Die Stadt möchte Gedenken an Dortmunder Kriegsgefangenenlager ermöglichen

Kompromiss zum Umgang mit Stalag VI D – Bauarbeiten laufen weiter

Archäologische Ausgrabungen an den Westfalenhallen – Stalag VI D soll geborgen werden. Polina Zatulko | Nordstadtblogger

Die Stadt Dortmund, die Denkmalpflege, der LWL und die Westfalenhallen haben sich darauf verständigt, die Überreste des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag VI D nicht am Fundort zu belassen. Stattdessen sollen die Strukturen umfassend dokumentiert, geborgen und in einem Erinnerungs- und Vermittlungskonzept langfristig zugänglich gemacht werden. Mit diesem Schritt sollen die Bauarbeiten für den Ausbau der Westfalenhallen ohne größere Verzögerungen ermöglicht werden.

Funde des ehemaligen Kriegsgefangenen-Lagers größer als angenommen

Im Zuge der laufenden Bauarbeiten auf dem Gelände der Westfalenhallen haben auch archäologische Untersuchungen stattgefunden. Dabei stießen die Fachleute auf deutlich umfangreichere Überreste des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag VI D als erwartet.

Die gefundenen Überreste sind größer als erwartet. Polina Zatulko | Nordstadtblogger

Nach Angaben der Stadt handelt es sich dabei um außergewöhnlich gut erhaltene Strukturen des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers.

Für die Denkmalpflege ist der Fund daher ein Bodendenkmal von internationaler Bedeutung im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Lager-, Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeitsgeschichte.

Aus Sicht des Denkmalschutzes wäre der dauerhafte Erhalt am ursprünglichen Standort grundsätzlich die bevorzugte Lösung gewesen. Dieser Anspruch kollidiert jedoch mit den Ausbauplänen der Westfalenhallen.

Denkmalbehörde: Ein gutes Ergebnis, mit dem wir alle leben können

Ingmar Luther, Leiter der Unteren Denkmalbehörde, machte deutlich, dass die fachliche Bewertung unabhängig von wirtschaftlichen Interessen erfolge. „Das Denkmal als solches wird so bewertet, wie es aufgefunden wurde“, erklärte er. Wirtschaftliche Erwägungen spielten bei dieser ersten Einschätzung keine Rolle.

Ingmar Luther spricht mit Blick auf den Kompromiss von einem guten Ergebnis. Polina Zatulko | Nordstadtblogger

Erst im Anschluss wurde gemeinsam über den weiteren Umgang mit den Funden beraten. Beteiligt an diesem Prozess waren unter anderem die Stadt Dortmund, die LWL-Archäologie, die Westfalenhallen sowie die beteiligten Planungs- und Grabungsbüros.

Im Ergebnis steht nun ein Kompromiss, der sowohl den Anforderungen des Denkmalschutzes als auch den Interessen des Bauprojekts Rechnung tragen solle. Luther sprach daher von einem „guten Ergebnis, mit dem wir alle leben können“.

Die Funde sollen dauerhaft gesichert und veröffentlicht werden

Vor ihrer Entnahme sollen die Strukturen nun umfassend wissenschaftlich dokumentiert werden. Geplant sind aus diesem Grund hochauflösende Foto- und Filmaufnahmen sowie dreidimensionale Laser-Scans und digitale Modelle.

Funde aus dem Lageralltag sollen gesichert werden. Polina Zatulko | Nordstadtblogger

Nach Angaben der Denkmalbehörde sollen sämtliche Funde erfasst werden. Darüber hinaus sind Zeitzeugeninterviews sowie eine wissenschaftliche Auswertung geplant. Auch die laufenden Bauarbeiten sollen dokumentiert werden, um so die Entdeckung des Lagers möglichst umfassend festzuhalten.

Anschließend sollen die gewonnenen Erkenntnisse verschriftlicht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Damit möchte die Stadt einen Beitrag zur Erinnerungskultur und zum Gedenken an die Schrecken der nationalsozialistischen Diktatur leisten.

Ein Erinnerungsort in unmittelbarer Nähe geplant

Die freigelegten Steine der ehemaligen Baracken sollen vollständig geborgen werden. Im Anschluss sollen sie zunächst zwischengelagert werden, bis über ihre spätere Verwendung entschieden wird.

Die alten Strukturen des Lagers sind teilweise gut erhalten. Foto: Polina Zatulko für Nordstadtblogger.de

Derzeit wird geprüft, wie Teile der freigelegten Strukturen in unmittelbarer Nähe der Westfalenhallen wieder sichtbar gemacht werden können. Denkbar sind ein Gedenk- und Informationsorte, sowie der Nachbau einzelner baulicher Strukturen.

Konkrete Entscheidungen dazu gibt es allerdings noch nicht. So stehen weder der spätere Standort noch das Ausstellungskonzept fest. All diese Fragen sollen in den kommenden Monaten im Rahmen einer Machbarkeitsstudie geklärt werden.

Durch den Kompromiss sieht die Stadt Planungssicherheit für die Westfalenhallen

Für die Stadt stellt diese Einigung eine wichtige Voraussetzung für den weiteren Ausbau der Westfalenhallen da. So verwies Oberbürgermeister Alexander Kalouti (CDU) auf das Investitionsprogramm in Höhe von 215 Millionen Euro sowie den zunehmenden Wettbewerb zwischen den Messestandorten in Nordrhein-Westfalen.

Oberbürgermeister Kalouti zeigt sich zufrieden, dass die Bauarbeiten wie geplant weitergehen können. Foto: Anja Cord für Nordstadtblogger.de

„Jede Verzögerung hätte immense finanzielle Auswirkungen“, verdeutlichte Kalouti. Gleichzeitig sei es gelungen, die Würde des historischen Ortes und das Investitionsvorhaben „unter ein Dach zu bekommen“.

Aus Sicht des Fachbereichs für Liegenschaften schafft die denkmalrechtliche Erlaubnis nun die notwendige Planungssicherheit für das Bauvorhaben. Ziel bleibe, die neuen Messehallen, das zweite Kongresszentrum und den Eingang Süd bis zum Jahr 2030 fertigzustellen.


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