
Kinderarbeit ist auch heute noch ein Problem. Durch globale Lieferketten ist sie für Endverbraucher:innen aber meistens unsichtbar. Mit einer Wanderausstellung unter dem Motto: „Kindheit statt Kinderarbeit“ möchte das Netzwerk „Faire Metropole Ruhr“ für das Thema sensibilisieren und Wege aufzeigen, wie man auch individuell einen Beitrag gegen Kinderarbeit leisten kann. „Das Thema ist überaus bedeutend und leider immer noch sehr aktuell“ , sagte Regierungspräsident Heinrich Böckellühr in einer Videoansprache.
Kinderarbeit ist ein vielschichtiges Problem
„Die jüngsten Zahlen zeigen zwar eine positive Entwicklung, das Ziel der Vereinten Nationen die Kinderarbeit bis 2025 vollständig abzuschaffen, wurde jedoch weltweit nicht erreicht“, berichtete Jana Kötter von der Kindernothilfe. „Ein undifferenziertes Verbot von Kinderarbeit reicht jedoch nicht aus. Wir brauchen Maßnahmen, die an den Rechten und konkreten Lebenssituationen von Kindern ansetzen“, sagte Kötter.

„Kinder und Jugendliche wissen selbst am besten, warum sie Arbeiten, welche Probleme sie erleben und welche Unterstützung ihnen tatsächlich helfen kann“, so die Vertreterin der Kindernothilfe.
Sie appellierte aber ebenso an alle Staaten, welche zur Einhaltung und Durchsetzung von Kinderrechten verpflichtet seien. Am Ende ihres Vortrags präsentierte sie den Anwesenden einen Stein aus einer Ziegelei in Nepal.
An dessen Produktion sei auch ein Junge namens Anil beteiligt gewesen. Er müsse davon etwa 2.000 Stück pro Tag für einen durchschnittlichen Lohn von nur drei Euro verladen, so Kötter. Die Anwesenden konnten den Stein in die Hand nehmen und das Gewicht schätzen, um so einen Eindruck von der körperlichen Belastung der Arbeit zu bekommen. Die Geschichte von Anil ist eine von vielen, die in der Ausstellung thematisiert werden.
Was kann man individuell beitragen?
Wie können Konsument:innen zu fairen Lieferketten beitragen? Was raten sie skeptischen Menschen in Bezug auf die Vielfalt der verschiedenen Siegel? Wie können Leute mit geringen finanziellen Möglichkeiten auf faire Bedingungen achten? Diese Fragen stellten wir Dana Kiehl und Dirk Heitlindemann vom Netzwerk „Faire Metropole Ruhr“.

„Mit jeder persönlichen Entscheidung kannst du dazu beitragen, dass es faire Lieferketten gibt“, sagte Kiehl. Besonders bei Produkten aus dem globalen Süden müsse man hierauf achten.
„Gute Informationen zu den verschiedenen Siegeln findet man auch auf den Seiten des „Forum Fairer Handel“, beim „Label-Checker“ oder „Siegelklarheit“ von der Verbraucherschutzzentrale NRW. Selbst wenn ein Label nicht perfekt ist und alles abdeckt: Man muss ja irgendwo anfangen“, so Kiehl.
Außerdem verwies sie auf die neue „Empowering Consumers-Richtlinien“ der EU, die Ende September in Kraft treten und für mehr Transparenz und strengere Prüfungen bei den Siegeln sorgen sollen. „Oft haben wir feste Caterer, die noch keine fairen Produkte im Einsatz haben. Wenn wir die dann bitten, wenigstens den Kaffee aus fairem Handel zu verwenden, erhalten wir oft die Rückmeldung, dass der Aufpreis nicht so hoch ist“, sagte Heitlindemann und ergänzte: Grundsätzlich können alle Kosument:innen ihr Konsumverhalten überdenken.“
Auch kleine Schritte können Großes bewegen
Christoph Struß von der Stadt Dortmund verwies in einer Rede auf Erfolge der Vergangenheit. Den Titel „Faitrade Town“ habe Dortmund 2009 als dritte Stadt Deutschlands und als erste im Ruhrgebiet erhalten. Außerdem sei man 2022 der Charta „Faire Metropole Ruhr 2030“ beigetreten.
Hier verpflichten sich Gemeinden im Ruhrgebiet bei Beschaffungen für die Stadt und der Vergabe öffentlicher Mittel, auf faire Lieferketten zu achten. „Es lohnt sich, denn der öffentliche Haushalt ist riesig. Selbst wenn es nur gelingt, einen vergleichsweise kleinen Teil dieses Budgets im Sinne einer nachhaltigen Beschaffung auszurichten, handelt es sich dennoch um eine gewaltige Summe.“ so Struß.
