20 Jahre nach der Fußball-Heim-WM: Kann es 2026 ein neues Sommermärchen geben?

Noch erzeugt die Weltmeisterschaft keine Stimmung in Dortmund

Vor 20 Jahren gab es das Sommermärchen. Damals wurde die WM allerdings in Deutschland abgehalten. Archivfoto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

Anpfiff: Die Fußball-Weltmeisterschaft ist gestern, am 11. Juni, in ihre erste Runde gestartet. Gastgeber Mexiko setzte sich dabei im Eröffnungsspiel in Mexiko-Stadt mit 2:0 gegen Südafrika durch. Erstmals wird das Turnier gemeinsam von den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen. Mit 48 Mannschaften und 104 Spielen ist es die größte Weltmeisterschaft der Geschichte. Das Finale findet am 19. Juli in den USA statt.

Public Viewing in Dortmund läuft bislang eher verhalten

Der Auftakt der Weltmeisterschaft erfolgte am 11. Juni mit der Partie Mexiko gegen Südafrika. Beim „Stadt Dortmund Fanfest im Hafengarten“ können bis zu 3.000 Fans die Spiele gemeinsam verfolgen.

Ziemlich verregnet war die Eröffnung des Fanfestes im Hafen. Von Begeisterung war kaum etwas zu spüren. Foto: Lilia Krächter für Nordstadtblogger.de

Am Donnerstagabend war davon allerdings noch wenig zu spüren. Eine Stunde vor Abpfiff füllte lediglich rund ein Zehntel der möglichen Besucher:innen die Quartiershalle.Laut Veranstalten liege das vor allem am Wetter. Neben den regnerischen Bedingungen macht den Veranstaltern auch die Zeitverschiebung zu schaffen. Die meisten Partien werden erst spät am Abend angepfiffen.

Zwar gibt es eine Sondergenehmigung, die es ermöglicht, alle wichtigen Spiele bis zu einer Anstoßzeit von 23 Uhr auf einer großen LED-Wand zu übertragen. Allerdings führt diese bereits jetzt zu zahlreichen Beschwerden wegen möglicher Ruhestörungen.

Die Hoffnung richtet sich daher auf das Deutschland-Spiel am Sonntag (14. Juni) gegen Curaçao. „Eigentlich ist Dortmund eine Fußballstadt und ich kann mir schon vorstellen, dass das noch kommt“, sagt der Veranstalter.

Stimmen der Fans: WM-Stimmung gibt es belang keine

Auf die Frage, wie sie die WM-Stimmung derzeit wahrnehmen, sagte einer der Veranstalter: „Ehrlich gesagt habe ich nicht das Gefühl, das in Deutschland WM-Stimmung herrscht“.Die wenigen Fans die vor Ort waren, waren ähnlich gestimmt. Eine Gruppe internationaler Studenten, die allesamt die mexikanische Nationalmannschaft unterstützen, beschrieb die Atmosphäre rund um die Weltmeisterschaft in Dortmund als ungewöhnlich zurückhaltend.

Erstmals findet das Fanfest im Hafen statt. Beim Deutschland-Spiel am Sonntag ist sicher mehr los…. Foto: Lilia Krächter für Nordstadtblogger.de

Zwar freuen sie sich auf das Turnier aber von einer echten WM-Euphorie sei in der Stadt bislang jedoch kaum etwas zu merken. „Ich wäre gerne zur WM in die USA gereist aber die Ticketpreise sind unbezahlbar und Trumps Regierung geht gegen meine Werte“, betont ein Fan.

Neben der ganzen schlechten Stimmung gab es auch ein paar positive Fans. Eine Mutter und ihr Sohn „haben Lust auf die WM und der Balkon sei bereits geschmückt.“ Allerding empfinden sie die Stimmung auch als eher schlecht. „In der Nordstadt ist das schwierig, viele bekommen gar nicht mit das die WM nun begonnen hat und geschmückt ist es auch nirgends“, betont sie.

