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Dortmund goes digital: „Chief Information/Innovation Office“ als neue Stabsstelle beim Oberbürgermeister eingeführt

So ähnlich fing es an, hier Digitalisierung in der British Library Schrift wird zu einem Datensatz. Quelle: Wikipedia

Als Vorreiterin für Digitalisierung sieht sich Dortmund – in der Region und darüber hinaus. Um dies endlich kenntlicher zu machen, Vorbehalte abzubauen und zum Wohle aller das freundliche Einsickern in die Stadtgesellschaft von vernetzten und wie immer hilfsbereiten Bits-and-Bytes-Anordnungen zu fördern: dafür soll das „Chief Information/Innovation Office“ (CIO) ab jetzt sorgen. Zielpunkt der Veranstaltung ist eine smarte City, wo quasi auf Knopfdruck die Engel singen.

Von Wohl und Wehe prozessierbarer Daten und deren Vernetzung: Wohin geht die Reise?

In Sachen Digitalisierung mit ambitionierten Plänen unterwegs: Ullrich Sierau, Dr. Jan Fritz Rettberg, Denes Küçük – damit Dortmund Referenzstandort wird. Foto: Thomas Engel

„Digitalisierung“ – die Einen sehen eine graue Wand, zuweilen unheimlich, manchmal besetzt mit Horrorszenarien; anderen ist sie Grund für Elogen, sei es als Visionen unbegrenzter BürgerInnensouveränität oder damit Oma praktischerweise vom Service-Roboter ins Bett gebracht wird. Fakt ist: als eine Form technischen Könnens durchdringt sie scheinbar unabwendbar immer weitere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens.

Ob in Wirtschaft, Verwaltung, dem Bildungs- oder Verkehrswesen: die Umwandlung von Informationen, Sprache, Bildern usf. in prozessierbare Daten, deren Speicherung, Übermittlung, Rekombination und Vernetzung – Digitalisierung diffundiert in unsere analogen Welten, verändert sie auf verschiedenste Weisen, drückt ihnen ihren Stempel auf.

Dem ist Rechnung zu tragen, sofern die Wahrnehmung lautet, dass hier der „Fortschritt“ riefe. Und, wer sich rufen lassen möchte, von den verheißenen Annehmlichkeiten der Digitalisierung, bei dem entsteht Handlungsbedarf: dort, wo sie mit ihren Möglichkeiten, fast alles zu können, engelsgleich, noch nicht angekommen ist.  Das sagt sich garantiert jede Kommune in der Bundesrepublik; eine davon ist Dortmund.

Aber: Dortmund hat Ansprüche, möchte ganz vorne mit dabei sein – daraus hatte OB Ullrich Sierau seit längerem keinen Hehl gemacht. Letzter Akt der ambitionierten Bestrebungen: seit Juni dieses Jahres hat das neue „Chief Information/Innovation Office“ (CIO) der Stadt Dortmund seine Arbeit aufgenommen.

Das als Stabsstelle im Amt des Oberbürgermeisters und des Rates angesiedelte und im Hafenamt beheimatete Zentral- oder Hauptbüro („Chief Office“) leitet – einer Ausschreibung seitens der Stadt folgend – der Politologe und ausgewiesene Digitalisierungsexperte Dr. Jan Fritz Rettberg; sein Vertreter ist Denes Küçük, der sich bisher in zwei NRW-Landesministerien (Inneres/Wirtschaft) vor allem um Modelle von Digitalisierungstechniken bei Verwaltungsabläufen gekümmert hat.

CIO: ein Think-Tank zur Begleitung und Qualitätssicherung kommunaler Digitalisierung

Ewig weiter in ein und derselben Logik? Quelle: Wiki

Die Idee hinter der Gründung des CIO, erläutert Sierau, sei es gewesen, einen Think-Tank zu haben, der als Einheit mit Qualität den Prozess kommunaler Digitalisierung begleitet. Eine Aufgabe, die für den OB offenbar von immenser strategischer Bedeutung ist, sofern er hier ein „fortwährendes Thema“ mit „viel Dynamik“ sieht, das ein solches auf unabsehbare Zeit bleiben wird.

