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„Spendobel“ unterstützt den Kinderschutzbund Dortmund bei der sensiblen Arbeit mit traumatisierten Kindern

v.l.: Barbara Temminghoff von „Spendobel“, Dipl.-Ing. Gerhard Happe und Hans Joachim Niebuhr von Schürmann-Kindmann und Partner, Dörte Humbert-Schneider und Martina Furlan vom Kinderschutzbund Dortmund. Foto: S. Fijneman

Einen symbolischen Scheck über 3000 Euro, zur Verfügung gestellt von der Ingenieurssozietät Schürmann-Kindmann und Partner GbR, überreichte Barbara Temminghoff vom Dortmunder Spendenparlament „Spendobel“ an VertreterInnen des Kinderschutzbundes Dortmund. Martina Furlan und Dörte Humbert-Schneider freuen sich über 750 Euro, die sie für ihre Arbeit mit traumatisierten Kindern dringend benötigen. Die Spendensumme wird zu gleichen Anteilen auf drei weitere soziale Projekte in Dortmund verteilt.

Arabisches Sprichwort: Zwischen Lachen und Spielen werden die Seelen gesund

Die Nordstadt ist der kinderreichste Stadtteil Dortmunds. Hier leben Familien aus über 50 unterschiedlichen Nationen friedlich zusammen.

Ein arabisches Sprichwort sagt: Zwischen Lachen und Spielen werden die Seelen gesund. Dieser Satz gilt als Maxime für die Arbeit des Kinderschutzbundes mit traumatisierten Kindern. Ausgebildete pädagogische Fachkräfte kümmern sich hier in Einzelsitzungen um betroffene Kinder. 

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Hierbei handelt es sich keineswegs nur um Kinder, die im Zuge der Flüchtlingswelle 2015 nach Dortmund gekommen sind, sondern auch um Familien, die schon länger in Dortmund leben. Sie vereint jedoch, dass sie aufgrund von Verfolgung und Unterdrückung aus ihren Heimatländern fliehen mussten. Dies hinterlässt Spuren – bei den Erwachsenen aber vor allem bei den Kindern, die sich arg- und wehrlos ihrem Schicksal fügen müssen.

„Wir betreiben hier keine Trauma-Therapie, sondern wir versuchen die Kinder zu stabilisieren. Die meisten Kinder sind für eine wirkliche Therapie einfach noch zu jung. Es geht uns darum, dass sie sich ihres Leidens und dessen Auswirkungen auf ihr Verhalten oder Befinden bewusst werden“, erläutert Diplom Pädagogin Dörte Humbert-Schneider die Arbeit des Kinderschutzbundes.

Martina Furlan: „Kinder reinszenieren Erlebtes im Spiel.“

Martina Furlan ist die Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Dortmund. Foto: Kinderschutzbund

Sie arbeiten mit Kindern im Alter von 0 bis 14 Jahren, den Schwerpunkt macht die Gruppe der Grundschulkinder aus. Meist arbeiten sie einzeln mit den Kindern. Es kommt vor, dass Eltern und Geschwister, die oftmals selber traumatisiert sind, miteinbezogen werden. Gruppensitzungen mit mehreren Kindern seien jedoch eher problematisch.

Kinder verarbeiten Erlebtes und Gesehenes oft in ihrem Spielverhalten. „Kinder reinszenieren Erlebnisse und Erfahrungen, Bilder und Eindrücke im Spiel. Es ist immer schwer abzuschätzen wie sich das Verhalten eines Kindes auf die anderen auswirkt“ so die Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes, Martina Furlan. An dieser Stelle wolle man vermeiden bei anderen Kindern alte Wunden aufzureißen. Daher sei die individuelle Betreuung der bessere Weg.

Besondere Aufmerksamkeit erforderten Kinder, die noch nicht sprechen könnten, denn sie könnten ihre Erlebnisse nicht artikulieren. Aus diesem Grund seien auch psychologische Weiterbildungen für die Mitarbeiterinnen Pflicht, denn sie müssten sich häufig fragen: Was will das Kind mir mit seinem Verhalten sagen?

