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Dortmund als Drehscheibe für Flüchtlinge: Ehrenamt wird doch eine große Rolle spielen – Viel Arbeit für „Train of Hope“

Anhand der Spielteppiche könnte man vielleicht auch die Verteilung der Flüchtlinge in Deutschland verdeutlichen…

Statt Fußballfans werden ab Montagabend Flüchtlinge auf dem Haltepunkt Signal-Iduna-Park ankommen. Dann nimmt Dortmund wieder  – an jedem vierten Tag – am landesweiten Drehscheibensystem teil. Auf dem gegenüberliegenden Parkplatz E3 ist mittlerweile die notwendige Infrastruktur aufgebaut worden.

Dortmunder Drehscheibe ist vor allem eine überdimensionale Busstation

Am Haltepunkt Signal-Iduna-Park soll alle vier Tage ein Flüchtlingszug ankommen.

Allerdings wird das nicht mehr als eine überdimensionale Busstation werden.

Denn die ankommenden Flüchtlingen sollen schnellstmöglich in die Landeseinrichtung nach Selm-Bork weitergeleitet werden. Erst dort werden sie bekocht, können duschen und schlafen.

In Dortmund werden die Flüchtlinge daher nur Getränke und ein Lunchpaket bekommen. Es gibt einen Wartebereich für 700 Menschen in Leichtbauhallen. Dort gibt es auch 30 Toiletten, einen Wickel- und einen Kinderspielbereich sowie eine Station für die medizinische Erstversorgung. Alle reisefähigen Menschen werden dann schnellstmöglich mit Bundeswehr-Bussen nach Selm gebracht.

Am kommenden Tag sollen sie zur Registrierung nach Münster-Greven gebracht und dann in zentrale Unterbringungseinrichtungen des Landes verteilt werden.

Feuerwehr betreut die Anlage – 30 Ehrenamtliche sind eingeplant

Die Feuerwehr organisiert die Drehscheibe in Dortmund.

Die Feuerwehr wird die Anlage an der Ardeystraße betreuen. Allerdings werden die Feuerwehrleute zahlenmäßig in der Minderheit sein.

Zehn bis 20 Feuerwehrkräfte und 30 Ehrenamtliche werden neben städtischen Beschäftigten vor Ort sein. Außerdem gibt es einen Wachdienst.

Die Freiwilligen-Agentur der Stadt Dortmund, der Verein „Train of Hope Dortmund“ und das „Projekt Ankommen“ werden sich um die Gewinnung und Einplanung von Ehrenamtlichen kümmern.

Denn niemand kann „einfach so“ zur Zeltstadt an der Ardeystraße kommen und helfen. Auch Sachspenden werden hier nicht angenommen.

Alle ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer müssen sich bei einem der drei Partner melden und werden dann von denen in Dienstpläne aufgenommen (kontakt@trainofhope-do.de oder kontakt@projekt-ankommen.de).

Alle Aktiven bekommen vorab klare Aufgaben zugewiesen. „Mädchen-für-Alles“ wie im September im Dietrich-Keuning-Haus soll es nicht mehr geben.

Fast alle Ehrenamtlichen kommen zunächst vom „Train of Hope“

Justo Moret wird die Ehrenamtlichen des Vereins Train of Hope koordinieren.

Zumindest am Anfang werden nahezu alle Ehrenamtlichen vom Verein „Train of Hope“ kommen. Mehr als 100 registrierte Ehrenamtliche warten hier auf ihren Einsatz.

Sie werden den Kinderspiel- sowie den Wickelbereich mit jeweils drei Ehrenamtlichen besetzen. Der überwiegende Teil der Ehrenamtlichen werden allerdings als Dolmetscher benötigt, verdeutlicht Justo Moret, stellvertretender Vorsitzender des Vereins.

Er wird an der Ardeystraße auch als Koordinator fungieren. Gemeinsam mit Nahid Farshi vom „Projekt Ankommen“ werden sie dafür sorgen, dass sich die neuen Strukturen etablieren. Auch wollen sie sehen, ob die Bedarfe richtig kalkuliert sind.

Allerdings müssen sich die beiden Organisationen „nur“ um „Manpower“ kümmern. Alle Hilfsmaterialien – zum Beispiel Windeln, Verbrauchsmaterialen und Hygieneartikel – wird die Feuerwehr für die Ehrenamtlichen beschaffen.

