
Die Stadt Dortmund, die Denkmalpflege, der LWL und die Westfalenhallen haben sich darauf verständigt, die Überreste des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag VI D nicht am Fundort zu belassen. Stattdessen sollen die Strukturen umfassend dokumentiert, geborgen und in einem Erinnerungs- und Vermittlungskonzept langfristig zugänglich gemacht werden. Mit diesem Schritt sollen die Bauarbeiten für den Ausbau der Westfalenhallen ohne größere Verzögerungen ermöglicht werden.
Funde des ehemaligen Kriegsgefangenen-Lagers größer als angenommen
Im Zuge der laufenden Bauarbeiten auf dem Gelände der Westfalenhallen haben auch archäologische Untersuchungen stattgefunden. Dabei stießen die Fachleute auf deutlich umfangreichere Überreste des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag VI D als erwartet.

Nach Angaben der Stadt handelt es sich dabei um außergewöhnlich gut erhaltene Strukturen des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers.
Für die Denkmalpflege ist der Fund daher ein Bodendenkmal von internationaler Bedeutung im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Lager-, Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeitsgeschichte.
Aus Sicht des Denkmalschutzes wäre der dauerhafte Erhalt am ursprünglichen Standort grundsätzlich die bevorzugte Lösung gewesen. Dieser Anspruch kollidiert jedoch mit den Ausbauplänen der Westfalenhallen.
Denkmalbehörde: Ein gutes Ergebnis, mit dem wir alle leben können
Ingmar Luther, Leiter der Unteren Denkmalbehörde, machte deutlich, dass die fachliche Bewertung unabhängig von wirtschaftlichen Interessen erfolge. „Das Denkmal als solches wird so bewertet, wie es aufgefunden wurde“, erklärte er. Wirtschaftliche Erwägungen spielten bei dieser ersten Einschätzung keine Rolle.

Erst im Anschluss wurde gemeinsam über den weiteren Umgang mit den Funden beraten. Beteiligt an diesem Prozess waren unter anderem die Stadt Dortmund, die LWL-Archäologie, die Westfalenhallen sowie die beteiligten Planungs- und Grabungsbüros.
Im Ergebnis steht nun ein Kompromiss, der sowohl den Anforderungen des Denkmalschutzes als auch den Interessen des Bauprojekts Rechnung tragen solle. Luther sprach daher von einem „guten Ergebnis, mit dem wir alle leben können“.
Die Funde sollen dauerhaft gesichert und veröffentlicht werden
Vor ihrer Entnahme sollen die Strukturen nun umfassend wissenschaftlich dokumentiert werden. Geplant sind aus diesem Grund hochauflösende Foto- und Filmaufnahmen sowie dreidimensionale Laser-Scans und digitale Modelle.

Nach Angaben der Denkmalbehörde sollen sämtliche Funde erfasst werden. Darüber hinaus sind Zeitzeugeninterviews sowie eine wissenschaftliche Auswertung geplant. Auch die laufenden Bauarbeiten sollen dokumentiert werden, um so die Entdeckung des Lagers möglichst umfassend festzuhalten.
Anschließend sollen die gewonnenen Erkenntnisse verschriftlicht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Damit möchte die Stadt einen Beitrag zur Erinnerungskultur und zum Gedenken an die Schrecken der nationalsozialistischen Diktatur leisten.
Ein Erinnerungsort in unmittelbarer Nähe geplant
Die freigelegten Steine der ehemaligen Baracken sollen vollständig geborgen werden. Im Anschluss sollen sie zunächst zwischengelagert werden, bis über ihre spätere Verwendung entschieden wird.

Derzeit wird geprüft, wie Teile der freigelegten Strukturen in unmittelbarer Nähe der Westfalenhallen wieder sichtbar gemacht werden können. Denkbar sind ein Gedenk- und Informationsorte, sowie der Nachbau einzelner baulicher Strukturen.
Konkrete Entscheidungen dazu gibt es allerdings noch nicht. So stehen weder der spätere Standort noch das Ausstellungskonzept fest. All diese Fragen sollen in den kommenden Monaten im Rahmen einer Machbarkeitsstudie geklärt werden.
Durch den Kompromiss sieht die Stadt Planungssicherheit für die Westfalenhallen
Für die Stadt stellt diese Einigung eine wichtige Voraussetzung für den weiteren Ausbau der Westfalenhallen da. So verwies Oberbürgermeister Alexander Kalouti (CDU) auf das Investitionsprogramm in Höhe von 215 Millionen Euro sowie den zunehmenden Wettbewerb zwischen den Messestandorten in Nordrhein-Westfalen.

