Die Stadt Dortmund plant einen kommunalen Fonds gegen Problemimmobilien in der Nordstadt

Verwahrloste Häuser sollen dadurch in gute Hände kommen

Abgerissene Briefkästen in einem Problemhaus
Die Stadtverwaltung zählt in der Nordstadt 56 städtebauliche und 100 ordnungsrechtliche Problemimmobilien. Foto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

Die Stadt Dortmund will ihren Einsatz gegen verwahrloste und leerstehende Problemimmobilien in der Nordstadt verstärken. Dafür soll ein neuer kommunaler Entwicklungsfonds eingerichtet werden, mit dem die Verwaltung heruntergekommene Gebäude aufkauft und nach einer Übergangsphase an private Investor*innen mit tragfähigen Sanierungskonzepten weitergibt. Das kündigte Stefan Szuggat, Dezernent für Planen und Wohnen, bei einer Pressekonferenz der Stadt an. Über die Einrichtung des Fonds entscheidet der Rat im November.

865.000 Euro Startkapital für den neuen Ankauffonds

Bereits seit 2016 gehen verschiedene Stellen der Stadtverwaltung gemeinsam gegen städtebauliche Problemimmobilien in der Nordstadt vor. Betroffen sind Wohnhäuser, die durch bauliche Verwahrlosung, Leerstand oder eine nicht angemessene Nutzung auffallen und sich negativ auf ihr Umfeld auswirken – die Risiken reichen von Einsturzgefahr bis zur illegalen Nutzung durch Kriminelle. 

Nach dem Stand von Mai 2026 zählte die Verwaltung in der Nordstadt 56 städtebauliche und 100 ordnungsrechtliche Problemimmobilien; 26 Gebäude fielen in beide Kategorien, sodass insgesamt 130 Fälle registriert waren. Die langjährige Erfahrung zeige: Oft lasse sich erst nach einem Eigentümer*innen-Wechsel eine Lösung finden.

Mehr Handlungsspielraum für die Stadterneuerung

Um künftig mehr Handlungsspielraum zu haben, wollen das Amt für Stadterneuerung und der Fachbereich Liegenschaften gemeinsam einen kommunalen Entwicklungsfonds einrichten. Möglich wird das durch die Programmveröffentlichung der Städtebauförderung im April vergangenen Jahres, mit der das Land Nordrhein-Westfalen der Nordstadt Fördermittel zugewiesen hat. 

Archivbild: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Für die kommenden Jahre soll der Fonds mit 865.000 Euro ausgestattet werden und ausschließlich dem Ankauf von Problemimmobilien dienen. Für 70 Prozent der Kosten, denen keine oder keine ausreichenden Einnahmen gegenüberstehen, liegt bereits eine Förderzusage der Städtebauförderung von Bund und Land vor.

Aus dem Fonds sollen Gebäude aufgekauft werden, die heruntergekommen und unbewohnt sind und dem Wohnungsmarkt derzeit nicht zur Verfügung stehen. „In der Übergangsphase, in der wir die Objekte nach dem Aufkauf marktgerecht herrichten, kümmern wir uns in der Regel um die Entmüllung“, erläuterte Szuggat. 

Viele der Häuser seien vermüllt und müssten entrümpelt werden, zum Teil seien zudem bauliche Sicherungsmaßnahmen nötig. Anschließend soll es darum gehen, die Immobilien unsaniert wieder an den Markt zu geben und an private Investor*innen zu verkaufen, die sich um die Sanierung kümmern.

Nicht der Preis, sondern das beste Sanierungskonzept entscheidet

Die Stadt hat mehrere Möglichkeiten, an Problemimmobilien zu kommen: über ihr Vorkaufsrecht etwa im Sanierungsgebiet „Südliches Nordmarktquartier“, bei Zwangsversteigerungen oder frei auf dem Immobilienmarkt. Die angekauften Häuser sollen aber nicht lange im Besitz der Stadt bleiben.

So sah es vor der Räumung durch die Eigentümer im Problemhaus Gronaustraße 42 aus. Foto: privat
Problemhäuser sind seit Jahren ein Thema.

