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Erfolgreiches jüdisches Fechter-Duo aus Dortmund: Vater und Tochter gehen im Mai wieder gemeinsam auf Medaillenjagd

Vater und Tochter haben zehn Medaillen bei den jüdischen Europameisterschaften gewonnen.

Vater und Tochter haben zehn Medaillen bei den jüdischen Europameisterschaften in Berlin gewonnen.

Von Alexander Völkel

Es war ein wahrer Medaillenregen für Vater und Tochter: Zehn Mal Edelmetall gewannen die beiden Dortmunder im Fechten bei der Makkabiade – den jüdischen Europameisterschaften – im Sommer 2015 in Berlin. Jetzt wollen sie bei der ersten nationalen Makkabiade vom 13. bis 16. Mai 2016 in Duisburg erneut gemeinsam teilnehmen.

Erfolgreiches Duo räumte bei den jüdischen Europameisterschaften in Berlin ab

Für Peter Marduchajew (52) sind Makkabiaden nichts Neues: Berlin 2015 war bereits die sechste Teilnahme – und wieder eine sehr erfolgreiche: Zwei Mal Gold, zwei Mal Silber und ein Mal Bronze räumte der Dortmunder Sportlehrer und Fechttrainer ab.

Seine Tochter Maria Marduhaev (18) – die unterschiedliche Schreibweise des Nachnamens verdankt sie einem Übertragungsfehler auf dem Standesamt – war das im vergangenen Jahr das erste Mal bei einer Makkabiade dabei. Doch sie war nicht minder erfolgreich: Drei Mal Gold und zwei Mal Bronze räumte die Schülerin aus Dortmund in Berlin ab.

Für beide war das jüdische Sportfest im Olympiapark in Berlin ein unglaubliches Erlebnis: „Es war wirklich eine unglaubliche Erfahrung. Ich war noch nie auf einer so großen Veranstaltung mit Sportlerinnen und Sportler aus der ganzen Welt.“

Ehemaliger Sowjet-Athlet tritt jetzt für Deutschland bei den Wettkämpfen an

Vater und Tochter haben zehn Medaillen bei den jüdischen Europameisterschaften gewonnen.

Auch bei der ersten nationalen Makkabiade im Mai in Duisburg wollen sie wieder Edelmetall holen.

Auch Papa Peter erlaubt es sich, etwas zu schwärmen: „Es hat ganz gut geklappt“, sagt er bescheiden. „Die Organisation war gut und unserer Präsident war auch dabei und sehr zufrieden.“

Mit „unser“ Präsident meint Marduchajew natürlich Joachim Gauck – Vater und Tochter sind natürlich für Deutschland angetreten. Vor 25 Jahren ist der heute 52-Jährige aus Baku (Aserbaidschan) nach Deutschland gekommen. Zehn Jahre hat er in Bochum gelebt, seit 15 Jahren sind sie in Dortmund zu Hause.

Maria ist auch heute noch bewegt und begeistert, dass die jüdischen Spiele an dem Ort stattfanden, an dem vor fast 70 Jahren Hitler den deutschen Juden die Teilnahme an den olympischen Spielen versagte: „Das dort die jüdischen Europameisterschaften stattfanden – unfassbar!“

Regime verweigerte auch ihm die Teilnahme an der Olympiade 1988 in Seoul

Ihr Vater musste dabei vielleicht auch an seine eigene sportliche Karriere denken. Er war Mitglied der sowjetischen Fecht-Nationalmannschaft. Doch das Regime verweigerte auch ihm die Teilnahme an der Olympiade 1988 in Seoul.

„Ich hatte einen Bruder in den USA. Sie hatten wohl Sorge, dass ich das Land verlasse“, berichtet Peter Marduchajew. Zumindest bei einer Junioren-Weltmeisterschaft konnte er damals antreten.

Sie fand damals in Ungarn statt: Einem sozialistischen Bruderstaat und eben nicht im kapitalistischen Westen. Er schaffte es dort bis ins Halbfinale. Diese Erfahrungen beflügelten seine Ausreisepläne, als der Eiserne Vorhang fiel.

Der 52-Jährige ist amtierender Europa- und Vize-Weltmeister in seiner Altersklasse

Ein erfolgreiches Gespann - früher war der Vater auch ihr Trainer.

Ein erfolgreiches Familiengespann – früher war der Vater auch der Trainer der Tochter. Fotos: Alex Völkel

An seinem Sport hielt er fest: Er arbeitet heute als Sportlehrer und Fechttrainer und hat seitdem an vielen Europa- und Weltmeisterschaften in der jeweiligen Altersklasse teilgenommen – und eine Vielzahl von Medaillen gewonnen. Aktuell ist der 52-Jährige Europa- und Vize-Weltmeister in seiner Altersklasse.

Wenn die nationale Makkabiade in Duisburg stattfindet, ist Peter Marduchajew gerade zurück aus England, wo er für Deutschland bei den Europameisterschaften im gemeinsamen Team der beiden Altersgruppen 40 bis 49 und 50 bis 59 Jahre teilnimmt.

Die Chancen stehen erneut gut, dass er erneut Edelmetall für Deutschland gewinnen kann. Diese hat er natürlich in seiner Wohnung ausgestellt.

Die Dortmunder Schülerin gab den Leistungssport  mit 14 Jahren auf

Doch die Medaillen von der Makkabiade haben eine eigene Wand bekommen, auch wenn hier nicht der sportliche Ehrgeiz und der Sieg im Mittelpunkt steht.

Die Berliner Veranstaltung war für ihn auch deshalb etwas besonderes, weil erstmals seine Tochter dabei war. Früher war er ihr Trainer. Doch seine Tochter hörte mit 14 mit dem Leistungssport auf, weil ihr das mit Schule und Familie zu viel wurde.

„Als Trainer war ich enttäuscht, aber als Vater kann ich es verstehen. Die Schule geht vor“ sagt der stolze Familienvater. „Auch wenn sie sehr erfolgreich war. Sie war westfälische Meisterin und für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert.“

Als sie dennoch aufhörte, blutete ihm das Herz. Dass seine Tochter nach fast drei Jahren Wettkampf- und Trainingspause nach einem einzigen Trainingslager im vergangenen Jahr in Berlin so erfolgreich war, macht den erfolgreichen Fechter stolz.

Bei der nationalen Makkabiade zählt nicht allein der sportliche Ehrgeiz

Makkabiade - LogoDurch die Europäische Makkabiade hat die Schülerin wieder viel Motivation getankt. Maria will nun wieder häufiger trainieren, auch wenn das Abi in diesem Jahr oberste Priorität hat. Dennoch will sie gemeinsam mit ihrem Vater in Duisburg starten. Es geht um das „Wir-Gefühl“, auch wenn das sportliche Niveau insbesondere für ihren Vater wohl keine Herausforderung darstellen wird.

„Aber wir sind nicht sehr viele Fechter jüdischen Glaubens in Deutschland – da dann noch abzusagen wäre nicht gut“, sagt Peter Marduchajew. Er möchte den jüdischen Sport in Deutschland stärken – daher nimmt er in Duisburg teil, obwohl unmittelbar vorher die regulären Europameisterschaften stattfinden werden.

Auch seiner Tochter geht es weniger um den sportlichen Reiz, als viel mehr das Eintreten für ihren Glauben und das Gemeinschaftsgefühl.

Das Ziel von Maria Marduhaev ist daher die Teilnahme an den nächsten jüdischen Weltmeisterschaften in Israel im kommenden Jahr – gemeinsam mit ihrem Vater. Es bleibt abzuwarten, wie viele Medaillen sie dann für Deutschland gewinnen können.

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