Zwischen Sommermärchen und Skepsis

„Zu Gast bei Freunden“ lautete das Motto damals. Heute hingegen prägt vielerorts eher Skepsis das Bild. Denn die Weltmeisterschaft wird von politischen Debatten und der strengen US-Einreisepolitik überschattet.

Aktion Weltgewissen gegen die FIFA in Zürich 2022 zur WM in Katar. Auch gegen die USA gibt es viel Kritik, aber kaum Aktionen. Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

Besonders der Fall des somalischen Schiedsrichters Omar Artan erschütterte die Medien. Obwohl er von der FIFA für die Weltmeisterschaft nominiert worden war und über die erforderlichen Dokumente verfügte, verweigerten ihm die US-Behörden die Einreise. Die FIFA musste ihn daraufhin aus dem Turnierkader streichen (Tagesshow).

Auch im Public Viewing in Dortmund ist diese politische Grundstimmung spürbar. Ein iranischer Fußballfan beschreibt seine Vorfreude auf die Weltmeisterschaft als deutlich gedämpft: „Man weiß einfach, dass diese WM nicht nur sportlich diskutiert wird. Die politischen Spannungen, besonders das Thema der verbotenen Einreisen, hängt überall mit drin, das nimmt der Stimmung viel Leichtigkeit“, sagt er.

Das Fußballorakel Orang-Utan Walter mischt wieder mit

Während viele Fans in Dortmund noch nicht im WM-Fieber sind und die Stimmung insgesamt eher verhalten wirkt, ist Orang-Utan Walter aus dem Zoo Dortmund wieder in seinem Element. Der 37-jährige Sumatra-Orang-Utan übernimmt erneut die Rolle des Fußball-Orakels und soll die Ergebnisse der deutschen Mannschaft vorhersagen.

Sumatra-Orang-Utan Walter orakelte heute zum ersten Mal wieder im Zoo im Rahmen der WM 2026. Es ging um die Partie Deutschland-Curacao. Foto: Roland Gorecki für die Stadt Dortmund

Mit seinen teils treffsicheren Prognosen bei vergangenen Welt- und Europameisterschaften sowie bei Spielen von Borussia Dortmund hat sich Walter längst Kultstatus erarbeitet.

Sumatra-Orang-Utan Walter orakelte heute zum ersten Mal wieder im Zoo im Rahmen der WM 2026. Es ging um die Partie Deutschland-Curacao.

Er nahm zuerst beide Kartons mit den Länderfahnen mit und vernaschte am Ende Curacao. Dies lässt – so zumindest die Dortmunder Interpretation – auf einen Sieg Deutschlands schließen, die am Ende in einer umkämpften Partie Curacao „vernaschen“ werden.

Die Wissenschaft sieht Spanien mit 14,5 Prozent Wahrscheinlichkeit als Favorit

Während Walter „orakelt“, setzt die Wissenschaft auf Daten. Spanien geht als statistischer Favorit in die Fußball-Weltmeisterschaft der Herren. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Technischen Universität (TU) Dortmund.

Prof. Andreas Groll von der TU Dortmund. Foto: Roland Baege für die TU Dortmund

Mithilfe eines Machine-Learning-Modells berechneten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Titelchancen aller 48 Mannschaften. Spanien liegt demnach mit 14,5 Prozent knapp vor England und Frankreich (je 12,4 Prozent) sowie Deutschland (11,2 Prozent).

Für die Prognose flossen zahlreiche Daten in das Modell ein, darunter Ergebnisse vergangener Länderspiele, Buchmacherquoten, Spielerbewertungen und Kaderwerte. Anschließend simulierte das Forschungsteam das gesamte Turnier 100.000-mal am Computer. Beteiligt waren neben der TU Dortmund auch Forschende der Universität Innsbruck, der Technischen Universität München und der Hochschule Molde in Norwegen.

