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Souveräner Umgang mit Asyl-Notunterkunft: Stadtdirektor räumt Probleme ein und stellt sie umgehend ab

Feuerwehr und Johanniter haben die Hallen für Flüchtlinge hergerichtet.

Feuerwehr und Johanniter hatten die Hallen für Flüchtlinge hergerichtet.

Souveräner kann man mit Protesten nicht umgehen: Umgehend hat Stadtdirektor Jörg Stüdemann auf die von Flüchtlingen formulierte Kritik an ihrer Unterbringung in der Notunterkunft in den Brügmann-Sporthallen reagiert und mit einer Vielzahl von Stellen zügige Abhilfe organisiert. (nordstadtblogger.de berichtete)

Stadt reagiert binnen Stunden und bestätigt Kritikpunkte

Nur sechs Stunden nach der Übergabe des von mehr als der Hälfte der 280 Betroffenen unterschriebenen Hilferufs im Stadthaus fand ein Krisentreffen mit Sozialamt, Ordnungsamt, Gesundheitsamt, Immobilienwirtschaft und Feuerwehr sowie den Johannitern als Betreiber und den Flüchtlingen vor Ort statt.

Bereits am Morgen scheinen viele Probleme lösbar. „Es ist ein fast unerträglicher Zustand, wenn man sich da mehrere Wochen aufhalten muss“, räumt Stüdemann ein. „Dass Schreiben hat uns schon berührt und alle Kritikpunkte waren berechtigt.

Richtige Betten und mehr Privatsphäre – Verlegungen angekündigt

Feuerwehr und Johanniter haben die Hallen für Flüchtlinge hergerichtet.

Die Pritschen werden zeitnah  gegen Betten mit Matratzen ausgetauscht.

Denn anders als in anderen Unterkünften gibt es hier keinerlei Privatsphäre. Nicht einmal Spinde stehen zur Verfügung, um die wenigen Habseligkeiten sichern zu können.

Auch die Pritschen, die eigentlich als Notbehelf für eine Nacht gedacht sind, eignen sich nicht für dauerhafte Übernachtungen. Die Feuerwehr wird daher zeitnah die Pritschen gegen richtige Betten mit Matratzen austauschen.

70 Menschen, die schon seit November  – also seit der Eröffnung – in der Notunterkunft sind, werden in den nächsten Tagen in andere Einrichtungen verlegt. Vor allem Familien sollen in Quartiere, wo es mehr Ruhe und Privatsphäre gibt.

Mehr Übersetzer, Essen und Getränke sowie intensivere Reinigung

Die Sporthallen bieten sich an, weil hier schon eine Sanitär-Infrastruktur zur Verfügung steht.

Die Feuerwehr wird Wasserspender aufstellen, damit die Menschen nicht in den Waschräumen trinken müssen.

Außerdem hat Stüdemann Mitarbeiter und Menschen aus der Zivilgesellschaft herangezogen, die verstärkt beim Übersetzen helfen. „Die Adlerstraße hat gezeigt, dass vernünftige Kommunikation viel Verunsicherung nimmt“, so Stüdemann.

Der Reinigungsdienst wird intensiviert. Außerdem wird die Feuerwehr Wasserspender aufstellen, damit die Menschen auch zwischen den Mahlzeiten etwas trinken können, ohne sich das Wasser in Waschräumen abfüllen zu müssen.

Ebenfalls nachgesteuert wird bei der Verpflegung – sie soll den unterschiedlichen Ethnien und Kulturen angepasst werden. „Es geht ja nicht an, dass sich manche nur von Suppe, Weißbrot und Käse ernähren“, berichtet Stüdemann. Aus Syrien, Nordafrika und dem Balkan kommen die meisten der Menschen in der Einrichtung.

Das Problem der fehlenden Wäschewaschmöglichkeiten werde sich vor Ort aber nicht lösen lassen. Hier soll die Ausgabe von Reinigungsgutscheinen Abhilfe geschaffen werden.

Verbesserte Aufenthalts- und Freizeitmöglichkeiten für die Flüchtlinge in den Sporthallen

Die Sporthallen im Brügmannzentrum werden kurzfristig Notunterkunft für Flüchtlinge.

Die Menschen können sich nur bisher nur auf ihren Pritschen oder vor dem Gebäude aufhalten.

Außerdem wird es Gespräche mit Institutionen und Gruppen in der Nachbarschaft geben, um Freizeitaktivitäten zu realisieren.

Denn nach der Belegung auch der zweiten Halle können sich die Flüchtlinge nur auf ihren Pritschen in der Halle oder eben vor dem Gebäude aufhalten. Rückzugsmöglichkeiten oder Privatsphäre gibt es nicht – ebenso wie Betätigungsmöglichkeiten.

