Sascha Habian über den Dortmunder Hafen: „Hier verbindet sich für mich alles.“

Nodstadtblogger-SERIE: Dortmund im Sommer (2)

Bild zeigt: Sascha Habian am Umschlagplatz
Sascha Habian am Umschlagplatz H. Sommer

In den Ferien ist es ruhiger in der Stadt, die Politik macht Pause, Sauregurkenzeit eben. Eine Gelegenheit, Dortmund aus einer anderen Perspektive zu zeigen. Wir wollen Menschen treffen, bekannte und weniger bekannte Menschen und uns von ihnen ihr Dortmund zeigen lassen. Welche Orte bedeuten Ihnen etwas? Was verbinden Sie mit der Stadt und mit den Menschen, die hier leben. Heute: Sascha Habian.

Ein Kind der Nordstadt – geprägt von Vielfalt

Die besten Geschichten findet man auf der Straße, heißt es. Aber manchmal auch in der Umkleide seines Sportvereins. Sascha und ich waren morgens beim Training und kamen ins Gespräch. Als ich angezogen war, verabschiedete ich mich und ging – bis zum Tresen im Sportverein. Dort hielt ich einen Moment inne, drehte um und fragte Sascha, ob er für unsere Serie zur Verfügung steht. Er sagte gerne zu. ___STEADY_PAYWALL___

Bild zeigt: Sascha Habian in der Hafenschule
Sascha Habian in der Hafenschule H. Sommer

Der Umschlagplatz ist ein, hm, Containerlokal zwischen Speicherstraße und Hafen. Dort treffen wir uns und lassen die Szenerie auf uns wirken. Gegenüber liegt eine alte Lagerhalle, langsam quält sich ein Güterzug vorbei. Man hört lautes Hämmern, träge schaukelt die St. Monika gegenüber im Wasser. Es wirkt fast etwas surreal, verfallende Gebäude und gleichzeitig liegt eine geschäftige Aufbruchsstimmung in der Luft.

Der Umschlagsplatz ist leider noch geschlossen, wir gehen erstmal zur Hafenschule. Sascha ist ein Kind der Nordstadt. Mit kroatischen Eltern, hier geboren und am Nordmarkt aufgewachsen. Die Freunde der Kindheit sind und waren Menschen aus aller Welt. „Ich bin froh, so multikulturell aufgewachsen zu sein, es hat mir geholfen, weltoffen zu sein.“

Bild zeigt:
Sascha Habian am Umschlagplatz H. Sommer

Nostalgie und Begeisterung liegen in der Luft, als Sascha ergänzt – oder zu seinem Thema kommt: „Zu den Freunden zum Essen eingeladen zu werden, da bin ich als Kind unbefangen mitgegangen. Aber irgendwann merkt man, dass dieses, jemand in sein Haus zu bitten, an seinen Tisch zu lassen, stolz dieses Stück Kultur, das heimische Essen zu teilen, etwas ganz Besonderes ist“, schwärmt Sascha.

„Geschenktes Vertrauen, Zutritt in einen intimen Bereich der Familie, der nicht jedem gewährt wird und damit etwas unglaublich Verbindendes. Ich glaube auch, dass das alle Kulturen irgendwie teilen.“

Wieder in der Hafenschule, Sascha kennt die Sorgen und Nöte

Bild zeigt: Sascha Habian in der Hafenschule
Sascha Habian in der Hafenschule H. Sommer

Plötzlich werden wir unterbrochen. Eine junge Frau mit Kopftuch hält freudestrahlend mit ihrem Fahrrad neben uns an, springt förmlich auf Sascha zu, die beiden begrüßen sich sehr herzlich.

Mit leuchtenden Augen erzählt sie, dass sie seit Montag bei der Stadt Dortmund in einer Ausbildung zur Erzieherin ist. Sascha war ihr Lehrer, er freut sich sichtlich mit ihr. Offensichtlich kommt er bei seinen Schüler:innen gut an.

„Die gemeinsame Herkunft aus der Nordstadt hilft mir sicher. Ich kenne ihre Sorgen und Nöte“, sagt er einfach dazu. Er erzählt mir, dass er Schüler an der Hafenschule war. Sein heutiger Kollege war früher sein Chemielehrer.

Bild zeigt: Sascha Habian in der Hafenschule
Sascha Habian in der Hafenschule H. Sommer

Um sich etwas Geld zu verdienen, arbeitet er in der Spülküche im Sternerestaurant an der Hohensyburg, macht dann dort eine Ausbildung zum Koch. Über verschiedene Stationen gelangt er ins Management, wird Anzugträger. Irgendwann fragt er sich, ob das wirklich sein Weg ist.

Und vielleicht weil es so sein soll, erfährt er von einer Stelle als Aushilfslehrer an der Hafenschule. Er holt die didaktische Qualifizierung nach und ist dort jetzt fest angestellt.

Sein Dortmund am Hafen: „Dortmund weiß seinen Hafen zu wenig zu schätzen“

Warum wolltest du mir unbedingt den Umschlagplatz zeigen, frage ich ihn. „Hm, Dortmund weiß seinen Hafen zu wenig zu schätzen. Und hier in dieser Gaststätte sitze ich zwischen Speicherstraße und Kanalgarten, direkt an der Wasserkante.“

Bild zeigt: Sascha Habian am Umschlagplatz
Sascha Habian am Umschlagplatz H. Sommer

„Die Qualität stimmt, die Preise stimmen, es geht immer ein leises Lüftchen und wenn die Sonne Richtung Hafenamt untergeht, ist man am besten Platz in Dortmund. Außerdem verbindet sich hier alles. Das Multikulturelle treffe ich hier, Gäste aus allen Schichten und aller Herren Länder.“

Es herrscht eine großartige Atmosphäre. Und er wird nachdenklich, als er sagt, dass alle seine Erfahrungen hier an die richtigen Stellen fallen. Seine Liebe zum Essen und Kochen, das Verbindende beim gemeinsamen Essen, das immer eine gewisse Intimität hat. In der Schule fragt er die Kinder nach ihren Lieblingsgerichten.

Milchreis, antwortet ein junges Mädchen aus Aleppo. Als er erfährt, dass die Mutter verstorben ist, kocht die ganze Klasse nach dem Rezept der Mutter den Milchreis. Ihren Stolz, ihre Zufriedenheit zu sehen, dass nach dem Rezept der Mutter gekocht wird, dass die ganze Klasse mitmacht, diese Momente möchte ich nicht mehr missen, sagt Sascha.


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