Stattdessen will die Verwaltung sie unsaniert an verantwortungsvolle Investor*innen weiterverkaufen, deren Pläne zur Stärkung der Nordstadt beitragen. In sogenannten Konzeptverfahren soll deshalb künftig nicht das höchste Gebot über den Zuschlag entscheiden, sondern das beste Konzept für Sanierung und Nutzung. Der Verkauf erfolgt dann zum Verkehrswert.

Mit den neuen Eigentümerinnen vereinbart die Stadt die Sanierung vertraglich, im Sanierungsgebiet gibt es zudem steuerliche Vorteile für alle, die sich um die Gebäude kümmern. Das Verfahren gebe einem breiteren Spektrum an Bewerberinnen Chancen auf den Zuschlag und erlaube mehr Kreativität und Nachhaltigkeit in den Planungen, heißt es von der Stadt. Zugleich werde die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Bieter*innen geprüft, damit eine langfristige Perspektive entstehe.

Zersplitterte Eigentumsverhältnisse bremsen das Tempo der Ankäufe

Ganz so schnell, wie es der Name Entwicklungsfonds vermuten lässt, dürfte es allerdings nicht gehen. Mit der aktuellen Ausstattung sei es nicht möglich, alle Problemimmobilien zu erwerben, räumte Szuggat auf Nachfrage von Nordstadtblogger ein. 

102 Wohnungen gibt es im Haus - sie gehörten dutzenden Eigentümern bzw. ihren Gläubigern und Banken.
102 Wohnungen gab es im einzigen Horrorhaus – sie gehörten dutzenden Eigentümern bzw. ihren Gläubigern und Banken. Archivbild: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Vielfach herrschten zersplitterte Eigentumsverhältnisse vor, die erst sortiert werden müssten, andere Objekte befänden sich in der Zwangsversteigerung, auch dort müsse erst verhandelt werden. Bis 2030 sollen deshalb zunächst rund acht weitere Immobilien erworben und weiterverkauft werden. Die Erlöse aus den Verkäufen fließen anschließend zurück in den Fonds und ermöglichen neue Ankäufe – ein Kreislauf, den die Stadt als mittelfristiges Programm versteht.

Der Fonds bezieht sich auf das integrierte Handlungskonzept für die Nordstadt und geht damit über den eigentlichen Wirkungsbereich der Sanierungssatzung für das Südliche Nordmarktquartier hinaus. Stimmt der Rat im November zu, könnte der Fonds nach Angaben der Verwaltung zum 1. Dezember 2026 oder 1. Januar 2027 starten.

DOGEWO und Stiftung Soziale Stadt wären mögliche Partner

Als Partnerin kommt für einzelne Objekte auch die städtische Wohnungsgesellschaft DOGEWO infrage, die allerdings eher in der Nähe ihrer eigenen Bestandsimmobilien aktiv ist. Auch die Stiftung Soziale Stadt, die in der Vergangenheit bereits an größeren Nordstadt-Projekten beteiligt war, ist als Kooperationspartnerin nicht ausgeschlossen.

Statt Müllbergen befindet sich im Hof am Nordmarkt mittlerweile ein Spielplatz für die FABIDO-Kita. Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Ob sie sich an einzelnen Objekten beteiligt, will die Stadt im Einzelfall mit ihr besprechen. Dass die Stadt Problemimmobilien künftig selbst und dauerhaft übernimmt, sei dagegen nicht die erste Wahl, so Szuggat – dafür müsste zusätzliches Geld über den städtischen Haushalt bereitgestellt werden.

Das gezielte Vorgehen gegen Problemimmobilien ist Teil eines ganzen Bündels von Maßnahmen, mit denen die Stadterneuerung den privaten Gebäudebestand in der Nordstadt in den Blick nimmt.

Unter dem Motto „Nordstadt stärken – Haus für Haus“ wendet die Verwaltung im Südlichen Nordmarktquartier zudem das städtebauliche Sanierungsrecht an und ermöglicht bis zu 50-prozentige Zuschüsse für Gestaltungen aus dem Hof- und Fassadenprogramm. Beratung rund um die Modernisierung ihrer Häuser erhalten Immobilieneigentümer*innen zudem durch das Quartiersmanagement Nordstadt, das im Auftrag der Stadterneuerung arbeitet.


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