„Armes reiches Deutschland“: Teil 1 berichtet vor allem aus der Nordstadt

„ZDF.reportage“-Nacht über Menschen in Armut

Alexander isst das kostenlose Essen aus der Kana-Suppenküche schnell auf dem Nordmarkt.
Alexander isst das kostenlose Essen aus der Kana-Suppenküche schnell auf dem Nordmarkt. Foto: ZDF/Patrik Walczak

Nach aktuellen Zahlen des Bundesamtes für Statistik sind rund 13 Millionen Menschen in Deutschland armutsbedroht. Aber was heißt das? Wie wirkt sich die finanzielle Not auf das Leben, die Ernährung, die psychische Gesundheit aus? In einer langen Nacht der “ZDF.reportage” sendet das ZDF am Mittwoch, 7. Dezember 2022, um 0.45 Uhr zunächst die dreiteilige „ZDF.reportage“-Reihe „Armes reiches Deutschland“. Im Anschluss folgt noch einmal der gerade gesendete Dreiteiler „Wenn das Geld nicht reicht“. Alle drei Teile von „Armes reiches Deutschland“ stehen bereits in der ZDFmediathek zur Verfügung.

Die Serie beginnt in der Nordstadt bei der Kana-Suppenküche

Einkaufen im Sozialkaufhaus „Jacke wie Hose“.
Einkaufen im Sozialkaufhaus „Jacke wie Hose“. Foto: Screenshot ZDF

Die drei Teile von „Armes reiches Deutschland“ zeigen, wie in der Dortmunder Suppenküche Kana der Andrang zunimmt. Für eine warme Mahlzeit, Obst, Kaffee und Kuchen steht auch Alexander in der Schlange. Der 30-Jährige geht auf eine Schule für Tontechnik, die ihn monatlich 190 Euro kostet. BAföG gibt es dafür nicht. Das Geld zwackt er von Hartz IV ab. Trotz Minijob reicht es aber meist nur bis Mitte des Monats.

Auch Stefanie (31) und Patrick (34) haben Probleme, in der Nordstadt über die Runden zu kommen. Das Paar erwartet ein Kind und möchte möglichst bald aus der Stadt ziehen. Beide würden gern arbeiten, aber nicht wieder für Jobs unter dem Mindestlohn, die Langzeitarbeitslosen angeboten werden.

Bodo-Verkäufer Marcel wird auch portraitiert.
Auch Bodo-Verkäufer Marcel wird portraitiert. Foto: Screenshot ZDF

Alex geht in die 10. Klasse und möchte Abitur machen. Für ihn ist Bildung der Weg aus der Armutsfalle. In einer karitativen Jugendeinrichtung in Berlin findet er Unterstützung bei den Hausaufgaben.

Dominik und Corinna sind Multijobber. Um mit den Kindern in Köln über die Runden zu kommen, müssen beide zusätzlich arbeiten. Hohe Miete und Inflation setzen den jungen Eltern so zu, dass sie durch den Tag hetzen, um Jobs und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bekommen.

Immer mehr Geringverdiener kommen trotz Vollzeitjob nicht über die Runden. David arbeitet in einem Call-Center. Seit der Pandemie macht er diesen Job im Homeoffice, nimmt bis zu 150 Anrufe am Tag entgegen und kommt kaum raus: „Wenn du mehr als 20 Minuten am Tag kleine Pausen machst, brummt dir das System Strafzeit auf.“ David bekommt 12 Euro Mindestlohn.

Einmal in der Woche geht Rentner Dieter N. zur Dortmunder Tafel. L‰ngst sch‰mt er sich dessen nicht mehr. Foto: ZDF/ Ioanna Engel

Zuhra wollte immer auf eigenen Füßen stehen. Mit 44 hat sich die Friseurin und Mutter von drei Kindern diesen Traum erfüllt und steht nun seit acht Jahren mit ihren Aushilfen im „Zukis Style“. Aber heute weiß die 52-Jährige nicht mehr, ob sie im nächsten Monat die Krankenversicherung bezahlen kann.

Auch das Geschäft des vierfachen Vaters Thomas aus Essen läuft schlecht. Seine Betriebskosten und Einkaufspreise haben sich im letzten Jahr verdoppelt, auch die Mieten für Wohnung und Laden haben sich erhöht. Gleichzeitig sind die Umsätze in seinem Kiosk mit Blumenladen rückläufig.

Die lange Nacht der „ZDF.reportage“ in der Übersicht:

Mittwoch, 7. Dezember 2022, 0.45 Uhr, ZDF
(ZDFinfo Freitag, 9. Dezember 2022, 18.45 Uhr)
Armes reiches Deutschland: Wenn man keine Chancen hat 
Film von Angelika Wörthmüller, Enrico Demurray und Charlotte Gerling

Mittwoch, 7. Dezember 2022, 1.15 Uhr, ZDF
(ZDFinfo Freitag, 9. Dezember 2022, 19.15 Uhr)
Armes reiches Deutschland: Wenn die Arbeit nicht zum Leben reicht 
Film von Sören Folkens

Mittwoch, 7. Dezember 2022, 1.45 Uhr, ZDF
(ZDFinfo Freitag, 9. Dezember 2022, 19.45 Uhr)
Armes reiches Deutschland: Wenn Selbstständigkeit zum Albtraum wird 
Film von Barbara Radl und Christoph Warneck

Mittwoch, 7. Dezember 2022, 2.15 Uhr, ZDF
Wenn das Geld nicht reicht – zum Heizen 
Film von Anja Utfeld
(ES: 30.10.2022; in der ZDFmediathek)

Mittwoch, 7. Dezember 2022, 2.45 Uhr, ZDF
Wenn das Geld nicht reicht – zum Leben 
Film von Anja Marx und Jessica Liss
(ES: 6.11.2022; in der ZDFmediathek)

Mittwoch, 7. Dezember 2022, 3.15 Uhr, ZDF
Wenn das Geld nicht reicht – zum Wohnen 
Film von Oliver Koytek und Jovanna Weber

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Reaktionen

  1. Hannah

    @Kirsten Ich bin selbst armutsbetroffen. Und nicht immer haben solche Entscheidungen wie die Sendezeit etwas mit der Armutsbetroffenheit der Gezeigten zu tun. Und auch Journalisten, einer z. B. der so einen Beitrag verantwortet, hat Kollegen und Redaktionen, mit denen er alles absprechen muss. Ich war früher im Büro angestellt – da hätte ich auch nicht einfach über Vorgesetzte hinweg entscheiden können. Und es gibt sicher auch noch ganz andere Gründe für diese Platzierung, die ich nicht kenne, weil ich keine Journalistin bin. Aber: ich bin dankbar dafür, dass so viele Journalisten das Thema aufgreifen und zeigen – egal um welche Uhrzeit. Es gibt ja auch viele Beiträge tagsüber und in großen Zeitungen und Zeitschriften. Wenn das nicht gesehen werden sollte, würde es gar nicht ausgestrahlt. Wird es aber – d. h. wir werden gesehen und gehört. Und das ist es, was zählt.

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