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Selbsthilfe in Dortmund in Corona-Zeiten: „Es ist uns nicht vorstellbar, diese Gespräche per Video zu führen“

Beim Fußball bestimmt das Regelwerk die Verlängerung. Perspektive: Zweimal 15 Minuten. In den Selbsthilfegruppen bestimmt die Pandemie die Verlängerung. Perspektive: Unklar, Unsicherheit. Seit dem zweiten Lockdown im Dezember letzten Jahres sind Treffen von Selbsthilfegruppen (wieder) grundsätzlich untersagt. Die Mitarbeiterinnen der Selbsthilfe-Kontaktstelle fassen Erfahrungen zusammen.

Alternativen und Erfindungsgeist wiegen auch in Dortmund nicht alles auf

„Wir haben zu ca. 250 Gruppen in Dortmund unmittelbaren bzw. mittelbaren Kontakt. Von denen haben sich geschätzt ein Drittel nach dem ersten Lockdown vorsichtig wieder in Präsenz getroffen – wenn auch unter eingeschränkten Bedingungen“, weiß Monika Hecking. Auch all diejenigen Gruppen, die abgewartet und auf eine Wiederaufnahme ihrer Treffen im neuen Jahr gehofft haben, sehen sich mit einer Verlängerung der Auszeit konfrontiert.

Selbsthilfe spielt im psychosozialen Leben von Betroffenen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich eine tragende Rolle. Nun müssen Alternativen her: Telefonate untereinander, Chats via Messenger und Spaziergänge sind die erste Wahl. Video-Treffen, Telefonkonferenzen und Co. finden nur langsam Einzug in den Selbsthilfegruppenalltag. Denn nur eine Minderheit wählt den technischen Weg. 

Hecking zitiert aus einem Telefonat kürzlich mit einem Gruppenmitglied: „Wir sind alle nicht so technikaffin. Und ehrlich: Bei unserem Gruppenthema wird es sehr persönlich. Es ist uns nicht vorstellbar, diese Gespräche per Video zu führen.“ Die Nähe fehlt, das Spüren der Anderen. Diese Auswirkungen erleben auch die Interessierten, die bisher noch in keiner Selbsthilfegruppe waren. 

Während die Bundesliga weiter geht – darf in der Selbsthilfe niemand auf’n Platz. Das ist kein Spiel – das ist Ernst. 

Die letzte Ausgabe des Selbsthilfe-Forums finden Sie als pdf-Datei im Anhang des Artikels.

Kirsten Danner hat Erfahrungen mit gewünschten Neugründungen von Selbsthilfegruppen: „Es gibt reichlich Interessent*innen für neu aufzubauende Gruppen, aber Gründungen sind derzeit praktisch nicht umsetzbar.“ Es fehle die Kontinuität, die Treffmöglichkeiten – auch bereits vor Beginn des neuen Lockdown. Gerade am Anfang einer neuen Gruppenarbeit seien das aber die wesentlichen Faktoren. 

Die Selbsthilfe-Kontaktstelle unterstützt, wo sie kann. Telefonate mit Gruppen, virtuelle gruppenübergreifende Angebote usw. So fanden Online-Themenabende zu Resilienz oder zur finanzieller Förderung von Selbsthilfegruppen Anklang bei den Gruppenmitgliedern. Über einiges davon ist im aktuellen SelbsthilfeNewsletter, den die Kontaktstelle alle zwei Monate herausgibt, zu lesen. 

„Auf www.selbsthilfe-dortmund.de können Sie reinschnuppern“, so Sabine Wojczak. „Auch über das Mit-Gestalten des Newsletters sind Selbsthilfegruppen aktiv.“ So sind Selbsthilfegruppen gefordert: Viele kleine Trainingseinheiten gibt es in der Selbsthilfe. Trotzdem sitzen alle während der Verlängerung auf der Wartebank.

Während die Bundesliga weiter geht – darf in der Selbsthilfe niemand auf’n Platz. Das ist kein Spiel – das ist Ernst. Aber Optimismus ist dabei. Und das ist auch im Fußball eine Grundvoraussetzung. Im Anhang des Artikels steht ihnen die letzte Ausgabe des Selbsthilfe-Forums als pdf-Datei zur Ansicht oder zum Download zur Verfügung.

