
Warum haben heute (4. Juni 2026) die meisten Menschen in Nordrhein-Westfalen frei? Der heutige Tag, Fronleichnam, ist in Nordrhein-Westfalen ein gesetzlicher Feiertag und zählt zu den höchsten Festen der katholischen Kirche. Während zahlreiche Menschen den Feiertag vor allem als willkommene Auszeit vom Alltag wahrnehmen, steckt dahinter ursprünglich ein zentrales Glaubensfest.
Was ist Fronleichnam und warum wird es gefeiert?
Fronleichnam ist eines der wichtigsten Feste der katholischen Kirche. Es wird jedes Jahr am zweiten Donnerstag nach Pfingsten gefeiert und steht ganz im Zeichen der Eucharistie, also des Glaubens, dass Jesus Christus im geweihten Brot und Wein gegenwärtig ist.

Der Name „Fronleichnam“ wirkt heute oft missverständlich. Er hat, trotz schneller Annahme, nichts mit einem Leichnam im heutigen Sinn zu tun. Der Name „Fronleichnam“ bedeutet übersetzt „Leib des Herrn“ und kommt aus dem Mittelhochdeutschen.
Fronleichnam geht auf die Visionen einer Ordensschwester zurück. Die Augustinernonne Juliana von Lüttich (um 1191–1258) soll im Jahr 1209 in einer Vision einen Mond mit einer dunklen Stelle gesehen haben. Sie deutete dies als Zeichen dafür, dass der Kirche ein Fest zur besonderen Verehrung der Eucharistie fehle. Daraus entwickelte sich das heutige Fronleichnamsfest.
Die katholische Pfarrei Heilige Dreikönige feiert Fronleichnam gemeinsam mit den internationalen Missionen und weiteren Gemeinden des Stadtteils. „In diesen Gottesdiensten erleben wir das Zusammenkommen, das miteinander Beten, gemeinsam in der eigenen Muttersprache singen und beten“, erklärt der leitende Pfarrer Ansgar Schocke.
Eine Prozession durch die Nordstadt: Glaube im urbanen Raum
Seit dem 13. Jahrhundert wird das Fest traditionell mit Prozessionen begangen. Gläubige tragen ihren Glauben dabei buchstäblich durch die Straßen und machen ihn im öffentlichen Raum sichtbar. Für viele Katholik:innen ist die Prozession mehr als ein religiöser Brauch. Sie gilt als Ausdruck von Gemeinschaft und Zusammenhalt.

Während der Prozession wird die Monstranz mit einer geweihten Hostie durch die Straßen getragen. Die Monstranz ist ein meist goldenes Schaugefäß der katholischen Kirche. In ihrer Mitte befindet sich die geweihte Hostie, ein Brot, das im Gottesdienst als Zeichen der Gegenwart Jesu Christi gilt.
Damit soll deutlich werden, dass der christliche Glaube nicht nur im Gotteshaus stattfindet, sondern Teil des gesellschaftlichen Lebens ist. „Wir ziehen durch die Straßen, in Form einer Prozession und beten für die Menschen in unserem Viertel, die Menschen in der Nordstadt“, betont Schocke.
Ein Fest der Gemeinschaft und Vielfalt – auch für Pfarrer Schocke
Gerade in der Dortmunder Nordstadt, die von kultureller Vielfalt und unterschiedlichen Lebensrealitäten geprägt ist, erhält dieser Gedanke zusätzliches Gewicht.

Menschen verschiedener Generationen und Herkunftsländer kommen zusammen, um gemeinsam zu feiern und ihren Glauben zu leben.
Besonders für Pfarrer Schocke ist das Fest damit nicht nur Erinnerung an eine jahrhundertealte Tradition, sondern ein Zeichen der Gemeinschaft.
„Brot besteht aus vielen Körnern, der Wein aus vielen Trauben und so sind wir hier in der Nordstadt, ganz unterschiedliche Menschen mit unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Sozialisation.“
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