Prognose zu Demenz in Dortmund: Die Zahl der Erkrankten steigt bis 2060 deutlich an

Fast die Hälfte der Fälle gilt nach neuesten Erkenntnissen als vermeidbar

Ein Mann schaut ratlos auf Haftnotizen
Die Zahl der Menschen mit Demenz in Dortmund wird von derzeit rund 11.500 auf etwa 14.600 im Jahr 2060 steigen. Foto: AOK/Colourbox/hfr

Die Zahl der Menschen mit Demenz in Dortmund wird in den kommenden Jahrzehnten deutlich steigen. Das geht aus einer aktuellen Prognose des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor, die in Kooperation mit den Universitäten Trier, Rostock und Köln erstellt wurde. Demnach erhöht sich die Zahl der Betroffenen bei weiter steigender Lebenserwartung von derzeit rund 11.500 auf etwa 14.600 im Jahr 2060. Der Anteil an der Bevölkerung würde damit von aktuell 1,7 Prozent auf 2,3 Prozent steigen. Grundlage der Berechnungen ist ein kleinräumiges Prognoseverfahren, das regionale Unterschiede sichtbar machen soll.

Weniger Erwerbstätige müssen mehr Demenzfälle versorgen

Mit der steigenden Lebenserwartung geht in Dortmund zugleich ein Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter einher. Der wachsenden Zahl an Demenzfällen steht damit eine sinkende Zahl an Personen gegenüber, die die Versorgung leisten können.

Im Jahr 2020 lag das Verhältnis bei 2,7 Demenzfällen je 100 Personen im erwerbsfähigen Alter – rechnerisch kamen also 37 Personen zwischen 20 und 65 Jahren auf einen Demenzfall.

Bis 2060 soll dieser Wert laut Prognose auf 3,9 steigen, sodass nur noch 26 Personen im erwerbsfähigen Alter einem Demenzfall gegenüberstehen. Auf weniger Schultern werden also künftig deutlich mehr Pflege- und Versorgungsaufgaben verteilt sein.

Fast jede zweite Neuerkrankung gilt als vermeidbar

Nach internationalen Studien tragen abhängig von Alter und Geschlecht soziale, lebensstilbedingte und gesundheitsbezogene Faktoren zum Demenzrisiko bei.

Eine ältere Frau mit einer Schleife
Nach heutigem Stand der Wissenschaft könnte fast die Hälfte der Demenz-Neuerkrankungen vermieden werden. Foto: AOK/Colourbox/hfr

Nach aktuellem Stand der Wissenschaft könne eine Verbesserung dieser – oft miteinander verknüpften – Faktoren dazu beitragen, dass fast die Hälfte der Demenz-Neuerkrankungen vermieden wird.

Dazu zählen ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Bewegung sowie der Verzicht auf Alkohol und Rauchen. Auch eine gute Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Hörstörungen sowie die Vermeidung sozialer Isolation gelten als wirksame Vorbeugung.

Innovative Wohnformen und lokale Netzwerke als Versorgungsbaustein

Ergänzend zur therapeutischen und pflegerischen Versorgung von Demenzerkrankten haben sich in vielen Regionen demenzsensible Angebote herausgebildet. Für eine gute Versorgung Pflegebedürftiger mit Demenz spielen etwa innovative Wohnformen sowie der gezielte, flächendeckende Aufbau unterstützender Netzwerke eine Rolle – bestehend aus Angehörigen, Ehrenamtlichen sowie Akteuren der Gesundheits- und Pflegeversorgung einschließlich der Pflegeeinrichtungen.

Solche Strukturen, häufig regional oder temporär organisiert, können nach Angaben der AOK das Wohlbefinden von Demenzpatient:innen erhöhen, indem sie Teilhabe und Autonomie erhalten. In Westfalen-Lippe fördert die AOK NordWest, wie auch andere Krankenkassen, zahlreiche Demenz-Netzwerke vor Ort.

Einordnung: Herausforderung für Gesellschaft und Pflegesystem

Die zunehmenden Demenzerkrankungen stellten nicht nur für Betroffene und Angehörige, sondern auch für Gesellschaft sowie Gesundheits- und Pflegesystem eine große Herausforderung dar, so AOK-Serviceregionsleiter Jörg Kock. Da es bislang keine Heilung für Demenzerkrankungen gebe, könne gute Prävention jedoch die Effekte der demografischen Alterung auf die Häufigkeit von Demenz zumindest teilweise kompensieren.

