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„Ohne uns lief gar nichts auf den Schienen“: Marcel Kunze und sein Weg zum Erfolg – Bestnote trotz Corona-Crashkurs

v.l. Dirk Vogel, Geschäftsführer der dispo-Tf Holding GmbH; Stephan Gante, Arbeitsvermittler der Agentur für Arbeit Dortmund im Team Reha und Marcel Kunze, Wagenmeister. Foto: Thomas Terhorst/Agentur für Arbeit Dortmund

Die Corona-Pandemie hat uns alle fest im Griff, in den vergangenen Wochen wurde viel über Kurzarbeit und steigende Arbeitslosigkeit gesprochen und geschrieben. Doch es gibt auch Lichtblicke in Zeiten von Corona: Der 33-jährige Dortmunder Marcel Kunze ist seit seiner Geburt an gehörlos. Nur mit einer Hörprothese ist das Agieren in der Arbeitswelt für ihn ohne Hindernisse möglich. Eigentlich wollte sich der Dortmunder zum Lokführer umschulen, doch dann kam alles anders als erwartet. 

Sehkraft durchkreuzt zunächst die ursprünglichen Pläne des gehörlosen Marcel 

Triebfahrzeugführer – so lautete der Berufswunsch des 33-jährigen Marcel Kunze. Nach ausführlichen Beratungsgesprächen vermittelte die Agentur für Arbeit Dortmund dem 33-Jährigen die elfmonatige Qualifizierung bei der dispo-Tf Education GmbH. Doch was viele nicht wissen: Für das Führen von Fahrzeugen auf der Schiene müssen Bewerberinnen und Bewerber zunächst einen sensorischen Eignungstest durchlaufen.  ___STEADY_PAYWALL___

In einer allgemeinen körperlichen Untersuchung werden hier unter anderem das Sehvermögen, die Farbentüchtigkeit oder auch das Hörvermögen getestet. Für das Erfassen von Signalen sind diese Tests besonders wichtig, ähnlich wie bei einem Piloten. Genau hier kam alles anders als erwartet: „Nicht meine Gehörlosigkeit hinderte mich am Beruf des Schienenfahrzeugführers, sondern meine Augen“, erklärt er.

„Das hat mich natürlich überrascht. Im Alltag habe ich überhaupt keine Beeinträchtigungen. Klar war ich enttäuscht, aber ich kann es schon verstehen – für das Erkennen aller Signale auf der Schiene muss die Sehkraft natürlich 100 Prozent stimmen, das war bei mir nicht so“, erzählt Marcel Kunze.

Ideale Alternative: Marcel Kunze schloss Umschulung mit Bestnote ab

Schnell war für ihn klar: Eine Alternative musste her. Nach Beratungsgesprächen mit der Agentur für Arbeit entschied er sich für eine Umschulung zum Wagenmeister. Der Wagenmeister im Güterverkehr führt technische Untersuchungen und Bremsproben an Güterwagen durch. Er überprüft Wagen auf Schäden und Mängel und entscheidet selbstständig, ob der jeweilige Wagen für die Reparatur aus dem Zug ausgesetzt werden muss. Für Marcel Kunze war das die ideale Alternative.

„Die Umschulung zum Wagenmeister hat Marcel Kunze mit Bravour gemeistert und sogar mit Bestnote abgeschlossen“, erklärt der Bildungsträger. Schnell stand für das Eisenbahnverkehrsunternehmen fest, Marcel Kunze nach der Ausbildung als festangestellten Wagenmeister zu übernehmen.

Doch nun habe es ein weiteres Problem gegeben: Der 33-Jährige hatte keinen Führerschein, dieser ist für diese Tätigkeit allerdings Pflicht. Doch da der Arbeitsvertrag bereits vorlag, konnte der Führerschein ebenfalls über die Agentur für Arbeit finanziert werden. „Den Arbeitseintritt wollten wir gerade in Zeiten von Corona unbedingt möglich machen. Insofern haben wir uns kurzfristig entschieden, per Bildungsgutschein einen Crashkurs für Herrn Kunze zu finanzieren“, berichtet Stephan Gante, Arbeitsvermittler der Agentur für Arbeit Dortmund im Bereich Reha.

Marcel Kunze: „Ich seh‘ die Welt mit anderen Augen“

Seit Mitte April ist Kunze nun festangestellt und bereut seine Entscheidung nicht. „Man ist viel draußen“, erzählt er. „Ich sehe die Welt jetzt aus ganz anderen Augen. Hier draußen bekommt man ganz andere Seiten zu sehen, als im Büro oder in einer Werkstatt, das ist wirklich aufregend.“ Und da das Bahnwesen von Corona weniger betroffen sei, habe er im Moment überaus zu tun. 

Das sei gut so. Gestern war er in Moers, „heute wieder in Bochum“, so Kunze. „Wir sind eine Art TÜV für Waggon. Ich kontrolliere die betriebliche und verkehrstechnische Funktionsfähigkeit – ohne uns lief gar nichts auf den Schienen.“ Auch die dispo-Tf zeigt sich von Herrn Kunze überzeugt: „Was wir von seinen Kollegen hören, ist durchweg positiv. Er ist wissbegierig und ehrgeizig. Man spürt seine Begeisterung für den neuen Job.“

 

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