Daher kann es auf die Frage nach Dauer des nun mit dem CIO ins Leben gerufenen Vorhabens – quasi der „Natur“ der Sache nach – nur eine Antwort geben: „ewig“. Es sei der „Beginn einer digitalen Ewigkeit“, so Sierau. Will heißen: Das Büro, mit dem die Vernetzung von Digitalisierungsprozessen auf verschiedenen Ebenen in Stadtverwaltung wie Stadtgesellschaft von nun an koordiniert werden soll, kann für die Zukunft nur als permanente Einrichtung gedacht werden.

Die zudem wachsen soll – denn Transformationsprozesse in immer mehr gesellschaftlichen Handlungsfeldern sind in erheblichem Umfang von Digitalisierung geprägt oder werden direkt von ihr angestoßen. Daher sieht der OB hier „eines der Mega-Zukunftsthemen“, dem sich die Stadt stellen will. Und nicht nur das: Die Kommune sieht sich durchaus in einer Vorreiterrolle.

Dortmund möchte zu einem „Referenzstandort für digitale Entwicklung“ werden

Wilo, Hörde, digitaler Campus im Aufbau: Hier soll ein privatwirtschaftliches Vorzeigeprojekt für die Stadt entstehen. Foto: Thomas Engel

Die möchte der OB in Zukunft sichtbarer machen, als das heute der Fall ist. – Dortmund als Modellstadt für Digitalisierung? Dafür braucht‘s freilich den Kontakt zur Forschung wie den Unternehmen, die vor Ort mit Spitzentechnologie in der Sache unterwegs sind.

Sierau verweist gerne auf den gerade entstehenden digitalen Riesencampus von Wilo in Hörde, den Umzug des Münchener Beratungsunternehmens KPS an den Phoenix-See mit einer Verdopplung der Bürofläche oder auf das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik im Technologiezentrum.

Da gäbe es unheimlich viel Kompetenz am Standort Dortmund, die es zu bündeln gälte, so der OB – womit das Kerngeschäft des neuen CIO weiter umrissen wäre: Impulse setzen, Orientierung und Begleitung im Prozess der kommunalen Digitalisierung, schließlich Koordination zwischen den involvierten Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

Was der Stadt offenbar vorschwebt: Dortmund zu einem „Referenzstandort für digitale Entwicklung“ auszubauen, wie Sierau ausdrücklich betont. Und sieht neben der Ansammlung digitaler Expertise Dortmund gegenüber Millionenmetropolen auch dadurch im Vorteil, dass sich hier wegen der relativen Übersichtlichkeit digitale wie im Weiteren vor allem Steuerungskompetenzen schneller in die Stadtgesellschaft übersetzen ließen.

Werden von Digitalisierung mehr Arbeitsplätze geschaffen, als sie verschlingt?

Digitalisierung ersetzt Arbeit. Quelle: IAB

Zur Realisierung der besagt ambitionierten Pläne wäre es naheliegenderweise hilfreich, könnte die Akzeptanz in der Bevölkerung gegenüber Innovationen durch Digitalisierung ein wenig erhöht werden. Auch hier wird eine wichtige Aufgabe des CIO in der Zukunft liegen. Denn bis dato hält sich hartnäckig das Gerücht, durch die Umwandlung von analogen in digitale Formate verschwänden Arbeitsplätze.

Genauer gesagt, ist dies kein Gerücht, sondern es ist erst einmal faktisch so, dass in allen Berufszweigen mit der Einführung digitaler Technologie peu à peu menschliche Arbeitskraft (teilweise) ersetzt wird – wie sich durch eine ganze Reihe wissenschaftlicher Studien belegen lässt (s.u., mehr zum Thema: „Stift 4.0“). Nur: Digitalisierung schafft eben parallel dazu auch neue Arbeitsplätze.