Wer selbst betroffen ist oder Angehörige mit Demenz pflegt, findet in Dortmund unter anderem Unterstützung bei der Alzheimer Gesellschaft Dortmund e. V. – sie berät Betroffene und Angehörige und organisiert unter anderem Gesprächskreise. Auf einer Internetseite gibt es eine umfangreiche Mediathek zum Thema Demenz: Demenz – Regionalbüros Alter, Pflege und Demenz

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Reaktionen

  1. Welt-Alzheimertag: Fachleute vom Netzwerk SeniorenDO informieren auf dem Platz von Hiroshima über Demenz (PM)

    Anlässlich des Welt-Alzheimertages lädt die Arbeitsgemeinschaft SeniorenDo am Mittwoch, 16. September 2026, von 11 bis 13 Uhr zu einem Infostand auf dem Platz von Hiroshima ein. Im Mittelpunkt stehen Informationen und Beratung rund um Demenz sowie Unterstützungsangebote für Betroffene und Angehörige.

    Besucherinnen und Besucher können sich über die Erkrankung, den Umgang mit Demenz und bestehende Hilfs- und Beratungsangebote in Dortmund informieren. Zugleich besteht die Möglichkeit, mit Fachleuten aus der Dortmunder Demenzarbeit persönlich ins Gespräch zu kommen.

    Mit dabei ist Uwe Johansson, Chefarzt der Abteilung für Gerontopsychiatrie an der LWL-Klinik Dortmund. Auch Vertreter:innen der Alzheimer Gesellschaft Dortmund stehen für Fragen und Gespräche zur Verfügung.

    Wissen vermitteln, Berührungsängste abbauen

    Der Welt-Alzheimertag macht jährlich auf die Situation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen aufmerksam. Der Infostand greift dieses Anliegen auf: Er will Wissen vermitteln, Berührungsängste abbauen und zeigen, welche Unterstützung Betroffene und Angehörige in Dortmund finden können. Alle Interessierten sind eingeladen, vorbeizukommen, Fragen zu stellen und sich mit den Fachleuten vor Ort auszutauschen.

    Die Veranstaltung im Überblick

    Mittwoch, 16. September 2026, 11 bis 13 Uhr
    Platz von Hiroshima
    Veranstalter: Arbeitsgemeinschaft SeniorenDo

    Über SeniorenDo

    SeniorenDo ist ein Zusammenschluss gemeinnütziger Träger der Seniorenarbeit in Dortmund und setzt sich nach eigenem Anspruch für eine vernetzte und zukunftsfähige Unterstützung älterer Menschen ein. Netzwerkpartner sind die Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Westliches Westfalen e. V., die Arbeiterwohlfahrt Unterbezirk Dortmund, die Caritas Dortmund, der Paritätische Dortmund, das Deutsche Rote Kreuz Kreisverband Dortmund e. V., das Diakonische Werk Dortmund und Lünen gGmbH, die Diakonische Altenhilfe Dortmund und Lünen gGmbH, die Katholische St. Paulus Gesellschaft sowie die Städtischen Seniorenheime Dortmund gGmbH.

  2. Gemeinsam das Leben mit rund 11.400 Demenzerkrankten in Dortmund gestalten – Bei der Pflege gilt: Einfühlen statt korrigieren (PM)

    „Demenz – (k)eine Frage des Alters“. Das diesjährige Motto des Welt-Alzheimertags am 21. September erinnert daran, dass Demenz nicht nur alte Menschen betrifft. Zwar sind die meisten Menschen mit Demenz über 65 Jahre alt, doch die Krankheit kann auch in jüngeren Jahren auftreten. Zudem sind Partnerinnen und Partner, Kinder, Enkelkinder, Nachbarn sowie Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichsten Generationen betroffen. Nach aktuellen Ergebnissen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) lebten im Jahr 2024 in Dortmund rund 11.400 Menschen mit dieser Erkrankung. „Eine Demenzerkrankung nimmt nach und nach viele Dinge, die Menschen früher konnten und wussten. Doch Gefühle wie Freude, Angst und Schmerz bleiben bis zuletzt erhalten“, sagt AOK-Serviceregionsleiter Jörg Kock.

    Demenz verändert das Leben

    Eine Demenzerkrankung verändert das Leben der Betroffenen und ihres Umfelds. Wer als Angehöriger oder auch als professionelle Pflegefachkraft die Betreuung eines an Demenz erkrankten Menschen übernimmt, benötigt viel Kraft und Geduld. Wenn Demenzkranke aggressiv, laut oder gar handgreiflich werden, wird das auch als ‚herausforderndes Verhalten‘ bezeichnet. Das bringt Pflegepersonen bisweilen an die Grenzen. Hier gilt es, Verständnis und Einfühlungsvermögen zu zeigen. „Es hilft, sich bewusst zu machen, dass dieses Verhalten nicht persönlich gemeint ist, sondern Symptom der Erkrankung ist“, sagt Kock.

