
Anpfiff: Die Fußball-Weltmeisterschaft ist gestern, am 11. Juni, in ihre erste Runde gestartet. Gastgeber Mexiko setzte sich dabei im Eröffnungsspiel in Mexiko-Stadt mit 2:0 gegen Südafrika durch. Erstmals wird das Turnier gemeinsam von den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen. Mit 48 Mannschaften und 104 Spielen ist es die größte Weltmeisterschaft der Geschichte. Das Finale findet am 19. Juli in den USA statt.
Public Viewing in Dortmund läuft bislang eher verhalten
Der Auftakt der Weltmeisterschaft erfolgte am 11. Juni mit der Partie Mexiko gegen Südafrika. Beim „Stadt Dortmund Fanfest im Hafengarten“ können bis zu 3.000 Fans die Spiele gemeinsam verfolgen.

Am Donnerstagabend war davon allerdings noch wenig zu spüren. Eine Stunde vor Abpfiff füllte lediglich rund ein Zehntel der möglichen Besucher:innen die Quartiershalle.Laut Veranstalten liege das vor allem am Wetter. Neben den regnerischen Bedingungen macht den Veranstaltern auch die Zeitverschiebung zu schaffen. Die meisten Partien werden erst spät am Abend angepfiffen.
Zwar gibt es eine Sondergenehmigung, die es ermöglicht, alle wichtigen Spiele bis zu einer Anstoßzeit von 23 Uhr auf einer großen LED-Wand zu übertragen. Allerdings führt diese bereits jetzt zu zahlreichen Beschwerden wegen möglicher Ruhestörungen.
Die Hoffnung richtet sich daher auf das Deutschland-Spiel am Sonntag (14. Juni) gegen Curaçao. „Eigentlich ist Dortmund eine Fußballstadt und ich kann mir schon vorstellen, dass das noch kommt“, sagt der Veranstalter.
Stimmen der Fans: WM-Stimmung gibt es belang keine
Auf die Frage, wie sie die WM-Stimmung derzeit wahrnehmen, sagte einer der Veranstalter: „Ehrlich gesagt habe ich nicht das Gefühl, das in Deutschland WM-Stimmung herrscht“.Die wenigen Fans die vor Ort waren, waren ähnlich gestimmt. Eine Gruppe internationaler Studenten, die allesamt die mexikanische Nationalmannschaft unterstützen, beschrieb die Atmosphäre rund um die Weltmeisterschaft in Dortmund als ungewöhnlich zurückhaltend.

Zwar freuen sie sich auf das Turnier aber von einer echten WM-Euphorie sei in der Stadt bislang jedoch kaum etwas zu merken. „Ich wäre gerne zur WM in die USA gereist aber die Ticketpreise sind unbezahlbar und Trumps Regierung geht gegen meine Werte“, betont ein Fan.
Neben der ganzen schlechten Stimmung gab es auch ein paar positive Fans. Eine Mutter und ihr Sohn „haben Lust auf die WM und der Balkon sei bereits geschmückt.“ Allerding empfinden sie die Stimmung auch als eher schlecht. „In der Nordstadt ist das schwierig, viele bekommen gar nicht mit das die WM nun begonnen hat und geschmückt ist es auch nirgends“, betont sie.
Zwischen Sommermärchen und Skepsis
„Zu Gast bei Freunden“ lautete das Motto damals. Heute hingegen prägt vielerorts eher Skepsis das Bild. Denn die Weltmeisterschaft wird von politischen Debatten und der strengen US-Einreisepolitik überschattet.

Besonders der Fall des somalischen Schiedsrichters Omar Artan erschütterte die Medien. Obwohl er von der FIFA für die Weltmeisterschaft nominiert worden war und über die erforderlichen Dokumente verfügte, verweigerten ihm die US-Behörden die Einreise. Die FIFA musste ihn daraufhin aus dem Turnierkader streichen (Tagesshow).
Auch im Public Viewing in Dortmund ist diese politische Grundstimmung spürbar. Ein iranischer Fußballfan beschreibt seine Vorfreude auf die Weltmeisterschaft als deutlich gedämpft: „Man weiß einfach, dass diese WM nicht nur sportlich diskutiert wird. Die politischen Spannungen, besonders das Thema der verbotenen Einreisen, hängt überall mit drin, das nimmt der Stimmung viel Leichtigkeit“, sagt er.
Das Fußballorakel Orang-Utan Walter mischt wieder mit
Während viele Fans in Dortmund noch nicht im WM-Fieber sind und die Stimmung insgesamt eher verhalten wirkt, ist Orang-Utan Walter aus dem Zoo Dortmund wieder in seinem Element. Der 37-jährige Sumatra-Orang-Utan übernimmt erneut die Rolle des Fußball-Orakels und soll die Ergebnisse der deutschen Mannschaft vorhersagen.