Daher sprechen Sierau und Rettberg von einem weiteren Motiv für die Gründung des CIO als dem der „Entdämonisierung“ von Digitalisierung durch Versachlichung der diesbezüglichen Debatte. Also Ängste nehmen, sensibilisieren für Details usf. Was in diesem Zusammenhang soviel bedeuten würde wie, dass die beiden Herrn der Meinung sind, es kämen unterm Strich im Verhältnis von Stellenabbau zur Generierung von Arbeitsplätzen schwarze Zahlen heraus.

Statt technologische Entwicklungen zu verpassen, sich lieber an deren Spitze stellen

Je komplizierter, desto eher werden Menschen gebraucht. Quelle: IAB

Es solle klar werden, ist Sierau daher guten Mutes, dass Digitalisierung nicht Arbeit vernichte, sondern welche schaffe. Das sei wie bei der Elektromobilität, wo es diesen Effekt ebenfalls gegeben hätte.

Was allerdings nichts daran ändert, dass viele Menschen ihren gewohnten Arbeitsplatz verlieren werden. Und darüber hinaus in ihrem erlernten Beruf vielleicht nicht mehr arbeiten können – sofern sie sich nicht durch Weiter- oder Fortbildung auf die systemischen Erfordernisse der neuen Technologien hin adaptieren; Stichwort: Flexibilität etc.

Und ebenso sicher wie das Amen in der Kirche ist: Keine offene Gesellschaft, keine Region oder Kommune kommt um die Implementierung von Digitalisierungstechnologien herum. Sofern deren Einführung Prozesseffizienz erhöht, ist in einer Konkurrenzgesellschaft Abschottung letztendlich gleichbedeutend mit Untergang; schon ein Zögern hieße Zurückbleiben.

Daher lautet die Entscheidung der Stadt ihrer inneren Logik nach: statt Gefahr zu laufen, ins Hintertreffen zu geraten, sich lieber gleich an die Spitze des eh Unvermeidlichen setzen.

Und so läuft unter diesen Voraussetzungen instrumentellen Denkens alles auf ein Kalkül hinaus: Was die dafür notwendigen Investitionen beträfe, so Sierau, müsse eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufgemacht werden – Wie groß sei der Mehrwert? Nach Einschätzung des OB: mindestens so groß wie bei der Städtebauförderung – für jeden eingesetzten Euro seien sechs erwirtschaftet worden; das Verhältnis am Phoenix-See betrüge gar 1:20.

Für Sierau liegt nahe: irgendwo dazwischen wird die Kommune bei den strategischen Erträgen durch Digitalisierungsförderung aufschlagen. – Was davon, wann, wie und (in) welchen Teilen der Stadtgesellschaft im Einzelnen zufließt, steht freilich auf einem anderen Papier und wird Teil eines Aushandlungsprozesses zwischen den kommunalpolitisch relevanten Kräften sein.

Kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck: Digitalisierung zum Nutzen von BürgerInnen

Gutes tun für die Menschen, hier Therapie: der Paro-Roboter reagiert auf Streicheleinheiten. Quelle: Wiki

Gedacht wird jedenfalls beim freundlichen Weichen-Stellen für die flächendeckende, transinstitutionelle Einführung von Datenverarbeitungs- und Vernetzungstechnologie seitens der Stadtspitze nach dem Prinzip des „bonum facere“, Gutes tun: es soll etwas für die Stadt, ihre BürgerInnen dabei herausspringen.

„Innovation“ sei auch deshalb Teil der Bezeichnung für das neue Büro geworden, erläutert Jan Fritz Rettberg, weil die Akteure Digitalisierung lediglich als Mittel zum Zweck und nicht etwa als Selbstzweck erachteten: sie solle in den Dienst der Menschen, der Stadt gestellt werden. Für eine Smart-City, die sichtbar allen zugutekommt, wie nach Innen für die Stadtverwaltung zur Prozessoptimierung von Verwaltungsvorgängen.

