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Applaus macht nicht satt: ver.di fordert 4,5 Prozent mehr Lohn im Einzelhandel – Tarifverhandlungen starten heute

Symbolische Übergabe der Forderungen v.l.: Gerhard Löpke, Betriebsratvorsitzende Karstadt, Thomas Schäfer, Geschäftsführer des HDE Westfalen-Münsterland, Frank Schlicht Betriebsrat Ikea Dortmund. Foto (2): Sören Teiwes

Am heutigen Mittwoch (5. Mai.21) beginnen die Tarifverhandlungen im nordrhein-westfälischen Einzelhandel. Beschäftigte der Branche überbrachten deshalb am gestrigen Dienstag vor den Geschäftsstellen der Regionalverbände des Einzelhandels in diversen Ruhrgebietsstädten ihre Forderungen zur diesjährigen Tarifrunde. In Dortmund nahm Thomas Schäfer, Geschäftsführer des HDE (Handelsverband) Westfalen-Münsterland, die Forderungen entgegen.

Gewerkschafter*innen kämpfen gegen Tarifflucht und pochen auf Allgemeinverbindlichkeit

Die Beschäftigten präsentieren ihre Forderungen.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di NRW) fordert für die rund 700.000 Beschäftigten 4,5 Prozent plus 45 Euro mehr Gehalt, Lohn und Auszubildendenvergütung monatlich sowie ein Mindeststundenentgelt von 12,50 Euro, bei einer Laufzeit von 12 Monaten.

Man fordere 45 Euro zusätzlich, damit die Schere zwischen den verschiedenen Lohngruppen nicht weiter auseinander gehe.

Für jemanden aus den niedrigen Lohngruppen seien die 45 Euro viel Wert und prozentual gesehen würde die Schere sich etwas schließen. Außerdem fordert ver.di von den Arbeitgebern des Einzelhandels die gemeinsame Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit (AVE) der Tarifverträge.

Der längst verhallte Applaus weicht der täglichen Angst vor dem Coronavirus

Abstand halten ist in Zeiten von Corona im Einzelhandel oberstes Gebot. Foto: Alex Völkel

Abstand halten ist in Zeiten von Corona im Einzelhandel oberstes Gebot. Foto: Alex Völkel

Die Beschäftigten im Einzelhandel, die seit Beginn der Pandemie, nur unzureichend geschützt würden fordern jetzt mehr Gehalt und damit auch mehr Anerkennung. Der Applaus zu Beginn der Krise sei verhallt und satt würde man von ihm auch nicht. Diese Art der Anerkennung sei schön gewesen, aber heute bräuchte man mehr.

So wäre es ein Anfang, wenn Kunden auf Abstände und Hinweise achten, die in den Filialen ausgeschildert sind. Es sei schwierig im normalen Betrieb noch auf Schutzmaßnahmen zu achten, besonders wenn Kund*innen diese von sich aus nicht einhielten. Viele Kolleg*innen würden mit „großer Angst“ zur Arbeit gehen, so Karsten Rupprecht vom Fachbereich Handel bei ver.di.

Zudem würden viele Einzelhändler*innen in Grauzonen agieren. Die Filialen würden schöner bzw. größer gerechnet als sie eigentlich sind, um so mehr Kund*innen in die Filiale zu lassen als aktuell vorgesehen. Nur wenige hätten die Anzahl der Einkaufswagen verringert, um so automatisch den nötigen Abstand in den Filialen gewährleisten zu können.

Verzerrte öffentliche Wahrnehmung: trotz Krise Umsatzplus von rund vier Prozent im Einzelhandel

Die Forderungen auf Papier gebracht. Foto: Hannes Czech

Das Bild des Einzelhandels sei in der öffentlichen Wahrnehmung ein verzerrtes. Man könne denken dem Einzelhandel ginge es nicht gut, weil man aufgrund des Lockdown Umsatzeinbußen zu verzeichnen hätte. Das sei aber faktisch falsch.

Denn: „Der Umsatz ist 2020 im Einzelhandel real um vier Prozent gestiegen. Damit verzeichnet die Branche das 11. Jahr in Folge ein Umsatzplus. Dieses Plus ist keineswegs auf den Internethandel zurückzuführen“, erklärt ver.di-Verhandlungsführerin Silke Zimmer.