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„Wer – wenn nicht ich?“: Magazin „Selbsthilfe-Forum“ liefert wieder nützliche Informationen zur Krisenbewältigung

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4 Gedanken über “Selbsthilfe in Dortmund in Corona-Zeiten: „Es ist uns nicht vorstellbar, diese Gespräche per Video zu führen“

  1. AOK nimmt ab sofort Anträge entgegen: Selbsthilfegruppen in Dortmund sollten jetzt Projektfördergelder beantragen (PM) Beitrags Autor

    AOK nimmt ab sofort Anträge entgegen: Selbsthilfegruppen in Dortmund sollten jetzt Projektfördergelder beantragen

    Seit Jahresbeginn haben gesundheitsbezogene Selbsthilfegruppen in Dortmund wieder die Möglichkeit, neue Fördermittel bei der AOK NordWest für spezielle Selbsthilfeprojekte zu beantragen. Eine offizielle Abgabefrist für die Anträge gibt es nicht. Die Mittel sind begrenzt. Auch wenn die Corona-Pandemie im abgelaufenen Jahr so manchem Selbsthilfeprojekt einen Strich durch die Rechnung gemacht hat: „Wir rufen alle heimischen Selbsthilfegruppen ausdrücklich dazu auf, in diesem Jahr neue Projekte anzugehen und dafür Fördergelder rasch zu beantragen, bevor das Selbsthilfebudget ausgeschöpft ist“, rät AOK-Serviceregionsleiter Jörg Kock.

    Die Selbsthilfe ist ein fester Bestandteil des Gesundheits- und Sozialsystems. Sie ergänzt und unterstützt in Eigeninitiative das professionelle Angebot der gesundheitlichen Versorgung in Deutschland. „Die Patienten und deren Angehörige lernen in der Selbsthilfegruppe gemeinsam mit anderen Betroffenen, wie sie mit der Erkrankung besser umgehen und die damit verbundenen Probleme bewältigen können. Durch die engagierte Arbeit in den Selbsthilfegruppen wird die Lebensqualität der Betroffenen gesteigert“, sagt Kock.

    Für die AOK NordWest ist und bleibt die Selbsthilfeförderung deshalb ein wichtiges Anliegen. Sie unterstützt diese Arbeit und stellt Gruppen projektbezogene Fördermittel für ihr Engagement zur Verfügung. Förderfähige Projekte sind beispielsweise Selbsthilfetage, Jubiläen oder besondere gruppenspezifische Vorhaben. Damit Patienten auch in Corona-Zeiten von ihren Selbsthilfegruppen profitieren können, sind nun kreative Ideen gefragt, wie Projektaktivitäten auch ohne persönliche Präsenz durchgeführt werden können. „Wir empfehlen unseren hiesigen Selbsthilfegruppen, entsprechende Online-Seminare zu besuchen, in denen Kompetenzen vermittelt werden, wie digitale Gruppentreffen zu organisieren sind. Aus ersten Erfahrungsberichten wissen wir, dass auch via Telefon- und Videokonferenzen wertvolles Gruppengefühl entstehen kann. Auch gibt es interessante Online-Seminare, die Achtsamkeit und Resilienz fördern“, teilt Kock mit.

    Informationen zu förderfähigen Projekten gibt es bei Martina Ries unter der Rufnummer 0800 2655-506739. Weitere Informationen zu den Förderanträgen finden Interessierte im Internet unter aok.de/nw Stichwort ‚Selbsthilfe‘.

  2. Digitale Selbsthilfegruppe „Chronische Schmerzen im Alltag“ im Aufbau (PM) Beitrags Autor

    Digitale Selbsthilfegruppe „Chronische Schmerzen im Alltag“ im Aufbau

    In Dortmund soll eine die Selbsthilfegruppe „Chronische Schmerzen im Alltag“ aufgebaut werden. Die Selbsthilfe-Kontaktstelle Dortmund unterstützt beim Aufbau der neuen Gruppe. Da dies derzeit als „klassische“ Selbsthilfegruppe vor Ort nicht möglich ist, wird die Gruppe zunächst online starten – aber auch persönliche Treffen sind möglich, sobald es die Situation wieder zulässt. In der Gruppe soll es um Folgendes gehen:

    Chronische Schmerzen können verschiedene Ursachen haben. Oft sind es Entzündungen oder Fehlfunktionen des Nervensystems. Aber auch Krankheiten wie Rheuma oder Arthrose führen oft zu schmerzhaften Zuständen.
    Trotz der unterschiedlichen Ursachengibt es einige Gemeinsamkeiten: Sie sind eine große Belastung für die Betroffenen. Herkömmliche Schmerzmittel helfen oft nicht oder nicht so gut und die Lebensqualität ist eingeschränkt.

