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„Plastic Relations“ im RWE-Tower: Von Dortmunder Mauer-Poeten und digitaler Street-Art

Reigen 02 von Mark Gmehling (gegenseitige Belauerung, keiner gibt etwas preis von sich, Beziehungslosigkeit)

Reigen 02 von Mark Gmehling (gegenseitige Belauerung, keiner gibt etwas preis von sich, Beziehungslosigkeit)

Von Simone Melenk

„Er war mein Held“, sagt der Dortmunder Mark Gmehling (Jahrgang 1974) über den Dortmunder Wolfgang Krell (Jahrgang 1969). Die Szene traf sich an der Poet-Mauer, kannte jede Signatur in jeder Straße, und die Dose war das Dogma.

Heute zollt Krell dem Kollegen eine Menge Respekt, weil der mittlerweile in Berlin, London und New York eine Nummer ist. Für die Ausstellung „Plastic Relations“ haben sich die beiden Graffiti-Pioniere zum ersten Mal Wände geteilt. Längst sind sie mit ihrer Streetart an völlig anderen Orten der Welt, der eine analog, der andere digital unterwegs. Ihr Aufeinandertreffen in Dortmund – auch noch indoor und nicht auf der Straße – ist deshalb so ungewöhnlich wie einmalig.

Wolfgang Krell greift mit voller Kraft und Körpereinsatz seine riesigen Leinwände an

Plasticrelations: Wolfgang Krell (links) und Mark Gmehling vor der großen Gemeinschaftsarbeit in alter, guter Graffiti-Tradition. Ein Händedruck mit Gummihandschuhen. Fotos: Simone Melenk

Plasticrelations: Wolfgang Krell (links) und Mark Gmehling  in alter, guter Graffiti-Tradition. Ein Händedruck mit Gummihandschuhen. Fotos: Simone Melenk

Lange vorbei die Zeiten der gefilzten Farben und illegalen Aktionen. Heute werden den beiden Künstlern Wände angeboten. Und Geld gibt’s auch noch.

Im RWE Tower haben sie sich die weißen Flächen gerecht geteilt. Wolfgang Krell greift mit voller Kraft und Körpereinsatz seine riesigen Leinwände an. Mit überdimensionierten Revolvern zielt er auf sein Publikum, provoziert archetypische Reaktionen und immer sucht er den Konflikt. Ein ganzes „Waffenlager“ hat er mitgebracht, grell-bunt und auch bedrohlich.

Schreibtisch statt Straße bei Mark Gmehling

Mark Gmehling sitzt mittlerweile tagelang am Computer und gibt seiner Digital Art statt auf der Straße am Schreibtisch den letzten Schliff. Seine von Hand gezeichneten Figuren erweckt er am PC als Polymere zum Leben. So perfekt ihre gesichts- und geschlechtslose Gestalt, so kaputt ihr Dasein: absurd, trivial, emotions- und beziehungslos. Seine Kunststoff-Kerlchen leben in einer künstlichen Welt und erzählen trostlose Geschichten.

Für den RWE Tower hat Mark Gmehling seine Kunst geprintet. Manchmal erobern die glänzenden Gestalten aber auch den Raum – wenn er sie vorher in den 3D-Drucker schickt.

INFO:

„Plastic Relations“ – Mark Gmehling und Wolfgang Krell  – Mark Gmehling ist bis zum 24. Oktober im Dortmunder RWE Tower, Freistuhl 7, zu sehen. Die Ausstellung ist montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Frühere Ausstellungen im RWE-Tower:

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