Die Wissenschaftler betonen, dass ihre Berechnungen Wahrscheinlichkeiten und keine Gewissheiten liefern. Deutschland erreicht laut Modell mit einer Wahrscheinlichkeit von 70,5 Prozent das Achtelfinale und mit 30 Prozent das Halbfinale, berichtet Prof. Andreas Groll von der TU Dortmund. Auffällig sei zudem, dass die Forschenden die Titelchancen der deutschen Mannschaft deutlich höher einschätzen als die Wettanbieter.

Trotz allem ein neues Sommermärchen?

Die WM 2026 ist bereits angelaufen und bewegt sich damit früh im Spannungsfeld zwischen sportlichem Großereignis und politischer Projektionsfläche. Während 2006 noch ein Gefühl von Aufbruch und gemeinsamer Euphorie dominierte, überwiegt heute vielerorts eher Zurückhaltung und Unsicherheit.

Die Preisträger bei der Koch-WM in der Auslandsgesellschaft. Foto: L. Carola/ Auslandsgesellschaft.de

Ob Deutschland bei der Weltmeisterschaft sportlich erfolgreich sein wird, lässt sich derzeit nicht vorhersagen. Fest steht jedoch: Ein Weltmeister wurde bereits gekrönt, bei der Koch-WM der Auslandsgesellschaft.

Die dreiköpfige Jury hatte die schwierige Aufgabe, aus all den Beiträgen eine Reihenfolge festzulegen. Am Ende stand fest: 1. Spanien, 2. Ägypten, 3. Argentinien. Das Publikum setzte Ägypten auf Platz 1, wählte Syrien auf Platz 2 und Mexiko auf Platz 3.

Die deutsche Küche hatte weder bei Publikum noch bei Jury eine Chance. Der Erlös der Veranstaltung ging an BODO e.V. und die Bahnhofsmission, die jeweils 286 Euro erhielten.


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Reaktionen

  1. Ingo St.

    Es wird ein türkisches Sommermärchen in Dortmund geben, weil die Frühschichtspiele Autokorso den ganzen Vormittag ergeben. Wir gehen schlafen, weil die öffentlichen Zusammenkünfte ab 24:00 direkt nach Spielschluss verboten sind.
    Und Märchen wiederholen sich sowieso nicht. BVB Watzke brauchte 10 Jahre zu verstehen, das das Klopp-Märchen vorbei ist.

  2. Zoo-Orakel Walter tippt auf einen knappen Sieg für Deutschland gegen Ecuador (PM)

    Auf Orang-Utan Walter, das Fußball-Orakel aus dem Zoo Dortmund, ist Verlass: Er sieht den dritten Sieg für die deutsche Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft voraus. Am Donnerstagabend (25. Juni, 22 Uhr) trifft die Elf von Bundestrainer Nagelsmann auf Ecuador. Es ist das letzte Spiel der Vorrunde für die deutsche Nationalmannschaft.

    Sumatra-Orang-Utan Walter zeigte sein Gespür für große Fußballkunst bereits an den beiden vergangenen Spieltagen in der Gruppe E – er tippte jeweils auf einen Sieg für Deutschland. Auch für das kommende Spiel hatte Walter eine klare Vorhersage und sieht Deutschland als Sieger.

    Damit Walter ordentlich orakeln kann, bereiteten die Tierpfleger*innen heute (24. Juni) zwei Jutesäcke vor, auf die jeweils die Nationalflaggen einer der beiden Mannschaften aufgenäht waren. Um Walter nicht zu beeinflussen, waren beide Säcke identisch gefüllt: mit Obst, Wasserflaschen und einem Eis aus Papaya und Weintrauben als Abkühlung.

    Walter ließ sich Zeit, er riss erst den Sack von Ecuador und dann den Sack mit der deutschen Nationalflagge vom Seil ab. Beide Säcke nahm Walter mit in sein Versteck, aus dem deutschen Sack bediente sich der Orang-Utan jedoch zuerst an den angebotenen Leckerbissen.

