Wie arbeiten Frauen in Dortmund? 60 Prozent sind Fachkräfte – viel Luft nach oben bei den technischen Berufen

Trotz positiver Beschäftigungsentwicklung klafft weiterhin eine Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen. Die IG Bau fordert zudem, mehr Minijobs in sozialversicherungspflichtige Stellen umzuwandeln. Foto: Arge

Zum Weltfrauentag machen Arbeitsagentur und IG Bau auf die Situation von Frauen am Arbeitsmarkt aufmerksam. Auch wenn sich dieser in den letzten Jahren diesbezüglich positiv entwickelt hat, bleiben altbekannte Probleme weiterhin bestehen. Während 46 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Stellen in Dortmund von Frauen besetzt werden, verdienen sie in Dortmund im Schnitt 389 Euro weniger als Männer. Während 60 Prozent von ihnen als Fachkräfte tätig sind, sind sie in den sogenannten MINT-Fächern weiterhin unterrepräsentiert. Zusätzlich hat 2020 aber auch die Pandemie ihre Spuren hinterlassen und es bleiben weiterhin Baustellen. Die stärkere Berücksichtigung von Frauen insbesondere in technischen Berufen ist ein Rezept gegen den Fachkräftemangel. 

„Für den zukünftigen Arbeitsmarkt ist eine Beschäftigung von Frauen in allen Branchen unverzichtbar.“

„In vielen Berufen, in denen wir in Dortmund bereits heute einen Fachkräftemangel sehen, sind deutlich weniger Frauen als Männer beschäftigt. Dabei könnte vor allem in gewerblichen und technischen Berufen eine stärkere Beschäftigung von Frauen diesen Engpässen entgegenwirken“, so die Chefin der Dortmunder Arbeitsagentur, Heike Bettermann.  ___STEADY_PAYWALL___

Heike Bettermann appelliert an Arbeitgeber*innen und Bewerber*innen, offen zu sein für neue Wege.

„Doch dazu ist die Bereitschaft auf beiden Seiten wesentlich, neue Wege zu gehen. Auf der einen Seite müssen Rahmenbedingen für Frauen attraktiver werden, anderseits müssen sich Bewerberinnen auch Berufen jenseits des traditionellen Rollenbildes öffnen. Klar ist: Für den zukünftigen Arbeitsmarkt ist eine Beschäftigung von Frauen in allen Branchen unverzichtbar.“

Im Krisenjahr 2020 ist die Beschäftigung von Frauen im Gegensatz zu den Männern leicht zurückgegangen. Von den insgesamt 246.840 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Dortmund sind 113.359 weiblich, dies entspricht einem Anteil von knapp 46 Prozent Frauen. 

Die meisten hiervon sind – ähnlich wie bei den männlichen Beschäftigten – im Alter von 25 bis unter 55 Jahren. Betrachtet man die Beschäftigung nach dem Anforderungsniveau, liegt der Schwerpunkt mit gut 60 Prozent bei der Fachkraft. Bei den Männern werden hier knapp zehn Prozent weniger gezählt. Insgesamt hat sich die Beschäftigungsquote für Frauen aber weiter erhöht. 2020 lag sie bei 50,6 Prozent – ein Anstieg zum Vorjahr um 0,4 Prozentpunkte.

Frauen arbeiten mehr in Teilzeit – Kein technischer Beruf unter den Top Ten 

„Mach MINT“ soll junge Frauen für die MINT-Berufe begeistern. Foto: Arbeitsagentur
Mit Projekten wie „Mach MINT“ versucht die Arbeitsagentur, junge Mädchen schon früh für technische Berufsfelder zu begeistern. Foto: Arbeitsagentur

Die größten Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt lassen sich jedoch immer noch bei der Arbeitszeit erkennen. Während 86,1 Prozent der Männer Vollzeit arbeiten, sind es bei den Frauen nur 53,8 Prozent. Auch die gewünschte Arbeitszeit der arbeitslosen Männer und Frauen weist erhebliche Unterschiede auf. 

Während sich 62,0 Prozent der Frauen Vollzeit dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen, sind es bei den Männern gut 90 Prozent. Dies lässt den Schluss zu, dass immer noch deutlich mehr Frauen als Männer wegen der Kinderbetreuung oder auch der Pflege von Angehörigen nicht in Vollzeit arbeiten können und ihre Erwerbstätigkeiten auch mehr Unterbrechungen aufweisen. Infolgedessen profitieren sie seltener von Gehaltssteigerungen, die an Betriebszugehörigkeiten gebunden sind. All dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Höhe des Gehaltes, sondern auch auf die Renten von Frauen.

Viele Frauen arbeiten im Einzelhandel, in Sozial- und Gesundheitsberufen sowie in Dienstleistungs- und Büroberufen. Frauen sind in MINT-Berufen deutlich unterrepräsentiert. Zu den MINT-Berufen zählen technische, informationstechnische und naturwissenschaftliche Berufe. Während rund ein Drittel der sozialversicherungspflichtig-beschäftigten Männer in MINT Berufen tätig ist, arbeitet weniger als jede zehnte Frau in diesen Berufsfeldern.