„Jede Verzögerung hätte immense finanzielle Auswirkungen“, verdeutlichte Kalouti. Gleichzeitig sei es gelungen, die Würde des historischen Ortes und das Investitionsvorhaben „unter ein Dach zu bekommen“.
Aus Sicht des Fachbereichs für Liegenschaften schafft die denkmalrechtliche Erlaubnis nun die notwendige Planungssicherheit für das Bauvorhaben. Ziel bleibe, die neuen Messehallen, das zweite Kongresszentrum und den Eingang Süd bis zum Jahr 2030 fertigzustellen.
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Reaktionen
VVN-BdA Dortmund
Diese Petition erreichte die VVN-BdA
RETTET DAS ARCHÄOLOGISCHE ERBE DER STALAG-VI-D-AUSGRABUNGSSTELLE IN DORTMUND – ES IST DRINGEND!
UNTERSCHRIFTENAKTION, verbreitet von der A.D.P.G.H.D., der Vereinigung der Nachfahren von Kriegsgefangenen der Stalags VI-A in Hemer und VI-D in Dortmund sowie anderer Stalags des Militärbezirks VI.
VIELEN DANK für IHRE UNTERSCHRIFT bis zum 4. JULI 2026.
DIESE PETITION WIRD DEM BÜRGERMEISTER DER STADT DORTMUND ÜBERGEBEN.
An alle Nachfahren von Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkriegs, des Stalags VI-D in Dortmund und aller Stalags, Oflags und Frontstalags, an alle Nachkommen der Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und darüber hinaus an alle, denen die Bewahrung des Gedenk-Erbes am Herzen liegt, um das kollektive Gedächtnis all unserer Vorfahren aufrechtzuerhalten, die gegen die nationalsozialistische Barbarei gekämpft haben und von denen viele dabei ihr Leben ließen.
Unser Verein A.D.P.G.H.D. stand kürzlich im Austausch mit Ansprechpartnern in Deutschland.
Wir geben hier ihren Aufruf zur Erhaltung des archäologischen Erbes des Stalag VI-D in Dortmund weiter, das kürzlich im Rahmen von Bauarbeiten im Zusammenhang mit der Neugestaltung der Westfalenhallen (Kongresszentrum und Messegelände) der Stadt Dortmund freigelegt wurde.
Entdeckung von nationaler Bedeutung:
Antrag auf Überprüfung der Bauarbeiten und Erhaltung der Überreste des Stalag VI-D bei den Westfalenhallen:
Angesichts der jüngsten archäologischen Funde auf dem Gelände der Westfalenhallen wird die sofortige Einstellung der Bauarbeiten in den betroffenen Bereichen gefordert. Ziel ist es, die Überreste des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag VI-D dauerhaft zu erhalten und diesem historischen Ort einen angemessenen Schutz zu gewähren.
„Die freigelegten Überreste sind nicht nur einfache archäologische Funde. Sie sind materielle Zeugnisse eines Ortes, der von Leid, Entmenschlichung und Zwangsarbeit geprägt war – mitten im Herzen von Dortmund. Jeder Bauvorhaben an diesem Standort bringt auch eine Verantwortung gegenüber seiner Geschichte mit sich“, erklärt die Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen & Volt Deutschland im Dortmunder Stadtrat.
Es wird gewünscht, dass die Stadt Dortmund die Pläne für die Erschließungs- und Bauarbeiten so anpasst, dass die historischen Strukturen und die bisher erhaltenen archäologischen Überreste nicht durch die Fortsetzung der Arbeiten zerstört werden.
Die bisherigen Funde zeigen, dass die Überreste des ehemaligen Lagers weitaus bedeutender sind, als zuvor angenommen wurde.
Entwicklung und Gedenkpflicht in Einklang bringen
Das Stalag VI-D zählte zu den größten Kriegsgefangenenlagern im Westen Deutschlands. Zwischen 1939 und 1945 befand es sich auf dem Gelände der Westfalenhallen und des ehemaligen Volksparks. Mehr als 300.000 Kriegsgefangene verschiedener Nationalitäten wurden dort durchgeschleust, und bis zu 10.000 Männer waren gleichzeitig dort inhaftiert. Viele wurden zur Zwangsarbeit in der Schwerindustrie des Ruhrgebiets gezwungen. Tausende von ihnen überlebten die unmenschlichen Bedingungen im Lager nicht.
Es geht nicht darum, die notwendige Entwicklung der Westfalenhallen zu behindern. Vielmehr geht es darum, darüber nachzudenken, wie sich die moderne Nutzung des Geländes mit der damit verbundenen historischen Verantwortung in Einklang bringen lässt. Mehrere Beispiele zeigen bereits, dass es möglich ist, historische Überreste nachhaltig in zeitgenössische Bauprojekte zu integrieren.