    Für Marcel Stawinoga, Kommunikationsleiter und Artenschutzbeauftragter des Zoo Dortmund, ist das Ergebnis eindeutig: „Orang-Utan Walter hat sich zwar zuerst an den Sack von Ecuador gemacht, der deutsche Sack hat am Ende aber trotzdem mehr Aufmerksamkeit bekommen. Walter hat sich klar dafür entschieden, zuerst die Wasserflasche und das Eis aus dem Sack mit der deutschen Flagge zu nehmen. Das sieht nach einem spannenden und knappen Spiel aus. So wie ich Walters Orakeln deute, wird die deutsche Mannschaft als Sieger vom Platz gehen.“

    Walter bringt viel Erfahrung mit

    Der 37-jährige Walter verfügt über langjährige Erfahrung als Fußball-Orakel. 2006 zog er, passend zur Heim-WM, aus dem Zoo Leipzig in den Zoo Dortmund. Seitdem hat er als erfahrener Sportsmann zahlreiche Fußballspiele vorhergesagt. Ob Champions League, Weltmeisterschaft oder Europameisterschaft – wenn ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft ansteht, können wir uns auf Walter verlassen. Derzeit lebt Walter mit der Orang-Utan Dame Suma und der gemeinsamen Tochter Kleo zusammen.

  3. WM-Orakel Walter sagt deutschen Sieg gegen Paraguay voraus (PM)

    Kniffelige Aufgabe für Walter – bravourös gelöst: Der berühmte Orang-Utan aus dem Zoo Dortmund orakelt alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Für das Sechzehntelfinale heute Abend gegen Paraguay (22:30 Uhr) sagte Walter am Vormittag einen deutschen Sieg voraus.

    Bei leichtem Nieselregen hat es sich das beliebte Dortmunder WM-Orakel bei der Partie Deutschland gegen Paraguay nicht leicht gemacht: Die Tierpfleger*innen hatten im Außengehege zwei Jutesäcke mit allerlei Leckereien aufgehängt. Jeder Sack ist durch eine aufgenähte Flagge einer der beiden Mannschaften zugeordnet. Zielstrebig hat sich Walter auf den deutschen Sack zubewegt und ihn abgenommen – ein gutes Zeichen. Dann allerdings hat er sich auch jedem Knoten gewidmet, mit dem der Paraguay-Sack befestigt war.

    Ein solches Verhalten braucht ein wenig Einordnung: „Das könnte vielleicht heißen, dass das Spiel relativ verfahren sein wird und es dauert, bis sprichwörtlich der Knoten geplatzt sein wird“, sagte Marcel Stawinoga, Kommunikationsleiter und Artenschutzbeauftragter des Zoo Dortmund.

    Das Ergebnis ist für Stawinoga dann aber eindeutig: „Walter ist mit beiden Säcken in das Baumhaus hoch, hat aber den Paraguay-Sack zur Seite gelegt. Er hat sich den deutschen Sack genommen und erst mal die ganzen Leckereien rausgeholt. Und deswegen würde ich ganz klar sagen, dass Deutschland gewinnen wird.“

    Das ist Walter:

    Walter kam am 24. April 1989 im Zoo Frankfurt zur Welt und lebt seit dem Heim-WM-Jahr 2006 im Zoo Dortmund. Wenn das mal kein gutes Omen ist! Derzeit lebt Walter mit dem weiblichen Sumatra-Orang-Utan Suma und der gemeinsamen Tochter Kleo, die am 21. Juli 2022 zur Welt kam, zusammen.

    Mit 37 Jahren ist Walter sozusagen ein gestandener (Sports-)Mann im besten Alter. In Zoos können die Menschenaffen über 60 Jahre alt werden, während wild lebende Orang-Utans ein Alter bis zu 45 Jahren erreichen können.

    Gegenüber den Tierpfleger*innen ist Walter sehr freundlich und aufgeschlossen. Er macht sehr motiviert beim tiermedizinischen Training mit und widmet sich mit viel Konzentration Beschäftigungsaufgaben im Rahmen von „Behavioral enrichment“, deutsch: Verhaltensanreicherung.

    Mit Walter, Suma, Kleo, Mokko, Kea und Yenko leben derzeit insgesamt sechs Sumatra-Orang-Utans im Zoo Dortmund.

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