    Hier steht der Austausch im Vordergrund:
    Wir berichten von unserer Situation. Wir geben uns Tipps und Hinweise, was uns bei den Schmerzen hilft. Wir geben unsere Erfahrungen weiter. Wir sprechen über Strategien, die es leichter machen, im Alltag mit den Schmerzen zu leben.

    Weitere Informationen und Anmeldung bei der
    Selbsthilfe-Kontaktstelle Dortmund
    Ostenhellweg 42-48 | 44135 Dortmund
    Tel.: 0231 52 90 97
    E-Mail: selbsthilfe-dortmund@paritaet-nrw.org
    Internet: http://www.selbsthilfe-dortmund.de

  3. Selbsthilfegruppen sind wichtige Stütze in der Pandemie (PM) Beitrags Autor

    Selbsthilfegruppen sind wichtige Stütze in der Pandemie

    Eine bundesweite Befragung der NAKOS von Selbsthilfekontaktstellen spiegelt auch Dortmunder Erfahrungen wieder.

    „Trotz Kontaktbeschränkungen sind Selbsthilfegruppen gerade für Menschen in der Pandemie-Situation eine wichtige Stütze. Selbsthilfekontaktstellen erbringen weiterhin verlässliche Beratungsangebote zur gemeinschaftlichen Selbsthilfe“, so fasst die NAKOS (Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen) Ergebnisse einer Befragung zusammen. Im Januar 2021 wurden 340 Selbsthilfe-Kontaktstellen in Deutschland befragt – die Kontaktstelle in Dortmund war eine von 174, die sich an der Online-Studie beteiligte.

    Selbsthilfekontaktstellen in Zeiten der Pandemie

    Wie in Dortmund ging es auch anderen Kolleg*innen in der Selbsthilfe-Unterstützung. Die meisten haben ihre Arbeit uneingeschränkt (52,6 %) oder eingeschränkt fortgeführt (32,2 %). Damit waren sie weiterhin während der schwierigen Zeit der Pandemie Ansprechpartner*innen für an Selbsthilfe interesseierte Betroffene und Angehörige. Bei einem Fünftel der Einrichtungen gab es sogar mehr Anfragen als üblich.

    „Da leisten die Selbsthilfekontaktstellen wichtige Unterstützungs- und Aufklärungsarbeit beispielsweise zu verbindlichen Hygiene- und Abstandsregeln in den Gruppenräumen (83,7 %), zu digitalen Formaten (Handhabung, Datenschutz, digitale Gruppenregeln; 68,6 %) und für die Organisation von Räumen für Gruppentreffen (68,6 %)“ – so die NAKOS. Die Kontaktstelle in Dortmund macht da ähnlich zutreffende Erfahrungen.

    Anfragen zu psychischen Erkrankungen

    Die Anfragen an Selbsthilfekontaktstellen spiegeln die Lage wieder, in denen sich viele Menschen befinden: Fast alle Selbsthilfekontaktstellen (91,8 %) erhielten Anfragen zu psychischen Erkrankungen/Problemfeldern. Im Vordergrund standen dabei Probleme im Zusammenhang mit Vereinsamung/Isolation, Depression, Angst/Panik/Zwänge. Ebenfalls wurden vermehrt Anfragen zu Suchtproblemen und Abhängigkeiten verzeichnet – bei über der Hälfte (62,9 %) der Selbsthilfekontaktstellen.
    Gruppenarbeit – der Austausch ist vielfältig: Telefon, E-Mail, Videokonferenz und Präsenztreffen

    Die Kontaktbeschränkungen veränderten den Austausch in den Selbsthilfegruppen. Nach Einschätzung der befragten Kontaktstellen halten fast alle der Gruppen telefonisch (99,4 %) oder über E-Mails (89,5 %) den Kontakt zueinander. Als Ersatz für Präsenz-Treffen kommen vermehrt Video- und Telefonkonferenzen (inklusive Messenger-Diensten) zum Einsatz. „Laut der Selbsthilfeberater*innen werden derzeit unterschiedliche Formen des Treffens angewandt: Knapp zwei Drittel der Gruppen (64,7 %) nutzt ausschließlich digitale Austauschformate oder kombiniert solche Formen des Gruppentreffens mit Präsenztreffen (68,2 %) – sogenannte Hybridtreffen. Über 40% der Gruppen haben ihre Treffen im Moment eingestellt. In Dortmund ist der Gruppenaustausch in Präsenz eher die Ausnahme. Vereinzelt nutzen Gruppen aus dem Sucht-Bereich die Ausnahmemöglichkeit der Coronaschutzverordnung (§7 (2).