„Der Lebensmitteleinzelhandel, Baumärkte, Elektrofachmärkte und Möbelmärkte konnten deutliche Zuwächse verbuchen. Die Einzelhandelsbeschäftigten erwarten in Nordrhein-Westfalen ein Angebot von der Arbeitgeberseite, das ihre enormen Leistungen würdigt. Sie arbeiten in der Pandemie tagtäglich an vorderster Front und unter erschwerten Bedingungen. Das gilt auch für die Beschäftigten, die aufgrund von Schließungen der Geschäfte zeitweise in Kurzarbeit waren“.

Corona, der unsichtbare Gegner, gehe seit einem Jahr mit zur Arbeit. Angst vor Ansteckung, erhöhte Arbeitsbelastung – das sei das tägliche Geschäft der Verkäufer*innen. Deshalb hätten sie eine deutliche Entgelterhöhung mehr als verdient. „Wir wollen mit den örtlichen Aktionen unseren Forderungen Nachdruck verleihen und hoffen, dass dieses Zeichen bei den Arbeitgebern des Einzelhandels ankommt“, so Zimmer abschließend.

 

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3 Gedanken über “Applaus macht nicht satt: ver.di fordert 4,5 Prozent mehr Lohn im Einzelhandel – Tarifverhandlungen starten heute

  1. Start der Tarifrunde - Dortmunder SPD-Landtagsabgeordnete stehen an der Seite der Beschäftigten im Einzelhandel (PM) Beitrags Autor

    Start der Tarifrunde – Dortmunder SPD-Landtagsabgeordnete stehen an der Seite der Beschäftigten im Einzelhandel

    Gemeinsam mit Beschäftigten, Reiner Kajewski, Philip Keens und Karsten Rupprecht von der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di NRW) fand sich heute Volkan Baran, stellvertretend für alle vier Dortmunder SPD-Landtagsabgeordneten, vor der Regionalgeschäftsstelle des Arbeitgeberverbands ein, um die Forderungen für die diesjährige Tarifrunde zu übergeben. Gleiches fand vor den anderen Geschäftsstellen der Regionalverbände in NRW statt, denn morgen (5.5.) beginnen die Tarifverhandlungen im nordrhein-westfälischen Einzelhandel.

    Die Forderungen der Gewerkschaft umfassen 4,5 % plus, 45 Euro mehr Gehalt, Lohn und Auszubildendenvergütung sowie ein Mindeststundenentgelt von 12,50 Euro für die rund 700.000 Beschäftigten, bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Außerdem fordert ver.di von den Arbeitgebern des Einzelhandels die gemeinsame Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit (AVE) der Tarifverträge.

    Volkan Baran erklärt sich solidarisch mit den Beschäftigten: „Die Pandemie fordert uns alle heraus, aber besonders im Einzelhandel arbeiten die Beschäftigten seit März 2020 täglich an vorderster Front, riskieren ihre Gesundheit und versorgen uns als Gesellschaft. Zahlen zeigen, dass Lebensmitteleinzelhandel, Baumärkte, Elektrofachmärkte und Möbelmärkte deutliche Zuwächse verbuchen konnten. Wir als Dortmunder Landtagabgeordnete wünschen uns, dass die Arbeitgeber ein Angebot machen, das diese Leistung honoriert. Sie verdienen eine deutliche Erhöhung, deshalb bin ich heute hier.“

  2. Arbeitgeber ohne Angebot in der ersten Verhandlungsrunde im Einzelhandel NRW (PM ver.di NRW)

    Arbeitgeber ohne Angebot in der ersten Verhandlungsrunde im Einzelhandel NRW

    Zur heutigen ersten Verhandlungsrunde für den nordrhein-westfälischen Einzelhandel in Düsseldorf erschienen die Arbeitgeber ohne Angebot – Enttäuschung bei den Beschäftigten. ver.di fordert für die rund 700.000 Verkäuferinnen und Verkäufer in NRW 4,5 Prozent plus 45 Euro mehr Gehalt, Lohn und Ausbildungsvergütung sowie ein Mindeststundenentgelt von 12,50 Euro, bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Außerdem fordert die Gewerkschaft von den Arbeitgebern die gemeinsame Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge. Dagegen verweigern sich die Arbeitgeber jedoch vehement.