Das Vorhandene solle durch Digitalisierung besser gemacht, gutes Arbeiten gefördert werden, auch für einen jeden Einzelnen, versucht Rettberg die übergeordneten Zwecksetzungen der kommunalen Anstrengungen in Sachen High-Tech zu verdeutlichen. Und der OB sekundiert: Prozesse sollten durch „Digitalisierung veredelt“ werden.

Digitalisierung verbessert Arbeitsabläufe zwar nicht per se, aber verändert sie immer

Mikroprozessor, in die Jahre gekommen. Und spricht anders als Mensch. Quelle: Wiki

Allen Beteiligten ist jedoch auch klar: „Ein schlechter Prozess wird digitalisiert nicht besser“, formuliert Denes Küçük. Mit anderen Worten: die anvisierte Prozessoptimierung in der Administration impliziert ante festum die Evaluation bestehender Abläufe nach ihrer Güte. Die Dinge müssen also auf den Prüfstand.

Andererseits, und darin liegt die Herausforderung: Digitalisierung mag bestehende Prozesse zwar nicht per se verbessern, sie verändert allerdings deren Struktureigenschaften durch bloße Applikation, weshalb sich die Prämissen ihrer zweckrationalen Beurteilung verschieben.

Eine Mensch-Mensch-Kette/Interaktion funktioniert (wenn überhaupt) eben anders als die zwischen Menschen und digitalen Systemen, weil bei aller „Künstlichen Intelligenz“ dort ein unüberschreitbarer Abgrund verbleibt.

Aber das ist nicht alles: Im Bereich der öffentlichen Hand gäbe es nämlich spezielle Fragestellungen, macht Jan Fritz Rettberg klar. Insofern, als sich dort Digitalisierungsprozesse anders darstellten als beispielsweise in der Wirtschaft. In den Verwaltungen von Städten und Kommunen läge eine andere Struktur vor, damit andere Anforderungen, etwa bezüglich des Datenschutzes. – Ein Thema, das noch zur Sprache kommen sollte.

Regelmäßige Konferenzen und Workshops auf verschiedenen Ebenen geplant

Aus dem Pott zur ehrwürdigen Preisverleihung – Dortmund hofft. Quelle: Wiki

Über 1.000 Unternehmen aus der Digital-Branche mit mehr als 14.000 Beschäftigten sind mittlerweile in Dortmund angesiedelt. Die Stadt versteht sich als digitales Oberzentrum in der Metropole Ruhr. Masterpläne zur Digitalisierung auf kommunaler Ebene sind schon für die Sektoren Wirtschaft, Bildung und Verwaltung entwickelt worden; mit ihnen sollen Strategien der Digitalisierung erarbeitet werden.

Das Erreichte ließe sich die Stadt auch gern dokumentieren: Beim Wettbewerb der Stiftung „Lebendige Stadt“, der in diesem Jahr für die „Digitalste Stadt“ vergeben werden soll, nähme man den – mit 15.000 Euro eher symbolisch dotierten – Stiftungspreis während der Verleihungsfeier am 19. September im Orangerieschloss Sanssouci in Potsdam sicherlich gern entgegen.

In Dortmund geht es mit dem neuen CIO jedenfalls so oder so weiter: „DOgital“ heißt das Label, unter dem Rettberg und Küçük die Digitalisierung vorantreiben möchten. Geplant sind jährliche Konferenzen mit internationalen ExpertInnen zu digitalen Entwicklungsperspektiven, dazu regelmäßige Workshops für ausgewählte Einheiten innerhalb der Stadtverwaltung.

Dort sollen interne Abläufe geprüft, die Digitalisierung von Arbeits- und administrativen Abläufen im Pilotversuch erprobt und nach Evaluation gegebenenfalls generalisiert implementiert werden.

Die Arbeit in dem Hauptbüro sei ein wenig wie die in einem wissenschaftlichen Institut; eine Art Stabsstelle für die Organisation projektbezogener Tätigkeiten im Digitalisierungsbereich, erklärt Rettberg. der seit 1998 in Dortmund lebt, eigentlich aus Nordhessen stammt und bislang das Innovation Management des ie³-Instituts für Energiesysteme, Energieeffizienz und Energiewirtschaft an der TU Dortmund leitete, das sich schwerpunktmäßig mit elektrischen Netzen befasst.

Projekte koordinieren, Ideen entwickeln, Innovation anstoßen: volles Programm für das CIO

Ohne Digitalisierung nicht vorstellbar: Elektromobilität. Foto: Gerd Wüsthoff

Neben der Einführung von mehr Bits-und-Bytes-Intelligenz in die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit dem neuen Verwaltungsdezernenten Christian Uhr (SPD) ist es vor allem das Zukunftsprojekt „Smart City“, das von dem Tandem koordinativ beackert werden soll.

Vom Ausbau der Elektromobilität, unter anderem durch Verdichtung des Netzes an E-Ladesäulen, bis zur Entwicklung von intelligenten Parksystemen, zum Beispiel für das notorisch zugeparkte Kreuzviertel.

Das Vorhaben „Smart City Dortmund“ entstammt dem Masterplan „Energiewende“, an dem Rettberg federführend mitgearbeitet hat, und ist eines der Leitprojekts aus dem Dekadenprojekt „nordwärts“. Es besteht de facto aus einer Ende 2016 geschmiedeten „Allianz“ von Kommunalpolitik, Wirtschaft und Wissenschaft und hat sich bereits im März 2017 in an die 100 bestehende oder in Planung befindliche Teilprojekte gegliedert.

Die „Allianz Smart City“, deren Geschäftsführung Rettberg auch angehört, scheint so etwas wie der multiprofessionelle Kompetenzpool für das kommunale Digitalisierungsprogramm zu sein oder soll es werden.

Frage nach Umgang mit Daten, die mit Digitalisierung im Prinzip verfügbar gemacht werden können

Digitalisierung, personenbezogen – Steuererklärung. Quelle Wiki

Ein Fundus an Expertise, auf den im Bedarfsfall zurückgegriffen werden könne, so Rettberg auf die Frage, wieweit in einer sich digitalisierenden Kommune vor dem Hintergrund neu entstehender Datenschutzprobleme etwa dieser Prozess nicht nur mit rechtlicher, sondern auch ethischer Expertise begleitet würde.

Natürlich sei eine primäre Orientierung durch die rechtlichen Rahmenbedingungen gegeben, aber ansonsten gäbe es in der „Allianz“ ExpertInnenteams aus Wissenschaft, Unternehmen und Verwaltung sowie ein „ethisches Rahmenprogramm“. Eine Frage, die zum Beispiel zu bearbeiten wäre, sei die nach dem Umgang mit Daten im kommunalen Bereich – wobei es sich nicht notwendig um personenbezogene Daten handeln müsse.

Wie solle etwa mit digitalen Plattformen umgegangen werden? Denn hier sei ein Rahmen zu setzen, wie die Stadt Daten freigäbe. Beispielsweise, wenn es um Lärm- oder Schadstoffbelastungen ginge, die externen Dritten zu Analysezwecken zur Verfügung gestellt werden könnten.

In zugänglichen Dokumentationen über die „Allianz“ keinerlei ethische Expertise sichtbar

Vereinfachendes Schema zu den Folgen von Digitalisierung. Quelle: Wiki

Allerdings gibt es mit Blick auf die in der „Allianz Smart City“ engagierten Akteure – soweit solche Informationen zugänglich sind und zumindest was ethische Expertise betrifft – noch ein paar Sichtbarkeitsprobleme.

Denn es fällt schwer, bei der Leitung der sechs ExpertInnenteams von „Allianz Smart City“ oder bei den Dokumentationen zur Auftaktveranstaltung, zur ersten und zweiten Allianztagung ausgewiesene Fachleute in Sachen Ethik auszumachen.

Vielmehr scheinen sich eher VertreterInnen aus Politik/Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft aus dem IT- bzw. naturwissenschaftlich-technischen Bereich zu versammeln.