Ein Ort für gefahrloses Spielen, wo alle sein können, wie sie sind

Der Kinderschutzbund Dortmund befindet sich in der Lambachstraße in der Nordstadt. Foto: Klaus Hartmann

So berichtet Dörte Humbert-Schneider von einem Kind, das Zeuge eines Attentates wurde und daraufhin verstummte. In einem solchen Fall könne man nur über die spielerische Ebene an das Kind herankommen. Aus diesem Grund stelle der Kinderschutzbund den Kids einen Ort für gefahrloses Spielen zur Verfügung, wo alle so sein könnten, wie sie wirklich sind. Sprache sei nur ein Mittel um Zugang zu den Kinder zu bekommen. Die Kommunikation von Kindern sei ganz anders geartet als von Erwachsenen

Es komme vor dass das Spielverhalten von Kindern über Monate hinweg sehr destruktiv ausfiele. „Da fliegen dann schonmal die Sachen durch die Gegend. Wir merken erste Fortschritte, wenn sich dieses Verhalten auf einmal ändert, und strukturierter und geordneter gespielt wird“, so Dörte Humbert-Schneider 

Wenn dieser Fall eintritt, werden die jeweiligen Betreuungstermine in zeitlich größeren Abständen festgelegt, so dass die Kinder langsam selbstständiger werden und sich auf die nächsten Schritte vorbereiten können. Auch hierbei unterstützen die MitarbeiterInnen des Kinderschutzbundes sowohl Eltern als auch Kinder und vermitteln sie an die richtigen Stellen, um weiter an ihren Problemen zu arbeiten.

Eltern erhoffen sich positive Zukunft und dass die Kinder in der Gesellschaft ankommen

Auch wenn der Anpassungsdruck für viele Erwachsene ein Problem darstellt, wollen die meisten Eltern doch, dass ihre Kinder in der deutschen Gesellschaft ankommen. Foto: Alex Völkel

Bisher hat der Kinderschutzbund gemeinsam mit dem Kinderschutzzentrum 66 Kinder und deren Familien beraten und behandelt. Weitere Kinder stehen auf der Warteliste. Durch die Spende sind die Verantwortlichen des Kinderschutzbundes zuversichtlich auch weiterhin allen Anfragen gerecht werden zu können. 

Die Eltern seien meist sehr dankbar für die Angebote. Viele von ihnen stellten ihre eigenen Bedürfnisse zugunsten ihrer Kinder zurück. „Sie wollen, dass ihre Kinder in der deutschen Gesellschaft ankommen“, so Furlan. Sei der Anpassungsdruck für die Eltern oftmals schwierig, so hofften sie in den meisten Fällen doch, dass es ihre Kinder schaffen würden.

So meldeten sich in vielen Fällen die Familien selber beim Kinderschutzbund. Oft seien es aber auch Schulen und Kitas, die auf die Probleme der Kinder aufmerksam würden und den Eltern dann raten würden, sich an den Kinderschutzbund zu wenden.

Es bleibt viel zu tun; positive Rückmeldungen geben dem Kinderschutzbund Auftrieb

Doch bei allen Erfolgen, die bisher erzielt wurden, machen sich Martina Furlan und Dörte Humbert-Schneider nichts vor. Es herrsche nicht bei allen Familien Vertrauen in die deutschen Behörden und Institutionen.In diesen Fällen würde die Hilfe einfach nicht angenommen.

Diplom-Pädagogin Dörte Humbert-Schneider. Foto: Kinderschutzbund Dortmund

Viele würden durch die Angebote nicht erreicht. Außerdem fiele es oftmals besonders den Eltern schwer, traumatische Erlebnisse auch als solche zu akzeptieren.

