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Auslandsgesellschaft feiert 65. Geburtstag: Rund 500 Gäste beim Jubiläum in der Bürgerhalle des Rathauses

Großer Bahnhof zum Jubiläum: Die Auslandsgesellschaft besteht seit 65 Jahren.

So viel „Multi-Kulti“ gibt es sonst nur auf großen Flughäfen. Mit knapp 500 Gästen feierte die Auslandsgesellschaft NRW ihren 65. Geburtstag.

Auch das Musikprogramm beim Festakt war – wie die Gäste – international.

Neben viel Prominenz aus Dortmund sowie aus dem Bundes- und Landtag fanden sich auch zahlreiche Mitglieder aus 25 bilateralen Länderkreisen in der Bürgerhalle des Rathauses ein: Japaner und Türken, Bürger aus Kamerun, Frankreich oder der Ukraine. Und natürlich viele Deutsche.

Sie alle arbeiten unter dem Dach der Auslandsgesellschaft in bilateralen Länderkreisen und Gesellschaften zusammen. Dort engagieren sie sich ehrenamtlich für Völkerverständigung und Toleranz.

Sie stellen sich und ihre Arbeit unter die Leitmotive der Auslandsgesellschaft „Brücken bauen“ und „Die Welt besser verstehen.“ Dieser Einsatz wurde bei der Jubiläumsveranstaltung gewürdigt.

Lob von Bürgermeisterin Birgit Jörder: „Eine großartige Arbeit“

Bürgermeister Birgit Jörder überbrachte Grüße und lobte die Arbeit. Fotos: Alex Völkel

„Eine großartige Arbeit“, attestierte Bürgermeisterin Birgit Jörder in ihrem Grußwort. Völkerverständigung, ja sogar Freundschaften zwischen einzelnen Ländern und Nationen könnten schließlich nicht verordnet werden. Sie würden sich nur auf freiwilliger Basis ergeben.

Einen großen Anteil an diesen Freundschaften habe die Auslandsgesellschaft. Diese hatte sich – ursprünglich gegründet als „Deutsch-Französische Gesellschaft“ – vor 65 Jahren die Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich zum Ziel gesetzt.

Längst sei die deutsch-französische Freundschaft stabil, sagte Birgit Jörder. Doch die Auslandsgesellschaft sei mit ihrem immer zeitgemäßen Angebot weiterhin ein Garant für den internationalen Dialog.

Birgit Jörder dankte den engagierten Menschen, die das vielfältige und bunte Gesicht der Stadt Dortmund zeigen würden, für ihre „geballte Kraft“. Ein solcher Einsatz sei nicht selbstverständlich, aber unendlich wertvoll und wichtig.

Die Aufgaben und Schwerpunkte der AGNRW haben sich verändert 

Präsident Klaus Wegener hat maßgeblichen Anteil am Umbau der Auslandsgesellschaft.

Dabei könne man sich manchmal schon die Frage stellen: Wem nützt das alles?, sagte der Präsident der Auslandsgesellschaft, Klaus Wegener, der die Diskussion an diesem Jubiläumsabend provokant unter den Titel gestellt hatte: „Toleranz – Arroganz – Firlefanz. Ist Internationaler Dialog noch sinnvoll oder kann der weg?“

Wegener lieferte auch gleich die Antwort: Gerade, weil es derzeit so viele Kriege gebe, sei die Auslandsgesellschaft gefordert. Ja, sie müsse sogar noch besser werden. „Gut alleine reicht nicht. Die Aufgaben und Schwerpunkte haben sich verschoben. Unser Engagement ist heute wichtiger denn je. Der Internationale Dialog kann natürlich nicht weg.“

Dieser Dialog beginne immer im Kleinen. „Wenn die Menschen verschiedener  Nationen miteinander reden, wenn sie miteinander kochen, und wenn sie gut miteinander auskommen, so wie beispielsweise in der Deutsch-Türkischen Gesellschaft, tragen sie es weiter. So wächst Toleranz. In diesem Fall eben im Kleinen, direkt in Dortmund“, so Wegener.