Kooperation zur Fairen Woche: Zahlen und Fakten zum Thema Kinderarbeit
Die Ausstellung präsentiert auf insgesamt zehn Infoplakaten Definitionen, Zahlen und Fakten rund um das Thema Kinderarbeit. Auf einer Videoinstallation können Besucher:innen sich zu einzelnen Schicksalen von betroffenen Kindern informieren oder ihr Wissen zum Thema mit einem Quiz testen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 25 September 2026 in der Berswordt-Halle zu sehen und wandert anschließend durch das Ruhrgebiet. Heitlindemann dankte den Anwesenden, der Stadt Dortmund, der Kindernothilfe und der IGA für die Zusammenarbeit.
Die Ausstellung wird finanziert vom Netzwerk Faire Metropole Ruhr e.V., von „Engagement Global“ mit ihrer Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW), mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW, sowie von Teilnehmenden der Deutschen Postcode Lotterie.
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Faire Woche im Welthaus Dortmund: Begegnungen, Austausch und Mitmachaktionen (PM)
Vom 18. bis 27. September lädt das Welthaus zu Vorträgen, kreativen Workshops, gemeinsamem Backen, fairem Frühstück und Kleidertausch ein.
Das Welthaus Dortmund beteiligt sich 2026 mit einem vielfältigen Programm an der Fairen Woche. Bei sieben Veranstaltungen können Besucher*innen die Menschen hinter ihrem Kaffee kennenlernen, internationale Perspektiven entdecken und praktische Ideen für einen nachhaltigen Alltag ausprobieren. Alle Veranstaltungen finden im Welthaus Dortmund, Rosental 1, statt.
Den Auftakt bildet am Freitag, 18. September, um 16 Uhr der Workshop „Kreativ mit Kaffee“. Hier wird Kaffee zur Malfarbe: Die Teilnehmenden können mit verschiedenen Brauntönen experimentieren und eigene Bilder gestalten.
Anschließend sind um 17:30 Uhr Gäste aus Kaffeekooperativen in Kolumbien und Nicaragua zu Besuch. Jennifer Valbuena von der kolumbianischen Kooperative Red Ecolsierra und Santos Candido Lopez Calix, Kaffeeproduzent und Präsident der Kooperative Reynerio Tijerino in Nicaragua, geben Einblicke in ihre Arbeit und stehen für Fragen zur Verfügung. Eine Tourbegleitung übersetzt den Austausch. Das Angebot ist kostenfrei und offen für alle.
Am Sonntag, 20. September, um 14 Uhr bietet die Veranstaltung „Fokus Jemen“ mit dem Verein Adapt in e. V. einen Vortrag und Raum für Diskussion. Das Angebot ist kostenfrei und offen für alle.
Kreativ wird es am Montag, 21. September, von 17 bis 20 Uhr beim Upcycling-Nähworkshop von Frau Lose e. V. Gemeinsam mit Iman und Klaudia entstehen aus alten Kaffeesäcken Körbe und Körbchen. Das Angebot richtet sich an Anfänger*innen ebenso wie an Menschen mit etwas Näherfahrung. Der Teilnahmebeitrag beträgt 10 bis 30 Euro. Eine Anmeldung unter info@fraulose.de erleichtert die Planung; eine spontane Teilnahme ist ebenfalls möglich.
Beim gemeinsamen Backen am Mittwoch, 23. September, von 15 bis 17 Uhr werden Kekse und Muffins zubereitet. Das Angebot ist kostenfrei und offen für alle.
Am Sonntag, 27. September, von 10:30 bis 13 Uhr lädt das Faire Frühstück dazu ein, gemeinsam zu essen und ins Gespräch zu kommen. Das Frühstück ist kostenlos, um eine Spende wird gebeten. Denn Frühstück verbindet – auch mit Menschen anderswo auf der Welt: Der Erlös geht zu 100 Prozent an ein ausgewähltes Projekt, dieses Mal ist es ein Hilfsprojekt in Sambia. Um Lebensmitttelverschwendung zu vermeiden freuen wir uns über eine Anmeldung an kontakt@welthaus-dortmund.de
Anschließend beginnt um 14 Uhr der Kleidertausch „Swap it!“. Besucher*innen können saubere, gut erhaltene Kleidung weitergeben und neue Lieblingsstücke finden – ohne Geld und ohne einen Tausch im Verhältnis eins zu eins. Als Richtwert gelten etwa zehn mitgebrachte Kleidungsstücke. Auch wer nichts mitbringen kann oder möchte, ist herzlich willkommen. Der Kleidertausch ist eine gemeinsame Veranstaltung von Frau Lose e. V., dem AStA der FH Dortmund und Welthaus Dortmund e. V.
Das Programm verbindet internationale Begegnungen mit gemeinschaftlichen Aktivitäten und lädt dazu ein, fairen Handel und nachhaltigen Konsum im Alltag zu entdecken. Das Angebot ist kostenfrei und offen für alle.
Weitere Informationen zu den Veranstaltungen und Teilnahmebedingungen:
https://welthaus-dortmund.de/veranstaltungen/