Aber besonders von den Kindern kämen oft herrliche unvermittelte Rückmeldungen, berichtet Dörte Humbert-Schneider. So habe ein Kind sie am Ende der Betreuungsphase gefragt: „Bleibst Du hier?“ Als sie die Frage bejahte, sagte das Kind: „Dann bleibe ich auch.“ Oder noch besser als ein Kind völlig perplex reagierte, als sie ihm offenbarte, dass sie einmal für zwei Wochen nicht vor Ort sein würde,: „Ich brauch Dich doch zum Reden.“

Durch die Spende der Ingenieurssozietät Schürmann-Kindmann und Partner GbR profitieren drei weitere soziale Projekte in Dortmund. 750 Euro bekommt das Hospiz am Ostpark, wo ein Sinnesgarten für schwerkranke und sterbende Menschen gestaltet werden soll.

Weitere soziale Projekte in Dortmund profitieren von der Spende 

Das Christliche Jugenddorf wird das Geld für die Bereitsstellung eines gesunden Frühstücks an allen Schultagen für die SchülerInnen der Martener Friedensgrundschule verwenden und die Beratungsstelle für Wohnungslose der Diakonie in der Rolandstraße wird damit ein Wohntraining für Obdachlose finanzieren, damit sie es schaffen, ihre neue Wohnung aus eigener Kraft halten zu können. 

„Als ortsansässiges Ingenieurbüro ist es uns ein besonderes Anliegen, soziale Projekte in unserer Stadt mit zu unterstützen“, so  Diplom-Ingenieur Gerhard Happe von Schürmann-Kindmann und Partner. Barbara Temminghoff, Geschäftsführerin von „Spendobel“ freut sich über die Spende. „Die Ingenieurssozietät ist ein verlässlicher Partner, der seit 2009 jährlich für verschiedene soziale Projekte von „Spendobel“ Geld spendet.“

Weitere Informationen:

  • www.Deutscher Kinderschutzbund Dortmund.eu
  • www.spendobel.de
  • www.Schürmann-Kindmann und Partner.de
  • Die Ingenieurssozietät Schürmann-Kindmann und Partner ist beratend, prüfend und begutachtend im Bauwesen tätig. Beispielhaft für Dortmunder Bauvorhaben sind der RWE-Tower und der BVB-Fanshop. Ein aktuelles noch in der statischen Prüfung befindliches Projekt ist der Neubau des Diakoniezentrums im Defdahl.
  • „Spendobel“ macht sich seit 2001 für soziale Projekte mit einem Bezug zu Dortmund stark. Das Spendenparlament ist eine Initiative der Evangelischen Kirche und wirbt für die Projekte Spendengelder. Diese können zu hundert Prozent in die sozialen Vorhaben einfließen weil der Evangelische Kirchenkreis die Kosten für Verwaltungsrecht- und Öffentlichkeitsarbeit trägt. Bisher hat „Spendobel“ weit über eine Million Euro eingeworben.
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Ein Gedanke zu “„Spendobel“ unterstützt den Kinderschutzbund Dortmund bei der sensiblen Arbeit mit traumatisierten Kindern

  1. „Spendobel“ (Pressemitteilung)

    Unterstützung für soziale Projekte in Dortmund: „Spendobel“ nimmt neue Anträge entgegen

    „Spendobel“, das Dortmunder Spendenparlament, nimmt ab sofort bis Ende April neue Anträge zur Unterstützung sozialer Projekte entgegen. Jedes gemeinnützige soziale Projekt aus Dortmund kann einen Antrag stellen.

    Die maximale Fördersumme pro Vorhaben beläuft sich auf 10.000 Euro. Seit 2001 macht sich „Spendobel“ stark für soziale Projekte mit einem lokalen Bezug zu Dortmund. „Spendobel“ wirbt für sie Spendengelder ein. Die Spenden fließen zu hundert Prozent in die Projekte.

    Alleine im letzten Jahr hatte „Spendobel“ 68.000 Euro für zehn soziale Vorhaben eingeworben. Darunter waren u.a. das Projekt „Wohnraum für wohnungslose Menschen“, die Elterninitiative „Schiffskoje“ und der Förderverein der Mira-Lobe-Schule.

    Weitere Infos zu den Projektanträgen und zu „Spendobel“ gibt es unter der Telefonnummer 0231/8494 – 348 oder per Mail (spendobel@ekkdo.de). http://www.spendobel.de

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