Doch die Diskussion am Jubiläumsabend reichte weit über Dortmund hinaus: Dr. Marc Jan Eumann, Staatssekretär für Europa, Bundesangelegenheiten und Medien NRW, richtete seinen Blick in der sich anschließenden Talkrunde nach Osteuropa. Wenn man – ganz aktuell – nach dem Treffen zwischen Angela Merkel und Wladimir Putin lese, dass die Gespräche „schwierig“ gewesen seien, wisse man, dass es noch viel zu tun gebe, sagte Eumann.

Staatssekretär Neumann: „Die Begegnungen zwischen den Menschen sind alternativlos“

Zur Bestandsaufnahmen und zur Zukunft der Arbeit gab es eine Talkrunde.

Eine von vielen Möglichkeiten zur Völkerverständigung seien längere Auslandsaufenthalte für junge Menschen – übrigens eines von vielen Angeboten der Auslandsgesellschaft. „Nichts ist so konkret wie die Begegnungen zwischen den Menschen“, sagte Eumann. Das sei unverzichtbar, ja alternativlos.

Man müsse nicht nur im politischen Bereich, sondern auch auf kultureller und auf wirtschaftlicher Ebene und vor allem im Schul- und Jugendbereich nationenübergreifende Kontakte fördern und pflegen. Eine ganz besondere Aufgabe komme da aktuell den 30 NRW-Städten zu, die eine Partnerschaft mit russischen Städten eingegangen seien. Eumann: „Das ist nicht nur eine Chance, das ist sogar eine Verpflichtung. Der Dialog darf nicht abbrechen.“

Gerade da sehe er auch eine weitere Aufgabe für die Auslandsgesellschaft, sagte Eumann. Kleinere Städte bräuchten Hilfeleistung, um ihre Städtepartnerschaften mit Leben zu füllen. Er könne sich die Auslandsgesellschaft durchaus als Kompetenzzentrum für derartige Städtepartnerschaften vorstellen.

Mit 65 Jahren ist die Auslandsgesellschaft noch längst nicht im Rentenalter

Unter den 500 Gästen befanden sich viele langjährige Wegbegleiter und Ehrengäste.

Präsident Klaus Wegener weiß, dass neue Aufgaben auf ihn und seine Mitarbeiter – festangestellte wie ehrenamtliche – zukommen. Mit 65 Jahren sei die Auslandsgesellschaft noch längst nicht im Rentenalter.

„Ich sehe eine große Zukunft für unsere Einrichtung. Die beiden Pole, das bürgerschaftliche Engagement und unser Angebot als Dienstleister, haben eine große Zukunft. Unser ‚Laden’ ist immer ausgebucht.“

„Auf dieses Know-how will in NRW auch keiner verzichten“, versicherte Eumann. Das Land NRW wird deshalb, ebenso wie zusätzlich der Bund und die Stadt Dortmund, die Arbeit der Auslandsgesellschaft weiterhin unterstützen.

Ausstellung wurde vom Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“  finanziert

Sabine und Dr. Klaus Gelmroth schauen sich begeistert die Ausstellung an.

Sondermittel aus dem Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“  gab es zudem für die kleine Ausstellung, die das vielfältige Engagement der Menschen in der Auslandsgesellschaft zeigt. Die Fotos und Texte waren während der Jubiläumsveranstaltung im Rathaus zu sehen und werden nun bis zum 5. Dezember  in der Berswordt-Halle gezeigt.

Sabine Gelmroth ließ sich stolz vor dem Foto ihres Mannes Dr. Klaus Gelmroth von der Deutsch-Afrikanischen Gesellschaft fotografieren. „Zuhause lesen wir uns dann auf der Homepage der Auslandsgesellschaft noch einmal in Ruhe  die langen Texte dazu durch und schauen uns die Videos an.“

Mehr zur Ausstellung und der Web-Doku zum Ehrenamt finden sie hier:

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