Sommersynode des Kirchenkreises Dortmund zwischen Weichenstellung und Aufbruch

Superintendentin Heike Proske mit großer Mehrheit im Amt bestätigt

Blick in den Saal - das Bild zeigt Menschen bei der Abstimmung mit Stimmkarten
Am ersten Tag der Sommersynode des Evangelischen Kirchenkreises Dortmund standen Wahlen auf der Tagesordnung. Foto: Stephan Schütze für den Kirchenkreis Dortmund

Wie kann Kirche in Zukunft aussehen – und was muss sich konkret ändern, damit sie auch morgen noch relevant ist? Zwei Tage lang haben die Synodalen des Evangelischen Kirchenkreises Dortmund beraten, diskutiert und entschieden – und damit zentrale Weichen für die Zukunft gestellt. Im Mittelpunkt der Sommersynode standen dabei sowohl personelle Entscheidungen als auch tiefgreifende strukturelle Veränderungen.

Der Weg in die Zukunft erfordert tiefgreifende Veränderungen

Am Freitagabend bestätigten die Synodalen Superintendentin Heike Proske mit großer Mehrheit in ihrem Amt. „Wir stehen als Kirche auf der Seite des Lebens, der Gerechtigkeit, der Liebe“, betonte sie in ihrer Vorstellungsrede und machte zugleich deutlich, wie sehr sich die Rahmenbedingungen kirchlicher Arbeit verändert haben.

Das Bild zeigt die Superintendenten mit Blumen
Heike Proske bleibt Superintendentin des Ev. Kirchenkreises Dortmund. Foto: Stephan Schütze für den Kirchenkreis Dortmund

Die Frage, wie das in Zukunft gelingen kann, stand im Mittelpunkt des zweiten Tages im Reinoldinum. Klar wurde: Der Weg in die Zukunft erfordert tiefgreifende Veränderungen – strukturell, finanziell und inhaltlich.

Den inhaltlichen Schwerpunkt setzte ein Impuls der Kieler Theologin Prof. Dr. Uta Pohl‑Patalong. „Die viel zitierte Krise der Kirche ist eine doppelte: eine Ressourcen- und eine Relevanzkrise“, sagte sie und forderte dazu auf, nicht nur Bestehendes zu optimieren, sondern Kirche grundlegend neu zu denken. Es brauche „Transformation statt Reformation“.

Dabei gehe es nicht allein darum, mit weniger Personal und Geld auszukommen. Entscheidend sei vielmehr, wieder stärker Menschen zu erreichen: „Menschen müssen heute die Erfahrung machen, dass Kirche hilfreich und unterstützend ist für das, was sie bewegt.“

Eine Gemeinde – neue Strukturen für Dortmund

Wie diese Transformation konkret aussehen kann, zeigt der Zukunftsprozess „Eine Gemeinde 2035“. Ziel bleibt, wie schon auf der Sommersynode 2025 formuliert, die derzeit 28 Gemeinden in Dortmund perspektivisch zu einer gemeinsamen Struktur zusammenzuführen.

Die Synode bekräftigte diesen Kurs, musste ihn angesichts der bestehenden Kirchenordnung allerdings leicht korrigieren:  Der Kirchenkreis soll als eigenständige Ebene erhalten bleiben.  Damit ist die Arbeit der ersten Prozessgruppe getan – nun soll ein neu einzurichtendes Projektteam die nächsten Schritte vorbereiten und die Beteiligung im gesamten Kirchenkreis sicherstellen.

Dabei wurde deutlich: Der Wandel ist nicht nur juristisch und organisatorisch herausfordernd, sondern auch emotional. Doch die Bereitschaft, diesen Weg gemeinsam zu gestalten, ist spürbar.

Gebäude im Fokus: Reduktion als notwendiger Schritt

Besonders intensiv diskutierte die Synode über die zukünftige Nutzung kirchlicher Gebäude. Ein Grundsatzbeschluss sieht vor, den Gebäudebestand langfristig deutlich zu reduzieren – mit dem Ziel, sich perspektivisch auf etwa ein Drittel der aktuell genutzten Gebäude zu konzentrieren.

