Eine lebendige Bewegung gegen Armut: „bodo“ richtet Tagung der sozialen Straßenmagazine aus

Straßenzeitungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz treffen sich

Gruppenbild der Beteiligten
In Bochum kamen Delegierte aus 20 Straßenmagazinen zusammen um sich über soziale und journalistische Arbeit auszutauschen. Foto: Sebastian Sellhorst

Rund 70 Delegierte aus 20 Straßenzeitungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich in Bochum getroffen. Gastgeber war der Verein bodo e.V., der die Tagung in der KoFabrik ausrichtete. Im Mittelpunkt standen die Bekämpfung von Wohnungslosigkeit, die Zukunft der Straßenzeitungsbewegung und die Rolle des internationalen Netzwerks INSP. Außerdem wurden aktuelle Herausforderungen für freien Journalismus und soziale Arbeit diskutiert. Die zweitägige Konferenz brachte Menschen aus Redaktion, Vertrieb, Aktivismus und sozialer Arbeit zusammen.

Austausch im deutschsprachigen Raum eines internationales Netzwerks

Aus dem gesamten deutschsprachigen Raum reisten Mitarbeitende sozialer Straßenmagazine nach Bochum an – von Kiel bis Wien und von Basel bis Dresden. Unter ihnen waren Profis aus Redaktion, Vertrieb und sozialer Arbeit ebenso wie Geschäftsführer:innen, Aktivist:innen, Ehrenamtliche, Verkäufer:innen und Tourguides.

Ansicht verschiedener Straßenmagazine
Die Tagung brachte unterschiedliche Straßenzeitungen und soziale Projekte an einen Tisch. Foto: Sebastian Sellhorst

An zwei Tagen arbeiteten sie gemeinsam an der Zukunft ihrer gemeinsamen Mission, Armut und Wohnungslosigkeit mit einem journalistischen Produkt in den Händen der Betroffenen zu bekämpfen. Dabei wurde deutlich, wie vielfältig die Straßenzeitungsbewegung aufgestellt ist und wie eng die unterschiedlichen Bereiche miteinander verbunden sind. Die Teilnehmenden diskutierten praxisnah über die Zukunft ihrer Arbeit und über Wege, soziale Themen journalistisch und zugleich sozial wirksam zu bearbeiten.

Die Kooperation reicht dabei von Kanada bis Brasilien, von Finnland bis Serbien und von Japan bis Australien. Die nächste globale Konferenz des Netzwerks findet im September in Glasgow statt. Zu den Gästen der Bochumer Konferenz zählten die INSP-Vorstandsmitglieder Sarah Britz vom Magazin Faktum aus Schweden und Viggo Mastad von Erlik Oslo / Sorgenfri aus Norwegen.

Forschung, Workshops und gemeinsame Perspektiven

In einer Keynote stellten Dr. Michael Kolocek und sein Team vom Dortmunder Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung das laufende Forschungsprojekt MaBIs (Marginalisierte Bevölkerungsgruppen und die solidarische Innenstadt) vor. An dem Projekt sind auch Verkäufer:innen und ehemals wohnungslose Mitarbeitende der Straßenmagazine BISS aus München sowie bodo e.V. aus Dortmund und Bochum als sogenannte Peer-Researcher beteiligt. Gemeinsam mit den Forschenden des ILS untersuchen sie die Transformation der Innenstädte und gestalten sie im Sinne des Leitbilds der solidarischen Innenstadt mit.

Blick in die Veranstaltung
Die Konferenz in Bochum bot Raum für Austausch, Vernetzung und gemeinsame Projektarbeit. Foto: Sebastian Sellhorst

Den Kern der Tagung bildete ein Workshop-Teil mit 15 Sessions. Dort spiegelte sich die gesamte Bandbreite der Straßenzeitungsbewegung wider: von redaktionellen Kooperationen über die Einführung digitaler Bezahlsysteme bis hin zu Fragen der Vermittlungs- und Lobbyarbeit, etwa durch soziale Stadttouren und Schulworkshops. Auch praktische Erfahrungen aus der sozialen Arbeit mit wohnungslosen und geflüchteten Menschen wurden intensiv diskutiert.

Sara Winter, Redakteurin bei der Schweizer Straßenzeitung Surprise und Co-Moderatorin der Tagung, fasste die Inhalte zusammen: „Die jährliche Konferenz ist eine Art Branchentreffen, an dem wir Straßenzeitungsmacher:innen Organisationswissen und Best-Practise-Beispiele miteinander teilen. Nur dass wir dabei nicht unseren eigenen Vorteil oder Prozessoptimierung im Sinn haben, sondern gemeinsam eine soziale Bewegung gegen Armut vorantreiben.“

KoFabrik als Tagungsort und positive Bilanz der Veranstaltung

Tagungszentrum war die Quartiershalle der KoFabrik in Bochum, ein Kooperationspartner des bodo e.V., der an diesem Standort vor dem Umbau zum gemeinwohlorientierten Nachbarschaftszentrum eine Anlaufstelle betrieben hatte. An der Stühmeyerstraße befindet sich weiterhin eine Ausgabestelle des Straßenmagazins. Für bodo war die Ausrichtung der jährlichen DACH-Tagung eine Premiere und zugleich ein voller Erfolg.

Blick in die Veranstaltung
Tanja Walter, Geschäftsführerin bei bodo e.V. sprach über die Bedeutung der internationalen Vernetzung sozialer Straßenmagazine. Foto: Sebastian Sellhorst

Tanja Walter, Geschäftsführerin bei bodo e.V., zog ein positives Fazit der Veranstaltung in Bochum „Wir blicken auf eine rundum gelungene Tagung zurück, die uns allen neue Impulse gegeben hat. Die Erfahrung, in ganz unterschiedlichen Stadtgesellschaften mit dem gleichen großen Engagement an einer gerechteren Gesellschaft und für ein besseres Leben der Schwächsten zu arbeiten, gibt uns Kraft und Zuversicht.“

Auch aus internationaler Perspektive wurde die Tagung positiv bewertet. INSP-Vorstand Viggo Mastad von den norwegischen Straßenzeitungen Erlik Oslo / Sorgenfri betonte: „Die deutschsprachigen Straßenzeitungen haben eine besondere Rolle in unserem Netzwerk, wie auch diese inspirierende, hervorragend organisierte Tagung gezeigt hat. Ich fahre mit dem guten Gefühl nach Hause, dass wir Antworten auf die soziale und politischen Krisen der Gegenwart haben.“

Unterstütze uns auf Steady

Reaktion schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert