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OB: „Die Innenstädte sind nicht tot, sondern stehen vor einer neuen Blütezeit“ – doch dafür braucht’s gemischte Nutzungen

Der Leerstand im Westfalenforum ist offensichtlich - ein Blick in die verschmutzten Schaufenster.

Der Leerstand im Westfalenforum ist offensichtlich – ein Blick in Schaufenster. Archivbild: Alex Völkel

Schöner wohnen, kaufen, arbeiten und leben in der City? Die Stadt Dortmund möchte – gemeinsam mit möglichst vielen Akteur*innen – die Quartiere innerhalb des Wallrings und die City insgesamt zukunftssicher und zukunftsfähig machen. Ein wichtiger Hebel soll dabei das zu schaffende City-Management werden. Die ersten Pflöcke sind – gemeinsam mit der „City-Runde“ – eingeschlagen worden: Das Dortmunder Planungsbüro „Stadt+Handel“ wird den Weg dahin begleiten und auch die Dialogprozesse auf dem Weg dorthin organisieren. Denn die Herausforderungen sind groß: Vor nicht weniger als einem Strukturwandel stehe der Einzelhandel.

Der Einzelhandel in der Dortmunder City steht vor einem Strukturwandel wie früher Kohle, Stahl und Bier

Weihnachtsshopping oder Umtauschstress - in der City ist es rund um Weihnachten extrem voll.

Verkaufsoffener Sonntag in der City – kaum mehr vorstellbar in Zeiten von Corona.  Archivbild: Alex Völkel

OB Thomas Westphal wies auf den Bedarf hin, aktuelle Veränderungsprozesse aktiv zu begleiten. Denn auch im Oberzentrum Dortmund steht die Innenstadt vor großen Herausforderungen. Ein Strukturwandel – vergleichbar mit dem bei Kohle, Stahl und Bier – stehe insbesondere dem Einzelhandel bevor.

Der seit längerem zu beobachtende Strukturwandel im Einzelhandel wird durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie massiv beschleunigt und bringt das Erfordernis mit sich, neue Nutzungen und Funktionen für die Innenstadt zu denken und zu fördern. 

Eine klare Botschaft: „Die Innenstädte sind nicht tot, sondern stehen vor einer neuen Blütezeit – zumindest dann, wenn wir gemischte Nutzungen hinbekommen“, blickt Westphal darauf, dass künftig nicht mehr nur der Einzelhandel der Taktgeber für die City sei. Insbesondere auch die Eigentümer*innen der Immobilien sind gefordert, an dem Strukturwandel mitzuwirken. 

Denn die Zeiten, wo der Handel jeden Preis für die Erdgeschosslagen zahlen könnte, seien vorbei, so der OB. Wenn man ein Veröden der Einkaufsmeilen verhindern wolle, brauche es einen Wandel in den Strukturen. „Was zu leisten ist, ist nicht gering. Aber wir stimmen nicht ein in die Tonlage, dass die City tot ist. Wir wollen sie gezielt weiterentwickeln“, so Thomas Westphal. 

Deutliche Impulse zur stadtstrukturellen und wirtschaftlichen Stärkung der City

Während der Pandemie herrschte in der City über weite Strecken gähnende Leere. Foto: Hannes Czech

Während der Pandemie herrschte in der City über weite Strecken gähnende Leere. Foto: Hannes Czech

Dabei gehe es darum, nicht nur den Handel, sondern auch Gastronomie, Wohnen, Arbeiten, Erlebnis und Kultur zu stärken, macht Planungsdezernent Ludger Wilde deutlich: „Auf dem Höhepunkt der Pandemie haben wir gesehen, wie öde Einkaufsstraßen sein können. Wir können nicht weitermachen wie bisher“, möchte Wilde einen neuen Weg einschlagen. „Dafür müssen wir aber andere mitnehmen – insbesondere die Privaten“.  

Dabei sollen nicht dieselben Fehler wiederholt werden wie in der Brückstraße. „Da haben wir das vor 10 bis 15 Jahren erlebt. Im Erdgeschoss war Halligalli und die Obergeschosse standen leer. Wir befürchten für die gesamte City ähnliche Entwicklungen, wenn man nichts macht“, bricht der Planungsdezernent eine Lanze für die Nutzungsvielfalt.

Mit dem nun gestarteten Prozess werden unter Einbindung der Akteure der Innenstadt die konzeptionellen Grundlagen zum Anstoß eines Citymanagements erarbeitet. Dieses soll deutliche Impulse zur stadtstrukturellen und wirtschaftlichen Stärkung der Dortmunder City setzen und sowohl Aspekte der Stadtentwicklung als auch des Stadtmarketings behandeln. 

Gemeinschaftlich werde ein Weg eingeschlagen, der ein zukünftiges Bild der Dortmunder City zeichnen soll. Dieser Weg wird in den nächsten 18 Monaten durch das Büro „Stadt+Handel“ begleitet. Das Dortmunder Unternehmen wurde nach einer Ausschreibung und einer (Online-) Präsentation vor einer breit besetzten Jury einvernehmlich ausgewählt. 