„Die nun entdeckten Überreste bieten eine seltene Gelegenheit, ein lange vergessenes Kapitel der Dortmunder Geschichte sichtbar zu machen und unser Verständnis für die Behandlung von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern unter dem NS-Regime zu vertiefen. Dieser Fund ist nicht nur für die Stadt Dortmund von Bedeutung, sondern betrifft das gesamte historische Gedächtnis Europas. Bevor endgültige Entscheidungen getroffen werden, ist es unerlässlich, sich die nötige Zeit für eine gründliche wissenschaftliche Bewertung und eine breite öffentliche Debatte darüber zu nehmen, wie diese Überreste würdig erhalten werden können.“
Derzeit erinnert am Standort des ehemaligen Stalag VI-D in Dortmund nur noch eine Gedenktafel an die Existenz dieses Kriegsgefangenenlagers während des Zweiten Weltkriegs.
Im Rahmen der laufenden archäologischen Untersuchungen konnten bereits Überreste von Gebäuden des Stalags sowie Gegenstände aus dem Alltag der Kriegsgefangenen freigelegt werden, darunter Lederschuhe, Medikamentenfläschchen, Patronenhülsen, Zahnpastatuben aus Frankreich, Knöpfe und Münzen. Diese Gegenstände bieten einen seltenen Einblick in den Alltag und die Lebensbedingungen der Kriegsgefangenen im Lager.
Lasst uns GEMEINSAM die Stätte des Stalag VI-D in Dortmund erhalten, die Erinnerung an unsere Vorfahren bewahren, die für unsere Freiheit gelitten haben, und das kollektive Gedächtnis für künftige Generationen bewahren.
DANKE an JEDEN VON EUCH für EURE UNTERSTÜTZUNG und EURE UNTERSCHRIFT,
und dafür, dass ihr diese Petition an Vereinigungen von Nachkommen von Kriegsgefangenen, Veteranenverbände, Historiker usw. weiterleitet.
Vielen Dank.
Vereinigung A.D.P.G.H.D.
Erinnerung im Rathaus an Ausbeuter der Sklaven auf dem Westfalenhallengelände (Ulli Sander)
Der Dortmunder Ratsausschuss für Bürgerdienste, öffentliche Ordnung, Anregungen und Beschwerden hat sich am 7.7.26 mit dem Antrag der VVN-BdA befasst, der die Schaffung einer Mahntafel vorsieht, die zum Inhalt hat: „Hier an der Ecke Eintrachtstraße/Hainallee stand die Villa Springorum. Es trafen sich darin am 7. Januar 1933 Franz v. Papen und führende Ruhrindustrielle der geheimen ‚Ruhrlade‘, um über die Machtübertragung an Hitler weiter zu beraten. Sie erfolgte am 30. Januar 1933, und viele Ruhrindustrielle unterstützten sie. Sie profitierten von Krieg, Zwangsarbeit und Antisemitismus.“
Helmut Manz begründere den Antrag namens der Antragstellerin. Der Antrag wurde einstimmig an den Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit zur weiteren Behandlung überwiesen. Manz hatte auch den Antrag bei der Mahnwache am 7. Januar an der Hainallee vorgeschlagen.
Siehe dazu: https://www.nordstadtblogger.de/erinnerung-an-die-wegbereiter-des-nationalsozialismus-vor-93-jahren-in-dortmund/.
Er verwies jetzt an die aktuelle Erörterung der Geschichte der Zwngsarbeiterlager auf dem Westfalenhallengelände. Die zigtausende Kriegsgefangenen mussten dort Sklavenarbeit leisten und trugen zum Profit der Ruhrindustriellen bei.
Der Vorschlag für die Schaffung einer Mahntafel am Standort der ehemaligen Villa Springorum erinnert an die Fortsetzungstagung der Wirtschaft, nachdem am 4. Januar 1933 beim Bankier von Schröder in Köln Adolf Hitler mit dem ehemaligen rechtskonservative Reichskanzler von Papen (Ex-Zentrum) zusammengetroffen war. Von Papen schwor nun die Ruhrladen-Industriellen auf die Kanzlerschaft Hitlers ein. In Köln wird mit einer Mahntafel am Ort des Treffens Hitlers mit von Papen und von Schröder erinnert. Nun soll eine solche Tafel auch in Dortmund geschaffen werden, fordert die VVN-BdA.
Über die Rolle der Treffen Hitlers und von Papens am 4. und 7. Januar 1933 gibt eine Aussage in dem Nürnberger IG-Farbenprozess nach 1945 Auskunft. Bankier Kurt von Schröder sagte vor dem Nürnberger Gericht aus: »Die allgemeinen Bestrebungen der Männer der Wirtschaft gingen dahin, einen starken Führer in Deutschland an die Macht kommen zu sehen, der eine Regierung bilden würde, die lange an der Macht bleiben würde. … Als die NSDAP am 6. November 1932 ihren ersten Rückschlag erlitt und somit ihren Höhepunkt überschritten hatte, wurde eine Unterstützung durch die deutsche Wirtschaft besonders dringend. … Ein gemeinsames Interesse der Wirtschaft bestand in der Angst vor dem Bolschewismus und der Hoffnung, dass die Nationalsozialisten – einmal an der Macht – eine beständige politische und wirtschaftliche Grundlage in Deutschland herstellen würden. … In diesem Zusammenhang sind zu erwähnen: eine von Hitler projektierte Erhöhung der deutschen Wehrmacht von 100.000 auf 300.000 Mann…«