    Beschäftigte arbeiten unter enormen Belastungen – nicht erst seit Corona!

    „Dass die Arbeitgeber heute ohne ein Angebot für die Beschäftigten zu den Verhandlungen gekommen sind, ist absolut enttäuschend!“, erklärt die ver.di-Verhandlungsführerin Silke Zimmer. „Der Einzelhandel hat 2020 den höchsten Umsatzanstieg seit 1994 erwirtschaftet. Dieses Umsatzplus kann nicht alleine auf den Internethandel zurückgeführt werden. Auch der stationäre Einzelhandel kann ein Plus von 4,3 Prozent vorweisen. Dieser enorme Zuwachs ist allein den Beschäftigten zu verdanken. Sie arbeiten unermüdlich und unter enormen Arbeitsbelastungen – und das nicht erst seit Corona. Seit der Pandemie kommen allerdings noch die Angst vor einer Ansteckung oder Einkommensverluste durch Kurzarbeit hinzu. Es geht nicht um ein Stück vom Kuchen – es geht um Elementares: Die Beschäftigten des Einzelhandels müssen vor Armut in Arbeit und im Alter geschützt werden.“

    „Sie haben ein Entgelt verdient, von dem sie gut leben können. In der Pandemie haben sie mehr denn je gezeigt, dass sie es wert sind!“ Auch die strikte Ablehnung der gemeinsamen Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge wertet die Verhandlungsführerin als unnötigen Affront: „Es wäre eine Chance, gemeinsam dem Verdrängungswettbewerb und der Tarifflucht im Einzelhandel entgegenzuwirken. Auch das Lohndumping durch Tarifflucht geht vor allem zu Lasten der Beschäftigten.“

    Die Verhandlungen werden am 27. Mai fortgesetzt.

  3. Erste Warnstreiks in Nordrhein-Westfalen: „Der Druck muss erhöht werden – Beschäftigte im Einzelhandel verdienen ein Angebot!“ (ver.di NRW) Beitrags Autor

    Erste ver.di-Warnstreiks in Nordrhein-Westfalen:
    „Der Druck muss erhöht werden – Beschäftigte im Einzelhandel verdienen ein Angebot!“

    Nachdem die Arbeitgeber des Handelsverbands NRW in der ersten Verhandlungsrunde (5.5.) für die rund 700.000 Beschäftigten des Einzelhandels in NRW kein Angebot unterbreitet haben, erhöht die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di NRW) nun den Druck. Am Dienstag (11.5.) kommt es deshalb in der Region Köln/Bonn zu ersten Warnstreiks, u.a. im Lebensmittel- sowie im Möbeleinzelhandel.

    Historische Belastung in der Pandemie wird von starkem Umsatz begleitet

    „Dass die Arbeitgeber kein erstes Angebot vorgelegt haben, hat die Beschäftigten enttäuscht. Trotz zeitweise geschlossener Geschäfte hat der Einzelhandel das höchste Umsatzwachstum seit 1994 erreicht. Das gilt nicht nur für den Lebensmittelhandel, sondern auch für andere Teilbranchen, wie beispielweise den Elektroeinzelhandel, Baumärkte und den Möbeleinzelhandel. Die Arbeit im Einzelhandel ist äußerst belastend. Das gilt in Zeiten der Pandemie erst recht. Die Beschäftigten stehen jeden Tag im Geschäft und halten den Laden am Laufen“, erklärte ver.di-Verhandlungsführerin Silke Zimmer.

    „Sie sind tagtäglich mit dem Virus und der Angst vor Ansteckung konfrontiert. Hygienestandards werden nicht immer und überall eingehalten. Trotzdem machen sie unermüdlich weiter und versorgen uns mit allem Lebensnotwendigen. Dafür haben sie eine dauerhafte Verbesserung ihrer Entgelte mehr als verdient. Höhere Entgelte sind der sicherste Schutz vor Armut und Altersarmut. Wer das noch nicht versteht, braucht jetzt ein deutlicheres Zeichen!“

    Die Verhandlungen werden am 27. Mai fortgesetzt.

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