„Es tut uns leid, dass die Menschen solche Probleme haben. Aber ich finde es gut, dass sie sich gemeldet haben“, unterstreicht der Stadtdirektor. „Wir haben unter Beweis gestellt, dass wir vernünftig mit den Menschen umgehen wollen.“

Dringender Appell an Hauseigentümer: Stadt will Wohnungen anmieten

Stadtdirektor  Jörg Stüdemann.

Stadtdirektor Jörg Stüdemann erweist sich als souveräner und zupackender Problemlöser.

Stüdemann appellierte daher dringlich an Hauseigentümer, freien Wohnraum zu melden. „Wir haben hier viele nette Familien“, warb er um Angebote.

Sorgen müssten sich die Eigentümer nicht machen. „Die Stadt wird die Wohnungen anmieten – es gibt also keine Probleme mit Mietnomaden.“ Das Sozialamt werde bei der Belegung auf Vermieterwünsche eingehen und sich um die Mieter kümmern.

Außerdem warb er um Angebote, wenn Firmen oder Institutionen ehemalige Wohnheime, Lehrlings- oder Mitarbeiterunterkünfte zur Verfügung stellen könnten. Diese seien eben deutlich schneller und einfacher herzurichten, als bei Umbauten von anderen Funktionsbauten. „Das wäre uns eine ganz große Hilfe“, so Stüdemann. Anbieter können sich bei der Stadt melden – Telefon: 0231-500.

Stadt will die Brügmann-Sporthallen nach Möglichkeit bis März wieder räumen

In Eving wurde der Bevölkerung die Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Hauptschule vorgestellt

Aktuell wird die ehemalige Hauptschule in Eving mit Flüchtlingen belegt.

Schließlich halte man an dem Ziel fest, möglichst viele Menschen dezentral in Wohnungen unterzubringen und vor allem die Brügmannhallen bis Ende März wieder freizubekommen.

Sie werden dringend für den Schul- sowie den Vereinssport benötigt. Dies sei möglich, weil dann weitere Unterkünfte zur Verfügung stünden, die besser geeignet und ausgestattet seien.

Doch Versprechungen kann und will Stüdemann nicht machen. Dies gelinge nur, wenn der Zufluss auf dem aktuellen Niveau bleibe. Aktuell kommen 50 bis 80 neue Flüchtlinge pro Woche. Eigentlich sollten die Hallen nur bis Jahresende 2014 genutzt werden.

Stadt wird nicht überrannt: „Dortmund kann die Flüchtlinge gut verkraften“

Die Spendenbereitschaft aus der Bevölkerung ist groß - die Kleiderkammer füllt sich.

Die Spendenbereitschaft aus der Bevölkerung ist groß – die Kleiderkammern sind gut gefüllt.

Kritik, die Stadt würde überrannt, weist Stüdemann aber deutlich zurück: „Wir haben keinen Massenansturm, sondern höchstens einen Zustrom auf konstant hohem Niveau. Die Stadt kann die Flüchtlinge verkraften.“

Bis zum Jahresende 2015 rechnet er bei konstantem Zufluss mit 2000 weiteren Flüchtlingen. „Dortmund hat im vergangenen Jahr 6.000 Neubürger begrüßt – nur 500 davon waren Flüchtlinge“, macht Stüdemann deutlich. Der Wohnungsmarkt könne dies gut verkraften. Das einzige Problem sei die aktuelle Ballung, wo noch nicht eine entsprechende Anzahl von Zwischenunterkünften zur Verfügung stünde.

Daher werde weiterhin auch die Unterstützung und Spendenbereitschaft der Dortmunderinnen und Dortmunder gebraucht. Für die zahlreichen Sachspenden dankte Stüdemann der Bevölkerung.

Die bisher geplanten Notunterkünfte in Dortmund:

  • Adlerstraße (Innenstadt-West), 120 Plätze, in Betrieb
  • Sporthallen Brügmann-Block, 300 Plätze, in Betrieb
  • Hauptschule Osterfeld Eving, 180 Plätze, startet aktuell
  • Bonifatius-Grundschule Scharnhorst, 60 Plätze, Start: Ende Februar
  • Containerunterkunft Morgenstraße Brackel, 150 Plätze, Start: März
  • Containerunterkunft Mergelteichstraße Hombruch, 300 Plätze, Start: März
  • Hauptschule am Ostpark (Innenstadt-Ost), 120 Plätze, Start: Anfang Februar
  • ehemalige Polizeiwache Hörde, 100 Plätze, Start:  März

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