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PENG! Die Theaterwerkstatt des Westfalenkollegs macht den drohenden Weltuntergang zum Nummernkabarett

Peng - von größeren und kleineren Katastrophen im Theater Im Depot

Peng heißt die neue Inszenierung desr Theater-Werkstatt des Westfalen-Kollegs. Fotos: Klaus Hartmann

Von Rolf Pfeiffer

Daran gibt es nichts zu deuteln: Bald macht es peng und aus die Maus. Ein grüner Planet rast auf die Erde zu und wird wohl mit ihr kollidieren. Kann man nichts gegen machen. Was also macht man bis zum schrecklichen Finale? Theater spielen zum Beispiel, wie am Wochenende im Depot.

Stück „nach Motiven von Kurt Schwitters“ entwickelt

Peng - von größeren und kleineren Katastrophen im Theater Im Depot

Eine stringente Handlung gibt es nicht – nur eine lockere thematische Klammer.

Die Theaterwerkstatt des Westfalenkolleg hat sich des drohenden Weltuntergangs angenommen und ein Stück daraus gemacht. Es heißt sinnfällig „Peng!“ und entstand, wie das Programmfaltblatt dezent vermerkt, „nach Motiven von Kurt Schwitters“. Dieser nun, ein Kunstrevolutionär in der turbulenten Aufbruchstimmung nach dem Ersten Weltkrieg, hatte 1927 ein Opernlibretto verfaßt, das das nämliche Weltuntergangsszenarium zum Thema hat.

Über 60 Personen sollten mitwirken, und so weit bekannt ist nie eine „richtige“ Oper daraus geworden – was andererseits natürlich nahelegt, dem Stoff mit eigener Instrumentierung Leben einzuhauchen. Und genau das tun die jungen Leute von der Theaterwerkstatt mit viel Bewegung, Tanz und glücklicherweise auch Humor. Und mit einer Unzahl von weißen Plastikstühlen, die nicht alle das Ende der Veranstaltung unbeschadet erleben. Es geht im Tumult des Bühnengeschehens auch einiges zu Bruch.

Drohender Planeteneinschlag ist eher eine lockere thematische Klammer

Stringente Handlung gibt es nicht, der drohende Planeteneinschlag ist eher eine lockere thematische Klammer, symbolisiert durch eine weiß angestrahlte Kugel an der Decke, deren Helligkeit im Laufe der Veranstaltung zunimmt. Ab und zu sammelt sich das achtköpfige Ensemble unter dieser Kugel und blickt ängstlich nach oben.

Ansonsten präsentiert sich der Weltuntergang als mal mehr mal weniger chaotisches Nummernkabarett, in dem ein muskulöser „Polizist“ erfolglos Ordnung herbeiregeln will, in dem früh ein grauer Kuschelbär verlorengeht und in dem etliche Mitwirkende ihre bejubelten solistischen Auftritte haben, Homeboys und Homegirls offenbar, bei denen das Publikum vorher schon weiß, worauf es sich freuen kann.

„Peng!“ als eine Art präinfernales Typenkabinett

Peng - von größeren und kleineren Katastrophen im Theater Im Depot

Peng – von größeren und kleineren Katastrophen im Theater Im Depot.

So wird „Peng!“ auch zu einer Art präinfernalem Typenkabinett, in dem der drohende Untergang streckenweise in den Hintergrund tritt. Da gibt es eine schwarzhaarige Schönheit, deren Problem indes ist, daß sie kaum ein Wort herausbringt, so sehr sie sich auch anstrengt; eine kleine giftige Prinzessin beschimpft das Publikum, ein Feuerwehrmann kündigt für den weiteren Verlauf des Abends noch eine Brandstiftung im Zuschauerraum an, und so fort. Außerdem gelangen Gedichte von Schwitters zum Vortrag, Liebeslyrik gar, doch kommen sie in der vorwiegend burlesken Hektik des Bühnengeschehens nicht so recht zur Geltung. Nun ja.

Schließlich versuchen Erdbewohner zu Klängen von „Major Tom“ im Raumschiff (sechs Plastikstühle) die Erde zu verlassen, was lustige Bilder in vermeintlicher Schwerelosigkeit (mit Teddy) ergibt, letztlich aber keine Rettung ist. Und Cut.

Recht heterogenes Ensemble konnte überzeugen

Dem eingangs schon erwähnten Programmfaltblatt ist zu entnehmen, daß hier „Teilnehmer der Volkshochschule Dortmund, Studierende des Westfalen-Kollegs Dortmund, ehemalige Studierende und Studenten der Ruhruniversität Bochum“ gemeinsam auf der Bühne stehen. Ein recht heterogenes Klübchen mithin, was man dem Spiel auch anmerkt, einige Akteure wirken hoch professionell, andere weniger. Mit einem solchen Personal zu einer passablen Ensembleleistung zu gelangen ist sicherlich nicht ganz einfach, hier aber überzeugend gelungen. Frenetischer Schlußapplaus.

Gesamtleitung und Regie liegen bei Mechthild Janssen und Klaus Pfeiffer

Es spielen und tanzen: Elikem Anyigba, Suzan Demir, Victoria Ebel, Laura Gebauer, Manuel Mesa Mendoza, Florina Mesa Mendoza, Mathis Pollmann und Anna-Carina Rysi.

Gesamtleitung und Regie liegen bei Mechthild Janssen und Klaus Pfeiffer. Choreographie: Birgit Götz, Schauspieltraining: Johannes Janßen, Licht: Peter Fotheringham.

Die nächsten Termine: Freitag 23. und Samstag 24. Mai, 20 Uhr im Theater im Depot, Immermannstraße 29, Dortmund-Nordstadt: Karten Tel. (0231) 9822336 oder ticket@theaterimdepot.de.

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