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St. Petri Kirche: Sprechender Brunnen in der Innenstadt unterhält seit einigen Wochen ahnungslose PassantInnen

Unter anderem verantwortlich für das Projekt: Pascal Romanofski (Tiefbauamt), Christa Kalle, Ellen Weißgerber und Christel Schürmann (Pfarrerin St. Petri Kirche) vor dem gesprächigen Brunnen. Fotos: Lisa König

Von Lisa König

Seit einigen Wochen gibt es in der Dortmunder Innenstadt ein neues Highlight. Der Brunnen auf der Rückseite der Stadtkirche Sankt Petri erzählt Geschichten, wenn PassantInnen vorbei kommen. Interessierte konnten sich vorab melden, um das Projekt mitzugestalten.

Zwischen Verwirrung und gespannten ZuhörerInnen: die Menschen sollen den Platz um den Brunnen neu entdecken

Der besagte Brunnen hat selbst vermutlich schon einige Geschichten erlebt. Er wurde im Mittelalter gebaut und irgendwann zugeschüttet. Nachdem er 1981 entmüllt wurde, kam die Frage auf, was nun damit passieren solle. „Wasser reinschütten, das ging anscheinend nicht“, erzählt Christel Schürmann lachend. Sie ist seit etwas über einem Jahr Pfarrerin in der St. Petri Kirche und hauptverantwortlich für die Umsetzung des Projektes. „Mir ist selbst aufgefallen, wie oft ich hier eigentlich vorbei komme und wie wenig mir der Brunnen dabei aufgefallen ist.“

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Deshalb kam schon vor einigen Jahren die Idee für einen sprechenden Brunnen auf. Mit Hilfe einer Lichtorgel spielt die installierte Technik jedes Mal, wenn jemand vorbei läuft, einen von zwölf ausgewählten Texten ab. „Es fängt aber nicht immer wieder von vorne an, wenn jemand lange nicht vorbei gelaufen ist“, erklärt Schürmann. „Jeder Passant löst eine neue Geschichte aus, die der Reihenfolge nach abgespielt wird.“ Zu hören sind übrigens nur Frauenstimmen, weil sich ausschließlich Frauen für das Projekt gemeldet haben.

Den Geschichten können FußgängerInnen nun jeden Tag von 11 bis 17 Uhr lauschen. Außerdem wird der Brunnen bis 23 Uhr beleuchtet. Schürmann: „Wir hoffen, dass die Menschen den Ort hier neu entdecken, weil ihm zuvor nur wenig Beachtung geschenkt wurde.“ Und Beachtung hat der Brunnen so schon eine Menge bekommen.

Seit einer Woche vor Ostern spricht er fleißig die vorbei Laufenden an und löst dabei nicht selten einen kleinen Schrecken aus. „Besonders amüsant ist es, wenn sich die Leute an den Ständen nebenan etwas zu essen gekauft haben und das dann nichtsahnend kurz abstellen wollen. Da habe ich schon ein paar verwirrte Gesichter gesehen.“ Aber es gäbe auch immer wieder Leute, die stehen blieben und dem Brunnen länger zuhörten.

Auch für „Naturtalente“ war das Einsprechen im Tonstudio eine aufregende Erfahrung

Hilfe für das Projekt hatte Schürmann von sieben Freiwilligen, die sich für ein Seminar zu dem Thema angemeldet hatten. „In den einzelnen Sitzungen haben wir an den Geschichten für den Brunnen gearbeitet“, so Schürmann.

Jetzt wird der Brunnen seinem Alter gerecht und erzählt zwölf ganz unterschiedliche Geschichten.

Dazu gehörte zunächst die Auswahl der Geschichten, die der Brunnen erzählen soll. Das sei gar nicht so leicht gewesen, denn besonders in der Bibel sei der Brunnen ein bedeutsames Symbol und es gäbe viele Geschichten dazu. Doch nicht nur Bibeltexte, sondern auch Geschichten aus Märchen oder Literatur gehören zum Repertoire. In dem achten Text erzählt der Brunnen sogar seine eigene Geschichte.

Danach ging es daran, die Texte in die richtige Form zu bringen. Besonders das Kürzen sei eine Herausforderung gewesen, denn die einzelnen Töne dauern jeweils nur zwischen 20 Sekunden und 1:30 Minuten. Hilfreich war dabei vor allem die Erfahrung einer freiwilligen Helferin. Ellen Weißgerber war früher Sprecherin beim WDR und habe die Gruppe mit ihrer Erfahrung enorm bereichert. „Das war aber gar nicht so schwer, es waren alles Naturtalente“, erzählt Weißgerber lächelnd. Eine Teilnehmerin wollte ihren Text nicht selbst sprechen, deshalb sind nur sechs Stimmen am Brunnen zu hören.

Trotzdem musste vor dem Einsprechen noch ordentlich geübt werden. Die Texte wurden in einem Tonstudio in Schwerte aufgenommen. „Das war schon ganz schön aufregend“, erzählt Christa Kalle, eine der Teilnehmerinnen. „Wenn man sowas noch nie gemacht hat, ist das am Anfang schon etwas überfordernd. Vor allem so langsam zu sprechen ist total ungewohnt.“ Viele der Frauen hatten in gewisser Weise schon Erfahrung, weil sie häufig  Lesungen in der Kirche halten. Das sei eine großer Vorteil gewesen. Schürmann: „Der Tonmeister war ganz erstaunt, dass es gleich so gut geklappt hat.“

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