Dank an Ehrenamtliche – HelferInnen werden in den Einrichtungen benötigt

Es gibt Biertisch-Garnituren für Erwachsene und die niedrigere „Milchtisch“-Variante für Kinder.

Ihnen gebührte jetzt schon der Dank der Stadt. Damit haben sich auch die Gemüter wieder beruhigt.

Denn die Äußerungen der zuständigen Dezernentin Diane Jägers im Vorfeld – die Drehscheibe sei kein Ort zum Ausleben seiner Ehrenamtlichkeit – hatten viel Unmut ausgelöst.

Die Wogen haben sich geglättet und weitere Helferinnen und Helfer können sich melden. Denn klar ist: Ehrenamtliche werden das ganze nächste Jahr benötigt.

Allerdings bleibt Jägers bei ihrer Linie, dass die Arbeit hier nicht anders als etwa in der Erstaufnahmeeinrichtung laufe. Allerdings werden dort nur hauptamtliche Kräfte eingesetzt.

Das Engagement der Ehrenamtlichen werde in den kommunalen Flüchtlingseinrichtungen und beim Übergang der Geflohenen in eigenen Wohnraum viel dringender gebraucht.

Drehscheibe im Wechsel mit Köln, Düsseldorf und künftig Essen

Wenn die Flüchtlinge kommen, wird die Ardeystraße kurzzeitig gesperrt.

Ab Montag wird sich Dortmund neben den Städten Köln und Düsseldorf wieder an einem landesweiten Drehscheibensystem beteiligen.

Dann wird wieder alle vier Tage mindestens ein Zug in den Abendstunden mit ankommenden Flüchtlingen aus dem süddeutschen Raum am Haltepunkt Signal Iduna Park in Dortmund erwartet.

Sie werden dann auf die gegenüberliegende Straßenseite begleitet. Dafür wird die Ardeystraße dann kurzzeitig komplett gesperrt.

Wie viele Menschen im Zug sitzen, bleibt abzuwarten. Denn seit November sind die Zahlen rückläufig. So kommen fast kaum noch Menschen aus dem Westbalkan.

Dort hat sich offenbar herumgesprochen, dass die Menschen schnellstmöglich wieder nach Hause geschickt werden sollen.

Schlechte Zahlungsmoral löst verstärkte Flüchtlingsströme aus

Dezernentin Diane Jägers stellte die Planungen vor.

Außerdem ist seit Anfang Dezember die Zahl der Neuankommenden aus Syrien gesunken. Hier wirkt sich offenbar aus, dass die Türkei ihre Grenzen schließt.

In der Dortmunder Erstaufnahmeeinrichtung ist die Zahl der Neuzugänge um ein Drittel gesunken. „Das sind aber nur Momentaufnahmen und kein Anlass zu glauben, dass es jetzt so weiter geht“, warnte Jägers.

Sie sprach erneut Klartext: So machte sie klar, dass wir den verstärkten Flüchtlingszustrom vor allem dem Umstand „verdanken“, dass viele Länder – allen voran die USA – nicht oder nicht rechtzeitig Geld an das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) überweisen.

Seit Sommer ist das UNHCR nicht mehr in der Lage, die Flüchtlinge in den Nachbarstaaten von Irak und Syrien ausreichend zu versorgen. Weil die Lebensmittel knapp werden, machen sie sich auf den Weg nach Europa.

Aufnahmestopp in den Kommunen über Weihnachten als bitteres Geschenk

Die letzten Arbeiten in den Leichtbauhallen für die Drehscheibe laufen auf Hochtouren.

Auch „das Geschenk“, dass die NRW-Kommunen zwischen den Jahren keine Flüchtlinge zugewiesen bekommen sollen, sah sie fraglich.

Denn das funktioniere nur, weil Innenminister Ralf Jäger derzeit die Landeseinrichtungen leere, um Platz zur Unterbringung der Flüchtlinge zwischen Weihnachten und Anfang Januar zu schaffen.

Daher bekommen alle Kommunen derzeit nochmals erhöhe Flüchtlingszahlen zugewiesen – Dortmund aktuell 200 pro Woche. „Da ächzen wir jetzt drunter – und dann wieder im Januar“ machte Jägers deutlich.

Denn das Land braucht den Platz, um die neuankommenden Flüchtlinge aus den Drehscheiben vorübergehend unterzubringen. Denn diese werden auch dann alle vier Tage in Dortmund ankommen – so auch am 26. und 30. Dezember.

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