    ‚Herausforderndes Verhalten‘ bei Dementen

    Herausforderndes Verhalten von an Demenz erkrankten Menschen sind Versuche der Erkrankten, sich mitzuteilen. Oft geschieht dies durch Schreien, Beschimpfen, Schlagen oder das Werfen von Gegenständen. Beim Versuch, die Perspektive der dementen Person einzunehmen, stellt sich das zunächst als ’störend‘ empfundene Verhalten oft als unverstandenes Verhalten heraus. Ängste, Überforderung, Missverständnisse oder auch unbewältigte Lebensthemen können hinter aggressivem Verhalten stecken. Eine störende Lärmkulisse, die fehlende Brille oder die Veränderungen in der Alltagsroutine können für die Betroffenen bedrohlich sein. Natürlich führen auch die krankheitsbedingten Veränderungen bei Menschen mit Demenz zu Frust und nicht selten zu Verbitterung.

    Wertschätzung reduziert Stress und fördert Vertrauen

    Studien legen nahe, dass nicht-medikamentöse Maßnahmen – wie zum Beispiel Aktivitäten im Freien, Berührungs- oder Massagetherapien sowie Musik, wirksamer sind als eine pharmakologische Therapie. Wenn Medikamente eingesetzt werden, dann sollten sie in der geringstmöglichen Dosis über einen möglichst kurzen Zeitraum und unter engmaschiger Kontrolle verabreicht werden.

    Was können Pflegefachkräfte oder Angehörige tun, um die täglichen Herausforderungen möglichst entspannt zu meistern? Eine Empfehlung lautet: Validieren. „Validation ist mehr eine Grundhaltung als eine Technik. Sie basiert auf Empathie, Bestätigung und Wertschätzung im Umgang miteinander“, erklärt Kock. Es ist der Versuch, in die innere Welt von Menschen mit Demenz einzutauchen und Kontakt zu ihren Gefühlen aufzunehmen.

    Einfühlen statt korrigieren

    Die Pflegekraft oder die familiäre Pflegeperson kann aktiv auf die Ängste eingehen und zum Beispiel nachfragen, warum die fehlende Brille gerade jetzt so wichtig, die vermeintlich kleine Veränderung so bedrohlich ist oder das Bisherige so gut war. Durch so ein identitätsstiftendes Gespräch kann ein echter Kontakt zur pflegebedürftigen Person entstehen, der den erlebten Stress lindert. Auf keinen Fall sollte die oder der Erkrankte darauf hingewiesen werden, dass die Vorstellungswelt nicht der Realität entspricht. „Auch für die Pflegenden ist es entspannter, sich in die Situation einzufühlen, als zu korrigieren oder zu versuchen, das Verhalten zu unterbinden“, so Kock.

    Für pflegende Angehörige bietet die AOK NordWest spezielle Pflegekurse auch online an. Unter http://www.aok.de/nw/onlinepflegekurs findet sich ein Kursangebot im Chat explizit für die Pflege Demenzerkrankter ‚Dement oder nur vergesslich‘. Außerdem kann das Online-Selbsthilfeprogramm ‚Familiencoach Pflege‘ dabei helfen, die eigene Psyche zu stärken und sich vor Überlastung zu schützen.

  3. Vortrag im Haus Luisenglück informiert über Kommunikation mit Demenz (PM)

    Das Haus Luisenglück, Hombrucher Bogen 6, lädt am Freitag, 25. September, um 16 Uhr zu einem Vortrag über den Umgang mit Menschen mit Demenz ein. Ulrike Klepczynski zeigt am Beispiel des „Kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint-Exupéry, welche Verhaltens- und Kommunikationsstrategien in Stresssituationen und im Alltag helfen können. Der Vortrag richtet sich insbesondere an Angehörige und soll Wege für ein würdevolles und respektvolles Miteinander aufzeigen.

    Anschließend können die Besucher:innen einen Parcours absolvieren, bei dem sie sich an verschiedenen Stationen in die Situation eines Menschen mit Demenz hineinversetzen. Die Veranstaltung findet im Rahmen der bundesweiten Woche der Demenz statt. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung unter 0231 7382-321 oder 0231 7382-320 ist erforderlich.

  4. Demenz verstehen: Kostenloser Vortrag im Seniorenwohnpark Burgholz (PM)

    Wie können Angehörige Menschen mit Demenz im Alltag würdevoll und respektvoll begegnen? Dieser Frage widmet sich ein kostenloser Vortrag am Donnerstag, 15. Oktober, um 17 Uhr im Seniorenwohnpark Burgholz, Eberstraße 47 in Dortmund.

    Unter dem Titel „Demenz verstehen – besser miteinander umgehen“ berichtet Daniela Wöstenhöfer, Pflegefachkraft für Gerontopsychiatrie, aus ihrer täglichen Praxis. Sie gibt Angehörigen Tipps für den Umgang mit Betroffenen und möchte dazu beitragen, deren Sichtweisen und Verhalten besser zu verstehen.

    Im Anschluss können die Besucherinnen und Besucher Fragen stellen und sich mit den Fachleuten des Hauses sowie untereinander austauschen.

    Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung bis zum 9. Oktober ist erforderlich – telefonisch unter 0231 476419-14 oder per E-Mail an l.schwarz@shdo.de.

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