Lebensraum statt nur Einkaufsmeile: „Story der City“ soll neu geschrieben werden

Die Projektleiter Jens Nußbaum und Stefan Postert vom Büro „Stadt +Handel“. Foto: Alex Völkel

Die Projektleiter Jens Nußbaum und Stefan Postert vom Büro „Stadt +Handel“. Foto: Alex Völkel

Die Zusammensetzung der Jury dokumentiert dabei den umfassenden Ansatz: Vertreten waren Akteur*innen des Cityrings, des Handelsverbandes, der IHK, der Politik sowie verschiedener Fachbereiche der Verwaltung.

Sie waren sich einige darin, dass die „Story der City neu geschrieben“ werden müsse – und wollen einen ganzheitlichen Ansatz, der die City als urbanen Lebensraum begreift – und nicht nur als Einkaufsmeile.

Die Projektleiter beim Büro „Stadt+Handel“, Jens Nußbaum und Stefan Postert, blicken der spannenden Aufgabe bereits mit Tatendrang entgegen. Mit ihrer Arbeit wollen sie Impulse für eine vielfältige Nutzungsmischung und die Profilierung der einzelnen Innenstadtquartiere setzen. 

Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem partizipativen Ansatz zu: Mit zahlreichen Gesprächen und kreativen Online- und Offline-Formaten werden die Unternehmen und Institutionen, die Immobilieneigentümer*innen, die Bewohner*innen sowie die Besucher*innen der Innenstadt einbezogen und der Prozess auf eine breite Basis gestellt. Ziel ist es, bestehende Netzwerke zu stärken und – wo nötig – neue Bündnisse zu schmieden.

Herausarbeitung von Quartieren und von Ansätzen für eine Profilbildung und Positionierung

Die Brückstraße mit Blick auf die Reinoldikirche.

Die Brückstraße mit Blick auf die Reinoldikirche – ein zentrales City-Quartier. Archivbild: Klaus Hartmann

Wie soll das nun in den nächsten Monaten ablaufen? In einem ersten Schritt sind durch das Büro sogenannte „Speed-Datings“ zum Kennenlernen der aktiven Köpfe der Dortmunder Innenstadt sowie Begehungen der City-Quartiere geplant. Nach den Sommerferien wird – wenn möglich in Präsenz – eine Impuls-Veranstaltung stattfinden, die Input und Inspiration für die Innenstadtentwicklung bieten wird. 

Weitere Bausteine in dem Prozess sind die Herausarbeitung von Quartieren der City und von Ansätzen für eine Profilbildung und Positionierung der Quartiere und der City insgesamt sowie Beteiligungsformate und Öffentlichkeitsarbeit für eine aktivierende Prozessgestaltung. Hinzu kommen Maßnahmenvorschläge für Nutzungen und Immobilien. Weitere Facetten werden der Städtebau und öffentlicher Raum sowie Kommunikation, Marketing und Digitalisierung.

Herauskommen sollen zudem Empfehlungen für Kooperations- und Managementstrukturen in den Quartieren und der City insgesamt. Parallel sollen mit „temporären Interventionen“ Maßnahmen für eine zukunftsgerechte Innenstadtentwicklung sichtbar werden.

Als Ergebnis werde eine Innenstadt-Story für Dortmund stehen: Ein detailliertes und vor allem kooperativ erarbeitetes „Regiebuch“, das durch das Citymanagement als verstetigtes Bündnis für die Dortmunder City umgesetzt wird, kündigen die Projektleiter an. Im Verlauf des Prozesses soll dann auch das Profil für das eigentliche Citymanagement entwickelt werden.

Unternehmen der Dortmunder City sind „motiviert und aus voller Überzeugung“ dabei

Die Krüger-Passage am Westenhellweg. Foto: Alex Völkel

Die Krüger-Passage am Westenhellweg. Foto: Alex Völkel

In der City-Runde kommen die Planungen gut an: „Wir – die Unternehmen der Innenstadt – sind motiviert und bringen uns aus voller Überzeugung in diesen Prozess zur Stärkung der Dortmunder City ein“, kündigte Tobias Heitmann, Vorsitzender des Cityrings Dortmund, an.

„Das Zusammenspiel von Stadt, Innenstadtunternehmen, Immobilien­eigentümer*innen sowie den Kammern und Verbänden ist der einzig richtige Weg. Der Handlungsdruck in der City ist zweifellos gegeben, mit dem nun gestarteten Vorhaben haben wir aber auch eine passende Antwort gefunden“, glaubt Ulf Wollrath, Geschäftsführer Handel und Dienstleistungen bei der IHK Dortmund. 

„Nach den letzten für uns alle schwierigen Monaten geht es auch darum, eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen. Der Ansatz, in die einzelnen Quartiere der City zu gehen, wird uns dabei helfen, die City als lebendiges und multifunktionales Zentrum zu stärken“, ergänzt Thomas Schäfer, Geschäftsführer des Handelsverbandes Nordrhein-Westfalen, Westfalen-Münsterland. 

„Es wird darum gehen, eine gute Balance zwischen notwendigen kurzfristigen Maßnahmen und den strategischen Weichenstellungen für die Innenstadtentwicklung zu finden. Wenn uns das gelingt, werden wir noch viele positive Botschaften zur Dortmunder City hören, sehen und erleben“, verdeutlicht Susanne Linnebach, Leiterin des Amtes für Stadterneuerung, die Aufgabe aus Verwaltungssicht. 

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