Mit seinen teils treffsicheren Prognosen bei vergangenen Welt- und Europameisterschaften sowie bei Spielen von Borussia Dortmund hat sich Walter längst Kultstatus erarbeitet.
Sumatra-Orang-Utan Walter orakelte heute zum ersten Mal wieder im Zoo im Rahmen der WM 2026. Es ging um die Partie Deutschland-Curacao.
Er nahm zuerst beide Kartons mit den Länderfahnen mit und vernaschte am Ende Curacao. Dies lässt – so zumindest die Dortmunder Interpretation – auf einen Sieg Deutschlands schließen, die am Ende in einer umkämpften Partie Curacao „vernaschen“ werden.
Die Wissenschaft sieht Spanien mit 14,5 Prozent Wahrscheinlichkeit als Favorit
Während Walter „orakelt“, setzt die Wissenschaft auf Daten. Spanien geht als statistischer Favorit in die Fußball-Weltmeisterschaft der Herren. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Technischen Universität (TU) Dortmund.

Mithilfe eines Machine-Learning-Modells berechneten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Titelchancen aller 48 Mannschaften. Spanien liegt demnach mit 14,5 Prozent knapp vor England und Frankreich (je 12,4 Prozent) sowie Deutschland (11,2 Prozent).
Für die Prognose flossen zahlreiche Daten in das Modell ein, darunter Ergebnisse vergangener Länderspiele, Buchmacherquoten, Spielerbewertungen und Kaderwerte. Anschließend simulierte das Forschungsteam das gesamte Turnier 100.000-mal am Computer. Beteiligt waren neben der TU Dortmund auch Forschende der Universität Innsbruck, der Technischen Universität München und der Hochschule Molde in Norwegen.
Die Wissenschaftler betonen, dass ihre Berechnungen Wahrscheinlichkeiten und keine Gewissheiten liefern. Deutschland erreicht laut Modell mit einer Wahrscheinlichkeit von 70,5 Prozent das Achtelfinale und mit 30 Prozent das Halbfinale, berichtet Prof. Andreas Groll von der TU Dortmund. Auffällig sei zudem, dass die Forschenden die Titelchancen der deutschen Mannschaft deutlich höher einschätzen als die Wettanbieter.
Trotz allem ein neues Sommermärchen?
Die WM 2026 ist bereits angelaufen und bewegt sich damit früh im Spannungsfeld zwischen sportlichem Großereignis und politischer Projektionsfläche. Während 2006 noch ein Gefühl von Aufbruch und gemeinsamer Euphorie dominierte, überwiegt heute vielerorts eher Zurückhaltung und Unsicherheit.

Ob Deutschland bei der Weltmeisterschaft sportlich erfolgreich sein wird, lässt sich derzeit nicht vorhersagen. Fest steht jedoch: Ein Weltmeister wurde bereits gekrönt, bei der Koch-WM der Auslandsgesellschaft.
Die dreiköpfige Jury hatte die schwierige Aufgabe, aus all den Beiträgen eine Reihenfolge festzulegen. Am Ende stand fest: 1. Spanien, 2. Ägypten, 3. Argentinien. Das Publikum setzte Ägypten auf Platz 1, wählte Syrien auf Platz 2 und Mexiko auf Platz 3.
Die deutsche Küche hatte weder bei Publikum noch bei Jury eine Chance. Der Erlös der Veranstaltung ging an BODO e.V. und die Bahnhofsmission, die jeweils 286 Euro erhielten.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!
Mehr zum Thema auf nordstadtblogger.de:
Fußball-WM 2026: Stadt duldet Public Viewing in der Außengastronomie bis Mitternacht
Public Viewing am Hafen: „Stadt Dortmund Fanfest im Hafengarten“ lädt zum Fußballsommer ein