Frauen verdienen weiterhin weniger als Männer – in Dortmund beträgt die Lücke rund 389 Euro

Die Frauen machen Lärm für ihre Rechte. Die Frauen machen Lärm für ihre Rechte.
Immer noch klafft eine Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen. Foto: Carmen Körner / Archiv

Auch liegt der Schwerpunkt der weiblichen Auszubildenden und Studierenden auf wirtschaftlichen, gesundheitlichen und sozialen Ausbildungsgängen bzw. Studienfächern. MINT-Ausbildungen sind weiterhin Männerdomäne. Dabei bieten genau diese Berufsfelder attraktive Karriere- und Verdienstmöglichkeiten. Der Wirtschaft fällt es hier zunehmend schwerer, Nachwuchs und Arbeitskräfte zu finden. 

Frauen erzielen am Arbeitsmarkt ein niedrigeres Entgelt als Männer. Auch wenn die Lücke im vergangenen Jahr kleiner geworden ist, verdienen Frauen im Vergleich zu Männern im Durchschnitt in Dortmund 389 Euro weniger. Das Medianentgelt 2019 beträgt bei Männern 3.669, bei Frauen 3.280 Euro. Zudem arbeiten Frauen verstärkt im unteren Entgeltbereich, das heißt, fast jede vierte Dortmunderin hat weniger als 2.200 Euro zur Verfügung.

IG BAU kritisiert „Karrierefalle Minijob“ – Frauen in Dortmund besonders stark von Folgen der Pandemie betroffen

In der Gebäudereinigung arbeiten viele Frauen mit 450-Euro-Verträgen. In der Krise sind sie kaum geschützt, kritisiert die IG BAU. Foto: Gewerkschaft

Sie kümmern sich stärker um Haushalt und Kinder, haben niedrigere Einkommen und müssen häufiger um ihren Job fürchten: Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März hat die Gewerkschaft IG BAU vor einem Rückschritt bei der Gleichberechtigung in Folge der Corona-Pandemie in Dortmund gewarnt. 

„Insbesondere Minijobs werden in der Krise zunehmend zur Karrierefalle“, kritisiert Bezirksvorsitzende Gabriele Henter. Nach Angaben der Arbeitsagentur sind aktuell 59 Prozent der insgesamt rund 52.800 geringfügig entlohnten Arbeitsverhältnisse in Dortmund in Frauenhand. In der Gebäudereinigung liegt der Frauenanteil bei den 450-Euro-Stellen sogar bei 75 Prozent.

„Geringfügig Beschäftigte gehen nicht nur beim Kurzarbeitergeld leer aus. Sie sind auch häufiger von Entlassungen betroffen“, so Henter. Die IG BAU plädiert dafür, die Minijobs in der jetzigen Form abzuschaffen und sozialversicherungspflichtig zu machen. Eine Anhebung der Verdienstgrenze auf 600 Euro, wie sie einige Arbeitgeberverbände fordern, liefe hingegen auf einen Ausbau prekärer Arbeitsverhältnisse hinaus.

Forderung: Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umwandeln

Gabriele Henter ist die Bezirksvorsitzende der IG BAU Bochum-Dortmund.
Gabriele Henter ist die Bezirksvorsitzende der IG BAU Bochum-Dortmund.

Zudem stehe das Ehegatten-Splitting einer echten Gleichberechtigung am Arbeitsmarkt im Weg. „Durch hohe Abzüge in der Steuerklasse 5 bleibt vielen Frauen nur wenig vom Bruttoverdienst. Das führt auch zu geringen Arbeitslosenansprüchen und Einbußen beim Elterngeld“, kritisiert Henter. Die Politik müsse das Thema in diesem Wahljahr anpacken und eine Reform der Einkommenssteuer voranbringen.

Die IG BAU Bochum-Dortmund verweist zugleich auf die gestiegene Belastung von Frauen in der Pandemie. „In Zeiten geschlossener Kitas und Schulen bleibt die Kinderbetreuung nach wie vor meist an den Frauen hängen. Hinzu kommen die Arbeit im Haushalt und die Pflege von Angehörigen“, unterstreicht Henter. Neben besseren politischen Rahmenbedingungen sei hier auch ein gesellschaftliches Umdenken nötig. „Männer, die beruflich etwas zurücktreten, können der Partnerin helfen, den nächsten Karriereschritt zu gehen und Lasten in der Familie fairer zu verteilen.“ 

Nach einer repräsentativen Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung ist die durchschnittliche Erwerbsarbeitszeit von Frauen im Zuge der Corona-Krise stärker gesunken als die von Männern. Vor Ausbruch der Pandemie arbeiteten Frauen demnach im Durchschnitt fünf Stunden pro Woche weniger als Männer in einem bezahlten Job. 

Im Herbst 2020 betrug die Differenz bei Erwerbstätigen mit betreuungsbedürftigen Kindern elf Stunden pro Woche. Zwei Drittel der befragten berufstätigen Frauen mit Kindern gab an, in der Partnerschaft den größeren Teil der Kinderbetreuung zu übernehmen. Sieben Prozent sahen die Hauptverantwortung bei ihrem Partner, 27 Prozent sprachen von einer Gleichverteilung der Sorgearbeit. 

 

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