Vom Hafenamt bis in die römische Kaiserzeit: Dortmund öffnet wieder seine Denkmäler

Der Tag des offenen Denkmals 2026 verbindet historische Orte mit neuen Perspektiven

Am 12. und 13. September 2026 gibt es Einblicke in Orte, die sonst verschlossen bleiben. Karsten Wickern | Nordstadtblogger

Historische Infrastruktur, verborgene Orte und neue Perspektiven stehen beim Tag des offenen Denkmals 2026 im Mittelpunkt. Im Alten Hafenamt trifft die Geschichte des Dortmunder Hafens auf eine Ausstellung von Design-Studierenden der Fachhochschule Dortmund. Auch sonst gewährt das Programm Einblicke in Orte, die normalerweise verschlossen bleiben. Für einige Veranstaltungen ist eine Anmeldung erforderlich.

Denkmalschutz mehr als nur alte Gebäude

Mehr als 50 Orte öffnen in Dortmund zum „Tag des offenen Denkmals“ am 13. September 2026 ihre Türen. Erste Programmpunkte beginnen bereits am Samstag, 12. September. Besucher*innen erwartet im gesamten Stadtgebiet ein umfangreiches Programm mit Führungen, Ausstellungen, Konzerten und Angeboten für Kinder. Einige Veranstaltungen ermöglichen dabei Einblicke in Orte, die sonst nicht oder nur selten öffentlich zugänglich sind.

Gemeinsam haben die Stadt und lokale Akteure ein vielfältiges Programm organisiert. Karsten Wickern | Nordstadtblogger

Das bundesweite Motto lautet in diesem Jahr „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“. Im Mittelpunkt stehen historische Verbindungen aus Bereichen wie Verkehr, Versorgung und Kommunikation. Für Dortmund sei das besonders passend, sagt Ingmar Luther, Leiter der Unteren Denkmalbehörde bei der Stadt Dortmund. „Wir haben hier den Knotenpunkt von Straße, Schiene und Wasser. Das steht sinnbildlich für das Motto.“

Dabei geht es nach Luthers Worten nicht nur um den Blick zurück. Denkmalschutz müsse sich auch mit der Frage beschäftigen, welche Bauten der Gegenwart einmal historische Bedeutung entwickeln könnten. „Wir müssen heute erkennen und bewerten, was Zeugnis in der Zukunft sein kann“, so Luther. Als Beispiel nennt er die Dortmunder H-Bahn. Sie steht derzeit nicht unter Denkmalschutz, könnte aus seiner Sicht aber künftig als historisches Zeugnis an Bedeutung gewinnen.

Das Programm spannt einen weiten historischen Bogen. „Ein Netzwerk aus 1800 Jahren, das wir mit der Veranstaltung abdecken“, beschreibt Luther die Vielfalt der beteiligten Orte. Zugleich verweist das Motto auch auf die Arbeitsweise des Denkmalschutzes selbst. „Denkmäler bilden nicht nur Netzwerke ab – Denkmalschutz funktioniert auch nur als Netzwerk“, erklärt Luther. Viele Menschen müssen gemeinsam an dem Erhalt arbeiten.

Historisches Hafenamt trifft auf studentische Ausstellung

Besonders anschaulich wird das diesjährige Motto im Dortmunder Hafen. Hier treffen Straße, Schiene und Wasser aufeinander. Mitten in diesem infrastrukturellen Knotenpunkt steht das Alte Hafenamt. Dessen Bau begann mit dem ersten Spatenstich zum Bau des Dortmunder Hafens 1895. Nach dreijähriger Bauzeit wurde das Gebäude eröffnet. Ralf Herbrich von der Unteren Denkmalbehörde hebt seine besondere Bedeutung hervor: „Wir haben hier ein historisch bedeutendes, einzigartiges Gebäude.“ Fast wäre das Gebäude in den 1950er Jahren abgerissen worden. Doch es blieb bestehen. Derzeit wird es nur für Trauung und Sitzung der Hafen AG genutzt. Ansonsten steht es leer.

FH-Studentin Marina Päsler erforscht im historischen Kaiserzimmer den Zustand zwischen Ankommen und erneutem Aufbruch. Karsten Wickern | Nordstadtblogger

Zum Tag des offenen Denkmals trifft die Geschichte des Gebäudes auf zeitgenössische Gestaltung. Studierende des Fachbereichs Design der Fachhochschule Dortmund präsentieren im Alten Hafenamt die Ausstellung „Aufbruch“. Darin setzen sie sich auf unterschiedliche Weise mit dem Thema auseinander. Einige entwickeln und sammeln beispielsweise Ideen dazu, wie das Hafenamt künftig genutzt und bespielt werden könnte.

