, die einen eng umgrenzten Korpus an Texten wortgenau in die Tat umsetzen möchte und sich im Spannungsfeld zwischen konservativem Islam und politischem Islamismus bewegt, ist mittlerweile in den deutschen Mainstreamdebatten angekommen. Beim Salafismus handelt sich um eine radikale Gegenposition des gesellschaftlichen Mainstreams, von dessen Attraktivität sich nicht nur muslimische Jugendliche angesprochen fühlen. Salafistische Angebote sind im Internet ohne Probleme zu finden und liefern einfache Antworten auf die komplexen Fragen des Lebens rund um Identität, Religion, Moral und Werte.

    Zur Offenen Fachhochschule:
    Um den Dialog nach innen und außen zu fördern, ist die Offene Fachhochschule entstanden, ergänzend zu den Seminaren des Studium Generale. Aktuelle Themen aus Gesellschaft, Wissenschaft und Politik stehen dabei im Mittelpunkt.

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