    Ungewöhnliche Orte für Gruppentreffen

    Für Präsenztreffen mit Einhalten der Abstands- und Hygieneauflagen gehen Selbsthilfegruppen auch ungewöhnliche Wege. Da gibt es z. B. Spaziergänge, Treffen in Parks, Gärten oder auch Scheunen. Auch teilen sich die Gruppen in kleinere Einheiten oder sogar in 2er-Teams auf – es geht auch bei diesen Treffen darum, das Infektionsrisiko zu schmälern. „Hierbei merken die Gruppenmitglieder, dass diese veränderte Form der Kommunikation zum Teil mehr Aufmerksamkeit auf jeden einzelnen lenkt und so ein intensiverer Austausch stattfinden kann.“

    Gruppengründungen trotz der Pandemie

    Gruppengründungen gibt es auch in Pandemie-Zeiten – so lesen sich die Rückmeldungen der befragten Selbsthilfeberater*innen. „Am häufigsten genannt wurden Themen wie Isolation/Vereinsamung, wirtschaftliche Sorgen, Existenzängste, häusliche Gewalt, Depression, Phobien, Trauer und Hochsensibilität.“

    Ein neues Gruppenthema: Corona-Selbsthilfegruppen. Laut der NAKOS-Befragung suchen bundesweit Covid-19-Langzeiterkrankte und Angehörige Gleichbetroffene, um sich auszutauschen. Die NAKOS hat dazu eine Übersicht erstellt. Diese ist Bestandteil einer umfangreichen Info-Sammlung ‚Selbsthilfe und Corona‘.
    Hier vor Ort ist an die Kontaktstelle noch keine Gründunganfrage zum Thema Corona oder Covid-19 Erkrankung gestellt worden, aber auch dafür ist die Selbsthilfe-Kontaktstelle Dortmund natürlich offen. Interessierte bekommen einen ersten Einblick zu Gruppengründungen auf den Internet-Seiten der Selbsthilfe-Kontaktstelle Dortmund.

    Quelle/Zitate: https://www.nakos.de/aktuelles/nachrichten/key@7953

  4. Aufbau einer neuen Selbsthilfegruppe Lungenkrebs (PM) Beitrags Autor

    Aufbau einer neuen Selbsthilfegruppe Lungenkrebs

    In Dortmund soll eine neue Selbsthilfegruppe ‚Lungenkrebs‘ ins Leben gerufen werden. Angesprochen sind Selbst-Betroffene und Angehörige. Die Selbsthilfe-Kontaktstelle unterstützt den Initiator dabei. Er schreibt zu seinem Gründungswunsch: Gemeinsam sind wir stark! Ein Gewinn für alle!

    Der Kampf gegen den Lungenkrebs ist vermutlich das Heftigste, was man sich vorstellen kann. Ich beschreibe das immer als Dauerlauf, der einfach nicht aufhören will. Eine Belastung vor allem für den Betroffenen, aber auch für die Angehörigen.

    Eine Selbsthilfegruppe, welche die Betroffenen stärkt und die Angehörigen unterstützt, kann nur ein Gewinn sein. Wir sitzen gemeinsam in einem Boot und gemeinsam fällt uns vielleicht einiges nicht ganz so schwer.

    Das Ziel:Austausch mit Menschen, welche das gleiche Problem haben ● Individuelle Erfahrungen sammeln ● Vorbilder finden ● Aufklären ● mehr über die Therapien, wie z.B. zielgerichtete, erfahren. Und das alles zum Vorteil für uns alle.

    Treffen: einmal im Monat – anfangs Pandemie-bedingt noch digital.

    Du bist interessiert? Dann setzt dich mit der Selbsthilfe-Kontaktstelle Dortmund in Verbindung: Telefon: 0231 52 90 97, E-Mail: selbsthilfe-dortmund@pariaet-nrw.org, Internet: http://www.selbsthilfe-dortmund.de

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