Andere beschäftigen sich mit persönlichen Umbrüchen oder mit Unsicherheiten der Zukunft, etwa durch Krieg und Bedrohung. Eine weitere Gruppe widmet sich anlässlich des 200. Geburtstags der Fotografie intensiv dem Medium selbst. Zudem setzen sich Studierende kritisch mit der Kolonialgeschichte des Hafens auseinander.

So treffen im Hafenamt unterschiedliche Perspektiven aufeinander: Ein Gebäude, das für die Entwicklung des Dortmunder Hafens und seiner Infrastruktur steht, wird zum Schauplatz junger gestalterischer Positionen über Veränderung, Bewegung und Zukunft. Das Denkmal dient damit nicht nur als Zeugnis der Vergangenheit, sondern zugleich als Raum für eine aktuelle künstlerische Auseinandersetzung. Herbrich freut sich über dieses Zusammenspiel und kündigt einen ungewöhnlichen, künstlerisch inszenierten Anblick an. „Am Tag des offenen Denkmals werden Sie hier etwas sehen, was Sie diesem Ort nie wünschen: einen Wassereinbruch im Gebäude.“

Film Casino, Burg Husen und archäologische Ausgrabungen

Das Film Casino am Ostenhellweg. Foto: Alexander Völkel für die nordstadtblogger.de

Neben dem Alten Hafenamt gibt es zahlreiche weitere besondere Programmpunkte. Zu den Highlights gehört das seit dem Jahr 2000 leerstehende Film Casino am Ostenhellweg. Das ehemalige Lichtspielhaus ist normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich und kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Erstmals dabei ist außerdem das ehemalige Hauptzollamt an der Hainallee. Das Gebäude ist ein markantes Zeugnis der Architektur der 1950er-Jahre und erinnert an die vielfältigen Aufgaben der Zollverwaltung, die von dort aus einst wahrgenommen wurden.

Im Südosten Dortmunds können Besucher*innen unter anderem die Evangelische Kirche St. Peter auf dem Syberg sowie erstmals die ehemalige Burg Husen erkunden. In Aplerbeck gibt es stündliche Führungen durch die romanische Georgskirche sowie ein historisches Kinderprogramm im Wasserschloss Haus Rodenberg.

Im Nordwesten stehen unter anderem die Kokerei Hansa, der neue Kokereipark und der Bahnhof Mooskamp im Mittelpunkt. In Mooskamp fällt bereits am Samstag, 12. September, um 17 Uhr, der offizielle Startschuss für den Dortmunder Denkmaltag.

Einige weitere Angebote sind erst nach Redaktionsschluss des gedruckten Programms hinzugekommen. Dazu gehören auch Führungen zu aktuellen archäologischen Ausgrabungen nahe dem Wasserschloss Haus Dellwig. Ein solcher Programmpunkt lasse sich nur schwer langfristig planen, erklärt Luther.

Verschiebungen hätten nun dazu geführt, dass die Grabungen zeitlich mit dem Tag des offenen Denkmals zusammenfallen. Besuche*innen bekommen dadurch einen seltenen Einblick in die Arbeit der Archäolog*innen sowie in die aktuellen Funde.

Für einige Führungen ist eine Anmeldung nötig

Für mehrere Veranstaltungen und Sonderführungen ist wegen begrenzter Kapazitäten eine vorherige Anmeldung erforderlich. Das gilt beispielsweise für das Film Casino, Führungen im Alten Hafenamt und den Skywalk auf PHOENIX-West. Auch die Führungen zu den archäologischen Ausgrabungen am Wasserschloss Haus Dellwig sind anmeldepflichtig.

An verschiedenen Orten werden Führungen angeboten. Karsten Wickern | Nordstadtblogger

Die Anmeldefrist läuft vom 24. August bis zum 10. September 2026. Buchungen sind montags bis donnerstags jeweils von 9 bis 14 Uhr telefonisch unter (0231) 952 965 83 oder per E-Mail an [denkmaltag@stefan-nies.de](mailto:denkmaltag@stefan-nies.de) möglich.

Die gedruckte Programmbroschüre liegt kostenlos unter anderem im Rathaus, in der Tourist-Information an der Kampstraße, in den Bezirksverwaltungsstellen, den DSW21-Kundencentern und in den Bibliotheken aus. Das aktuelle Programm sowie Ergänzungen und kurzfristige Änderungen veröffentlicht die Stadt unter dortmund.de/denkmaltag.


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