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Selbsthilfe in Dortmund in Corona-Zeiten: „Es ist uns nicht vorstellbar, diese Gespräche per Video zu führen“

Das Team der Selbsthilfe-Kontaktstelle in Dortmund: v.l. Petra Keßebohm, Monika Hecking, Sabine Wojjczak, Kirsten Danner und Gaby Köhler. Foto: Archivfoto

Beim Fußball bestimmt das Regelwerk die Verlängerung. Perspektive: Zweimal 15 Minuten. In den Selbsthilfegruppen bestimmt die Pandemie die Verlängerung. Perspektive: Unklar, Unsicherheit. Seit dem zweiten Lockdown im Dezember letzten Jahres sind Treffen von Selbsthilfegruppen (wieder) grundsätzlich untersagt. Die Mitarbeiterinnen der Selbsthilfe-Kontaktstelle fassen Erfahrungen zusammen.

Alternativen und Erfindungsgeist wiegen auch in Dortmund nicht alles auf

„Wir haben zu ca. 250 Gruppen in Dortmund unmittelbaren bzw. mittelbaren Kontakt. Von denen haben sich geschätzt ein Drittel nach dem ersten Lockdown vorsichtig wieder in Präsenz getroffen – wenn auch unter eingeschränkten Bedingungen“, weiß Monika Hecking. Auch all diejenigen Gruppen, die abgewartet und auf eine Wiederaufnahme ihrer Treffen im neuen Jahr gehofft haben, sehen sich mit einer Verlängerung der Auszeit konfrontiert.

Selbsthilfe spielt im psychosozialen Leben von Betroffenen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich eine tragende Rolle. Nun müssen Alternativen her: Telefonate untereinander, Chats via Messenger und Spaziergänge sind die erste Wahl. Video-Treffen, Telefonkonferenzen und Co. finden nur langsam Einzug in den Selbsthilfegruppenalltag. Denn nur eine Minderheit wählt den technischen Weg. 

Hecking zitiert aus einem Telefonat kürzlich mit einem Gruppenmitglied: „Wir sind alle nicht so technikaffin. Und ehrlich: Bei unserem Gruppenthema wird es sehr persönlich. Es ist uns nicht vorstellbar, diese Gespräche per Video zu führen.“ Die Nähe fehlt, das Spüren der Anderen. Diese Auswirkungen erleben auch die Interessierten, die bisher noch in keiner Selbsthilfegruppe waren. 

Während die Bundesliga weiter geht – darf in der Selbsthilfe niemand auf’n Platz. Das ist kein Spiel – das ist Ernst. 

Die letzte Ausgabe des Selbsthilfe-Forums finden Sie als pdf-Datei im Anhang des Artikels.

Kirsten Danner hat Erfahrungen mit gewünschten Neugründungen von Selbsthilfegruppen: „Es gibt reichlich Interessent*innen für neu aufzubauende Gruppen, aber Gründungen sind derzeit praktisch nicht umsetzbar.“ Es fehle die Kontinuität, die Treffmöglichkeiten – auch bereits vor Beginn des neuen Lockdown. Gerade am Anfang einer neuen Gruppenarbeit seien das aber die wesentlichen Faktoren. 

Die Selbsthilfe-Kontaktstelle unterstützt, wo sie kann. Telefonate mit Gruppen, virtuelle gruppenübergreifende Angebote usw. So fanden Online-Themenabende zu Resilienz oder zur finanzieller Förderung von Selbsthilfegruppen Anklang bei den Gruppenmitgliedern. Über einiges davon ist im aktuellen SelbsthilfeNewsletter, den die Kontaktstelle alle zwei Monate herausgibt, zu lesen. 

„Auf www.selbsthilfe-dortmund.de können Sie reinschnuppern“, so Sabine Wojczak. „Auch über das Mit-Gestalten des Newsletters sind Selbsthilfegruppen aktiv.“ So sind Selbsthilfegruppen gefordert: Viele kleine Trainingseinheiten gibt es in der Selbsthilfe. Trotzdem sitzen alle während der Verlängerung auf der Wartebank.

Während die Bundesliga weiter geht – darf in der Selbsthilfe niemand auf’n Platz. Das ist kein Spiel – das ist Ernst. Aber Optimismus ist dabei. Und das ist auch im Fußball eine Grundvoraussetzung. Im Anhang des Artikels steht ihnen die letzte Ausgabe des Selbsthilfe-Forums als pdf-Datei zur Ansicht oder zum Download zur Verfügung.

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