So kommt bei Auflistung der im letzten Jahr im Bestand oder Planung befindlichen 117 Projekte der Allianz das Wort „Ethik“ oder „Datenschutz“ keinmal vor. Im 44-seitigen Überblick zu den Inhalten der ersten Allianztagung versanden Begriffe wie „Datenhoheit“, „Datensicherheit“ oder „Datenschutz“ offenbar nach der Brainstorming-Phase.

Volles Programm für das CIO – aber locker erweiterbar um randständige Probleme

Leider eine Nummer zu groß für Politik: Denken jenseits instrumenteller Vernunft. Denn da braucht es keine Mehrheiten. Nur manchmal ein bisschen Förderung, aber sicher keine Wählerstimmen. Das ist einfacher.

Digitale Trends beobachten, innovative Digitalisierungsprojekte anstoßen und im Endeffekt an der Entwicklung einer Gesamtstrategie für eine „Smarte Stadt“ mitwirken – die beiden Akteure im Hafenamt aus dem CIO haben ein volles Programm, das wenig Langeweile verspricht.

Mit einem bisschen Surplus an Reflexion darüber, ob all das, was technisch möglich ist, auch gemacht bzw. wie es vor dem Hintergrund ethisch begründbarer Prinzipien etwaig implementiert werden sollte – könnte es sogar noch spannender werden.

Zur Abwechselung ist es nämlich manchmal gar nicht so schlecht – innezuhalten und drüber nachzudenken, was wir da überhaupt tun, vor lauter Eile. Auch, wenn es verschroben-randständig wirkt, weil instrumentelle Vernunft allgegenwärtig ist.

Und ein kleines Missverständnis könnte dabei stärker aufgeklärt werden. Wichtige Fragen des Datenschutzes: nach den Regeln zum Umgang mit (sensiblen) Informationen, ihrer Speicherung, Verarbeitung, Weitergabe etc. – sie betreffen nur einen kleinen Ausschnitt ethischer Fragestellungen im Kontext von Digitalisierung. Denn die berührt (nahezu) alle Lebensbereiche, ob wir es wollen oder nicht.

Weitere Informationen:

  • Übersicht zu den drei digitalen Masterplänen in den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Stadtverwaltung in Dortmund, hier:
  • Allianz Smart City Dortmund, hier:
  • Allianz Smart City, Memorandum of Understanding, hier:
  • Expertenteams bei Allianz Smart City, hier:
  • Dokumentationen über Allianz Smart City – Auftaktveranstaltung (Dezember 2016), hier:
  • Doku erste Allianztagung (März 2017), hier:
  • Doku zweite Allianztagung (April 2018), hier:
  • Allianz Smart City, Übersicht Projekte, hier:
  • Grundlagen der digitalen Ethik, hier:
  • Institut für Digitale Ethik an der Hochschule für Medien (Stuttgart), hier:
  • Bundesverband digitaler Wirtschaft (BVDW), hier:
  • Analyse: „Menschenwürde als Leitmotiv der Digitalisierung“ (von Joachim Fetzer), hier:
  • „Das Netz der Gesellschaft. Warum das Gemeinwohl im technologischen Wandel von der digitalen Infrastruktur abhängt“ (von Leonie Beining), hier:

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Ein Gedanke zu “Dortmund goes digital: „Chief Information/Innovation Office“ als neue Stabsstelle beim Oberbürgermeister eingeführt

  1. Jörg Tippkötter

    Hallo,
    ich war heute beim Bauaktenarchiv und musste ich wundern warum alle Kunden mit Ihrem Handy den Bildschirm fotografierten. Sie ( und ich letztlich auch) mussten Ihre Bauakten, die als pdf-Dateien vorliegen, abfotografieren. Man konnte mir nicht erklären was dieses Vorgehen soll, das sei nun mal so ! Fällt den Verantwortlichen da keine bessere Lösung ein ? Baut z.B. einen CD Brenner in den „KundenPC“ oder versendet die Dateien per verschlüsselter e-Mail. Ja da gibt es auch sichere Wege ! Das wäre zeitgemäß.
    Jörg Tippkötter

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