Die Gründe sind vielfältig: sinkende Einnahmen, weniger Personal, steigende Kosten und ehrgeizige Klimaziele. Gebäude binden Ressourcen – finanziell, personell und emotional.

Im Fokus der Beratungen: Die Zukunft kirchlicher Gebäude – weniger Standorte, dafür klarer profiliert und nachhaltig nutzbar. Für manche Gebäude – wie die Jakobuskirche der Reinoldi-Kirchengemeinde im Bild – gibt es schon Pläne. Archivfoto: Schütze

Gleichzeitig wurde betont: Kirche definiert sich nicht über ihre Gebäude, sondern über ihre Botschaft und ihre Gemeinschaft. Eine Konzentration könne Freiräume schaffen, um sich stärker auf die inhaltliche Arbeit zu konzentrieren und neue Formen kirchlichen Lebens zu entwickeln.

Am Ende votierte die Synode nach kontroverser Debatte mehrheitlich für den eingeschlagenen Kurs. Nun sollen zuerst die Gebäude identifiziert werden, die auch in Zukunft auf jeden Fall für kirchliches Handeln genutzt werden. „Was mit allem Anderen auf Kirchenkreisebene und in Kooperation mit externen Partner*innen geschehen wird, das muss noch diskutiert werden“, so Superintendentin Heike Proske.

Ein Baustein: Immobilien zentral steuern

Ein weiterer Baustein auf dem Weg in die Zukunft ist die geplante „Funktionseinheit Immobilien“. Diese zentrale Einrichtung soll künftig das Immobilienvermögen des Kirchenkreises und der Gemeinden professionell verwalten und weiterentwickeln.

Ziel ist es, kirchliches Vermögen zu sichern, wirtschaftlicher zu nutzen und zusätzliche Erträge für kirchliche Arbeit zu generieren. Zunächst geht es dabei um sogenannte Renditeimmobilien – also Gebäude, die extern vermietet werden. Eine Ausweitung auf weitere Bereiche ist perspektivisch möglich.

Geld für den Wandel

Dass der Kirchenkreis den Veränderungsprozess aktiv gestalten will, zeigt auch ein Blick auf die Finanzen: Mehr als 6,8 Millionen Euro an zusätzlichen Kirchensteuereinnahmen aus den Jahren 2022 und 2023 fließen als Rücklage in die Finanzausgleichskasse. Daraus sollen nach dem Beschluss der Synode etwa 1,35 Mio Euro für Transformationsprojekte eingesetzt werden soll, um die Zukunft zu gestalten.

Konkret werden unter anderem drei Schwerpunkte finanziert: Der Prozess „Eine Gemeinde 2035“, der Aufbau einer sogenannten „Segensagentur“ mit einmalig 200.000 Euro sowie Beratungs- und Unterstützungsangebote für die Personalplanungsräume mit bis 200.000 Euro jährlich. Damit setzt der Kirchenkreis bewusst auf Investitionen in neue Strukturen und Formen kirchlicher Arbeit.

Zusammenarbeit wächst – Kirche im Wandel

Parallel zu den großen Strukturfragen laufen bereits zahlreiche Zukunftsprozesse: in den Personalplanungsräumen der Gemeinden, in der Verwaltung und in den Gemeinsamen Diensten. Ziel ist überall eine intensivere Zusammenarbeit – über bisherige Grenzen hinweg.

Erste Erfahrungen zeigen: Kooperation kann entlasten und neue Perspektiven eröffnen – auch wenn sie nicht überall gleichermaßen einfach umzusetzen ist.

Der zweite Synodentag zeigte deutlich: Der Evangelische Kirchenkreis Dortmund steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Viele der nun angestoßenen Prozesse werden Zeit, Kraft und Dialog erfordern. Oder, wie es Referentin Pohl‑Patalong formulierte: „Die Zukunft Ihres Kirchenkreises steht auf der Tagesordnung.“ Die Synode hat begonnen, sie zu gestalten.

Gruppenbild
Jetzt ist der Kreissynodalvorstand (KSV) des Evangelischen Kirchenkreises wieder vollzählig. Neben der Superintendentin Heike Proske (vorne Mitte) wählte die Synode auch einige KSV-Mitglieder neu. Foto: Stephan Schütze für den Kirchenkreis Dortmund

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