
In den Ferien ist es ruhiger in der Stadt, die Politik macht Pause, Sauregurkenzeit eben. Eine Gelegenheit, Dortmund aus einer anderen Perspektive zu zeigen. Wir wollen Menschen treffen, bekannte und weniger bekannte Menschen und uns von ihnen ihr Dortmund zeigen lassen. Welche Orte bedeuten Ihnen etwas? Was verbinden Sie mit der Stadt und mit den Menschen, die hier leben. Heute: Petra Siery und der offene Bücherschrank
Der offene Bücherschrank und ein Gespräch
Kennengelernt haben wir uns zufällig. An einem öffentlichen Bücherschrank in Hombruch komme ich mit einer Frau ins Gespräch. Sie sortiert dort Bücher und schafft Ordnung – freiwillig und ohne Auftrag.

Ich stelle ein Buch zurück, wir sprechen über Dortmund und darüber, was die Menschen mit ihrer Stadt verbindet. Für die einen ist es Ehrenamt oder der Fußball, für die anderen das Leben in der Stadt oder am Rande der Stadt.
Ich frage sie spontan, ob sie sich vorstellen kann mitzumachen, und gebe ihr die Mailadresse der Redaktion. Einige Tage später schreibt sie tatsächlich. Als ich sie frage, welchen Ort in Dortmund sie mir zeigen möchte, muss sie nicht lange überlegen: ihren Garten.
Kaffee, trockener Humor und neue Heimat
Dort treffen wir uns zu einem Kaffee. Während ich die Ruhe auf mich wirken lasse, erzählt Petra. Sie stammt aus einem kleinen Dorf. Der Vater ist Künstler, sie erfüllt zunächst seinen Wunsch und lernt Handweberei.

Ihre erste Stelle findet sie 1984 in Dortmund. In den Werkstätten-Gottessegen verbindet sie ihr Handwerk mit der Betreuung von Menschen mit Behinderung.
„Ich habe sie oft als die besseren Menschen wahrgenommen, sie können nicht lügen, sie sind immer sehr direkt.“
Dieses direkte und offene gefällt ihr – auch an den Menschen in ihrer neuen Heimat. Ebenso wie ihr trockener Humor, der sie oft begeistert.
Petra trifft die Menschen an ihrem Bücherschrank, den sie jetzt betreut. Sie ist so froh, diese Aufgabe zu haben. „Die Arbeit in den Werkstätten, die Betreuung der Menschen hat mir viel gegeben.
„Der Garten hat uns gerettet“
Dann ist das plötzlich weggefallen. Mit dem Bücherschrank habe ich etwas Neues gefunden. Das ist ein richtiger Begegnungsort, ich kümmere mich gerne darum, ich bin darüber sogar Mitglied in einem Lesezirkel geworden.“

Wir schenken einen Kaffee nach, versinken etwas in dem Erzählten. „Der Garten hat uns gerettet“, platzt es plötzlich aus ihr heraus. „Es gab in Corona den Lockdown, meine Tochter hatte eine kleine Wohnung in der Nordstadt, meine Enkelin war erst ein Jahr alt. Wir durften raus, hierhin, wir hatten wirklich Glück hier zu wohnen und diesen Garten zu haben“.

Petra kommt ins Schwärmen über Dortmund und über das viele Grün. Viele Auswärtige rümpfen die Nase, sie haben ein völlig falsches Bild von der Stadt. Sie liebt den Westpark, den Rombergpark, den Ostfriedhof, der für sie auch ein Park ist.
„Hier in meinem Garten habe ich mein Dorf wiedergefunden“. Und nach einer kleinen Pause ergänzt sie. „An meinem Bücherschrank treffe ich so viele Menschen. Dort habe ich so viele Begegnungen. Wenn ich durch Hombruch gehe, treffe ich diese Menschen, wir grüßen uns, wir unterhalten uns, wir kennen uns. Wie es zuhause eben ist.“

Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

